Logbuch
Kann man einen Kater kriegen, ohne einen richtigen Rausch gehabt zu haben? Wir verzichten zurzeit auf sehr viel Geselligkeit, weil wir die Verbreitung der Seuche nicht auch noch fördern wollen. Gut so. UNFREIWILLIGES EREMITENTUM. Gestern war ich zu einer akademischen Prüfung unter strengsten Regeln. Und es wäre eigentlich, wegen des erfolgreichen Ergebnisses, die Regel gewesen, die Sektkorken knallen zu lassen. Nach der Prüfung die Feier. Verschoben! Der Doktorvater fragt uns, wie das wohl sein wird, wenn der Lockdown aufgehoben ist, ob man dann alle versagten Vergnügen auf einen Schlag nachhole. Sehr gute Frage! Dann hätte Dionysos, der Gott des Weines, einiges zu tun. Ein DIONYSISCHES QUARTAL, wird das kommen? Erwartet uns, was die alten Griechen noch SYMPOSIUM nannten, ein Massenbesäufnis? Wohl kaum, sagt ein anderer der geschätzten Professoren. Und ich denke, vielleicht enden wir in einem Kater, dem gar kein Rausch vorausgegangen ist. Wir würden dann zu der Erkenntnis kommen müssen, dass die Wahrheit nicht nur im Wein liegt. Wie nüchtern, denke ich. Es kommt ein Zeitalter des APOLL? Nur Grades, Richtiges, Vernunft allenthalben... Welch ein Schrecken.
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Kaum zu glauben, aber wahr!
Da ist die innere Stimme des Propaganda-Opfers. Früher hat man sich diesen Deppen als BILD-Leser vorgestellt, heute ist er auf TWITTER oder dunkleren Diensten in der Tiefe des Netzes unterwegs. Seine innere Stimme quittiert einen Prozess der Erregung, der in einen Zustand der Selbstvergewisserung umbricht. Es braucht zunächst AUFREGUNG, im Englischen „outrage“; das ist die eigentliche Währung der Skandalmedien, EMPÖRUNG, genauer Empörungsanlässe. Aber eben nicht jene, die zu Entdeckungen führen könnten, neuen Erkenntnissen oder besseren Einsichten. Im Gegenteil: Es werden solche Aufregungen gesucht, die bei näherer Betrachtung dazu führen, dass die vorhandenen VORURTEILE, wohlgemerkt , die eigenen, erneut eine Bestätigung finden. Das Unglaubliche soll bei näherer Betrachtung glaubhaft sein. Im Fachbegriff „ressentimentaffin“, den Aberglauben bestätigend. Was der Antisemit an unglaublichen Skandalen über Juden hört, ist immer so, dass es seinen Antisemitismus erneut bestätigen kann. Das gleiche gilt für den Frauenfeind beim Blondinenwitz oder den KKK-Mann beim Getto-Aufstand. Menschen mögen das, Recht gehabt zu haben. Es freut den Deppen, wenn er erneut bestätigt findet, was seine enge Welt so bebildert. „Kaum zu glauben“, schreit seine erregte Seele, um es dann doch für „wahr“ zuhalten. Meinen Studenten erkläre ich das als PARADOXE ENDOXIE. Begriff ist von mir. Ein ehrwürdiger Professor der Mainzer Publizistik hat das mal in einer Fußnote getadelt; mit dem Hinweis, dass ich sie nicht alle habe. Er hielt es für unerträglich. WORTGEKLINGEL. Na ja, ist nicht ganz falsch. Zudem lebt er nicht mehr, der Mainzer. Nihil nisi...
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PEST & CHOLERA.
