Logbuch

DIE ARRO-GANS

Der Fuchs hat die Gans gestohlen. Die investigativen Journalisten aus dem Haus Springer gehen gerade mächtige auf Beute bei den Öffentlich-Rechtlichen. Werden Journalisten auf journalistische Art angegriffen, reagieren sie dümmer als jeder Trottel, dem sie selbst ansonsten die Ehre abgeschnitten haben.

Zu den Empfehlungen, die PR-Leute (die guten) ihren Mandanten geben, gehört vor allem und zuerst die Warnung vor Arroganz und vor Halbwahrheiten. Beginnen wir mit der ARRO-GANS Schlesinger (pun intended). Zumindest ihrer Ungeschicklichkeit ist es zuzuschreiben, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk einigen Schaden genommen hat. Dabei sitzt sie Unternehmen vor, die mit den Zwangsbeiträgen der Zuschauer finanziert werden. Wenn ein Millionär sein eigenes Geld auf dem Balkon verbrennt, na gut. Wenn ein Treuhänder (und das ist sie) auf Kosten anderer die Sau rauslässt, nicht gut.

Nun zu den schmalen Halbwahrheiten. Man nennt das die DEMENTI-FALL. Der Fuchs jagt die ARRO-GANS in die DEMENTI-FALLE. Man soll sich, so der Stand der PR-Technik, entweder streng an die Unwahrheit halten oder die ganze Wahrheit sagen (oder die Klappe halten); von diesen grazilen Anwaltskonstruktionen (sorry) zur Selbstverteidigung ist abzuraten. Denn was bleibt bei den Leuten nach all dem Schlaumeiern hängen? Was ist der residuale Eindruck? Es gab Partys zuhause bei Patricia (lat.: die Herrin) auf Dienstkosten, damit der Sender in der Stadt bekannter wird, zum Beispiel bei der Polizeipräsidentin. Es gab irrtümlich Fußböden aus italienischer Eiche, obwohl man nur Bretter wollte. Es gab im Chefzimmer oder im Auto der Chefin (ich bin nicht sicher) Massagesessel, weil zwei Mitarbeiter des Senders Rücken haben. Und wegen der satten Pension, die jetzt verloren gehen könnte, da wird sie klagen. Wie Eis in der Sonne, es bleibt nichts.

Jetzt zu der Kombination von voller Arroganz und halber Wahrheit: Schuld an allem sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Senders. Einer Bande illoyaler Veränderungsverlierer, die ihre Chefin angeschissen haben, bei einem Springer-Blatt. Der Feind ist identifiziert, die eigene Belegschaft, und es ist gesagt, dass diese mit dem Überfeind, der Springer-Presse, kollaboriert haben. Verachtung soll das bewirken, gegen die eigene Belegschaft. Verbrannte Erde, Frau Patricia (lat.: die Herrin), vergiftetes Klima und verbrannte Erde. So geht FÜHRUNG nicht, nie, nirgendwo.

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A LA CARTE.

Die Spitzengastronomie sucht Auswege. Zum Beispiel in der Preisgestaltung des Rotlichtmilieus. Preise durch die Decke. Angebot in den Keller. Ein Sittengemälde.

Mein Freund schickt ein Urlaubsfoto von einem Kassenbon. Er hat mit Gattin zu Abend gegessen und getrunken; es war wirklich gut! Ouzo aufs Haus. Kosten 21€ für alles für beide zusammen. Mein Freund ist auf Naxos, der griechischen Insel. Das war eine Urlaubsbotschaft an einen Spinner, nämlich mich.

Ich hatte nämlich auf einer anderen Insel eine Pension mit Spitzenrestaurant gebucht, für eine Woche. Vier Wochen vor Reiseantritt ruft mich eine schlechtgelaunte Servicekraft des Ladens auf meinem Handy an, um mir barsch folgendes mitzuteilen: Sie bieten im Restaurant an allen Abenden ein identisches Menu an, zu 6, 7 oder 8 Gängen. Wenn ich das Essen selbst auswählen wolle, könne ich das an einem Tisch in der Bar tun. Menu Dictatore, im Italienischen. Alternativ Katzentisch.

Acht Gänge sind kein Problem, da die Portionen sehr klein sind; nennt sich Degustationsmenu. Das kostet pro Person 298€. Mit Weinbegleitung sind das dann so 500€, schätze ich, also eine Glatze für zwei Personen. Du legst tausend Euro auf den Tisch und frisst die Häppchen, die sie Dir vorsetzen? Wenn mir das nicht passe, so die spontane Ansage der Servicedame, könne ich stornieren. Bumms, Stuhl vor die Tür gestellt. Ich habe also storniert.

