Logbuch
FREIHEIT VON FORSCHUNG UND LEHRE.
Sie kennen die Ausflüchte der schwarzen Präsidentin von Harvard Claudine Gay (sic), wissen aber nichts von den Tätowierungen des Pete Hegeth? Das wird nicht reichen. Der gelernte TV-Kommentator ist nicht nur Verteidigungsminister im Kabinett Trump II, er ist eine Ikone der Neuen Rechten, die Vor-Herrschaft (sic) will. Harvard wird gerade geschleift. Der ideologische Anspruch dabei ist nicht bescheiden: DEUS VULT; Gott will es.
Das war der Traum der fürsorgenden Mutter, als die sich die Universität versteht: Hier darf erforscht und gelehrt werden, was immer jedes ihrer Kinder sich zutraut. Akademische Freiheit, garantiert von der ALMA MATER. Wertschätzen wird das jeder, der sich historisch das Gegenteil vergegenwärtigen mag. Forscher wurden wegen ihrer Lehrmeinungen vertrieben, verfolgt, verbannt und verbrannt.
Man mag sich an den Zweifel erinnern, ob die Erde als Werk Gottes im Zentrum aller Gestirne steht und Sonne wie Mond um sie kreisen. Daran war ja Zweifel aufgekommen bei denen, die durch ein unseliges Fernrohr blickten oder Schriftgelehrte aus Syrien lesen konnten. Ketzer wurden vernichtet, behielten in der Sache aber Recht. Der kopernikanische Wende.
Jetzt sehe ich eine politische Bewegung in den USA nah der Macht, die die Kreuzzüge als Gottes Wille verehrt; man hat sich das Motto tätowieren lassen. Der Kampf wird dem linken Zeitgeist angesagt: Keine Pronomina, keine Typen in Kleidern, keine Umwelt-Obsessionen mehr. Vielfalt, Gleichheit und Inklusion gelten als Fehlleitung. Mit der Propaganda-Folklore der neurechten Alt-Right werden Universitäten verächtlicht und in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Gestählte Oberkörper mit Jerusalemkreuz statt wokem Wahnsinns.
Zu den Pronomina habe ich bereits alles gesagt, was man dazu sagen kann; ein Spuk. Jetzt aber soll ich ernsthaft über Weiße Überlegenheit reden, jedenfalls gegen den Islam und vor allem jedweden Zug des Liberalen tilgen. Man darf der Aufklärung abschwören. Obwohl religiös gänzlich unmusikalisch klingt das Wort des augustinischen Papstes in mir nach, nach dem das Böse in der Welt sei und nicht obsiegen soll. Ich habe Zweifel, dass eine Flucht hinter die Bücher die neuen Kreuzritter beeindruckt.
Jetzt mal ehrlich: Nie war die Uni eine Idylle. Sie ist das Schlachtfeld, auf dem gerade noch gesichertes Wissen mit neuen Horizonten kämpft. Und die großen Weltanschauungen ihre Söldner rekrutieren. Es war bisher nur Konsens, dass dies dort, unter dem Rock der Alma Mater, mit friedlichen Mitteln passieren soll, jedenfalls nicht mit militärischen, schon gar nicht mit geheimdienstlichen oder einem Heckenschützentum widerlichster Art. Dieser Konsens steht zur Disposition. Nicht mehr und nicht weniger.
Mutter der Weisheit, werde wach. Deine Gatten sind mordlustig. Mal wieder.
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AUS PERU IN DEN ANDEN.
Wir haben einen Papa. In Latein: Habemus papam. Ja, aber was für einen? Zwei hilfreiche Anmerkungen zur Papstwahl, sprich zu Leo XIV, dem Stellvertreter Christi, den sie aus einer Mission in Peru nach Rom geholt haben. But there is more to it!
Es war klar, dass im Konklave ein tiefer Zorn über die billige Anmaßung des amtierenden amerikanischen Präsidenten herrschte, sich selbst im Habit des Papstes zu zeigen, ein gefälschtes Foto, dessen Humor sich jedwedem Menschen jedweder Kultur verschließt. Man kann es als Gotteslästerung lesen. Vor allem aber gehört es zur DNA des Vatikans, solche Ansprüche weltlicher Macht auf die Stellvertretung Gottes zurückzuweisen. Jahrhunderte hat man das müssen.
Zudem hatte Trump sich in der Papstpose, Photoshop sei dank, mit normal großen Händen versehen. So tief kann Narzissmus sitzen. Aber das Stigma der „tiny hands“ gehört zu den Niederungen der politischen Propaganda, die hier und heute keine Rolle spielen soll. Es ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Jedenfalls wollte Rom zeigen, dass es auch Amerikaner von Format gibt. Deshalb ein Papst aus Detroit am Eriesee. Gut so. Das ist gelungen.
Der zweite Hinweis ist bedeutender. Leo XIV ist Augustiner. Auf den Jesuiten auf dem Stuhl Petri folgt ein Augustinermönch. Er sagt das in seiner ersten Predigt im neuen Amt ausdrücklich, dass er ein Kind des Augustiners sei. Nun muss man sich nicht mit der Geschichte der mittelalterlichen Bettelorden auskennen, um den Ausruf „ein Augustinermönch!“ schon mal gelesen zu haben. Sie galten ja als evangelisch und apostolisch, meint als in Armut lebende Missionare. Und Intelligenzbolzen. Ein Augustiner also.
