Logbuch
RESTAURANT-REGELN.
Mich packt kaltes Entsetzen, wenn sich Restaurantbesucher ihre Essensreste einpacken lassen. Eine Viertel Pizza in Alufolie. Was fängt man damit zuhause an? Das nimmt ja nicht mal mehr der Hund. Erstens erwähnt ein anständiger Kellner nicht den Zustand des abgegessenen Tellers und erfragt Kommentare zur Portion oder gar dem Appetit des Gastes. Zweitens verlässt man ein Lokal nicht mit den restlichen Pommes im Plastikbeutelchen. Oder dem Schnitzelrest in der Handtasche. Banausen! Peinlich.
Lehrsatz: Die Leute kommen wegen der Speisen, der Wirt lebt aber von den Getränken. Jedenfalls in einem guten Restaurant mit ausgezeichneter Küche. Wer das weiß, verhält sich entsprechend. Man bestellt eine anständige Flasche Wein; vielleicht sogar eine zweite, wenn zu viert. Dazu am Schluss noch ein Rat.
Wer eine gute Küche unterhält und nicht nur den Convenience-Scheiß warm macht, der darf für eine Vorspeise zwanzig und einen Hauptgang dreißig Euro nehmen. So gestern Garnelen in Glasnudeln oder ein Kalbstafelspitz rosa mit Pfifferlingen und im Hauptgang ein Saltimbocca oder ein feiner Fisch. Dazu ein Fläschchen Mosel von Fritz Haag, die Juffer Sonnenuhr. Weil zu dritt, noch ein zweites aufziehen lassen. Der Wein dürfte mit dreißig € im Einkauf zu haben sein und kostet nun zur Restauration 89; nicht billig. Faktor drei, das ist normal.
Gute Küche geht nur mit einer solchen Mischkalkulation. Leistet man sich ja auch nicht jede Woche. Interessante Beobachtung: Anfahrt im Porsche, das betuchte Paar am Nachbartisch, nimmt jeder nur einen Hauptgang, sie ein Wasser, er ein Pils; Zahlen mit schwarzer Kreditkarte; Münzen als Trinkgeld auf den Tisch. So kann ein solcher Laden nicht überleben.
Jetzt der Tipp: Wenn mit dem Auto, zweite Flasche wieder korken lassen. Denn man kann sich die angetrunkene Flasche in einem Papiertäschchen ohne weiteres mitgeben lassen und zuhause austrinken. So sind dann alle aus dem Schneider.
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MEIN THÜRINGER FREUND.
Zufällig finde ich das Radiogerät älteren Datums, das mir klangvoll jene Internetsender präsentiert, die ein kleiner WLAN-Empfänger in die Röhrenkiste einspeist, nach der Raumpflege gedreht, Rücken nach vorn, und entdecke, dass der Kollege aus Thüringen stammt und dort einem Volkseigenen Betrieb (VEB) entsprungen ist. Ich bitte ihn, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Da ein Röhrengerät, dauert es einen Moment, bis er warm. Aber dann lerne ich eine historische Persönlichkeit kennen.
Seine Familie stammt aus Riga, der lettische Hansestadt, in die der Genosse Stalin die Funktechnik gegeben hatte. Weil da schon die Eisenbahnfertigung war. So geht seitdem staatliche Wirtschaftspolitik. Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf das Baltikum wurde der Betrieb bei der AEG zu Berlin eingegliedert. Waren die sich auch nicht zu schön für. Man baute Radioempfänger und bastelte am Panzerfunk. Legendäre Verstärkerröhren entstanden, die noch bis in die fünfziger Jahre eingebaut wurden. Das sind die Ahnherren der Chips.
So wie die militärischen Dinge beim GröFaZ (größter Feldherr aller Zeiten) im Osten liefen, wurde der Betrieb 1944 eilig und notdürftig nach Thüringen verlagert, einschließlich lettischer Fachleute, die die Kriegswirtschaft als Zwangsarbeiter hier hin brachte. Als der Krieg verloren und die Amis das Gebiet an die Sowjets abtraten, gelang ein genialer Schachzug. Die Sonneberger Radiofabrik kam unter sowjetischer Sonderverwaltung und mied so lange die Nöte der DDR-typischen Mangelwirtschaft. Man baute stattliche Röhrenradios („Super“), die bald die Namen thüringischer Städte trugen. Radio Erfurt usw.
Die Sendertabelle auf der Front wies nur wünschenswerte Stationen aus, aber das hatten die findigen Letten ja schon immer verstanden, dem Willen der Vormacht nach außen zu entsprechen und doch mit der ganzen Welt zu verbinden. Erst die Halbleitertechnik, der elende Transistor, und das leidige Stereo hätten sie aus der Bahn geworfen, klagt er mir. Ich soll seinen Namen noch sagen, bittet mich der nette Zeitzeuge. Es handelt sich um Weimar WU Modell Super 6118/55 der VEB Sternradio Sonneberg. Prächtige Holzkiste. Noch immer toller Klang. Wir sind befreundet.
An Panzerfunk besteht kein Interesse mehr, jedenfalls keines des terrestrischen Radioempfangs. Da gibt es jetzt Internet aus dem All. Dem Weisen genügt das als Hinweis. Sapienti sat.
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FORBIDDEN FRUITS.