Ich nenne hier nicht Lokal und Insel, aber Alexis auf Naxos war es nicht. Klar ist, dass zu große Karten die Kosten einer Restaurantküche in die Höhe treiben. Wer drei Sorten Austern vorhält, schmeißt halt im Zweifel auch Geld weg, wenn die mal nicht laufen. Eine kluge Karte hat von jedem etwas (Fleisch, Fisch, Vegetarisch, you name it) und einen guten Service, der Mängel der Küche mit Großzügigkeiten aus dem Keller ausgleicht. So geht das.

Große Karten hat der China-Mann; da nehme ich weltweit die 37, egal, was es am Ort gerade ist. Überraschung! Und verlasse mit ‘nem Zwanni auf dem Tisch das Lokal. Satt und noch dickes Trinkgeld. Für zwei, versteht sich.

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ATOMKRAFT? JEIN DANKE.

Auf die Prinzipientreue der Grünen ist kein Verlass. Gut so. Sie lassen die verbliebenen Kernkraftwerke am Netz. Jedenfalls zwei von dreien. Doppelmoral.

Was stimmt mit dem dritten nicht? Sicherheitsbedenken? Nein, der Reaktor EMSLAND in Lingen ist so intakt wie seine Kollegen in Baden-Württemberg und Bayern. Er liegt auch gut. In einer dichten nuklearen Landschaft rund um Lingen an der Ems. Da gibt es eine Brennelementfertigung, ein bis zwei Zwischenlager, eine

Wiederaufarbeitungsanlage. Alles stimmt, wenn man technisch denkt.

Die Anlagen im Süden gehören betreiberseitig Konkurrenten; aber auch da liegt kein sachlicher Grund. Im Norden ist die Hochrisikotechnologie weniger willkommen, weil Wahlen anstehen. Im Kernland der Anti-AKW-Bewegung wollen die Grünen für den neuen Landtag keine Stimmen verlieren. Und es greift ein urwüchsiger Opportunismus Platz. Die Doppelmoral der Gutmenschen an der Macht. Es ging nie, lernen wir, um die heile Natur, aber immer um die geilen Posten.

Ich finde das gut, weil Politik der Kompromisse bedarf. Und auch für mich immer ein JEIN galt; zu einem unbedingten JA ist die Kernenergie zu gefährlich. Und Energie ist für ideologische Voreingenommenheit zu wichtig. Ich gratuliere der AMPEL zum JEIN.

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MENSCHENMÜLL.

Der amerikanische Wahlkampf wird für Analphabeten geführt, die sich von Bildern leiten lassen, weil sie keine Texte lesen. Es geht in der jüngsten Runde um Symbolisches zu menschlichem Müll. Dabei zeigen die Republikaner, dass Propaganda nicht logisch sein muss, sondern komisch. Es ist wie beim Erzählen von Zoten: vulgäre Vorurteile willkommen, solange man darüber feixen kann.

Mir war geläufig, dass Müll („trash“) im Amerikanischen auch eine soziale Kategorie ist, da die weiße Unterschicht „poor white trash“ genannt wird. Jetzt nennt die eine Partei das amerikanische Puerto Rico „trash island“, die andere wiederum deren politische Anhänger Müll und Donald Trump liefert einen „PR stunt“ als Müllmann. Welch ein Pragmasymbol: Die neue Rechte sammelt den menschlichen Müll ein und entsorgt ihn. Da ist ja die Debatte um Remigration noch gehaltvoll. Ich fürchte mich vor soviel Zynismus.

Wenn man lange in den Abgrund blickt, blickt irgendwann der Abgrund aus einem. Die Würde des Menschen ist antastbar. Er kann Müll sein. Die Latinos erfahren, was die asiatischen Zuwanderer schon kannten und das Erbe der Afroamerikaner ist: ein Mensch kann für andere Menschen eine Sache sein, die man besitzt oder eben wegwirft. Das sind die langen Schatten der Sklavenhaltergesellschaft. Wenn die Wunden verheilt sind, schmerzen die Narben.

Dabei sind die US of A ein Projekt gegen dies alles. Der fortschrittlichste Entwurf der Moderne ist die amerikanische Freiheitserklärung von 1776. Deren Autor war zum Studium in Europa, namentlich Frankreich und in deutschem Lande. Und wir als Nation haben keinen Grund zu Hochmut; die Konzentrationslager waren, furchtbar zu sagen, Müllkippen. Ich leide an den Entgleisungen, weil sie zeigen, wie leicht man den Boden unter den Füßen verliert. Plötzlich geht es ernsthaft um Menschenmüll.

Die Decke der Zivilisation ist dünn; sie wurde für den amerikanischen Traum gewebt und findet sich zerstört in der grellen Warnweste, die der präsidiale Müllwerker voller Stolz auf der Bühne trägt. In einer Berliner Eckkneipe höre ich die Stimme gemeinen Volks, dass dies urkomisch findet und von dem großen Volksunterhalter AfD auch hier erwartet. Man feixt: „Das wär mal was!“ Mir stockt der Atem.