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SIEBZIG.

Dankbarkeit.

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ZERR. SPIEGEL.

Bundesministerin Anne Spiegel hat ein Problem. Man spiegelt die taktierende PR ihres früheren Ministeriums gegen den moralischen Druck aus 134 Flutopfern. Die Grüne erscheint in diesem Gefälle als zynische Karrieristin. Das ist nicht fair, aber lehrreich.

In der Aufarbeitung der Flutkatastrophe im Ahrtal macht die verantwortliche Politik insgesamt keine gute Figur, vor allem weil zu spät gewarnt wurde. Es sind mehr Menschen ertrunken, als hätten ertrinken müssen. Das erfordert Demut. Und eine bessere öffentliche Verwaltung. Behördenversagen. Man kann erwarten, dass das geändert wird. Roger ran! Hinweis: So heißt der Innenminister von Malus Gnaden. Malu? So wiederum heißt die Ministerpräsidentin in dem Bundesland von Verleger Twer (Rheinzeitung), dessen Gattin wiederum die Schwester von Roger ist. So geht das hier.

Aus der politischen Aufarbeitung werden nun aber auch die internen Abstimmungen per Handy zwischen der verantwortlichen Ministerin und ihrem Pressesprecher durchgestochen. Peinliche SMS. Damit wird die damalige Landesministerin, jetzt im Bundeskabinett, diskreditiert. Sie habe sich mehr um ihr Image und das „Gendern“ als den Schutz der Bevölkerung gesorgt. Anne Spiegel im typischen Zerrspiegel: eine weitere Grüne im Licht der dort notorischen Doppelmoral. So geht das bei denen.

Ich werde der Beckmesserei darüber nichts hinzufügen. Will aber doch etwas zu den SMS-Gedanken ihres Pressesprechers sagen. Mein Gott, wie naiv kann man sein, so etwas aufzuschreiben? Dokumente der strukturellen Überforderung; peinlich. Dabei war der Kerl mal ein wirklich ausgezeichneter Journalist. Bis er sich, dem allseitigen Vernehmen nach, im Twer-Verlag seitens hochgestellter Damen unsittlichen Begehrens bezüglich politischer Bruderliebe (Thema Roger, siehe oben) ausgesetzt sah. Und in die PR floh. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Zu sagen ist: Journalisten können kein PR; wir, die PR-Leute wissen das eh. Ein weiterer toller Journalist versagt elend als Sprecher. Was der polnische Schwarzarbeiter beim Fliesenlegen, ist der umgeschulte Redakteur in der PR. Pfusch am Überbau. Ob PR-Leute nicht auch manchmal so was denken, was er da aufgeschrieben hat? Denken, vielleicht. Aber wir schreiben das niemals und nirgendwo hin. SCHRIFT ist GIFT.

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NINOS HEFTE.

Über dreißig Hefte hat Nino vollgeschrieben, in einem Jahrzehnt der Kerkerhaft, mit dem er gebrochen werden sollte. Was den Faschisten wohl auch gelang. Schande.

Ich lese in hunderten von Notizen, mit denen Nino Schulhefte füllte, die die Barbaren ihm gerade noch gönnten, während sie seinen Willen durch die Haft zu brechen suchten. Als er den Gefängnissen entkam, war er gesundheitlich so angeschlagen, dass er sich nicht mehr richtig erholte. Der kleine Sarde (in dessen Adern auch albanisches Blut floss), ein gebrechlicher Körper mit titanischem Willen. Und einem feinen Geist.

Mir fällt auf, wie er immer für Leser schreibt. Oder für spätere Schüler. Nino ist um Verständnis und Verständigung bemüht. Und dabei prägt er Theoriegeschichte. Wie alle Philosophen des dialektischen Materialismus mit großem Respekt vor denen, die er die SUBALTERNEN nennt, und Interesse an jenen, denen er die Herrschaft zubilligt. Mechanik der Macht. Er sieht solche Mechaniken im italienischen Staat, dem Klerus, der KOMINTERN. Weiß kein Schwein mehr, was das war.

Ich glaube regelrecht zu spüren, wie er in der SORGFALT seiner Notizen mit jeder Zeile gegen den Wahnsinn ankämpft, den Wahnsinn der Macht, der Kerkermauern und am Ende wohl auch gegen seinen eigenen. Da schreibt jemand wie ein braver Schüler Hefte voll, gegen den Irrsinn und für eine neue Klugheit. Das Motto: Wenn ich schreibe, möge die Welt sich in Acht nehmen.

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NOCH SO EIN KINDERBUCH.

Heute morgen wurde mir eine Stunde Zeit geschenkt, die ich dazu genutzt habe, ein sogenanntes WHITE PAPER zu lesen, das eine „moderne Wirkungsmessung in der PR“ zu erwägen verspricht. Wurde mit großer Geste offeriert. Vertane Zeit, eine Luftnummer.

Worum geht es? Eine zentrale Neurose von Managern der Public Relations liegt darin, dass Öffentlichkeitsarbeit Zeit und Geld kostet, man aber nicht weiß, ob die PR ihr Geld wert war. Man glaubt, dass das bei klassischer Werbung leichter sei; noch ein Irrtum (zumal es fünf Jahre dauert, bis Du weißt, ob eine neue Marke etwas taugt).

Bevor ich mit Fachlichem langweile, zwei Beispiele spontaner Evidenz. Als erstes Wahlkämpfe. „Don‘t get elected for your ideas, get elected!“ Das habe ich von meinem Kollegen Dick Morris, dem Spin Doctor von Bill Clinton. Die Frage, wessen Kampagne erfolgreich war, ist entschieden, wenn das Wahlergebnis steht. Ich sage das bei gleichzeitiger Fassungslosigkeit darüber, wie Trump mit „sleepy Joe and Comrade Kamala“ umgeht (und der X-Verleger ihm hilft).

Zweites Beispiel: Vorproduktionsverkauf. Wenn Du eine komplette Jahresproduktion des neuen Autos durch Vorbestellungen schon verkauft hast, obwohl noch niemand in der Schüssel gesessen hat, außer der Presse, jedenfalls kein Kunde, dann bist Du unsterblich. Natürlich war der Launch in Cala Di Volpe und nicht in Oer-Erkenschwick. Sold by PR: Car Guys wissen, was ich meine.

Jetzt zum Fachlichen: Public Relations sind ausgeübte Sozialwissenschaften; auch wenn das die Geisteswissenschaftler oder Autodidakten grämt. Es bedarf des GROSSEN METHODENSCHEINS. Ohne soziale Empirie geht das nie. Das findet der Autor des weißen Papiers, mit dem ich fahrlässig meine morgendliche Freistunde vertan habe, vernachlässigungswürdig; er sei, so seine Einlassung, ein „Kind der Praxis“. Noch so ein Kinderbuchautor.

Nun zur geschenkten Stunde. Welch eine Luftnummer. Ich kriege zurück, was man mir gestohlen hat. Aber das ist ja das grün-rote Paradigma: „tax and spend!“ Wir kriegen mit großer Geste geschenkt, was man uns vorher genommen hat (oder unseren Enkeln nehmen wird). Mein Bedarf an Enid Blyton ist gedeckt.