Logbuch

FARBENLEHRE.

Ich sollte als Pennäler wissen, so der Auftrag meines Kunstlehrers Otto Schäcke, wie MISCHFARBEN gehen. Also: gelb plus blau, das ergibt grün. Man brachte einen weißen Metallkasten mit in den Unterricht, der Aquarellfarben enthielt. Ich erinnere die Marke „Pelikan“. Es gab noch kein WIKIPEDIA, ich war mit dieser bescheuerten Hausaufgabe aufgeschmissen. Sie wurde auch nie abgefragt. Otto Schäcke stand im Ruf, an der Flasche zu hängen.
So leicht kommt der Wähler nicht raus. Welche Farben kann man mischen? Unter SCHRÖDER & FISCHER hat er gelernt, dass Rot & Grün zusammengeht. Die Schwarzen hoffen jetzt, dass es diesmal für Schwarzgrün reicht. LASCHET & BAERBOCK. Der Souverän darf sich wie ein Maler fühlen, der auf seiner Palette mischt, was das Zeug hält, um ein tolles Gemälde hinzukriegen. Er darf sich eine Regierung malen.
Aber Schwarzbraun, das soll nicht möglich sein; sagen die Schwarzen, um nicht noch mehr an die Braunen zu verlieren, die von sich behaupten, eigentlich Blaue zu sein. Ich fürchte, wir werden, wie in anderen Ländern auch, jede FARBKOMBINATION erleben. „What ever it takes“, das gilt jetzt auch für KOALITIONEN. Nicht nur, weil es mathematisch nur noch KUNTERBUNT reicht, auch weil der moderne Politiker ein CHAMÄLEON ist. Er passt sich der Farbe seiner Umgebung an.
Braun wird aus historischen Gründen ungern gezeigt; es tarnt sich unter dem Blau der Kornblume. Im Moment gibt es aber auch OBLIGATORISCHE Töne, etwa das Klima-Grün. Ach so, das mit Otto Schäcke, Friede seiner Asche, das war natürlich nur ein Gerücht, ein Pausenhofschnack, am Freiherr vom Stein Gymnasium in Oberhausen-Sterkrade. Warum weiß ich nach gut einem halben Jahrhundert noch seinen Namen? Er kann als Lehrer nicht schlecht gewesen sein. Vielleicht waren es aber auch seine regelmäßigen Luftschutzübungen im Unterricht. „Auf mein Kommando alles flach auf den Boden, Tasche über ‘n Kopf!“ Für wenn die Russen kommen, genannt DIE ROTEN.

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DIE MACHT DER WORTE.

Ich habe da dieses etwas morbide Hobby. Ich lese in den Tageszeitungen gern Todesanzeigen. Nicht so sehr wegen der Verstorbenen. Möge ihnen die Erde nicht zu schwer werden. Nein, wegen der Nachgelassenen und ihrer Not, für die Anzeige ein passendes Motto zu finden. Meist ein Bibelzitat.
Ich weiß, dass die Beerdigungsunternehmen dazu Listen bereithalten, von denen man etwas Passendes auswählen kann. Meist gefälliges. Sozusagen die Konfektionsware der frommen Sprüche. Und es gibt so ein Dutzend Dichterworte, die zu diesem Anlass notorisch sind.
Jetzt aber, in der NZZ, da wird einem Verstorbenen aus den 154 Sonetten des William Shakespeare das Sonett 18 nachgerufen. Ein Liebesgedicht, das die zu Preisende mit einem Sommertag vergleicht. „Shall I compare thee to a summer´s day?“ Nein, sagt er sich, so lieblich und mild sei dieser nicht.
Worten wohnt manchmal eine erstaunliche Macht inne, gerade den beiläufigen.

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TELL IT ALL.

