Logbuch

KOMMUNIZIERENDE RÖHREN.

Ob der Diesel teurer als Benzin und die beiden teurer als Heizöl sind, ob es Batteriestrom bringt oder Holzpelletts im Wohnzimmerkamin oder eine Photovoltaikpanele auf dem Balkon. Alles Scheinalternativen. Jacke wie Hose.

Für die Lümmel und Lümmelinen, die im Physikunterricht nicht aufgepasst haben, eine kurze Nachhilfe. Es geht um das Glasgebilde mit dünnen und dicken Röhren unterschiedlicher Form, die am Boden miteinander verbunden sind. Darum kommunizierende Röhren genannt. Jetzt schüttet man rosa Wasser in das Gebilde. Und schau an, der Wasserstand ist in allen Röhren gleich hoch. In den Dicken wie den dünnen. Weil die miteinander kommunizieren.

So wird das mit den unterschiedlichen Energieträgern gehen. Die Preisexplosion werden wir bei allen sehen. Behalten Sie Ihre Ölheizung, weder Holzkohle noch Flüssiggas noch Wasserstoff wird am Ende billiger sein. Auch nicht das neue Kleinkernkraftmodul aus England für den Vorgarten. Die Weltenergiemärkte kommunizieren. Wir haben einen globalen Nachfrage-Markt mit struktureller Angebotsschwäche. Sie werden der Abzocke nirgendwo entgehen.

Die EU hat Russland das Gas abgedreht, damit Putin die Einnahmen ausgehen. Die vermeintlich überflüssigen Mengen kaufen gerade Indien und China. Und der Preis hat sich vervielfacht. Russland nimmt, letzte Zahl, aus Öl- und Gasexporten 800 Millionen US-Dollar ein, am Tag, jeden Tag. Der Kurs kann inzwischen höher sein. Ich höre Leute schwätzen, man habe den Russen den Geldhahn zugedreht, so dass sich Putin seinen Krieg nicht mehr leisten könne; nun, pleite ist anders.

Zunächst sind die Preise gestiegen und die Exporterlöse gigantisch. BIG OIL macht Kasse. Langfristig mag die DEKARBONISIERUNG helfen; geplant war sie EU-seitig ohnehin für 2050. Das ist in 28 Jahren. Ich werde das noch gerade so erleben, wenn der Herrgott mich so alt werden lässt wie meinen Herrn Vater. Bis dahin wird der Kunstdünger dort produziert, wo das Gas billig ist. Und damit der Weizen. Ja, der Preis von Erdgas und der vom Brot! Alles hängt mit allem zusammen. Kommunizierend eben.

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DER VERLEGER.

Der zürnende Bürger war schon immer ein Untertan, der sich als Weltenrichter wähnt. Huren mit der Hybris einer Heiligen. Das ist die Doppelmoral des Volkszorns. Damit verdienen Verleger Geld.

Die weltweite Kommunikationsplattform TWITTER gehört nun dem reichsten Mann, einem kalifornischen Unternehmer namens Elon Musk. Das löst einen urkommunistischen Reflex aus: Verstaatlichen! Boykottieren! Im Kern dessen lauert ein publizistisches Missverständnis: Was ist ein Verleger?

Aus dem kalifornischen Kapitalismus haben sich die einst pubertären Gründer zu veritablen Bonzen entwickelt, die die Informationstechnologie zu Multimilliardären gemacht hat. US-Imperialismus. Sie beherrschen wirtschaftliche Imperien, die die alte Gutenberg-Galaxie aufheben in gänzlich neuen Dimensionen. Tante Emma und ihr Laden heißt jetzt Amazon. Das Poesie-Album ist nun Facebook oder Instagram. Der bierselige Stammtisch umfasst nunmehr tausende Schwätzer, wenn nicht Millionen. Der Volksempfänger des Josef Goebbels ist erst jetzt ein globaler Erfolg.

