Logbuch

Dummschwätzerthema: AUTONOME MOBILITÄT.

Auch in Mode als „autonomes Fahren“, sprich: Roboter am Steuer. Ein Tesla-Mythos. Der Reihe nach. Haben wir schon beim Fliegen. Eigentlich sind Piloten nämlich Stewardessen, die keinen Saft bringen, sondern in einer engen Kiste namens Cockpit dem Computer beim Fliegen zusehen. Das wird begleitet von FLUGSICHERERN, die einer anderen stationären KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ beim Starten und Landen der mobilen zusehen. Nur, dass es hinten in der Sardinenbüchse Corona gibt, das hat der Rechner noch nicht im Griff: Da ist das Virus autonom. Das bessere Anwendungsgebiet ist aber die Seefahrt. Seit wir GPS haben, kann Captn Ahap ruhig so stockbesoffen sein, dass er den Sextanten nicht mehr halten kann; das Navi weiß ganz sicher, wo es ist. Ich bin sicher, dass es längst U-Boote ohne jede Besatzung gibt, die heimlich, still und leise die Ozeane durchkreuzen. Das werden die Militärs sicher nicht ausgelassen haben, ein Spionage-U-Boot, das niemals auftauchen muss, weil niemand an Bord ist, der frischen Sauerstoff braucht. Vierhundert Jahre nach der MAYFLOWER muss man doch nicht mehr auf maroden Segelschiffen an der Pest verrecken. Es braucht den Seemann nicht mehr. Das autonome Fahren in Automobilen mag auf leeren Autobahnen leichterdings gelingen; das kann mein Audi heute schon, wenn ich ihn lasse. Er hat übrigens, auch wenn ich ihn ausfahre, einen Radius von 900 km je Tankfüllung, deutlich weniger als ein Kernreaktor im U-Boot und deutlich mehr als Tesla, aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Wo die KÜNSTLICHE INTELLIGENZ versagt, das ist der Stadtverkehr in Berlin. Weil in Berlin jede Intelligenz versagt. Hier sind Radfahrer weder an die StVO gebunden noch an gesunden Menschenverstand. Nachts unbeleuchtet, aus allen Himmelsrichtungen, zu jedem Unsinn bereit. Und ab und zu ein Lastenrad mit Elektroantrieb und Kleinkindern im Trog, ohne Helm und Gurt, oh Mann, Kurt! Chaos. Straßenkampf. Das kann kein Algorithmus. Stadtverkehr ist überkomplex, jedenfalls dieser. Augen auf und vor allem Fuß von Gas. Das „einzigste“ (Berliner Superlativ), „wo hilft“ (Berliner Relativsatz).

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Alfred war ein GRABESRITTER.

Das ist ja ein Ding. Ich hab so manchen Strauß mit ihm ausfechten dürfen. Wenn ich das damals gewusst hätte. Aber am Ende hat er sich nicht gegen mich durchsetzen können. Also alles gut. Altersmilde. In der Todesanzeige eines ehemaligen Kollegen lese ich, dass er ein Ritter vom Heiligen Grab war, eines direkt vom Vatikan gestifteten Ordens, der das Motto „Gott will es so!“ (deus lo vult) führt. Unter dieser Legitimation war schon vor gut tausend Jahren mit den Kreuzzügen begonnen worden, die Jerusalem aus der Hand des Islam befreien sollte. Gottes Wille. Das finde ich beeindruckend schlank. So geht PR. Es ist in einem Satz alles gesagt. Da war ja das Koppelschloss der Wehrmacht noch zurückhaltend, das nur ein „Gott mit uns“ formulierte. Welch ein finales Argument! Angeblich soll es ein Ausruf der Menge gewesen sein, als zum Kreuzzug erstmals aufgerufen wurde, so der Mythos. Plausibler ist, dass die STELLVERTRETER dies den Massen in den Mund gelegt haben. Der Vatikan kannte sich aus in Legitimationsfragen. Mein Herr Vater knurrt noch heute: Sie haben Panzer gesegnet! Da bin ich nicht sicher. Aber sie haben zum Holocaust geschwiegen. Mit einem Satz einen Märtyrer schaffen können; das ist Rhetorik. Alle Achtung. Wie jeder CASUS BELLI veranlasst der KRIEGSGRUND den armen Tropf sein Leben zu opfern; nicht nur seins, auch das anderer. Selbstaufgabe. Andere Geschichte: Aus Frankreich höre ich die entsetzte Stimme eines Lehrers, dass die Enthauptung eines seiner Kollegen durch einen Schüler (wegen angeblicher Gotteslästerung mittels Karikatur) von der Mehrheit seiner Schüler zustimmend behandelt würde. Gott will es so. Diesmal der andere Gott, aber gleiche Logik. Nun will ich den braven Kollegen vom Heiligen Grab nicht mit einem islamistischen Attentäter vergleichen. Nihil nisi. Aber vielleicht tue ich es ja doch. In mir rebelliert die AUFKLÄRUNG gegen das Motto vom Gotteswille. Alle Kritik, hat der Bärtige aus Trier gesagt, beginnt mit der Kritik der Religion.