Die tragische Lady Di wurde zu Tode gehetzt, von der üblen Boulevardpresse wie von der ehrwürdigen BBC. MEDIA KILLS. Die Journalisten fälschten Dokumente, um ihren Bruder zu verführen, seine Schwester unter falschen Annahmen zu einem Interview zu verleiten, in dem sie sich als Gehörnte offenbarte, womit ihre Ehe zerbrach und die geliebte Familie. Das Versprechen war: „Tell ist all!“ Ein Befreiungsschlag durch Selbstoffenbarung. Selbstmord aus Angst vor dem Tod.
Ein Promi zu sein, das kann heißen, Freiwild für jede Spekulation, jede Niedertracht. Zurecht schützen sich die VIPs durch Medienanwälte gegen den Wildwuchs geifernder Medien. Zwei Regeln sind hier wesentlich. Das Königshaus selbst: NEVER COMPLAIN, NEVER EXPLAIN. Man kann die Niedertracht nicht durch Naivität entwaffnen. Das nimmt man mit innerer Verachtung hin.
Zweite Regel: DON ´T ASK, DON ´T TELL. Ich frage nichts und ich erzähle nichts. Man erhält seine Privatheit nicht, indem man sie weggibt. All das widerspricht dem allgegenwärtigen Kult der Selbstoffenbarung, dem Identitätstheater, nach dem ein sensationslüsternes Publikum lechzt. Gut so. Helden suchen leidend nicht die Bühne. Wehmut im Herzen, allenfalls. Und Verachtung.

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DIE TESLATEN.

Die INTERNATIONALE der NEUEN RECHTEN ist gegen Zuwanderung und Klimapolitik, für Aufrüstung und Elektroautos; wenn ich das richtig subsumiere. Ein Sammelsurium an Vorstellungen aus politischer Nostalgie und einem islamfeindlichen Impuls (den gleichzeitig auch angelegten antisemitischen unterdrückt man aus taktischen Erwägungen). Etwas in mir weigert sich das Braune blau zu nennen. Also: die neuen Braunen? Nicht überzeugend.

In Berlin finde ich nun mitten im bürgerlichen Dahlem einen Tesla, auf dessen weißes Blech jemand mit fetten Edding ein Hakenkreuz geschmiert hat. Unangemessen, aber es hadert offensichtlich ein bestimmtes Milieu mit dem Eigner der Marke. Gleichzeitig lese ich in der Financial Times, dass die NEUE RECHTE in England inzwischen mehr Mitglieder habe als die Konservativen Tories. Der Chef der REFORM UK (ein Imperativ!) Nigel Farage gibt zu, am Familiensitz von Donald Trump mit dem Tesla-Eigner über Geld gesprochen zu haben. Es ist von einer Zuwendung in Höhe von 100 Millionen US-Dollar die Rede. Wahlkampf exterritorial, sprich im Ausland, ordnungspolitisch ist das nicht ohne.

Wohlgemerkt, der Besitzer des amerikanischen Autoherstellers Tesla, ein eingebürgerter Südafrikaner angeblich englischer Abstammung, fördert als maßgeblicher Förderer der NEW RIGHT in den USA nun eine rechtsaußen anzusiedelnde Partei in Great Britain, die wesentlich den Brexit betrieben hat. Der AfD in Deutschland hat er auch schon ein gutes Wort geliehen, eine Wahlempfehlung mit dem nicht kleinen Impetus, dass nur die NEUE RECHTE Deutschland retten könne. Ist es wieder soweit?

Ich habe die Befürchtung, dass das grüne Milieu, zur Zeit in Buhlschaft mit dem schwarzen, diese Spreizung ins braune nicht aushalten wird. Was also wird aus dem mobilen Ikon namens Tesla? Wenn es eigentlich doch nur um die Idealisierung der Batterie ging, steht BYD als Sehnsuchtsmarke bereit. Ein boomender Laden! Dass nun eine Schüssel aus Rotchina bekömmlicher ist als das kalifornische Vehikel wird noch Überzeugungsarbeit brauchen, aber warum sollte es nicht gelingen? Ich bin eh raus und bleibe beim Selbstzünder.

Was begrifflich aussteht, ist die kategoriale Bestimmung der NEUEN RECHTEN. Da ist es mit der Denunziation als Nazis nicht getan. Wir alle wissen, dass das polemisch möglich ist, aber nicht wirklich erfasst, was hier international passiert. Auch das Wort des RECHTSPOPULISMUS greift zu kurz, da volkstümlich zu sein nun wahrlich kein Verbrechen ist. Mir fällt das Urteil „reaktionär“ ein, aber es fehlt der historische Block dazu. Frage an die Wolke: Wer nennt das Kind beim Namen? Mein Vorschlag wäre (follow the money): die Teslaten.