Logbuch

KRIMIS.

All diese TATORTE simulieren ein vertrautes Milieu, weil der Schauder der Geschichte darin liegt, dass sie auch uns, den Zuschauern, passieren könnte. Aber die Erlösung bleibt ja nicht aus, am Ende ist die Welt wieder heil.

Die Unerschöpflichkeit der Gattung Krimi liegt in zwei Illusionen. Dass man Menschen sozialpsychologisch, aus ihrem Wesen, berechnen könne. Und dass Gerechtigkeit walte, am Ende, politisch. Dieser doppelte Unsinn hält schon vierhundert Jahre.

Zu Beginn sind wir in England, im ausgehenden 16. Jahrhundert. Der Hit der Straßentheater und Kneipenerzähler sind Stories zu „true crime“: Krimis, die wirklich passiert sind. Verbürgt. So wie die Ermordung einer höhergestellten Person (Master) durch einen Schurken und zwei seiner Helfer auf Bezahlung durch einen Schneider, der der Liebhaber der Gattin des Meisters war, die die Entsorgung des Ehemanns im Bett mit dem Schneider als Herzenswunsch vorgetragen hatte. Der Komplott wird, wie könnte es anders sein, entdeckt und gesühnt. Shakespeare ist begeistert.

Es geht in diesen Krimis immer um CHARAKTEROLOGIE. Eine Kabinett an typischen Menschen tritt auf. Wir haben Erwartungen daran, wie sich deren Wesenszüge entfalten. Das VERHALTEN als Folge des GEMÜTS. Und wir haben Erwartungen an die irdische Gerechtigkeit. Denn es geht auch um Eschatologie: GOTT DER GERECHTE. Die Sonne soll es an den Tag bringen, das Ungeheuerliche. Der Frevel darf nicht ungesühnt bleiben. Am Ende jedes Krimis steht ein Kreuz, sprich ein Galgen.

Im wirklichen Leben hätte man es von den sauberen Herrschaften nie erwartet, die gerade im Sonnenuntergang Manilas ihren Martiny trinken.

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SITZORDNUNG.

Die CDU sitzt jetzt neben der AfD. Damit läuft das Schwarze in das Braune über. Das passt. Farbenlehre.

Dass die FDP in die Mitte gehört, das wünsche ich ihr. Sie war auch mal deutschnational und bei Möllemann der Hort eines abstrusen Antisemitismus. Möge sie die neue Sitzordnung im Parlament als Verpflichtung empfinden.

Dass die SED-Nachfolgerin, genannt die LINKE, als Linksaußen an den Rand gehört, ist klar; da hat sie auch Lafontaine nicht wegschmusen können.

Die neue SPD, die die alte SPD ist, um ehrlich zu sein, eingeklemmt zwischen dem sozialistischen Erbe und dem Wohlstandstrotz der GRÜNEN, das passt auch. Mal gespannt, wie sie NEW LABOUR diesmal nennt.

Und die Trennungslinie zwischen Konservativen und Reaktionären und dann Faschisten, die verläuft irgendwo verborgen in dem schwarzbraunen Lager. Da steht eine Spaltung der AfD an, die die Union fürchtet. Denn dann ist sie so groß wie die FDP, ihre Nachbarin zur Linken.
Alles im Lack.

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DAS MERKEL-BUCH KOMMT.

Wer dem Gemeinwohl brav gedient hat, der darf danach Kasse machen. Das Obama-Buch wird zehn Millionen Honorar gebracht haben. Die Autorin Angela tut es für weniger. Es geht ihr um mehr.

Zum Naturrecht braver Beamter und keuscher Politiker gehört es, dass man für die Entsagungen des Amtes im Ruhestand entlohnt werden will. Böse Zungen sagen: Das Keuschheitsgelübde ist abgelegt, jetzt beginnt die ALTERSPROSTITUTION. Die schon immer Schamlosen (heimlich) gehen jetzt (öffentlich) unter die Laterne, sprich auf den Straßenstrich. Und manche vom denen wollen durchaus, dass dies bemerkt wird.

Ich könnte hier Dinge vom englischen Premier Tony Blair erzählen, respektive der Kanzlei seiner Frau, die mir niemand glauben würde; jedenfalls keine Sozialdemokraten. Der Rubel rollt, sagt man wohl. Bescheidenere Seelen haben eine Stiftung, damit der Obolus nicht sichtbar den eigenen Vorgarten dünkt. Aber GELD ist nicht alles. Helmut Kohl etwa, eine besondere banale Gestalt unter den Tragischen, ging es nicht um BIMBES für seine privaten Vergnügungen, die banal genug waren. Nicht GELD ist das Thema der Abgesetzten, sondern GELTUNG.

Die radikale Pragmatikerin Merkel will RECHT BEHALTEN. Mich würde nicht wundern, wenn es bei Frau Baumann eine eigene kleine Ablage gab, in die Kopien von Kalendern und Reden und Dokumenten wanderten, die für eine AUTOBIOGRAFIE nützlich sein könnten; seit Jahren. Aktenzeichen „Apokryphe“. Weil, wer immer nur gewerkelt hat, was zu werkeln war; und zwar so, dass die eigene Macht erhalten blieb, den plagt am Abend nach dem DURCHWURSCHTELN die Sorge, wie das wohl vor Gott aussieht. Das ist der ernste Kern des Knef-Liedes, nach dem man gehalten haben will, was versprochen war.