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FREUNDSCHAFT.

Nicht der Ossi-Gruß. Wahre Freundschaft, jedenfalls vorübergehende. Was man Freunden nicht vergisst. Vor rund einem Jahrzehnt hatte ich mir bei Gartenarbeiten mal den Fuß gebrochen. „Weber B“: für die Chirurgen unter uns. Da baumelt der Fuß nur noch an den Sehnen, weil der Knocken durch ist. Ich lag nach der OP an einem Samstag eine knappe Woche im örtlichen Krankenhaus. Und wer schaut vorbei? Salvatore, der Inhaber der Pizzeria, in die ich damals notorisch ging. Er hatte so was gehört, da wollte er mal schauen. Besucht mich im Krankenhaus, seinen Stammgast. Wir waren nicht dicke, aber man mochte sich. Es war nur eine freundschaftliche Geste, und ich vergesse sie nicht bis zum heutigen Tage. Ich esse inzwischen woanders, wenn Lokale denn mal geöffnet sind, aber eigentlich sollte ich mal nach ihm sehen, dem alten Freund. Kein EUPHEMISMUS. Freund? Eigentlich zu viel gesagt, war ja nur Stammkunde. Aber immerhin-que, wie der Lateiner sagt. Er hat mich im Krankenhaus besucht. Als das noch ging. Lange her.

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FEIGHEIT.

Angesichts von wirklichem Elend am Sessel zu kleben und politische Verantwortung doppelbödig zu leugnen, das wird zurecht geächtet. In Mainz fällt eine Memme. Alles roger.

Über ein ganzes Jahr hat der verantwortliche Minister in Rheinland-Pfalz namens Roger Lewentz geleugnet, dass er das Ausmaß der Ahrtal-Katastrophe sehr früh kannte; erst als weiteres Lügen nicht mehr half, trat er jetzt zurück. Ein Lehrstück zur Verachtung, die die politische Klasse sich verdient, indem sie laviert.

Die SPD trägt keine Verantwortung für den Starkregen an der Ahr. Das war eine unhinderbare Naturkatastrophe; jedenfalls, wenn man die enge Besiedlung eines engen Tals für unvermeidlich hält. Ich verneige mich vor dem Schicksal der Opfer, den Toten und Verletzten, ihren Angehörigen und den dramatisch Geschädigten. Politisch aber hat man mit Schmach eine grüne Bundesministerin über die Wupper gehen lassen und einen schwarzen Landrat, während sich der jetzt gestürzte Sozi unter dem Rock seiner roten Ministerpräsidentin versteckte. Malus Mann für den Mittelrhein. Was für eine Memme!

Wohlgemerkt: Ich bin froh, dass ich in einem solchen Fall noch keine Verantwortung tragen musste. Ich lese aber jetzt von dem ehemaligen Chefredakteur der Rhein Zeitung, dass schon am Nachmittag, also noch im Hellen, das Ausmaß der Katastrophe im Netz erkennbar war; der Mann ist klug, kein Hetzer, und ich glaube ihm. Das macht für mich die Einlassung des endlich gestürzten Innenministers, er habe nächtens im Lagezentrum kein klares Bild der Katastrophe gehabt, so unglaubwürdig. Zudem habe ich dessen bräsige Art, das muss ich zugeben, nie gemocht. Ich bin nicht frei von Häme.

Aber: Wenn zum Ur-Narrativ der Sozialdemokratie der Helmut Schmidt der Hamburger Flutkatastrophe gehört, so ist das Urteil über den herumeiernden Roger Lewentz vom Mittelrhein gesprochen. Die rheinland-pfälzische SPD wird ihr Management in den Fällen Nürburgring, Flughafen Hahn und Ahrtal noch sehr lange erklären können müssen. Und das sage ich, obwohl mir manche Polemik der oppositionellen CDU auf den Senkel geht. Aber mein Anspruch an das Staatsmännische wie an einen anständigen Kerl, der ist hier unterboten. To say the least.