Logbuch
FREUNDLICH SEIN.
Als Lob höre ich über einen Dritten, er kümmere sich um die Seinen. Das gefällt mir irgendwie. Die Zuwendung zum Leben wird in Sorge um den Nächsten konkret; wenn in Maßen, versteht sich.
Dies ist keine Predigt, nur eine Randnotiz. Was die Leute so reden. Beim Bäcker sagt mein Vordermann zu meinem Hintermann ein anerkennendes Wort über einen davonschlurfenden Nachbarn, der seine Familie brav mit Brötchen versorgt. Er kümmere sich um die Seinen.
Das Wort ist beiläufig, aber von Gewicht. Sich wenigstens um seine Familie kümmern; Freunde, so man noch welche hat, bedenken. Eine lapidare ANNOTATION, aber aus einer anderen Welt. Es gibt so vieles, was dabei nicht erwähnt wird. Was jener besitzt, was er denkt, was er wählt, ob BitCoins zu empfehlen sind, wer gerade wo fremdgeht, was das Heizöl kostet …
Jener kümmert sich um die Seinen. Der Dichter Brecht nannte es FREUNDLICHKEIT; eine Tugend, zu der ihm sein Schicksal als politischer Emigrant wenig Gelegenheit bot. Das Pathos ohne jedes Pathos. Ein FAMILIENMANN, ein anständiger Kerl. Und in dem Werbespot, den ich gestern auf „Claasical FM“ hörte, nannte eine sonore Norwegerstimme das dazugehörige Dreigestirn: „Honesty, kindness and hard work.“
So denkt im Grunde seines Herzens das christliche Gesindel protestantischer Prägung.
Logbuch
WE WILL MEET AGAIN.
Merkel kann raffiniert sein, da ist sie tückischer als es scheint. Und mit einem durchaus unverschämten Humor. Sie kann den Großen Lieben Gott wie die wunderbare Knef wie die irre Nina Hagen in einem Atemzug mit ihrer eigenen Person nennen.
Zum Großen Zapfenstreich, einer militärischen Ehrung, dürfen die dort Gelobten, also jetzt sie, sich zum Abschied drei „zivile“ Lieder wünschen. Merkel wählt, durchaus wohlüberlegt, die Knef („Auf mich soll es Rosen regnen…“) und Nina Hagen („Farbfilm vergessen“). Eine Ossi-Posse und ein großes Lied einer großen und wirklich schönen Frau.
Na ja, die beiden Schlager und das Pastorale Pathos GROSSER GOTT WIR LOBEN DICH. Das Kirchenlied kenn ich noch, Ninas Farbfilm kannte ich auch und das Knef-Lied habe ich gerade noch mal gehört. Ein beachtlicher Text. Ich bin gerührt. Tolle Frau (die Knef).
Jetzt aber: WAS WÄHLTEN WIR DENN, wenn (!) wir geehrt würden. Nur mal so, angenommen. Na? Jetzt mal Butter bei die Fische. Wenn Merkel schon Punk nimmt und die Roadmanagerin von „Ton Steine Scherben“ gerade Kulturstaatsministerin wird, wo gibt es da noch subkulturelle Unterbietungen? Frank Zappa und die „Mothers of Invention“? „Amon Düül“? Nein.
Da hilft nur bieder und brav bleiben. Deshalb nähme ich:
„Die Gedanken sind frei“ (Walter von der Vogelweide/Hoffmann von Fallersleben)
Und dann: „We will meet again“ (Lady Vera Lynn).
Schließlich natürlich das „Steigerlied“ („Glückauf, Glückauf, der Steiger kommt“); soviel Montan-Kitsch muss sein unter „kreuzbrave Leut“: „Sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht und saufen Schnaps“.
Logbuch
ZUCKERSTEUER.
Ein kräftige Strafsteuer auf den Einsatz von Zucker sollte die AMPEL bringen, hat sie aber wohl nicht. Eine Niederlage für die GRÜNEN? Ein Sieg der FDP? Das wäre wichtig.
