Logbuch

DER DIKTATOR.

Aus der Zeit gefallen, der Schreckliche. Vielen gilt er als furchtbar. Manchen bereitete er ein Gräuel. Sein Ruhm erscheint aber gestrig. Mit wachem Auge betrachtet, eine Wurst, ein Würstchen.

Schon sein selbstgefälliges Grinsen stößt mich ab. Er reckt sich in Pose. Er soll ja ein strategisches Genie sein, Schach seine Leidenschaft. Die Berichterstatter entdecken die Leere des Moments und suchen aus den Archiven Honig zu saugen. Frühere Untaten werden wiedererzählt. Die lange Liste der Siege bemüht. Ich kenne ihn persönlich; war von der Begegnung eher ernüchtert.

Der Diktator, Meister aller Klassen. Herrscher aller Reusen. Napoleon, Cäsar. Als wenn all das noch etwas zu bedeuten hätte. Der Elefant im Raum ist das UNZEITGEMÄSSE. Da ist ein Imperator, über den die Zeit eindeutig hinweggegangen ist. Selbst das Übermaß der persönlichen Bereicherung, das man ihm nachsagt, mag niemanden mehr faszinieren. Man sehnt sich nach einer riesigen Niederlage in diesem Feldzug, damit er endlich WEG ist.

Ach, Wolfgang Felix Magath aus Aschaffenburg, verschwinde.

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TANKE ADE.

Warum habe ich mich nur so lange mit FOSSIS rumgeärgert. Kohle, Öl, Gas: alles vorübergehende Irrtümer. Von den SEERÄUBERN lernen, heißt siegen lernen. Ich werde zum ÖKO.

Die Wikinger mussten nicht tanken. Die Römer auch nicht. Was den nordischen Männern die Brise auf der Ostsee, war den mediterranen der kräftige Wind des Mittelmeers. Nie wären sie auf die Idee gekommen, von den Barbaren zuerst den Treibstoff zu kaufen, bevor sie diese dann brandschatzten.

Lange bevor die Welt durch Fernreisen verkleinert wurde und ferne Kostbarkeiten zu Kolonialwaren, ging man dem UFERNAHEN RAUB nach. Das war die Profession der Wikinger. Ufernaher Raub. Dazu reichten die Segelboote der Normannen allemal. Auch das Korn für BROT & SPIELE aus den fruchtbaren Provinzen des Alten Rom wurde herbeigesegelt. Gewässer waren das Medium dieser Logistik, Wind und Sonne die Energie. Erneuerbar, klar?

Darüber sinnierend sehe ich die WINDMÜHLEN der Grünen mit ganz anderen Augen. Das macht keinen Scheich reich! In den wirtschaftlich blühenden Niederlanden besorgten die WINDMÜHLEN eben nicht nur die Herstellung von gefügigem Mehl aus dem garstigen Korn, sondern auch die Wasserhaltung in dem holländischen Sumpf unter Meeresniveau. Und mit Segelschiffen fuhr Minher Pepperkorn dann nach Südostasien. Der Wind hat keinen Preis; man muss ihn nur einfangen. Die Piraten waren ihrer Zeit deutlich voraus. Schifffahrt tut not.

Also Wind und Sonne. Man hat mir bisher diese ENERGIEWENDE nur nie richtig erklärt; das muss ich jetzt dem Jürgen Trittin wirklich mal vorwerfen.

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SIEBZIG.

Dankbarkeit.

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ZUM GRIECHEN.

Ouzo aufs Haus? Klar! Wir gehen „zum Italiener“ oder „zum Chinesen“, der in Berlin Vietnamese ist. Und es gibt die INDER, die Pakistani sind, die Pizza & Pasta anbieten. Störgefühl. Warum? Der Franzose steht für hohe Kochkunst, der Grieche für Tonnen von Fleisch. Geht das auch andersrum? Das beste Fischlokal, das ich kenne, ist „ein Türke.“ Hier mischen sich Vorurteile, also nationalistische Stereotypen, mit Sitten & Gebräuchen, sprich „elementarer Soziokultur.“ In der ETHNISIERUNG der Esskultur schwingt neben dem Kulinarischen viel von kruden Vorstellungen des NATIONALCHARAKTERs. Eigentlich aus den großstädtischen Migrationskulturen entstanden, also jungen Unternehmungen, die die Küche ihrer Heimat anbieten, sind es heute MODEN der Garküchen. Moden mischen sich. Die politisch Korrekten wissen allerdings, sagen die mit hochgezogener Augenbraue, von authentischen Lokalen; auch das, wenn man es genau nimmt, ein Nationalismus. Ich ging früher, als es noch pandemisch erlaubt war, gern zu einem Lokal, das, in welcher Tradition auch immer, DEUTSCHES HAUS hieß, aber jetzt ein „Jugo“ (so der örtliche Straßenslang) war, dessen tüchtiger Inhaber von Kroatien als seiner „Heimat“ sprach. Das hat mir gefallen. Er hatte am Ort Koch gelernt und ist als Inhaber ein toller Gastgeber. Wir aßen nicht authentisch, sondern nach Neigung. Auch standardmäßiges der sogenannten INTERNATIONALEN KÜCHE (eigentlich ein echter Drohbegriff für schlechte Gastronomie). Das Wiener Schnitzel für die Blonde, das Rinderfilet für mich. Ausgezeichnete Bratkartoffeln. Multi-Kulti als entspanntes Zusammenleben. Man wagt es kaum zu sagen: so soll es doch sein.

PS: Bei „dem Türken“ mit dem ausgezeichneten Fisch begrüßt mich ein Kellner herzlich, weil er mich aus einem Nachbarlokal kenne, einem sündhaft teurem „Italiener“, wo er früher gearbeitet habe; der Mann ist aus dem Libanon. Und ich gehe nicht mehr zu dem Italiener, weil er mir für ein Glas Grappa einen deutlich zweistelligen Euro-Betrag abgenommen hat.