Darauf reagieren die Naiven naiv. Was noch ginge, wenn es nicht zugleich historisch falsch wäre. Sprich nostalgisch. Ja, Musk ist jetzt Verleger. Was also war historisch ein Verleger? Das war immer ein Geschäftemacher, der die Pressefreiheit auszunutze, um sich privat zu bereichern. Oder um seine politische Präferenz durchzudrücken. Ein Verleger war schon immer ein Arschloch. Journalisten wussten das.

Ich will gar nicht mit Hugenberg in der Weimarer Republik kommen. Es reicht, sich Axel Cäsar Springer oder Henry Nannen einmal charakterlich etwas genauer anzuschauen. Es gibt den alten Journalisten-Witz, wonach Stalin kein ganz schlechter Mensch gewesen sein kann, weil er in seiner Jugend einen Verleger umgebracht hat. Immer war der Verleger ein schnöder Beutelschneider, der sich erhabene Rechte zu Nutze macht, um an das Geld anderer Leute zu kommen.

Das Internet sollte die Klassengesellschaft aufheben. Ein Hohn. Man kann aber gegen Elon Musk oder Jeff Bezos oder Marc Zuckerberg gar nichts sagen; außer dass sie Verleger sind. Tiefer kann man für einen Journalisten eh nicht sinken. Dass die Journaille dann aber notorisch deren williges Instrument ist, das gehört zur Psychopathologie der Schreibenden Klasse. Für die edlen Federn war die wahre Liebe schon immer die Ware Liebe.

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ZU WENIG PR.

Was bremst wirtschaftliche Entwicklung? Woran scheitert Zukunft? Woher kommt die öffentliche IDIOTIE? Aus einem Mangel an PR. Das ist mein Ernst.

Wer seinen Zeitgenossen ein Geschäft zumutet, dass der ERKLÄRUNG bedarf, muss das dann auch leisten, das ERKLÄREN. Man kann nicht nicht kommunizieren. Wer die Kommunikation seiner Anliegen verweigert, verweigert sich. PR ist erste Bürgerpflicht. Nein, ich bin nicht naiv; jedenfalls nicht im vorsätzlichen Sinne. Ohne PR keine Demokratie. Da muss der Habermas jetzt durch.

Mich ärgert zum Beispiel, dass die vernünftige Minderheitsbeteiligung einer chinesischen Gesellschaft an einem einzelnen Hamburger Containerterminal in der Öffentlichkeit dazu hochgespielt werden kann, dass der Kanzler das Vaterland an China verkaufe. Weil dieser alberne Irrtum auch dadurch möglich wurde, dass die Kommunikation des Hafenbetreibers HHLA so dürftig ist. Die dort residierende Dame hat es nicht verstanden, die handelspolitischen Intelligenz dieses Schrittes plausibel zu machen. Fahrlässig. Gnädige, das war kommunikativ schon länger nix.

Gleiche Versäumnisse bei HeidelDruck, Kuka oder Tom Tailor. Und fundamental in der Energiepolitik. Die Kernenergie ist in Deutschland an der sie betreibenden Industrie gescheitert. Deren Unvermögen hat die grüne Opposition groß gemacht. Die ERNEUERBAREN (ein falscher Begriff) der ENERGIEWENDE hätten sich blendend mit einer nuklearen Strategie verstanden. Da ist das Tor des Ausstiegs aus dem Fossilen, wenn Kohlendioxid das Problem ist. Nicht erklärt.

Zu einer DEKARBONISIERUNG hätte man Kohle und Öl zunächst durch Strom und Erdgas ersetzen sollen, dann das Erdgas durch Wasserstoff. Da wäre der Hebel gewesen. Nicht erklärt. Weil die Geschäftemacher das Geld für PR sparen, wenn sie meinen, es ging auch ohne. Zudem scheuen sie die Fragen der Öffentlichkeit; wenn man mal damit angefangen hat, kommt man schlecht wieder raus. Angst vor dem Politischen.

