Logbuch
Gestern passierte es mir, dass ich nach langer Autofahrt und dem Tankstop eine Tankstelle betrat und leider meine Altagsmaske im Auto vergessen hatte. Sofort freundliche Frage des Tankwarts, hinter Plexiglasscheibe und aus sicherer Entfernung, ob ich eine Maske tragen könnte, zurück ins Auto, Maske auf, um Entschuldigung gebeten, per Handy elektronisch gezahlt und raus. Erst im Auto Maske ab. Kein Getümmel mit unfreundlichen Reichsbahnern und anonymen Horden unwilliger Reisender wie in der Bahn oder sardinenhaftes Zwangskuscheln wie im vollbesetzten Flieger, Individualverkehr, einfache Regeln, an die man sich halten kann. Was also fordert uns die AHA-Regel ab, das nicht zu bewältigen wäre? Würde das die Pandemie vermeiden helfen? Wir sind alle am Ende in Gotteshand, zuvor aber doch wohl in unserer. Kein Grund zur Panik, empfinde ich, aber etwas Sorge und kluge Zurückhaltung. Scheint doch als Anstrengung zu bewältigen. Was man im Netz an Beispielen als hochansteckend sieht, erscheint eklatant unsinnig. Man möge vernünftig bleiben. Bei Verstand.
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Was es in erfolgreicher ERZIEHUNG braucht, sind sehr einfache Regeln, ganz klare Ansagen, tiefe innere Ruhe, hoch rekurrente Strukturen und in der Verstärkung (positiver oder negativer Art) eiserne Konsequenz. Das wissen Pädagogen. In der PR ist es genau das gleiche. Weil Pädagogik und PR das gleiche sind. Und, sage ich aus Anlass, im Regierungshandeln. Man nennt das dort FÜHRUNG. Kann nicht jeder.
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RECHTSCHREIBUNG ist ein künstliches Regelwerk, das historisch erst unter Duden vereinheitlicht wurde. Nun gut. Aber wie kann man den Gruß „Glückauf“ in zwei Wörtern schreiben? Es empört mich geradezu. „Hose zu!“ Das sind zwei Lexeme, aber Glückauf? Oder: „Wäller ho?“ Weil es ein verkürzter Fragesatz ist. Im Übrigen erkennt man das Bergvieh von der Ruhr am abgeschmolzenen Ü. Es heißt: „Glauf!“ und wird mit einem mürrischen „Glauf!“ erwidert.
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MAVERICK.
Im Wilden Westen hieß der Gaul ohne Brandzeichen Maverick. Ein Ehrentitel für Ungebundene. Ein Selbstbildnis, das gefällt. Im Radio summt gerade jemand „I’m a lone lonesome rider“ und ich überlege, wie es wohl ist, wenn man durch die Wüste reitet auf einem Pferd ohne Namen („a horse with no name“). Der beste Western war eindeutig „Johny Guitar oder Wenn Frauen hassen“ mit der berühmten Lobpreisung des Kaffees. Ich zünde mir eine Camel plain an, steige in die Stiefel und ziehe mir den Stetson ins Gesicht. High Noon. Cowboy-Phantasien: Django.
Ich habe zu unterschiedlichen Zeiten in meinem Leben insgesamt zwei Parteien, zwei Gewerkschaften, einem Automobilclub, einer Kirche, den Pfadfindern, Schalke, Rotary und einer Organisation, über die ich nicht sprechen kann, angehört. Zu unterschiedlichen Zeiten und aus ganz unterschiedlichen Gründen. Fast alle habe ich wieder verlassen. Jetzt bin ich ein bindungsloses Subjekt. Fühlt sich nicht so schlecht an. Dass mit dem ADAC werde ich noch nachholen. Dann bin ich sie wirklich alle los.
Es gibt ein Lebensalter, in dem das YOU NEVER WALK ALLONE wie eine Drohung klingt. Ich erinnere mich gut an den jugendlichen Stolz des Pfadfinders, Kluft zu tragen, die Uniformierung als Aufwertung zu erleben. Heute wähle ich Kleidung eher aus dem gegenteiligen Prinzip. Ich trage keine Abzeichen mehr. Jedenfalls keine der Partei oder von Ähnlichem. Aber, wenn ich ehrlich bin, ist da doch ein gewisser Phantomschmerz. Wovon könnte ich FAN werden? Welchem VEREIN möchte ich zugehören? Oder einer entlegenen RELIGION folgen? Oder einem GEHEIMBUND beitreten? Meinem Leben einen höheren Sinn geben. Eine historische Mission erfüllen.
Allen diesen LOGEN ist gemein, dass sie unter obskuren bis banalen Narrationen eine vulgäre Vereinsmeierei verbergen, wenn sie nicht abseitigen Zwecken dienen, also schlicht Organisierte Kriminalität oder Hochverrat sind. Das ist mir dann doch zu vordergründig. Da könnte ich auch Influenzer auf LinkedIn werden und mich üben in Eigenlob bis an die Grenze des Peinlichen; was sage ich, bis weit darüber hinaus. Twitter-Guru. Ikon bei Instagram. Professor des Jahres. PR-Preisträger. Alles Abstiege in einem bodenlosen Wettbewerb. Würdeverlust.