Logbuch
LESERGEMEINDE.
Mit dem Internet ist eine Illusion verbunden, die des herrschaftsfreien und für jedermann kostenlosen Forums freier Meinung. Habermas für alle. Das widerspricht aber dem Wesen des Mediums.
Auf dem Kurzkommentardienst Twitter ist gerade ein eigenartiges Phänomen zu beobachten. Die Nutzer wehren sich gegen den neuen Verleger, der sie künftig zur Kasse bitten will. Bisher war der Dienst vermeintlich gratis; man erlaubte aber die verdeckte Nutzung persönlicher Daten durch Dritte, ökonomisch zugunsten des Verlegers. Jetzt soll es obendrauf 8 Dollar pro Monat kosten.
Bei Zeitungen hieß das früher Lesergemeinde, wenn die Abo-Kunden dachten, der Laden gehöre ihnen. Davon sind Verleger reich geworden. Am dümmsten mal wieder die frühere rote Staatssekretärin für Twitterei in Berlin. Wie es sein könne, dass jemand, der so dumm sei wie der neue Verleger so reich geworden sei. Fragt sich die Einfalt Sawsan Ch. Das liegt natürlich an der Idiotie seiner Kunden. Die Internet-Illusion scheint unzerstörbar. Twitter eine Hammelherde, die von ihrem Hirten geschoren wird. Der Herr ist mein Hirte. Seinen Namen nennt man besser nicht.
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DUMMY WIRD DICK.
Aus England höre ich, dass mehr als ein Viertel der Bevölkerung deutlich fettleibig sei. Man misst das mit dem berühmten BMI, dem Körpermasse-Index. Der Dicken-BMI liege über 30, so dass jetzt Mannequins mit einem Wert von 35 gefragt seien. In den USA muss die Adipositas noch verbreiteter sein. Leben mit 300 kg, das ist eine TV-Serie.
Das hat Folgen für die Unfallforschung. In den Crash-Tests sitzen ja Puppen in den geschundenen Karosserien, die so menschenähnlich sind, dass die Schäden am Dummy auf Menschen übertragbar sind. Neue Dummy-Puppen brauche das Land, da immer Dicke am Volant säßen. Zum Beispiel käme der explodierende Airbag dem Überernährten oft zu nahe.
Das erinnert mich an einen englischen Motorjournalisten des Telegraph, der mich mal darum bat, statt des Dummy als leibliche Person an einem Crashtest teilnehmen zu dürfen. Wir haben das damals bei VW möglich gemacht. Andrew English hieß der Kollege, ein wirklich feiner Kerl! Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Es wandelt sich auch das Antlitz der Autos selbst. Das stellt gerade der fabelhafte Franz Rother am neuen 7er BMW (E-Version) fest, dessen Gesicht ein riesiges Maul zeigt, wo einst nur ein Haifischlächeln zu sehen war. Der SUV-Stil aller Edelkarossen wandelt die Physiognomie eines Hais in die des Walfischs. Riesige Mäuler stehen gähnend offen.
Und so ähneln sich dann Fahrer und Kühlergrill. Auch wenn der Antrieb vom Verbrenner zum Elektromotor wechselt. Das Gewicht steigt; beim klitzekleinen Mini alter Prägung waren es 600 kg, beim neuen E-Mini 1800 kg. Ich fürchte, dass es bei dem Walfisch, mit dem ich die Weltmeere durchpflüge, ein Großmaul namens Audi SQ7, mehrere Tonnen sind. Gedankenblitz: Ich muss auf meinen BMI achten.
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TESLA.
Die Ökobilanz eines Batterieautos ist schlechter als die eines Diesel, wenn sie wirklich ganzheitlich und über die volle Lebenszeit des Gefährts durchgeführt wird. Tesla ist ein affiger Kult, mehr nicht.
Wer auf Twitter ein böses Wort zu Tesla sagte, durfte sich schon immer mit einer ganzen Horde von Fans des kalifornischen Wunderautos rumschlagen. Nicht alles natürliche Personen; auch Sockenpuppen und Roboter gehörten zur Gemeinde. Wie der kalifornische Wundermann Elon Musk, dem Tesla gehört, im Internet seine Geschäftsinteressen pflegte, das war schon eindrucksvoll. Kritiker ernteten koordinierten Hass.