Wer eine demokratische Öffentlichkeit will, wird sich jedweder Öffentlichkeit stellen müssen. Auch wenn man diesen oder jenen Verleger nicht mag. Deshalb ist der soeben ausgerufene persönliche Boykott von TWITTER durch die SPD-Vorsitzende Esken kein Schlag gegen den neuen Verleger Musk, sondern einfach nur eine unpolitische Dummheit. Wenn das nicht schon eine Überbewertung dieser Dame ist. So als hätte die Katholische Kirche im Kampf gegen Luther die Reformation aufgehalten, indem sie Gutenberg boykottiert und Bücher verbannt. Die Erwägung gab es damals bei den Schwarzen schon. Aber da war ja Luther, ein Genie der PR.

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GELD REGIERT DIE WELT.

Man erkennt einen Charakter am ehesten an seinem Humor; oder dessen Fehlen. Man beachte, wie gelacht wird und worüber. Den Zwangsneurotikern ist kein offenes Lachen gegeben. Das Böse lächelt nicht, schon gar lacht es nicht herzhaft. Es grinst dämonisch oder wiehert hinter einer Maske. Gier verzerrt die Züge.

Da die USA ein Einwanderungsland sind, der amtierende Präsident ist aus der Pfalz, also deutschstämmig, muss man sich gelegentlich auch exotische Namen merken. Vivek Ganapathy Ramaswamy zum Beispiel ist ein zugewanderter Hindu aus Indien, der sich in Ohio niedergelassen hat. Er leitet die neue Behörde für Regierungseffizienz zusammen mit dem Migranten Elon Musk, einem weißen Südafrikaner, der Wert darauf legt, kein Bure zu sein, sondern britischer Abstammung. Aus der Tiefe des sozialen Raums stammt der Hilly Billy JD Vance, der den Vice President gibt, ein gelernter Repräsentant des „poor white trash“; aufgestiegen und jetzt mit einer Inderin verheiratet. Diese vier Figuren gehören zur Neuen Rechten der Republikaner, was ideologisch nicht so ganz konsistent ist, aber doch als unverhohlen merkantil begriffen werden kann. So geht jetzt BOURGEOISE in der neuen Welt.

Was zeichnet die Neue Rechte aus? Ich übergehe mal den NATIONALISMUS zugunsten eines Großen Amerika, weil es nicht ganz einfach zu erklären ist, was ausgerechnet diese zusammengewürfelte Bande so am Ethnozentrismus begeistert. Siehe oben. Ein anderes Merkmal ist die Freude am Rigorosen. Man ist RIGOROS. Da gibt es einen ganz eigenen Humor. Vivek ist für folgenden Vorschlag zuständig: Wie man das Sozialbudget des Staates halbieren könne? Nun, man sage den Amerikanern, deren Sozialnummer auf einer geraden Zahl ende, dass sie raus sind. Bei ungerader Endziffer sei man noch drin. Ergebnis: Budget halbiert. Job erledigt.

Darüber können die Herrschaften sich kringeln; man studiere das Lachen des Tesla-Chefs. Weiterer Scherz. Als der Botschafter Dänemarks vorträgt, dass Grönland nicht zum Verkauf stünde, erhält er die Erwiderung: „Bullshit. Everything is for sale.“ Wie auf diesen Exzess des Merkantilen obendrauf das Evangelikale passt und die populistische Zuwendung an die Arbeiterschaft, das mag zusammendenken, wer will. Ich fürchte, dass zum neuen Humor auch der Mut zum Widerspruch gehört. Die Charaktermasken des Kapitals feiern ihr Kalkül unverhohlen.

Des Kaisers neue Kleider bestehen mittlerweile darin, dass auch er selbst, der Hegemon, weiß, dass er nichts mehr zu verbergen hat. Das Kapital promeniert unbekleidet. Profan oder paradox zu sein, das stört doch den Oligarchen nicht.