Logbuch

PUTINS FEIND UND HELFER.

Der ukrainische Fascho-Bewunderer im Gewand eines Botschafters scheint entlassen. Er war hierzulande Putins bester Mann.

Mehr ist nicht zu sagen.

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VERNEINUNG. DOPPELTE.

„Die Ukraine darf den Krieg nicht verlieren.“ Dieser Satz des Kanzlers enthält eine doppelte Verneinung. Das klingt umständlich, ist aber klug. Denn nichts, rein gar nichts ist alternativlos.

Wenn man einen Mathematiker fragt, dann ist eine doppelte Verneinung nichts anderes als eine Zustimmung. Die AUSSAGENLOGIK kann so rigoros sein, weil sie eine eiserne Grundregel hat: Ein Drittes ist ausgeschlossen (tertium non datur). Danach gilt die Aussage „a“ oder die Aussage „nicht a“. Alles andere lässt sie nicht gelten, die Mathematik.

So einfach ist das wirkliche Leben nur für FANATIKER, die den nachdenklicheren Teil der Menschheit zu einer Entscheidung zwingen wollen. Dass eine bestimmte Politik alternativlos sei, ist eine wirklich fundamentale Dummheit. Das ist der Kriegszustand in der Philosophie: Willst Du nicht mein Bruder sein, so schlage ich Dir den Schädel ein. In den Worten des großen Bert Brecht: „Wer a sagt, muss nicht b sagen; er kann auch erkennen, dass a falsch war.“

Einen Krieg kann man nur böse gewinnen, durch Unterwerfung oder Vernichtung des Feindes. Also gar nicht. Einen Krieg kann man nur beenden. Auf dem Waffenstillstand darf dann nicht der Ludergeruch der Niederlage liegen, für keinen der Kombattanten. Sonst gebiert er keinen Frieden.

Ich weiß, wovon ich rede, weil ich die Unzufriedenheit meines Großvaters väterlicherseits mit dem Ende des Ersten Weltkrieges erinnere, die auch (!) dazu beitrug, dass mein Vater in den Zweiten ziehen musste. Er selbst glaubte, dass es nur ein Zufall war, dass er diesen Irrsinn überlebte. Sonst wäre, geht mir durch den Kopf, dieses Logbuch schlicht leer.

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NACHHALTIG.

Wie kann ein Geldgeschäft koscher sein? Kein Ahnung. Oder ein Investment halal? Oder ein Profit erzkatholisch? Indem man das so festlegt. Die EU nennt es TAXONOMIE. Das ist eine moralische Freigabe von Geschäften.

Früher, als ich noch Soldat in der Mafia war, da haben wir strikt unterschieden zwischen "Geschäft" und "Privat". Man konnte, wenn es um Geld ging, jede Schweinerei begehen, insbesondere wenn die Capos es wollten, aber in privaten Dingen, da war man korrekt. Aber Geschäft war eben Geschäft. Da half dann auch keine Aufgeregtheit. Man hatte ja immer ein Argument auf seiner Seite, wenn etwas nur ein Geschäft war. Zumal in den Angelegenheiten des Paten. Privat galt, was die Mama und der Pope sagten. Taxonomie der Organisierten Kriminalität.

Börsen sind unorganisiert. Die moralische Wende an den Kapitalmärkten hat die amerikanische Börsenaufsicht durchgesetzt. Berny Madoff hat mir Ende der neunziger Jahre bei einer Fete in den Hamptons mal erklärt, warum: "Sie wollen die kleinen Betrügereien nicht mehr, weil es die großen schwierig macht." Nun ist Berny keine Autorität mehr, seit er zu 150 Jahren Knast verdonnert wurde. Übrigens nur wg dem bisschen PONZI, sprich Geschäften. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Also, auch der Kapitalmarkt hat eine Taxonomie verdient. Man will nachhaltig sein.

Nachhaltigkeit ist ein ökologisches Konzept, das sich aus der Ablehnung von Raubbau erklärt; eigentlich eine forstwirtschaftliche Nummer. Die Römer pflanzten übrigens unter ihre Eichen immer drei Linden. Weil die schneller wachsende Linde die Eiche zwang sich zu strecken, so dass sie hinterher als gerade hoher Baum für den Kiel ihrer Kriegsschiffe geeignet waren. Natur ist Kampf ums Licht; wer nicht an die Sonne kommt, verkümmert. Zurück. Der Wald ist dem grünen Zeitgeist keine Urwald mehr, sondern die Heimat der Idylle. Und Nachhaltigkeit ist das religiöse Konzept von Genuss ohne Reue. Keuscher Sex. Grüne Doppelmoral auf den Punkt gebracht.

Das EU-Parlament hat gerade durchgewinkt, dass Atomkraftwerke und Erdgas auch zur Nachhaltigkeit gehören; das wollte die EU-Kommission so. Wer also künftig nuklear investiert, weiß jetzt, dass das halal und koscher und katholisch und keusch ist. Was will man mehr?

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STROHWITWER.

Einen vorübergehend auf sich selbst gestellten Mann mit Ehering nannte der Volksmund dereinst Strohwitwer. Eigenartiges Wort. Wer nach dem Ursprung der Wörter forschen will, bedient sich der ETYMOLOGIE; oft ist das aber nur eine Etymogelei. Zu verlässlicheren Erkenntnissen kommt, wer nach den Sitten und Gebräuchen fragt, SOZIOLOGIE des Alltags genannt.

Wir sind in einer Zeit, die ziemlich genau hundert Jahre vergangen ist; und wir sind in der großen Stadt, die unter stickiger Luft leidet. Schließlich sind wir jahreszeitlich im Sommer, der beim urbanen Bürgertum die Sehnsucht nach SOMMERFRISCHE weckt. Der Adel hatte das ja schon und das Proletariat konnte es sich nicht leisten. Der Urlaub auf dem Lande wird erfunden. Von den verschiedenen Kopfbahnhöfen strebt man ans Meer oder den idyllischen See. Dorten trug der gesittete Bürger gegen die sengende Hitze zum Schutze seines Hauptes, Achtung jetzt kommt es, einen Sonnenhut aus Stroh.

Leicht sollte er sein, luftig, und durfte der guten Ferienlaune wegen, auch mal ein buntes Band tragen. Während Gattin mit Kind und Kegel im Seebad blieb, reiste das Familienoberhaupt, der Geschäfte wegen, zum Wochenbeginn zurück in die Metropole. Dort kam er nun, den Strohhut noch auf dem Haupt, gänzlich unbewacht, aber doch vergnügungsbereit an. Um die entsprechenden Bahnhöfe hatten sich regelrechte Vergnügungsviertel gebildet, die in Erwartung der Strohwitwer Tröstungen bereithielten. Berühmt war dieserhalben der Nordbahnhof in Berlin, der die Zeiten nicht überdauert hat.

Wir schreiben das Jahr 1925, der Erste Weltkrieg hängt nach, neue Krisen zeichnen sich ab, die Gattin weilt in Bad Saarow am Scharmützelsee und der wohlgenährte Fabrikant schiebt sich den Strohhut in den Nacken und lässt es mal mit Molle und Molly krachen. Wir haben die „roaring twenties“. Bis heute sind dazu eindrucksvolle Bilder erhalten. Darauf ab und zu auch ein Strohwitwer. Schön, dass wir mal drüber gesprochen haben.