Logbuch
WENN DIE GESCHICHTE WAS LEHRT.
Wenn die Geschichte lehrt, geht es mit strengen Maßstäben zu, da Geschichtsklitterung eine gefährliche Ambition der Propaganda. Im Pressewesen sind die Kriterien lockerer, nur Schleichwerbung, die versucht man eigentlich immer zu vermeiden. In den Public Relations aber durchaus üblich; da tut man einem Kumpel schon mal verdeckt einen Gefallen. Das ist heute Thema.
Lufthansa ist Ikon der Transparenz; das ist das Thema des Tages. Der Lufthansa gebührt Lob, da sie ihre hundertjährige Unternehmensgeschichte von wissenschaftlich getriebenen Historikern hat aufarbeiten lassen und dabei ihre eigenen Wurzeln in der Aufrüstungsindustrie des Faschismus nicht leugnet. Ich kenne einen der drei Historiker ganz gut; akademisch erste Wahl. Wo ich kann, lobe ich den Mann; Manni heißt er.
Die Frankfurter Allgemeine (FAZ) lässt die Lufthansa-Geschichte einen ihrer Herausgeber eigens in einem persönlichen Kommentar preisen. Er hebt dabei eine „Gesellschaft für Unternehmensgeschichte“ aus Frankfurt namentlich hervor, die damit wirtschaftet. Es hätte dem Anspruch wie der Sache genützt, wenn der FAZ-Herausgeber dabei nicht verschwiegen hätte, dass die Geschäftsführerin eben dieses Ladens die Ehefrau eines Herausgeber-Kollegen bei der FAZ ist, wie übrigens Hochzeitsfotos beider im Netz zu entnehmen. A related person. Ein zarter Schatten legt sich auf die Reputation. Keine Transparenz in eigener Sache: ärgerlich.
Der akademische Anspruch ist nämlich unteilbar. Wenn es der Laden der Gattin des Kollegen ist, dann gibt man das zu. Ich selbst gehöre ihm gar nicht an, dem akademischen Anspruch, da kein wissenschaftlich ausgewiesener Historiker. Trotzdem steht mir ein Urteil zu, als Leser, Zeitgenosse und Bürger. Nachgeschmack.
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STERBE OHNE ERBE.
Mein Erbe habe ich, weil aus kleinen Verhältnissen, schon zu Lebzeiten angetreten; es bestand aus Liebe, Fürsorge, Charakter, Bildung und Aufstocken des Bafög. Neid war uns wesensfremd. Zufällig fällt mir gestern eine Hetzschrift einer Julia Irgendwas in die Hand, die gegen Erben hetzt. Das befremdet mich zutiefst.
Es gibt unter den Erbsünden den NEID, der manchem gar nicht so verdammenswert erscheint wie andere Verfehlungen, die in dem Katalog des Verwerflichen gelistet sind. NEID verkleidet sich immer; er tritt auf im Talar höherer Gerechtigkeit. Es kann auch eine rote Robe sein: Tax the rich.
Umgekehrt ist es so, dass ERBEN den Neidern wirklich zu schaffen macht; nicht eigener Erwerb, der durch den Tod eines lieben Anverwandten jemanden zufällt, sondern anderen Menschen, die dadurch besser gestellt sind. Das Erben anderer gelten dem Neider als Skandalon. Es erscheint als schändliche Leichenplünderung; außer der Staat langt zu: Tax the dead twice.
Jetzt nehmen wir mal an, es handelt sich bei der Hinterlassenschaft um ordnungsgemäß versteuertes Vermögen; Vater Staat ist also bereits zu seinem Recht gekommen. Das ist argumentativ fundamental. Woher soll nun das Recht zu einer erneuten, möglicherweise deutlich höheren Strafsteuer kommen? Man merkt, ich habe vom Steuerwesen keine Ahnung und frage naiv als Bürger, der frei von Neid.
Das Recht auf eine postmortale Pönale scheint mir, unbedarft, wie ich bin, durch die Vorzeitigkeit des Todes gegeben. Terminvergehen. Hätte ich das Erbe bereits zu Lebzeiten versoffen, wäre alles gut. Oder gelebt, als gäbe es kein Morgen. Die Dinge aber für die Seinen zu hegen und pflegen, das ist jedes Neides wert. Man soll seine Familie eher verachten dürfen, als das Leben seiner Nachgeborenen fördern? Pervers.
Die großen Vermögen werden ohnehin Mittel und Wege finden, einer exzessiven Erbschaftssteuer aus dem Wege zu gehen; da bin ich ganz sicher. Es geht um Omma ihr sein klein Häusken. Und die Pinsel von Enkel, die gefälligst Überstunden kloppen sollen, wie einst den Oppa. Krabbenkorb, ich sage, Krabbenkorb.
Gegenteiligen Bekundungen der Neider begegne man mit Skepsis.
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LEIDER NICHT GEDECKT.
Was ist die Aufgabe einer, jetzt mal Obacht, VERSICHERUNG? Nun, der Laie glaubt, sie sei dazu da, berechtigte Ansprüche ihrer Kunden großzügig zu bedienen. Fast richtig. Falsch. Der Fachmann weiß, dass sie ihre Pflicht vor allem darin sieht, unberechtigte Ansprüche von Versicherungsnehmern konsequent abzuwehren. Eine VERSICHERUNG ist großzügig in ihren Werbeversprechen und kleinlich im Schadensfall. Das ist ihre innere Logik.
Warum kann die Branche dann Policen für Zahnärztliches großzügig anbieten und ausdrücklich auf jede Gesundheitsprüfung verzichten? Weil der Missbrauch ausgeschlossen ist. Kein Mensch geht aus Spaß und Dollerei zum Zahnarzt. Ich kann mir da ein Urteil erlauben, weil meine Frau Mutter beruflich einen weißen Kittel trug, sie war Helferin, und ich beim Dentisten nicht zucken durfte. Der Dok sollte einen guten Eindruck von mir haben, während er mich folterte.