Gestern fast 500 Sterbefälle pro Tag im deutschen Vaterland, trauriger Rekord. Die Seuchen machen keinen Sinn. Nicht mal jenen kleinen, vordergründigen Sinn, den Kriege machen. Wer fürs Vaterland stirbt oder die richtige Religion, der mag darin noch einen Sinn sehen, obwohl er sich natürlich gründlich täuscht. Aber Opfer von einem Virus zu sein, wie leer. Immer war die Frage der SEUCHEN aber auch eine SOZIALE FRAGE. Als Hamburg noch Hotspot war, für die Cholera, weigerte sich die Bürgerschaft, in den Armenvierteln die Ableitung des Brauchwassers von der Zuleitung des Trinkwassers zu trennen. Beides über die Fleete aus der Elbe. Wurde dann geändert. Und die Seuchen waren ÖKONOMISCHE FRAGEN. Auch darauf liegt ein Tabu. Für die venezianischen Kaufleute, die wussten, warum sie den Chinafahrer 40 Tage auf Reede legten (Quarantäne). Oder den hanseatischen Pfeffersack, der die Pauper Europas nach Amerika verschiffte (Hapag Lloyd). Jetzt aber, bei Corona weltweit, wo ist da der soziale oder wirtschaftliche Sinn? Es gibt ihn nicht. Das brütet den Aberglauben (QAnon). Und bringt den Staat in arge Not, in intellektuelle, inhaltliche ; die Politik schaltet in den Notstandsmodus, ohne dass sie die Sinnlosigkeit der Seuche aufheben kann. Freiheitsverlust ohne Sinngewinn. Ein Kreuzzug ohne Kreuz; es geht um nichts. Wir sind mit der Sinnlosigkeit des Todes konfrontiert. Das haben die Menschen noch nie gut abgekonnt. Luhmann, der große Soziologe, hat von der Herrschaft der KONTINGENZ gesprochen. Unser Leben und Sterben bleibt sinnlos, wenn wir SELBST ihm keinen geben. Dafür sind Merkel & Spahn eben kein hinreichendes Angebot. Mutti verliert zunehmend ihr Charisma. Ich muss jetzt hier Schluss machen; ich habe zu tun. Meinem Leben einen Sinn geben, sozial und ökonomisch.
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UNSERE DAMEN.
Was in der Sprache der PR eine „event location“ ist, das dürfte mit der Wiedereröffnung von NOTRE DAME in Paris klar sein, es sind die Bretter, die die Welt bedeuten, der Theaterboden, auf dem ein Stück aufgeführt wird. Die Medien konzentrieren sich in Paris auf die Bilder mit dem alten und nun wiedergewählten Präsidenten der USA, Donald Trump. Auch seine Begleitung durch den Unternehmer Elon Musk wird ins Zentrum der Berichterstattung gerückt. Das deutsche Staatsoberhaupt sitzt in der zweiten Reihe und bleibt unbeachtet.
Darf ich erwähnen, dass es sich bei NOTRE DAME um eine Kathedrale handelt? Das ist ein katholisches Gotteshaus. Es entstammt dem 12. Jahrhundert; es ist damit ein Ikon des europäischen Christentums. Selbst die Französische Revolution hat es nicht geschliffen, sondern zum TEMPEL DER VERNUNFT umfirmiert. Dazu muss man angesichts des Marienkultes um unsere LIEBE FRAU schon tief Luft holen, aber doch ist der Ort dadurch nicht wirklich geschändet.
Nun also der Tanz um das Goldene Kalb. Man macht sich in deutschen Medien Sorgen um unseren Ruf in der Welt, weil der Scholzomat auf den Götzenbildern fehle und die vielversprechende Außenministerin. Und der Architekt der deutsch-russischen Gas-Allianz nur in der zweiten Reihe hocke, unbeschienen von den Blitzlichtern, die die Welt bedeuten. Diese Sorge teile ich nicht.
Ich bin unmusikalisch in Dingen der Religion, aber doch nicht wirklich zu Gotteslästerungen aufgelegt oder zu Krönungsgottesdiensten. Ich wähle diese meine Worte mit Bedacht. Man wird wissen, was ich meine, wenn bei einem künftigen Event mein Vaterland wieder in der ersten Reihe sitzt und die Blitzlichter unsere Damen erleuchten, Frau Le Pen mit Frau Meloni, zusammen mit der deutschen Kanzlerin Alice Weidel, begleitet von der Außenministerin Frau Wagenknecht.