Noch nichts Genaues weiß man nicht. Die AMPEL steht im Prinzip und noch nicht in Person (-en). Und Programm. Das hat macht der Olaf schlau. Oder der Robert. Oder der…. Wie heißt dieser Lindner eigentlich mit Vornamen? Es geht mir jetzt um die PÖNALE auf ZUCKER. Muster der grünen VERBOTSPOLITIK, aber auch der Gesundheitspolitiker anderer Fraktionen.
Übermäßiger Konsum von geheimen Zusätzen wie OKKULTEM ZUCKER führt zu ungewollter Fettleibigkeit, deren Todesrate höher als die von COVID 19 ist. Diabetes ist die Folge und vieles mehr, wenn Menschen adipös werden. Ich habe Respekt vor den Erkrankten. Der Zucker dazu, so die Annahme, wird ihnen untergeschoben. Widerwillig gemästet werden die Nymphen zu Walrössern.
Die Lebensmittelindustrie begehe diesen Frevel, weil Zucker als Nahrungsmittel zu billig sei. Verteuere man das Teufelszeug, so die Annahme, wird es in der Nahrung reduziert. NESTLE hört dann auf, die Menschen zu mästen, weil es billiger ist. REWE, die Heiligen Hallen haben damit ja schon begonnen, unser Seelenheil zu betreuen.
Gesundheitspolitik als Pädagogicum, eine Art ZWANGSBEGLÜCKUNG, ein altes Konzept. Fortgesetzte Fürsorge nach unfreiwilliger Entmündigung. Vornehmer gesagt: Bedarfslenkung. Zwar nicht direkt über den Geldbeutel der Verbraucher, das gäbe einen Aufstand, sondern indirekt über den der Lebensmittelhersteller, deren Portemonnaies.
Das Modell ist in anderen Ländern erprobt; es funktioniert dort auch in der Theorie, aber nicht im wirklichen Leben. Klares Urteil: Keine signifikanten Verbesserung der Gesundheit der besonders Betroffenen trotz der staatlicher Intervention.
Wenn der Lindner das geschafft hat, diesen Unsinn zu verhindern, darf er mich künftig duzen, der liebe Christian.
Logbuch
Der BILD-Chef strauchelt. Da handeln seine Kollegen bei anderen Blättern nach dem Motto: „Strauchelnde nicht stützen, sondern stoßen!“ So zynisch ist JOURNALISMUS. Ich will jetzt erwähnen, dass ich Julian R. was schulde. Er hat mein komplettes Uni-Seminar zu sich in die Redaktion eingeladen und uns sehr zuvorkommend behandelt. Ein BILDUNGSERLEBNIS für die Studentinnen und Studenten; hätte er nicht gemusst, hat er aber gemacht. Klasse! Nach dem Termin im Treppenhaus bittet er drei Kommilitoninnen, die den dort rumpelnden Paternoster zu meiden suchen, zu sich in die Aufzugskabine. Ich scherze noch, dass ich schon immer mal mit dem SPRINGER-Aufzug nach unten wollte (ein „in-joke“), als er die mitreisenden Damen ermuntert, sich bei ihm um ein Praktikum zu bewerben. Und ich denke: „Loses Mundwerk, gefällt mir, nicht schlecht!“ Die Episode war nett und ohne jede Peinlichkeit; ich war ja dabei. Aber, denke ich heute, mit den Augen des Teufels betrachtet... Mir imponiert nicht, wie zurzeit die Kollegen des BOULEVARD-CHEFS aus anderen Redaktionen ihn, den Strauchelnden, noch stoßen. Und dann erinnere ich mich noch an einen Abend im BORCHARDT, als er mit dem amtierenden Bundesaußenminister am Nachbartisch saß und es nicht er war, der devot die Demutsgesten absonderte. Heiko, genannt DER ANZUG, versuchte sich darin. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Übrigens war die Presseerklärung von SPRINGER zur Suspendierung des Julian R. von EDDA FELS herausgegeben; eine geschätzte Kollegin meiner Profession, eine Pressesprecherin, die auf diesem Stuhl bei Springer mindestens zwanzig, wenn nicht fünfundzwanzig Jahre sitzen muss. Fels in der Brandung.