Logbuch

WAS WÄRE WENN.

Ich habe geträumt, bös geträumt, wie ich vor einer flämischen Fettbraterei („flamse frituur“) in der Schlange stehe und auf meine Portion öliger Pommes warte. Allein unter lauter Männeken Piss. Ich war emigriert. Nach Belgium, in den Horror Europas. Der Alptraum begann aber nicht bei den kleinen Kartoffeln, sondern in der großen Politik.

Was wäre, wenn die AfD-Prinzipalin Alice Elisabeth Weidel deutsche Bundeskanzlerin würde? Wir nehmen mal an, dass der Fall einträte. Der „Kampf gegen Rechts“ wird mit einem solchen Grad an Diletanz geführt, dass dies nicht prinzipiell ausgeschlossen werden kann. Jedenfalls ist Frau Saskia Esken von der EsPeDe nicht die Heroine, die das zu verhindern wüsste.

Ich würde auswandern. Meine Wahlheimat wäre das Land, in dem die Zitronen blühen, Italien. Ups. Da träfe ich auf Frau Giorgia Meloni, die politische Enkelin des Duce, eine Frau mit faschistischen Wurzeln, jetzt erfolgreich als Ministerpräsidentin. Da kann ich auch bei den Kartoffeln bleiben. Dann ins Geburtsland der bürgerlichen Freiheit, nach Fronkreisch. Kaum angekommen in Paris, kommt Marine Le Pen an die Macht, die Tochter eines Faschisten. De rien, wie der Franzmann sagt, war auch nix.

Den Rat eines Freundes, doch nach Wien zu ziehen, mag ich nicht ernstnehmen; dort sind die Freiheitlichen die stärkste Fraktion im Parlament. Da könnte ich auch gleich in die Ostmark emigrieren und mich dem Ungarischen ergeben. Wer würde eine Donaumonarchie wollen, um dem Deutschnationalen zu entfliehen? Nach England komme ich nicht rein, da auch Labour nicht wagt, den Brexit-Irrsinn aufzuheben.

Also wächst in mir die Hoffnung aller Exilanten, nämlich die, auf Ellis-Eiland in der Schlange zu stehen und dann in Eida-Hoo Kartoffeln abzubauen. Dazu dürfte Donald Trump aber nicht die Wahl gewinnen; denn für seine Einwanderungspolitik bin ich zwar weiß genug, aber zu alt, um noch wesentlich zur Überlegenheit der Rasse beizutragen. Für Singapur bin ich nicht vermögend genug. Bliebe noch Belgien; das Land hat eine deutschsprachige Minderheit. Von den dort notorischen Pommes ernährt sich auch eine gelernte Kartoffel störungsfrei.

Der Belge nimmt allerdings „Sauce Special‘; das ist Ketchup mit Majo und reichlich rohen gehackten Zwiebeln. Ekelhaft. Können wir bitte darauf verzichten, Frau Weidel zur neuen Merkel zu machen? Danke.

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WASSERSTOFF.

Uran ist, eh klar, übles Teufelszeug, wie alles Nukleare. Ich bin ein Freund der Erde und dem Quellwasser zugetan. Mutter Natur zieht mich an ihre Brust, wenn ich kühles Wasser trinke; der Stoff, aus dem die ganz grünen Träume sind. Stichwort Garten wässern und Blumen gießen.

Das häufigste Element auf Gottes Erden, habe ich in Chemie-Unterricht gelernt, das ist Wasserstoff. Nun hat der Herr sich dabei einen Trick erlaubt, er hat es zwangsverheiratet mit Sauerstoff. Diese Ehe heißt „H zwei O“, sprich Wasser und sie ist von ewiger Neigung, sprich unzertrennlich, wenn nicht unzertrennbar.

Der Chemie-Unterricht gehört auf dem Gymnasium zu den edleren Fächern, schon daran erkennbar, dass er von einem Studienrat im weißen Kittel erteilt wurde. Ich widmete ihm besondere Aufmerksamkeit, weil mein Herr Vater in einem weißen Kittel arbeitete; was mir als kleinem Jungen imponierte. Ich wusste, dass er Luft zerlegte und Stickstoff zu Kunstdünger zu wandeln wusste, was mir, wie gesagt, mächtig imponierte.

Nun ist es leichter Luft zu zerlegen als Wasser. Stichwort Liebesheirat. Das geht nur durch Elektrolyse, sprich mit Gewalt. Die künstliche Scheidung dessen, was der Herr auf ewig verbunden hat, ist ein Sakrileg gegen die Schöpfung. Zudem bedarf es großer Mengen elektrischen Stroms. Wasserstoff ist zudem, alle Weißkittel werden mir Recht geben, nicht nur geruchsfrei, sondern auch farblos.

Trotzdem reden mir Menschen ohne Kittel von grünem Wasserstoff und blauem. Das macht mich skeptisch. Dann wollen sie Strom, um damit Strom zu erzeugen. Das weckt endgültigen Zweifel in mir. Die Nummer kenne ich schon aus der Brütertechnologie, wo mehr rauskommen sollte als reinging. Denn das habe ich von den weißen Kitteln gelernt: Beide Seiten einer Reaktionsgleichung sind gleich; darum ist es ja eine Gleichung. Aber erklären Sie das mal jemanden, der nur gelernt hat, seinen Namen zu tanzen, und ansonsten im Völkerrecht zu Hause ist.

