Logbuch

NACHTLEBEN.

Die Nacht ist uns zur Einkehr gegeben, zum Schlaf. Wenn da nicht die Lichter der großen Stadt wären und die Versuchungen der halbdunklen Gassen. Metropoles Zwielicht.

Die osmanische Metropole wandelt sich mit dem Sonnenuntergang völlig. Wo gerade noch ein Universum an Gütern aus den Ladenlokalen prahlerisch in die Gassen des Bazars platzte, kehrt nicht nur Ruhe ein. Die bunte Vielfalt verschwindet völlig hinter grauen Toren. In wenigen Augenblicken herrscht nach außen die Leere von Trutzburgen, die ihr Innerstes nächtens trotzig verbergen.

Die Nacht wird als allgemeines Unheil angenommen, gegen das man sich mit Tür und Tor, Schloss und Riegel zu schützen hat. Das Leben verlagert sich in die Privatsphäre der geschützten Häuser. Hier nimmt Kerzenschein der Dunkelheit ihren Schrecken. Alle Höfe haben zur Straße riesige Tore. Die metropole Architektur etwa Konstantinopels spiegelt jenen Wechsel von einem Extrem ins andere bis heute. Das Nachtleben ist vor allem eins: verborgen.

Mit dem ausgehenden 17. Jahrhundert nehmen die Großstädte des Westens eine andere Wende. In ihnen entsteht nach Sonnenuntergang eine ganz und gar nicht private Vergnügungskultur. Ab 1660 setzt in Paris die Straßenbeleuchtung ein; die Nacht wird zum Tage. Alle Großstädte folgen. Ein Kulturbruch. Das Nachtleben entfaltet ein ganzes Gewerbe. Um höhere Kultur rangt sich Gastronomie vom Restaurant über den Tanzsaal bis zur Eckkneipe. In Deutschland ist dies bis vor 100 Jahren das schrille Berlin, dessen Straßen von Gaslaternen erhellt werden.

Ich lese aus dem 18. Jahrhundert die Briefe einer englischen Botschaftersgattin, die die Ambiguität des stillen Istanbul gegenüber dem wilden London preist. Das Osmanische war eine eigene Hochkultur des Heimlichen, die dem Fremden zu einem Teil verschlossen bleibt. Das grelle Nachtleben der christlichen Pendants beruhte auf etwas tief Trivialem: „street lighting“. Stadtgas.

Heute irritiert „gas lighting“ in viel weiterem Sinne; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

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ASCHERMITTWOCH.

Ab jetzt werden alle Buße tun, auf Fleischliches verzichten, abstinent leben und zwecks Läuterung in Sack und Asche gehen. Weil für den Christenmenschen auf die Sünde die Reue folgt. Wenn er doch noch in den Himmel will.

Ich habe da meine Zweifel, ob dieser Vorsatz unter dem Aschekreuz vierzig Tage, sprich bis Ostern, hält. Mein Blick auf Politik und deren Spiegelung in den Medien ist zwar des Possenspiels müde. Mich amüsiert Karneval nicht. Büttenreden ermüden mich. Albernheit ist mir peinlich. Aber der Karneval wird als Jahrmarkt der Eitelkeit weitergehen.

Im nationalen Staatstheater wird längst Komödie gegeben, während ich auf internationaler Bühne Tragödien aufziehen sehe. Manchmal denke ich, ich sollte meine Anstellung als Souffleur aufgeben, nicht mehr Strippen ziehen und, beispielsweise, die Garderobe übernehmen. Oder Hausmeister? Das wäre was.

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GRADMESSER.

Es gibt Versprecher, die Freudschen, die eine geheime Absicht offenbaren. Oder ganz läppische, die nur Bindungsdefizite zeigen. Wie man einen Bock schießt.

Die amtierende Bundesministerin des Äußeren, die Völkerrechtlerin Baerbock, Grüne, hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Frage nach einem Waffenstillstand im Ukraine-Konflikt in einem bemühten Realschulenglisch dahingehend beantwortet, dass Putin sich dafür um 360 Grad drehen müsse.

Der Spot darüber scheint mir erlaubt, da man als Regierter schon wissen möchte, welch Geistes Kind die Regierenden sind. Es geht schließlich im Krieg und Frieden, also nicht wenig. Und neuerdings eine EU-Initiative, die Rüstungsindustrie endlich zur Produktionserhöhung zu motivieren; was gar nicht leicht scheint. Man könnte latenten Pazifismus attestieren, selbst in diesen Kreisen.

Das AA sollte ins Briefing für die Frau Ministerin das mit der Wassertemperatur aufnehmen. Wasser kocht bei 100 Grad, nicht bei 90. Man darf Wasser nämlich nicht mit dem Rechten Winkel verwechseln.

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MATRIARCHAT.

Die düstere Stimmung in der Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts nennt man ROMANTIK, obwohl dort wenig Romantisches Thema ist. Etwa in der Geschichte von dem Mann, der bei seinem Schatten gewisse Eigenwilligkeiten bemerkt. Er beginnt immer öfter über seine Schulter zu schauen und beobachtet Züge des Eigenlebens. Nachts gar, wenn er sich die Decke über die Ohren gezogen hatte, ging der Schatten aus und kam erst frühmorgens von einem exzessiven Nachtleben zurück.

Man ahnt schon, wie das endet. Der Schatten übernimmt mehr und mehr das Leben des Mannes und dieser ist am Ende nur noch der Schatten seiner selbst. Mit dieser kleinen Geschichte versucht eine amerikanische Zeitung das Verschwinden des Joe Biden hinter seinem Gegner Donald Trump zu beschreiben; inzwischen eine historische Episode, die durch die Inthronisierung von Kamala Harris endgültig Geschichte ist. Mit ihr setzt sich das Euphorische gegen das Thymotische, sprich feminine Lebensfreude gegen die Gehässigkeit des bösen Manns.

Die Entscheidung, sie nicht frei reden zu lassen, sondern nur als gut gelauntes Kostüm zu zeigen, wird nicht von ungefähr getroffen worden sein. Ob das zum Wahlsieg reichen wird, ist ungewiss. Am Imagewandel der Hillary Clinton zur unbeliebtesten Politikerin hat man gesehen, dass das Geschlecht allein es nicht macht. Damit eine virile Gesellschaft ein Matriarchat akzeptiert, bedarf es mehr als eines Rocks. Womit wir bei unserer pensionierten MUTTI sind, die doch, wenn ich das recht erinnere, mit ihrer Biographie gedroht hat. Diese Lebensbeichte wird niemanden noch interessieren. Sie wirft keinen Schatten mehr, die verkniffene Frau Merkel. Von der Gynäkokratie der ostdeutschen Pfarrerstochter ist nichts geblieben als Frust; in ihrer Heimat mehr als es gut tut.