Nun, die Zuschreibung war ein Spottruf aus dem machtbewussten Rom gegen einen Abtrünnigen, der sich über die Finanzierung des Petersdoms mittels Ablasshandel empörte. Ihn wollte man damit deklassieren, was seinen Trotz nur noch steigerte. Hier stehe ich und kann nicht anders. Der Augustinermönch, das war Martin Luther. Das finde ich urkomisch. Deshalb rufe ich dem neuen Herrn der Unfehlbarkeit vom Eriesee in Michigan fröhlich zu: „I wish you well!“
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DIE NEUE MITTE UND IHR FÜRST.
Ich habe Fragen. Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbiel hat gestern im Fernsehinterview gesagt, er (!) sei dafür verantwortlich, dass Friedrich Merz im zweiten Wahlgang dann doch die erforderliche Mehrheit erzielt habe und das habe er (!) aus der „demokratischen Mitte“ des Parlaments gestaltet. Il Príncipe, der Fürst. Jedenfalls der Fürstenmacher.
Erste Frage: Wie hat er das gekonnt? Was ist denn da gelaufen? Zweite: Seit wann gehört die SED-Nachfolge-Partei, die als LINKE firmiert, zur Mitte? War es nicht in Wirklichkeit so, dass die Abwehr der AfD inzwischen vieles bestimmt? Damit wären die Rechtsextremen ex negativo im Einfluss. Paradoxe Wirkung. Vielleicht ist das ja gut so, weil der sogenannte Kampf gegen Rechts eine so hohe Priorität haben muss; sicher bin ich aber nicht. Jedenfalls ist die neue Topographie bipolar: alle sind Mitte, die Rechten die Peripherie.
Überhaupt ist erstaunlich, wie groß der Einfluss des Wahlverlierers SPD auf diese Kanzlerschaft eines CDU-Kanzlers ausfiel. Ich habe sehr genau registriert, dass der neue konservative Kanzler nach seiner dann geglückten Wahl, die SPD-Vorsitzende Saskia 0hne Amt Esken im Parlament geküsst hat. Alta. Die CDU als Pudel der SPD.
Als Genie politischer Gestaltung muss fürderhin Lars Klingbiel gelten, ein Machiavelli unserer Tage; dazu habe ich keine Fragen, ich staune halt nur. Ein Magier der neuen Mitte, zu der alle gehören, die nicht zu Weidels Truppen zählen. Unvereinbarkeit zur Links-Partei dahin. Schuldenbremse vergessen. Prosperität auf Pump. Schmusen mit Saskia. Und das alles hält die Union aus?
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HALLO SCHATZI.
Mit einem englischen Hotelier sprach ich mal darüber, ob ihn an Wochenenden nicht störe, wenn die Jackenjungens bei ihm im Teegarten einkehrten. Nein, sagte er, er behandle die Rocker wie Gentlemen und die würden das wertschätzen. Wenn die Jackenjungs mal einen derben Scherz etwas zu laut machten, pflegte er nur zu rufen „Gentlemen, language!“ und es war prompt wieder Ruhe.
Wie man in den Wald hineinruft. An diese Regel habe ich oft denken müssen, als ich noch Bahn fuhr und die Kundenkommunikation der BahnbeamtInnen im Netz verfolgte. Man sprach einen Pubertätsjargon und duzte frechweg. Man wollte so der systematischen Leistungsverweigerung eine komische Seite abringen. Es war aber nichts anderes als dreiste Respektlosigkeit. Ich meide die Bahn inzwischen, wo ich kann. Die Bahnhöfe gehören ohnehin schon, lese ich, den Messerstechern.
Mir fällt allerdings auf, dass sich Vorstände der bundeseigenen Bude so verhalten, als hätten sie zu ihren Dienstobliegenheiten auch noch ein allgemeinpolitisches Mandat. Eine einzelne Dame äußert sich in dienstlichem Habitus zu allem und jedem. Wie wäre es, wenn sie die dafür geopferte Zeit mal zur Erledigung ihres Jobs nützte? Das woke Krakelen gehört nämlich auch zu der angesprochenen Respektlosigkeit; man ist in allem übergriffig.
Früher war es im Flieger besser. Man pflegte seitens der Flugomas die Paxe wie Herrschaften zu behandeln. Tomatensaft und Lächeln, das war Routine. Das hat sich endgültig durch den irischen Investmentbanker geändert, der den Billigflieger Ryan Air betreibt. Mache ich auch nicht mehr. Ich fliege Business oder bleibe schlicht zuhause, wenn zu teuer. Kein Viehtrieb mehr. Alles andere mache ich mit dem Selbstzünder (vulgo Diesel).
Ich glaube ja nicht an die Batterie, eh klar. Da wird mir von einer koreanischen Elektro-Schüssel berichtet, die mit dem Fahrer spricht. Sie begrüßt den Fahrer beim Einsteigen mit dem Vornamen. Und drückt ihre Freude über den anstehenden gemeinsamen „Ride“ aus, während sie den Sitz einstellt und das Radio. Fehlt nur noch, dass sie den Berliner Proletenjargon einstudiert: „Weil wir Dich lieben, Alta!“