Wie sagt noch der Norweger? „Regen bringt Segen!“ Das verstehe ich, Laufwasserkraftwerke. Katze aus dem Sack: Ich glaube nicht an ledigen Wasserstoff. Ich kann nicht denken, was grüner Wasserstoff sein soll. Ich gehöre zu den Freunden des Wassers. Und ich weiß, was Knallgas ist. Kann ich das mit dem Nuklearen bitte noch mal sehen?

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POLITIK VERDROSSEN.

Über Berlin liegt eine eigene Spannung, eine leise knisternde Erwartung. Die Stadt gespannt und hoffnungsfroh. Man erwartet den amtierenden amerikanischen Präsidenten Joseph Robinette Biden zu einem Arbeitsbesuch. Dazu ist die Metropole faktisch lahm gelegt.

Der Luftraum ist komplett gesperrt. Es fahren keine U-Bahnen oder Züge, die auch nur in die Nähe seiner Aufenthaltsorte kommen könnten. Absperrungen an jeder Ecke. Er ist im Ritz Carlton am Potsdamer und in Bellevue; und natürlich bei Olaf in der Waschmaschine. Der Höhepunkt wird aber vor dem Schöneberger Rathaus sein.

Berlin erwartet das JFK-Moment: Der vergessliche Greis wird mit staksig unsicherem Gang ans Rednerpult treten, den Telepromoter suchen und dann den Satz der Sätze sagen: „Ich bin ein Amerikaner!“ Es ist allgemeiner Jubel geplant.

Ich hoffe nur, dass sein Sohn Hunter seinen Labtop nicht irgendwo vergisst. Man kann es der neuen Rechten leichter machen, als es die Gran Old Party verdient hat.

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ZENSUR.PUR.

Geschichte bedarf also der Reinigung. Auch die Literaturgeschichte. Neues zum Syndrom der Säuberung, auch bei der Mutter der Weisheit (Alma Mater). Geschichtsklitterung ohne Sinn und Verstand.

Die Londoner TIMES hat eine Umfrage an den Universitäten gemacht, welche Bücher von den Empfehlungslisten für Studenten jüngst gestrichen worden sind. Gut 1000. Darunter AGATHA CHRISTIE und WILLIAM SHAKESPEARE. Ab in den Giftschrank, raus aus dem Kanon, nur noch für Erwachsene. Der Inhalt sei „challenging“, fordernd. Das gehe nicht.

Unter KANON (hat nichts mit Singen zu tun) versteht man eine Liste von Werken, die Schüler und Studenten zur Lektüre vorgeschrieben werden. Mit sanfter Empfehlung oder mit klarem Druck: Das musst Du gelesen haben! An bayrischen Gymnasien gehörte dazu Goethes Faust. Jetzt nicht mehr. Wahrscheinlich wg. Gretchen, der verführten Unschuld.

Unter der Empfehlung AD USUM DELPHINI (hat nichts mit Flipper zu tun) versteht man aufbereitete antike Werke „zum Gebrauch durch Schüler“, die vorher gereinigt wurden. Darin waren etwa unverblümte Passagen explizit sexuellen Inhalts getilgt. In der altgriechischen Sagenwelt gab es dazu eine Menge zu tilgen, da ZEUS alles vögelte, was ihm in den Weg kam.

Die schöne Leda etwa schlief in einer Nacht mit zwei Männern, mit dem Gatten und mit Zeus, die sie beide schwängerten, sodass sie zwei Zwillinge gebar, vier Kinder also, die dann die weiteren mythischen Erzählungen nach rechts und links bevölkerten. Das aber ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Der Punkt: ZEUS näherte sich Leda in Gestalt eines Schwans. Sex mit Tieren, na gut, aber mit einem Schwan; ich bitte Sie!

Unter GIFTSCHRANK versteht man den Teil der mittelalterlichen Bibliotheken, in denen jene Werke verschlossen waren, die nur der Klerus selbst lesen durfte, weil die Glaubenskongregation sie auf den INDEX gestellt hatte. Verbotene Bücher, nur zum internen Gebrauch. Dabei ging es nicht nur um Sex, sondern auch solchen Unsinn, wie die Zweifel daran, dass die Erde eine Scheibe ist.

In unsere Schulen und Hochschulen zieht gerade wieder der Geist der fürsorglichen ZENSUR ein. Das hatten wir schon; neu ist, dass diese CANCEL CULTURE sich selbst als besonders „wach“ (englisch: „woke“) empfindet. Irrerweise wird in England aber gerade die historisch massive eigene Verstrickung in die SKLAVEREI getilgt. Weiße Geschichtsklitterung. Die bekannten Schrecken der ZENSUR kehren wieder. Mit modernem Wortgeklingel. Ich bin nicht fortschrittsgläubig.