Dem „Wirtschaftsrat der Union“ fehlt offenbar beides, das Versicherungswissen wie das Dentistische, darum hat er vorgeschlagen, den „Paradigmenwechsel in den Sozialsystemen“ (Merz) damit zu beginnen, dass die Kassen den Zahnarzt nicht mehr zahlen. Der junge Generalsekretär der CDU war baff. Welch ein Selbsttor. Der AIDS-Doktor in ihren Reihen will zudem die Zigarettenraucher diskreditiert wissen; warum musste Rita gehen und der Schönling darf bleiben?
Disclaimer: Dies ist kein Szenario nur der Union. Den Koalitionspartner, die SPD, werde solche Fragen mit noch viel größerem inneren Schaden treffen. Ich warne vor dem Irrsinn einer Opposition in der Regierung (das Verfahren, das die FDP zerstört hat) und bin frei von jeder Häme. Der Paradigmenwechsel wird nur die nicht fordern, die sich eine andere Republik wünschen, respektive gar keine. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Stellen wir uns darauf ein, dass die nächsten drei Jahre bis zur nächsten Bundestagswahl schmutzig werden. Vater Staat ist trotz 500 Milliarden Schuldenaufnahme knapp bei Kasse. Wieso eigentlich? Jetzt beginnt im schlimmsten Fall die Guerilla der Heckenschützen auf die Klientel der jeweils anderen zu schießen. Das wird im Zweifel hässlich. Ich sage: Kollateralschäden sind zu reduzieren. Hört das jemand?
Ich erinnere mich noch gut, wie vor dreißig Jahren mir ein Versicherungsvertreter in meinem Wohnzimmer kackfrech eine Zusatzversicherung für meine Frau verkaufen wollte, die „Frauenleiden“ ausdrücklich auszuschließen gedachte. Er erläuterte auf Nachfrage, dass Schwangerschaften und Geburten zu den Frauenkrankheiten gehören, also deren privates persönliches Problem seien. Leider nicht gedeckt. Ich habe den Kerl damals rausgeschmissen.
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GELD DRUCKEN.
Ich räsoniere. Das ist, wenn man sich die Welt mit Vernunftgründen erklären will. Man gerät ins Schwitzen und landet am Ende in völliger Verzweiflung.
Die Armut kommt von der „pauverte“; das wissen alle, die des Französischen mächtig sind. Und wenn der Staat keine Knete mehr hat, dann soll er sich halt was leihen. Wenn die Banken sich dabei sperrig zeigen, dann wirft er halt die Gelddruckmaschine an. Machen andere doch auch. Der Franzmann hat mehr Schulden als wie wir.
Talkshow-Geplapper zur Schuldenbremse. Im Niveau darunter liegt nur noch das Taxifahrer-Geplapper; jüngst aus Leipzig. Der Sachse findet, dass man mehr Geld für‘s eigene Volk ausgeben sollte und nicht so viel für die Ausländer. Als ich ihn frage, was er glaubt, wer die marode DDR auf den heutigen Stand gebracht hat, sagt er patzig, er habe auch Soli gezahlt. Na klar. Mit Alu-Chips und Konvertierrubel.
Ich hätte gern die Schwätzer bei Frau Illner und im Leipziger Taxi gefragt, warum der ausländische Investor einer Chip-Fabrik in Magdeburg die ihm angebotenen 10 Milliarden gar nicht mehr abgeholt hat; das sind 10.000 Millionen, und zwar Euro. Unter dem Regime der AfD, das sich der sächsische Chauffeur wünscht, wäre es ein Betrag in DM, weil die Rechten zur nationalen Währung zurückwollen. Dann wären halt 20.000 Millionen DM nicht investiert. Dieses Land simuliert einen vermeintlichen Geldmangel. Gelddrucken bringt, hofft man, Heil.
Wer neue Schulden ein Sondervermögen nennt, ist auf dem Weg eine steigende Inflation für Wertzuwachs zu halten. Der Kern dieser Idiotie ist die Verwechslung von BEDARF und NACHFRAGE. Klar haben wir einen Bedarf an Investitionen in Brücken, Kraftwerke und Raketen. Die Fantasie von Roten und Grünen sollte man da nicht unterschätzen. Deren Zukunftsprojekte bestehen samt und sonders in sinnvollen Dingen, für die sie die Steuern erhöhen wollen (oder Schulden machen oder es von den Reichen nehmen). Es ist immer: „tax & spend!“
Funktionierende Wirtschaft besteht aber darin, dass es eine NACHFRAGE gibt; also jemand stellt etwas her, für das ein anderer sein eigenes Geld ausgeben möchte. Das ist das eine. Das andere ist, dass sich das wirkliche Leben nicht an Wunschvorstellungen hält. Ich grübele, wie ich dafür ein Beispiel finden könnte. Vielleicht dieses: Wer grünen Wasserstoff wünscht, der völlig klimaneutral ist, der sollte seine Elektrolyse mit emissionsfreier Kernkraft betreiben; das erbrütet zugleich den Stoff, den er für die Raketen braucht, um die Brücken zu sprengen, über die sonst der Russe kommt. Wenn er kommt.
Ups, jetzt ist es irgendwie ganz aus den Fugen geraten. Ich sollte über erfreulichere Dinge reden. PIE IN THE SKY. Das was Herr Karlsson vom Dach meint, wenn er über einen Teller voll Grütze redet. Wo ist der überhaupt? Ich vermisse ihn.