Ja, so ist sie, die GETTO-BOXERIN aus dem Osten: sie will es gottgefällig gemacht haben. Genau das werden wir aus den 800 Seiten (interne Verlagsplanung) lernen. Das Duo Merkel-Baumann will keinen Ghostwriter, weil sie keinem Confidenten trauen. Selbst die Lektorin ist von ihnen bestimmt; sagen die Gerüchte aus dem Verlag. Küchenkabinett: Du kriegst die Boxerin aus dem Getto, aber niemals das Getto aus der Boxerin.

Bleibt die Frage nach dem Titel. Nein, WIR SCHAFFEN DAS wird es nicht. Ich tippe auf WAS VOM TAGE ÜBRIG BLIEB.

Oder etwas Biblisches. Man schaue in die Sprüche Salomons. Oder auf den Grabstein von Johannes Rau. Es wird ein Wort Jesu. Die „Maria Magdalena Merkel“ (sic) will GELTUNG vor GOTT, sagen mir kluge Kenner.

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DER MARKUSLÖWE.

Der venezianische Kaufmann war zu seiner Hochzeit ein geschätzter, ja gefürchteter Zeitgenosse; als Händler im Zeichen des Löwen hatte er es zu etwas gebracht. Heute noch ist der MARKUSLÖWE Herrschaftsanspruch der italienischen Marine. Als der Ruhm schwand, wurde der Venezianer verspottet und nach der Pflanze „Löwenmäulchen“ genannt. Daher der im Französischen noch erhaltene Name für alberne Hosen, nämlich „pantalone“. Das fällt mir wieder ein, als ich das jüngste MANAGER MAGAZIN durchblättre.

„Schuster haben krumme Absätze und Schneider zu kurze Hosen.“ Der Satz stammt von meinem Herrn Vater; die Leidenschaft der Beobachtung feiner Unterschiede habe ich von ihm geerbt. Dazu gehören insbesondere die Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Wenn, wie Heine gesagt hat, Wasser gepredigt, aber Wein gesoffen wird.

Noch feiner als die gewöhnliche Doppelmoral ist ein Gefälle zwischen Profession und Persönlichkeit. Der Schneider mit den zu kurzen Pantalone. So beobachtete ich bei einem steinreichen Stahlunternehmer, der sich als Gourmet von höchster Berufung einen Sternekoch hielt, dass er gar nicht speiste, er aß nicht mal, sondern fraß in sich hinein wie die gemeine Buffetfräse. Er trank auch nicht, man ahnt es schon, sondern soff. Seine Brut ist da nicht besser. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

In dem Magazin für gehobene Wirtschaftsberichterstattung sehe ich Bilder eines gesellschaftlichen Ereignisses im Taunus, bei dem die Publizistische Klasse sich in profanem PR übt und Unternehmer in eine Hall of Fame berufen lässt. Eine Walhalla für betuchte Eigner und ihr Verwaltungspersonal (so nennt das Aktienrecht die Vorstände der AGs, Verwalter), sprich „vanity fair“. Diesmal geehrt ein Drogist aus (nichts ist doofer) Hannover namens Zentaurus.

Ich würde über den Einzelhändler in Sachen Seife kein Wort verlieren, versuchte er sich nicht auch als Literat; der Pferdemann schreibt Kriminalromane. Das ist literarisch ein derartiger Schund, dass das Motto des Carl Valentin anzuwenden ist: „Nicht mal ignorieren!“ Aber der Laureat trägt einen Anzug, der nun wirklich der öffentlichen Empörung auszusetzen ist. Die Hose ist gute acht Zentimeter zu lang und rüscht sich an den Knöcheln in der peinlichsten Art; sie stülpt, ein Sakrileg.

Denn da irrte mein Herr Vater: Du erkennst den wirklichen Stilbruch an den ungekürzten Pantalons, den zu langen. Das hängt mit der Standardabweichung in der Proportion zusammen; zu deutsch: wenn man für seinen Bauchumfang schlicht nicht groß genug ist. Ein englischer Maßanzug kostet bei edlem Tuch gut 2k; in Hong Kong vielleicht 1k: Das ist Geld. Da mag auch ein expandierter Drogist der Sparsamkeit seiner Jugend zugetan sein und sich in gestülpten Beinkleidern als MARKUSLÖWE feiern lassen.

Ich habe einen Tipp: Von der Stange Anzug in einer sehr guten Qualität erwerben, aber eine deutliche Konfektionsgröße über dem eigenen Schnitt, vielleicht sogar zwei. Damit zur türkischstämmigen Änderungsschneiderin, die ihr Handwerk noch beherrscht. Anpassen lassen, alles, Hose wie Jacke. Dürfte so 60€ kosten. Hose mit Umschlag, noch mal 20 Ocken. Und man tritt in einen perfekten Maßanzug vor die Welt. So erspart man sich die Seifenoper des Löwenmäulchens; das wär ja schon mal was.