Ich fange mal kompliziert an. Rachegelüste sind etwas sehr Vormodernes. Und es gibt Religionen, die sich, wo an der Macht, der Ausgestaltung der Vormoderne widmen. Aber es liegt mir heute nicht an Islamkritik, sondern der des reaktionären Christentums; auch das gibt es. Die alte Tante FAZ hat eine Feder dieser Prägung in Hannover zu sitzen, die sich jüngst zum Praeceptor Germaniae aufwirft. Der langweilige Evangele von der Leine, ein Doktor der Theologie ehrenhalber, droht den Ossis. Im Namen der Wessis erhebt er die Stimme. Unsere Geduld könnte auch mal zu Ende gehen. Schließlich haben wir mit unserem Soli den DDR-Scheiß hochgepäppelt. Sagt der Halbe Luther in der FAZ.
Auslöser ist wohl der absehbare Wahlerfolg der AfD in Mittel- und Ostdeutschland. Drei der dortigen MP-Kandidaten mischen sich jüngst als Troubadoure des Ostens in die Rentendebatte ein, was schon im Ansatz undankbar ist. Ohne Willy Brandt und Helmut Kohl wären die Ossis noch immer Vasallen der Sowjets, zumindest aber ökonomische Pauper wie der Pole oder der Ungar. Das ist das Argument. Daran ist so gut wie alles mies.
Ja, die Ostpolitik Brandts und die Europapolitik Kohls haben die Folgen des verlorenen Krieges saniert; Teil einer weisen Friedenspolitik. Der größere Teil der Weisheit ist allerdings den Siegermächten geschuldet, die auf eine imperiale Rache verzichtet haben; auch und gerade Russland. Ich weiß, dass das nicht jedem gefällt, darum sage ich es mit Nachdruck.
Die Ossis sollen jetzt also die Partei Kohls oder zur Not die Brandts wählen und die Schnauze halten. Sonst hat der Arsch Kirmes. Ja, man redet mit den Sachsen und Konsorten wie mit trotzigen Kindern, die des Undanks gegen Vaters Autorität bezichtigt werden. Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch steckst… Die Folge ist politische Reaktanz.
Das Fatale bei den verbotenen Früchten ist, dass die Lust seit Adam und Eva immens, in den Apfel vom bösen Baum der Erkenntnis zu beißen, auch wenn man sich damit den Magen verdirbt. So vergiftet scheint dann manchem Trotzkopf neben Brandt und Kohl auch Hitler wieder erwägenswert. Das ist nicht klug. Mehr habe ich nicht anzumerken. Ansonsten sind es allgemeine und freie Wahlen. Das ist einer der Unterschiede zur DDR.
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DAS HAAR IN DER SUPPE.
Wer die Götter so gut wie Homer und ich kennt, weiß um ihre Eifersucht. Es gibt Spekulationen, dass eine bigotte Allianz zweier Narzissten auf dem Olymp von kurzer Dauer sein muss. Das ist „wishful thinking“ politischer Gegner oder sonstiger Neider. Insbesondere europäische Kritik ist hier von kleinbürgerlicher Gehässigkeit. Darauf sollte man nichts geben.
Man sollte zudem immer vorsichtig sein mit berichteten Ereignissen, die politisch einfach zu gut passen. Was dem Betrachter ganz klar von symbolischer Bedeutung scheint, könnte inszeniert sein. Insbesondere, wenn der Vorfall bis in die Details wie ein Gleichnis wirkt, kräuselt sich meine Stirn. Wenn das Exempel zu perfekt, könnte Propaganda im Spiel sein. Und gegen einen Terroranschlag, eine Bombe im Kofferraum, ist niemand geschützt. Das vorweg.
Vor einem Trump-Hotel in Las Vegas soll ein Pick-Up von Tesla, der berühmte Cybertruck, explodiert sein; der Fahrer tot, Passanten verletzt. Lassen wir mal offen, was wir von dieser Karre des legendären Elon Musk halten; das Gerät ist in Europa für den Straßenverkehr gar nicht zugelassen. Aber auch das ist nicht mein Punkt; ich selbst fahre einen Truck, eine „Doppelkabinenpritsche“, die vielen „car guys“ als Monster erscheint.
Zur Aufklärung der Explosion hat Elon Musk ohne Umschweife beigetragen, indem er umgehend mitteilt, dass die per Telematik übermittelten Fahrzeugdaten unauffällig seien. Kein Tesla-Problem. Die Polizei lobte zudem, dass sie die Videos vom Aufladen des Batterie-Trucks zur Verfügung gestellt bekommen hat. Hier ist mein Punkt. Bevor die Schüssel in die Luft flog, hatte sie alle Daten über sich bereits abgeliefert. Weil die Telematik das immer tut. Meine Daten gehören dem Hersteller des Autos, obwohl ich es erworben habe und meine, ein freier Bürger zu sein.
Wer einen Tesla kauft, fährt nicht anschließend sein Auto; man lässt ihn fahren und kontrolliert dabei im Kalifornischen den Hansel auf dem Fahrersitz wie ein Versuchskaninchen. Mir gefällt das Auto nicht besonders. Überhaupt nicht gefallen tut mir aber das Menschenbild des Musk-Autos vor dem Trumphotel in Las Vegas. Did I make myself clear?