Logbuch
PFERDEVERSTAND.
Eine endlose Flotte von Lieferwagen durchschwärmt das Land. Der Markt für diese kleinen Nutzfahrzeuge (Kastenwagen mit Dieselmotoren) und LKWs (mit großen Dieseln) muss leergefegt sein. Ein arabischer Migrant fragt mich nach einer Adresse. Und stellt dann beim Nachbarn ein Amazonpaket zu. Gut, denke ich, er hat einen Job. Möge es Aufstieg ermöglichen. Er macht das, was mal Einzelhandel war, wo wir einst in Innenstädten holten, was heute nach Hause gebracht wird. Blühende Landschaften.
Erinnert mich an meinen Urgroßvater, der aus Ostpreußen (heute Russland) an die Ruhr kam, weil hier PFERDEVERSTAND benötigt wurde, den er hatte. Ein Heer von Kutschern und ihre Gäule. Zur Auslieferung von Bier und Milch. Zum Treideln der Schiffe flussaufwärts. Untertage, um Kohleloren zu schleppen. GRUBENPFERDE. Lieber das, als im Osten, in der kalten Heimat, zu verhungern. Die ewige Logik der Migration. Es ermöglichte Aufstieg. Blühende Landschaften.
War das idyllisch? Na ja, man mochte als Migrant der ersten Runde (Protestant aus Ostpreußen) die der zweiten Runde (Katholiken aus Polen) nicht; die wiederum mochten die der dritten Runde (Moslems aus der Türkei) nicht. Aber man kam zurecht. Als Gefahrengemeinschaft, auf dem Fußballplatz und auch sonst, irgendwie mit der Zeit. Kumpel-Ehre. PFERDEVERSTAND. Blühende Landschaften.
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WEIZEN.
Renate Künast (Grüne), lese ich, lobt an ihrem Kiez die Läden mit unverpackten (!) Lebensmitteln. Wie dumm. Attitüde der Beerensammlerin. Von der Hand in den Mund. Aber von vorne.
Dass unsere Ernährung zu so großen Teilen auf Getreide beruht, also am MEHL hängt, hat seinen Grund im KORN. Weizen kommt verpackt! Und zwar von Mutter Natur. Bevor der Müller zuschlägt, ist Korn ein Verpackungswunder. Das Mehl schlummert in einem Tresor. Lagerfähig, haltbar, transportabel, teilbar, handelbar: ein logistisches Genie.
So ließ sich Ernte teilen und dann der Winter überleben. Oder das Versprechen von BROT & SPIELEN einhalten. Pasta machen. Kuchen backen. Die Korntürme waren die Kathedralen des hungernden Plebs. Und BIER BRAUEN, Schnaps brennen. Für Reis gilt Ähnliches.
„It’s the packaging, stupid.“
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KOHABITATION.
Aus den Bielefelder Karteikarten: der Kolibri holt sich den Treibstoff, den er für den aufwendigen Schwirrflug vor der Blüte der Lilie braucht, indem er mit seinem sehr langen Schnabel an ihren Nektar kommt; dabei bestäubt er sie, so dass sie sich fortpflanzen kann. Und er überlebt den Hubschrauberflug. Biologisch sind die beiden zusammen entstanden, nennt sich KO-EVOLUTION.
Nur dieser Kolibri kann das, bei genau dieser Blume. Und umgekehrt. Wer steuert wen? Nun, die Blume verändert, wenn sie kohabitieren will, ihre Farbe, dann kommt der Kolibri. Er kann gar nicht wissen, wann der Nektar für den Schwirrflug reicht.
Ein symbiotisches System, in dem die Pflanze das Lebewesen steuert.
Das amüsiert den Bielefelder. Wie in der Ehe notiert er. Oder der MITBESTIMMUNG, die im Französischen „cohabitation“ hieße. Humor in Bielefeld, erstaunlich.
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ABLASSHANDEL.
Mich erreicht ein Spendenaufruf, den ich genau lese, weil mir Journalismus etwas bedeutet. Das sage ich als PR-Manager schon immer. Ich bin für das Bonmot verantwortlich, nach dem PR der verdeckte Nutznießer einer freien Presse ist und der Parasit das allergrößte Interesse an der Gesundheit seines Muttertieres hat. Das ist mein Ernst. PR-Manager sind Löwenbändiger; wenn aber nur noch Schmusekätzchen umherstreichen, ist die Profession dahin. Man versteht, was ich meine.
Am Anfang war das Wort. Zitieren wir also den Aufruf, wohlgemerkt wörtlich: „Wir konnten Recherchen mit Hintergrundwissen über Verbindungen von Politikern zu unbekannten Netzwerken verknüpfen. Wir konnten in eine Chronik veröffentlichen, wann sich AfD-Politiker Björn Höcke vor Gericht verantworten musste. Und wir sind mit allem erst am Anfang. Unser Ziel ist eine umfassende Sammlung. Ein Ort, der alle relevanten Informationen über politische Akteurinnen und Akteure vereint und das gesamte Bild zeigt. Als spendenfinanzierte Redaktion ist ihre Unterstützung dabei von großer Bedeutung. Die kommende Bundestagswahl wird Deutschland verändern. Es ist unsere Aufgabe als Journalistinnen und Journalisten jeden Tag kritisch auf die Politik zu schauen. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass irgendwie alles gut wird. Die Stärke unserer Demokratie hängt davon ab, wie sehr wir uns für sie einsetzen. Unterstützen Sie heute diese Hintergrund-Recherchen. Verteidigen Sie die Demokratie mit. Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie uns, weiterhin unabhängig zu recherchieren und tiefgehende Aufklärung zu betreiben. Sie helfen, Informationen bereitzustellen, die andere weitergeben und für ihre eigenen Recherchen nutzen können. Handeln Sie jetzt – für Transparenz, für Aufklärung, für unsere Demokratie. Für eine Gesellschaft, die kritisch auf die Politik schaut, statt blind vertraut.“
Ich würde mich dem anschließen können, wenn mich nicht zwei Dinge skeptisch machten. Da ist zunächst das miserable Deutsch bis hin zu den ganz typischen Grammatikfehlern. Wer so redet, denkt so. Das andere, ich sage es ohne Polemik, ist das dichotomische Weltbild. Dort die Bösen (die Politik), hier die (!) Gesellschaft. Man ist Agent des Gemeinwohls. Und es gibt einen (!) Ort der ganzen Wahrheit. Jedenfalls demnächst, wenn ich jetzt spende. Alta Schwede.