In meiner Nachbarschaft gibt es einen Berufspolitiker der dritten Reihe in der SPD, der sich als stolzer Besitzer eines US-Wunderwagens im Netz zeigt. Er hat sein Batterieauto so angemeldet, dass es im Nummernschild seine Initialen zeigt. Die Blonde findet das affig. Der Sozi will mit dem Besitz der US-Schüssel etwas beweisen; er prahlt mit dem Auto. Was dem Grünen in Berlin das holländische Lastenrad ist dem Roten sein Tesla. Der Manta von Herrn Musk. Die Marke steht für Gesinnung.
Dafür habe ich Verständnis. Nie würde ich zum Beispiel in einen OPEL steigen. Der Manta-Wahn gehört nicht in meine Welt, seit ich mich für VOLKSWAGEN mit GENERAL MOTORS gestritten habe, denen damals Opel gehörte. Heutzutage ruiniert PEUGEOT sein Image mit den elenden Schüsseln aus Rüsselsheim. Da blutet mir das Herz; ich hab mal, stolz wie Oskar, einen Peugeot 504 Ti Automatik gefahren. Mein erster Neuwagen. Mein späterer Chef Ferdinand Piëch hat mich mal danach gefragt, irritiert geguckt, aber den Franzosen knapp durchgewinkt. Ich hatte ihm gesagt, das sei Vorsprung durch Technik gewesen.
Reden wir also über den ehrgeizigen Muttersohn Elon Musk, seine kalifornischen Traumfirmen und die Art, wie er gerade 3500 Leute bei Twitter mit einem lakonischen YOU‘RE FIRED fristlos an die Luft gesetzt hat. Der Headcount an natürlichen Personen wird wohl eine geringere Zahl finden, da die Hälfte aller Stimmen bei ihm schon immer Sockenpuppen und Bots waren.
Ich glaube übrigens nicht an die Batterie.
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INDOLENZ.
Nicht nur bei der sagenumwobenen MAFIA, in jedem ordentlichen Laden mit operativen Belangen gibt es ihn, den Mann für‘s Grobe. Kann auch weiblich sein; dann eher noch böser. Er oder sie sind von Berufs wegen schmerzfrei. Gelegentlich nennt er sich Familienanwalt, manchmal Hausmeister oder Türsteher, meist aber Medienbeobachter. Hinweis: Diese Einschätzung ist hoch kontrovers.
Es wird in diesen Tagen an die BARSCHEL-AFFÄRE erinnert und einen Medienbeobachter der damaligen Zeit namens Reiner Pfeiffer. Ich habe Journalisten gekannt, die regelmäßig mit ihm persönlich gearbeitet haben (oder er mit ihnen; das weiß man nie so genau). Pfeiffer war ein übler „agent provocateur“; er hatte den Auftrag, den SPD-Konkurrenten von Barschel (CDU) zu marodieren und scheute keine Niedertracht. Rufmord war sein Geschäft; Medien seine Kollaborateure. Das alles kann man nachlesen.
Der Politiker Barschel hatte den indolenten Medienbeobachter Pfeiffer angestellt und dessen Schmutzkampagnen zumindest geduldet; es gab zudem Verbindungen zu Waffenlobbyisten und Geheimdiensten. Für Barschel endete (nach EHRENWORT) das Ganze tragisch; er ertrank in der Badewanne von Zimmer 12b im Hotel Beau Rivage in Genf. Der STERN hatte das Foto auf dem Titel. Über den Medienbeobachter und seine verlängerte Werkbank in die Redaktionen ging die Zeit hinweg.
Ich hatte seiner Zeit meinem Berufsverband einen Fehdehandschuh hingeworfen. Es ging mir um die Frage, ob der betreffende Herr nach Ansicht des Fachs vom Fach sei. Ist auch das, was hier passiert, war meine Frage, PR? Es war klar, dass man dies seitens der Verbandsonkels als Provokation durchschaute und nicht über‘s Stöckchen sprang. So wie die GRÜNEN jetzt im Fall GELBHAAR nicht über‘s Stöckchen springen. Fragwürdig erscheint mir nur die These, dass die unglückliche Denunziantin von Herrn Gelbhaar MdB eine freidrehende Alleintäterin sei. Wahrscheinlicher scheint mir ein Indolenter im Halbdunklen und der RBB als dessen geübter Partner und zugleich nützlicher Idiot. Meine Meinung.