Logbuch

MISFITS.

Neigungsehen sind ein seltenes Glück. Wenn ein Paar nicht passt, dann nennt man es eine „mesalliance“ im Französischen und „misfits“ im Englischen. Nicht auf jeden Pott passt jeder Deckel. Prinz Harry, der rothaarige Sohn von Lady Di, ist schon deshalb ein Depp, weil er aus der Netflix-Serie SUITS die Meghan genommen hat. Wir alle hätten, da sind sich meine Kumpel insgesamt einig, wir hätten natürlich DONNA genommen, die rothaarige Sekretärin von Harvey. Eine wirkliche Powerfrau, eine geniale Intrigantin, der heimliche Boss in der Anwaltskanzlei. Die englische Presse muss sich im Moment mit Palast-Skandälchen beschäftigen, in denen die Fehlgewählte eine Schmutzkampagne des Palastes rügt, dieser aber von Mobbing des Personals durch die Fehlgewählte spricht. Das Haus Windsor heißt in der TIMES übrigens kurz und bündig: „the firm“, die Firma. Ha! Man darf an zwei Grundregeln erinnern. Erstens die Regel, wie man mit Skandalen umgeht. Sie lautet: „Never explain, never complain!“ Man entschuldigt sich für nix und beschwert sich über nix. Zweitens, die goldene Regel bei Wahlverwandtschaften. Neigungsehen sind immer riskant (die Liebe mag verblühen …). Was wirklich hält sind Konvenienzehen, Zweckbündnisse. Oder weil es sonst passt, im Äußerlichen, etwa dem Fuchsigen. Rothaarige aller Länder, vereinigt Euch.

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STIL.

Mit Umberto Eco trank ich Rotwein aus Plastikbechern. Stillos. Was noch zu ergänzen ist: Das war in seiner Handbibliothek, nicht in der mit den Kostbarkeiten, dazu lud er nicht ein, zumindest nicht mich. Handbibliothek etwa 30.000 Bände, Bibliophiles 10.000. Jetzt aber zu der Leiter. Man erwartet ja edle Hölzer, kunstvolle Schreinerei, filigran Geschnitztes. Ha, ein massiger Metallbock aus Alu-Rohr, grob zusammengeschweißt, plumpe Treppe , ein hässliches Monstrum. Alu lässt sich ohnehin nicht gut schweißen, aber das hier, das ließ mich erschaudern. Immer schon haben wir Teutonen das LAND WO DIE ZITRONEN BLÜHEN idealisiert. Selbst von Goethe auf seiner Italienreise in Venedig weiß man, dass seine GRAND TOUR ihn hier hin führte, weil die Lagunenstadt zu seiner Zeit ein einziges Bordell war; er hat Details in Notizen festgehalten, die ich hier nicht zu wiederholen wage. Von wegen Stil.

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LUXUS, WIRKLICHER.

In einem früheren Leben, man reiste, nahm man die Concorde von Paris nach New York, einen elend engen, aber super schnellen Flieger. Überschall. Sauteuer. Ich meine in einem jüngst früheren Leben. In dem letzten Leben davor, da nahm man einen Dampfer namens QII; benannt nach den Windsors, die eigentlich Deutsche waren. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Also ich sitze ex JFK in dieser Sardinenbüchse und warte auf den Service. Hunger. Man erwartet ja von der Air France zumindest ein gescheites Essen. Was mir bis heute im Kopf steckt, ist das Besteck. Genauer gesagt, wie es eingewickelt war: in Wellpappe, mit einem groben Hanffaden zusammengebunden. Wohlgemerkt, Tafelsilber. Ein klein wenig dekadent, aber schon raffiniert. So geht wirklicher Luxus. Das werden die lauten Russen mit den dicken Dollarbündeln in der Hosentasche nie verstehen. Braune Wellpappe. Unglaublich gut.

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WAS WÄRE WENN.

Ich habe geträumt, bös geträumt, wie ich vor einer flämischen Fettbraterei („flamse frituur“) in der Schlange stehe und auf meine Portion öliger Pommes warte. Allein unter lauter Männeken Piss. Ich war emigriert. Nach Belgium, in den Horror Europas. Der Alptraum begann aber nicht bei den kleinen Kartoffeln, sondern in der großen Politik.

Was wäre, wenn die AfD-Prinzipalin Alice Elisabeth Weidel deutsche Bundeskanzlerin würde? Wir nehmen mal an, dass der Fall einträte. Der „Kampf gegen Rechts“ wird mit einem solchen Grad an Diletanz geführt, dass dies nicht prinzipiell ausgeschlossen werden kann. Jedenfalls ist Frau Saskia Esken von der EsPeDe nicht die Heroine, die das zu verhindern wüsste.

Ich würde auswandern. Meine Wahlheimat wäre das Land, in dem die Zitronen blühen, Italien. Ups. Da träfe ich auf Frau Giorgia Meloni, die politische Enkelin des Duce, eine Frau mit faschistischen Wurzeln, jetzt erfolgreich als Ministerpräsidentin. Da kann ich auch bei den Kartoffeln bleiben. Dann ins Geburtsland der bürgerlichen Freiheit, nach Fronkreisch. Kaum angekommen in Paris, kommt Marine Le Pen an die Macht, die Tochter eines Faschisten. De rien, wie der Franzmann sagt, war auch nix.

Den Rat eines Freundes, doch nach Wien zu ziehen, mag ich nicht ernstnehmen; dort sind die Freiheitlichen die stärkste Fraktion im Parlament. Da könnte ich auch gleich in die Ostmark emigrieren und mich dem Ungarischen ergeben. Wer würde eine Donaumonarchie wollen, um dem Deutschnationalen zu entfliehen? Nach England komme ich nicht rein, da auch Labour nicht wagt, den Brexit-Irrsinn aufzuheben.

Also wächst in mir die Hoffnung aller Exilanten, nämlich die, auf Ellis-Eiland in der Schlange zu stehen und dann in Eida-Hoo Kartoffeln abzubauen. Dazu dürfte Donald Trump aber nicht die Wahl gewinnen; denn für seine Einwanderungspolitik bin ich zwar weiß genug, aber zu alt, um noch wesentlich zur Überlegenheit der Rasse beizutragen. Für Singapur bin ich nicht vermögend genug. Bliebe noch Belgien; das Land hat eine deutschsprachige Minderheit. Von den dort notorischen Pommes ernährt sich auch eine gelernte Kartoffel störungsfrei.

Der Belge nimmt allerdings „Sauce Special‘; das ist Ketchup mit Majo und reichlich rohen gehackten Zwiebeln. Ekelhaft. Können wir bitte darauf verzichten, Frau Weidel zur neuen Merkel zu machen? Danke.