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OSTERSPAZIERGANG.

Es gibt Gedichte, die schlicht egal sind. Und solche, die, obwohl abgeschmackt, Volltreffer wurden. Dazu gehört das FRÜHLINGSGEDICHT von Goethe. Vom Eise befreit… Faust.

Im Frühling feiert die Natur sich als Ambulatorium: Man geht glücksbesoffen spazieren. Ein zielloses Umherlaufen mit Begaffen der einsetzenden Blüte. Gilt als Sehnsuchtszeit: Man ist Mensch und kann es sein. Sagt Faust.

Den Gärtner dagegen befällt der Stress. Die im Herbst versäumten Baumschnitte mahnen, aber jetzt ist es eigentlich zu spät. Das verbreitete Moos bräuchte Kalk, damit der Rasen durchlüftet werden kann. Noch zu nass. Die Hecke hat sich ungeschnitten durch den Winter gemogelt. Man ist Sklave der Natur.

Faust könnte, statt spazieren zu gehen, mal meinem Gärtner helfen, finde ich. Arbeit ist genug.

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SNOBS.

Wer aus der Masse hervorstechen will, legt sich einen Tick zu. Die dann ähnlich ticken, freuen sich über ihre halbverdeckte Identität als SNOBS. Eine Spinnerei eigener Art.

Zu den halbgeheimen Regeln der Snobs gehört, was man trinkt. Schottischen Whisky, niemals amerikanischen Whiskey. Martini Cocktail gerührt, niemals geschüttelt. Immer Strümpfe, niemals Socken. Nie in kurzen Hosen. Solche Spinnereien.

Die Etikette dient natürlich auch der Ausgrenzung. Neben mir, am viel zu nahen Nachbartisch, rüffelt ein hochgewachsener Osteuropäer, dass der Zäsarsalat seiner Gattin kein Hühnerfleisch aufweise. Unfreundlich herrisch. Beides geht nicht. Auch nicht für diese neuen Zäsaren. Manieren dienen dem freundlichen Umgang.

Ich lese einen Roman, der in der Welt der Snobs spielt und finde ihn sehr gut recherchiert, unter anderem weil die Hotels stimmen. Wohin geht man in „Sing-a-Poor“ (pun intended)? Natürlich ins Raffles. Long Bar und der Sling! Das war leicht. Stichwort Somerset M.

Aber wo nächtigt man in Athen? Nun, der Autor des Romans lässt seinen Protagonisten ins GRAND BRETAGNE ziehen und über die Akropolis im Dunst philosophieren. Sagt die Blonde: „Der war da!“ Das war auch unser Ausblick beim Frühstück auf der Terrasse. Man verreist als Snob nicht mit „Studiosus“ und in kurzen Hosen.

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SUTER.

Komme nicht zum Schreiben, weil ich lese. Martin Suter, Melody. Verlegt bei Diogenes. Großartig. Erinnert an Max Frisch, Homo Faber (überschätzt). Spannend und fährtenreich. Ein tiefer Einblick in den Calvinismus. Eine Topographie verstellter Sehnsucht.

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DA BIN ICH KEIN FAN VON.

Mit einem Berufskollegen rede ich über einen Mandanten, der seine Position als leitender Angestellter aufgegeben hat, um kaufmännische Verantwortung für einen Fußballverein zu übernehmen. Mich erstaunt das, auch aus Wertschätzung dem Mandanten gegenüber. Meinen Kollegen nicht. Es ginge schließlich um „Mönschenglattbach, die Borussen“; ich weiß nicht mal, wo das liegt. Vermutlich im Rheinischen, weshalb der Hinweis auf Preußen (lat. borussia) irreführend ist.

Ich habe mal bei der Autofertigung gearbeitet, die dem VfL Wolfsburg beigegeben ist, und für meinen Sohn ein Auto aus der Presseflotte gesucht, das dort verfügbar, sprich überflüssig war. Man gab mir einen Golf mit dem Code „RS“ irgendwas. Das erwies sich als Schnäppchen; die Karre war hochgerüstet mit allem, was technisch überhaupt geht. Ich frage nach; sagt mein Mitarbeiter, ein Glattbach-Fan: „Den haben wir für den Trainer von Borussia gebaut! Der wollte ihn dann aber nicht.“ Ich lerne, wo Gott wohnt.

Der PR-Profi, mit dem ich über den übergelaufenen Topmanager rede, gesteht mir, dass er Fan sei. Er gibt zu erkennen, dass auch er einem Ruf des Vereins folgen würde. Ich habe von Fusseck keine Ahnung und bin durch die Summen, mit denen dort der Sklavenhandel von Torschützen organisiert wird, irritiert. Das riecht für mich nach OK. Zudem wüsste ich nicht, warum ich meine Wochenenden mit Horden besoffener Proleten verbringen sollte. Ja, ich weiß, und ich war auch schon im VIP-Bereich in Leverkusen, Gesellenkirchen, der KdF-Stadt und München; boring.

In Berlin muss ich Debatten meines Gastronoms über eine gewisse Hertha aushalten. Auf dem Land hat ein Nachbar eine übergroße Fahne von Bayer München ganzjährig gehisst. Die Fankultur ist eine Vulgärreligion bindungsloser Deppen, die die arbeitsfreie Zeit nicht sinnvoll zu gestalten wissen. Fan? Das Wort kommt aus dem Lateinischen und meint den Fanatiker, einen übermotivierten Verehrer von Ritualen der Leibeserziehung. Ich sage das meinem Freund, der mich mitleidig anschaut. So als fehle mir was. Mir fehlt nix und ich bin kein Fan von niemand nicht. Schön, dass wir mal drüber geredet haben.