Logbuch

STRIPTÖSE.

Seltener Fund im Archiv: „Gedanken eines Revuemädchens während des Entkleidungsaktes“ Ein INNERER MONOLG von Bertolt Brecht, 1928, nach Besuch des „Chien Jaune“ am Nollendorfplatz. Geht so: „Mein Los ist es, auf dieser queren Erde / Der Kunst zu dienen als die letzte Magd / Auf dass den Herrn ein Glück bescheret werde / Doch wenn ihr fragt // Was ich wohl fühle, wenn ich mich entblöße / In schönen schlauen Griffen und des Lichts / Der goldenen Lampen teilhaft, als Striptöse / Antworte ich: nichts. / Es geht auf Zwölf. Ich komm zu spät zum Bus. /// Halbvoll: Am Samstag! Heut wird‘s wieder zwölfe. / Mehr Lächeln. Diese Luft ist ein Skandal. / Halt‘s Maul da vorn, ich zeig sie dir schon. Wölfe!“ So geht das Gedicht des Großen BB. Woher ich weiß, wo Brecht war, bevor er dies in sein Notizbuch schrieb? Nun, das Chien Jaune war in Berlin ein Begriff. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Und in der letzten Strophe des Gedichts heißt es: „Den Hintern aber zeig ich heut nicht. // Das Essen / Im Gelben Hund ist so, dass man‘s erbricht.“ Das mit „erbricht“ ist auch dem Endreim auf „nicht“ geschuldet, vermute ich. Aber Belegschaftsessen, schon immer ein Problem in der Gastronomie; soll selbst in Spitzenrestaurants und Sternehotels miserabel sein. Dazu gibt es sicher manchen inneren Monolog, der es nicht in die Weltliteratur geschafft hat.

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VARIA.

Was ist unnützes Wissen? Das ist die Königsdisziplin des Gentleman. Etwa: Was ist der Snack, sprich das eigentliche Stammessen, in HARRYS BAR in PARIS in der Rue Daunou? Nein, keine Nüsse oder gar Erdnüsse oder gar ungeschälte Erdnüsse. Kein asiatisches Salzgebäck oder gar Laugenbrezel. Auf einem Dessertteller in kleine Happen geschnittene Wiener Würstchen mit Zahnstochern.

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DURCHWURSCHTELN.

Von wegen, die Deutschen sind Weltmeister in der Organisation. Strategie: wie noch nie? Quatsch. Als wenn es um nichts ginge. Durchmogeln. Planloses Rumbasteln. Mal Hü, mal hott; so hieß das, als noch Pferde den Karren zogen, wenn man erklären wollte, was die Tiere bekloppt machte. Und der Karren im Mist steckte. Aus dem ihn Peitschenknallen nicht rausbrachte. In Brüssel nennt man diese Flickschusterei, obwohl die EU ansonsten Französisch funktioniert, Englisch: „muddling through.“ Damit ist das Regierungshandeln angesichts der Pandemie zutreffend beschrieben. Ich hoffe, dass wenigstens die Geschäftemacher einen Plan haben; darauf hat man sich bei BIG PHARMA eigentlich immer verlassen können, dass sie ihre Taschen füllen, mit Vorsatz und Kalkül. Aber JENS SPAHN, der Enkel von ANGELA MERKEL und Sohn des ARMIN LASCHET? Ach, der Jenzi. Er erscheint mir schlicht überfordert. Er rudert. Im Management kennt man das aus Unternehmen, in denen mittlere Begabungen den Überblick verloren haben und nun hektisch werden. Die Stunde der Spielernaturen. Fußballvereine werden so geführt, sagt mir ein enger Freund. In der Politik erfinden sie beim Kontrollverlust Metaphern, Auto im Nebel zum Beispiel; man spricht von diesem Strategiedefizit als „auf Sicht fahren.“ Ist das so? Geht es um das Verschließen der Augen oder darum, dass nicht mehr allen und jedermann klar ist, wo die Reise hingehen soll? Mal hü, mal hott. Man spricht mit uns, der eingesperrten Bevölkerung, wie mit dummen Kindern oder kranken Tieren: „Ganz brav, Brauner!“ Da verschiebt sich was unter der Oberfläche ...

Der neue Strategie-Chef, haben wir früher in der Industrie gescherzt, ist Chinese; er heißt: „Watt Nu.“

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WAS IST PR?

Wer sich als Journalist in einer „Mission Wahrheit“ zu politischen Interventionen berufen fühlt, erntet natürlich die Häme der dabei Vorgeführten; davor sollte man die Aufklärer schützen. Meinungsfreiheit gibt es nicht in homöopathischen Dosen. Die rechte Agitation unserer Tage bedarf beherzter Antworten. Da kann man auch mal einen groben Keil auf einen groben Klotz setzen. Das vorweg.

Aber die investigativen Posen des David Schraven von CORRECTIV, die strapazieren unsere Geduld. Jetzt hat auch die FAZ wohlüberlegt den Diskussionsstand zu CORRECTIV festgehalten, neulich Jacobs in der SZ, nun Hanfeld. Ausgeruhte journalistische Federn. Der Alleinvertretungsanspruch der NZZ in dem Kontext ist also eitel, aber geschenkt. Man lese diese drei Blätter bürgerlicher Nachdenklichkeit. Was fehlt? Noch immer ist der Elefant im Raum nicht benannt.

Eine mit anonymen Spenden und Steuergeldern finanzierte Organisation intransparenter Struktur und definitiver ideologischer Haltung  initiiert einen politischen Aufruhr gegen rechte Parteien, indem sie ihr aus dem Innenministerium zugespielte Informationen zu einem Treffen von Remigrationsideologen dahingehend inszeniert, dass eine faschistische Machtergreifung und ein Völkermord analog der Wannseekonferenz drohe und dies als investigativen Journalismus mit angeblich geheimen Filmdokumenten von der geplanten Deportation deutscher Staatsbürger fremder Herkunft begründet, die nicht präsentiert werden. Der politische Kontext ist ein Kampf gegen Rechts, den die Bundesregierung, jedenfalls das Kanzleramt und das Innenministerium, propagiert hat; dem dient man faktisch.

Was immer daran stimmt oder nicht, es handelt sich begrifflich nicht um JOURNALISMUS, sondern um PR. Auch bei anderen ideologischen Vorsätzen von CORRECTIV agiert diese Organisation als PR-Agentur unter Tarnung als Vierter Gewalt und in selbst bescheinigter Funktion des Gemeinwohls, im Interesse „der Gesellschaft“. Das bekannte Argument des Robespierre; Folgen bekannt.

Selbst wenn man den CORRECTIV-Aktivismus prinzipiell für wünschenswert hält, was der Autor dieser Zeilen tut, ist es begrifflich völlig klar, was hier abgeht, politisches PR im Regierungsauftrag. So viel Ehrlichkeit müsste ertragen können, wer den Mut hat, das Allgemeinwohl für seine politische Intervention zu bemühen. Sonst erholt sich die Mission Wahrheit nämlich nicht von ihrer eigenen Lebenslüge.