Logbuch
CITIZEN KANE.
Die Diskussion um den MEDIEN-MOGUL Elon Musk, dem Herrn über TWITTER, ist nicht neu. Es geht um eine Diktatur der Meinungsmacher in der Demokratie. Der historische Vorwurf: „war lords!“
Ich habe gerade eine Rezension in der „Review“ zu einem Buch über die Kriegstreiber an der Spitze der großen Medienhäuser gelesen. Es geht um die Frage, ob sie ihre Nationen in die letzten beiden Weltkriege getrieben haben. Von Teddy Roosevelt über Winston Churchill bis, verlängert, Tony Blair. Ich habe die Namen der Beaverbrooks & Murdochs & Konsorten vergessen; fällt bei mir alles unter CITIZEN KANE. Und jetzt also tagesaktuell Elon Musk.
Ich habe nie an die Religion um sein Batterie-Auto geglaubt oder die euphorische Kolonialisierung des Mars. Vieles schien mir von Bolivianischem Marschpulver getragen. Die aktuellen Tendeleien mit dem Putschisten Trump riechen nach einem Spiel mit der Verfassung, also eher fundamental, sprich Hochverrat, wenn es das Wort noch gibt. Aber es geht mir hier nicht um steile Thesen zu den kalifornischen Oligarchen.
Was die Weltkriege angeht, vor allem den Zweiten, so haben MEDIEN-MOGULE auch in England nachweislich mit dem Faschismus geflirtet, Hitler gelobt und auch andersrum agitiert. Sie haben böse Stimmungen verstärkt, aber nicht den Krieg selbst herbeigeführt. So das abgewogene Urteil des Historikers in der „Review“. Presse gab dem Bösen Rückenwind, ja, aber eben auch nicht mehr.
Alle WAR LORDS sind hochgeschrieben worden und haben immer auf ihr Image geachtet, ja, aber die KZs wurden nicht von den Tintenklecksern geschaffen; sie haben auch nicht Polen überfallen oder Pearl Harbour bombardiert oder die Atombombe in Japan abgeworfen. Willige Unterstützer, aber keine Täter. Propaganda sei halt noch kein Panzer; Kampagne noch nicht der Krieg.
Rosebud, also. Ich bin im Zweifel, ob mich dieses Appeasement jetzt beruhigt. Oder gar versöhnt.
Logbuch
SANKT PETERSBURG.
Wir müssen uns vor russischer Spionage schützen. Insbesondere vor den Geheimdienstaktivitäten aus St. Petersburg. Von ganz oben. Sancta Iustitia!
Worauf ist der historische Vorsprung der Niederländer im Welthandel zurückzuführen? Fragen sich die Russen und versuchen eben das über Industriespionage herauszukriegen. Der eingesetzte Spion ist das Staatsoberhaupt selbst. Der Zar. Mit dem erbeuteten Wissen betreibt er später die Hafenanlagen im russischen Venedig. Expansion nach Europa in globaler Ambition.
Allerdings hat Kees seine Schiffsbaukunst und die daraus resultierende maritime Aufrüstung zum Sklavenhandel genutzt. Mynheer Pepperkorn war nicht nur auf Gewürze aus. Er bevölkerte die Zuckerplantagen der Karibikinseln mit Zwangsarbeitern. Woher ich das weiß? Meine Quelle? Ein Historiker namens Lortzing aus Leipzig.
Jeder Müller ist mit dem Teufel im Bunde, eine Bauernweisheit. Die hübschen holländischen Windmühlen waren nämlich nicht nur zur Wasserhaltung oder der Mehlzubereitung gedacht. Die Idylle täuscht. Dies waren mit Windkraft mechanisierte Sägewerke. Niemand konnte so flott Planken sägen wie Mynheer Kees Pepperkorn. Historische Wahrheit: Die Windkraft steckt hinter dem Sklavenhandel! So, und jetzt Ihr!
Erst die schottische Dampfmaschine setzte dem ein Ende. Deren Geheimnis war aber nicht der sprichwörtliche Dampf, sondern die Kohleverbrennung. Die britische Expansion zur See beruht auf Steinkohle. Und dann ersetzen Stahl und Eisen den Holzschiffbau. Das Montanzeitalter begann. So war das.
Oh, ich bin klug und weise. Und mich betrügt man nicht. Sancta Iustitia.
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JUBEL PR.
Man möchte dabei sein, wenn die Mächtigen der Welt Geschichte schreiben. Dank Regierungssprecher kann man das. Ein heimlicher Schnappschuss macht den Zeitungsleser zum Zeitzeugen. Von wegen!
Ob der Leiter der Bundesbehörde namens „Bundespresseamt“ ein PR-Fuzzi ist oder nicht, darum geht ein langer Streit. Ich kenne die Amtschefs seit Jahrzehnten eigentlich alle persönlich. Viele davon integer. Darf ich erwähnen, dass mein Onkel Heinz da in der Adenauer-Ära als Nachrichtenchef Dienst tat; und zwar weil die englische Siegermacht dort jene Nachrichtenkollegen der deutschen Seite protegierten, die sie als Offiziere der Wehrmacht kannten und noch für vertretbar hielten. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Wenige Regierungssprecher hielten sich für PR-Manager; das war ihnen zu profan. Viele auch deshalb, weil sie eigentlich Journalisten waren, die die Politiker in der Hoffnung umgedreht hatten, dass dann ihre Presse besser würde. Was Quatsch ist, da Journalisten in der PR sind, was der Pole beim Fliesenlegen; nichts gegen Polen, versteht sich. Aber ein Meister hat einen Brief oder er ist schlicht Schwarzarbeiter.
Alle Zeitungen bringen ein Foto, das der Regierungssprecher „heimlich“ geschossen und dann „journalistisch“ über dpa verbreitet hat, auf dem man sieht, wie die versammelten Regierungschefs an den Lippen von Olaf Scholz kleben. Die Götter stecken auf dem Olymp die Köpfe zusammen und unser Kanzler ist Zeus. Die Welt lauscht Olaf. Potzblitz!
Der BILD gelingt in einer erstaunlichen MEDIENKRITIK die Offenbarung des Tricks. Sie beweist uns, dass wir Gegenstand von Regierungs-PR sind, wie einst, als Angela Merkel dem US-Präsidenten den Kopf gewaschen hat. Angeblich! Auch so ein vermeintlich intimer Schnappschuss - aus dem Handy des damaligen Regierungssprechers. Staatliches PR mittels Steuergeld. Und was macht der deutsche Qualitätsjournalismus? Er kupfert das bereitwillig ab. Willige Diener der PR.
Alle, außer BILD. Verkehrte Welt? In mehr als einem Sinne. Morgen übrigens von mir ein Selfie, wie ich dem Papst sage, wo es lang geht. Vielleicht sogar Gottvater selbst. Jubel PR kennt keine Grenzen.
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FRIEDEN? DAS WAR GESTERN.
Auf dem Dach des gegenüberliegenden Hauses sitzen brav ein paar Tauben auf einem bizarren Metallgitter, das meiner Generation noch als FERNSEHANTENNE kenntlich ist. Die Skulptur von Stäben diente dem Empfang modulierter elektromagnetischer Wellen, die zunächst Hörfunk (welch ein Wort), dann auch Filmisches übertrugen. Da die Wellen sich wie Licht verbreiteten, sprich gradlinig, zierten die Sender Bergkuppen und Hochhäuser und die Empfänger die Dächer in deren Richtung. Und es gab die Täler der Ahnungslosen.
Warum man auf „Kurzwelle“ trotzdem um die Welt kam, das kriegen wir später. Jetzt hat sich die Verbindung ins Internet ohnehin in den Weltraum (welch ein Wort) verlagert und ermöglicht den einen die Kriegsführung, den anderen ein „adult TV“, auch im afrikanischen Busch. Beides fasziniert mich nicht. Bei mir sitzen die Tauben auf dem technischen Relikt einer „terrestrischen“ Übertragung und scheißen gelangweilt auf‘s Dach.
Der Sprung vom Manuskript (dem von Hand Geschriebenen) zum Buchdruck hat die Welt verändert; jener vom Papier (zunächst Ziegenhaut, dann tote Bäume) zum Elektronischen noch einmal deutlich stärker. Man weiß noch nicht, was darauf folgt, ich vermute der Chip im Hirn, womit man endlich wieder die Hände frei hat und die Seele verkauft. Geblieben sind die blöden Vögel als Friedenssymbol. Völlig unpassende Wahl, auch wenn sie angeblich gelegentlich Olivenzweige im Maul führen.
Ohnehin ist das ganze Friedensgelaber out. Die SPD zieht mit Plakaten in den Wahlkampf, die deren Schergen als KÄMPFER feiern und dazu auffordern, an deren Seite mitzukämpfen. Kämpfer? Spartakus? Rotfrontkämpfer? Hatten wir das nicht schon mal? Ja, im Begriff des Klassenkampfes. Mit so ein wenig Lenin und einer Prise Frontkämpfer zieht es die Sozis in die neue Zeit. Otto Wels und ich sind tief irritiert. Ausgerechnet die Genossen mit militarisierter Rhetorik. Das ist sie, die neue Zeit? Ich halte es wie die Tauben; ich scheiß drauf.