Logbuch

DER RENEGAT.

In Hannover spricht mich ein italienischer Kellner auf einen örtlichen Lobbyisten des Kremel an. Ich will davon nichts hören. Ich sage dazu nichts. Das ist mir zu degoutant.

Reconquista: Wenn damals der brave Christ zum Handlanger der neuen Herrscher islamischen Glaubens wurde, riefen die Spanier ihm ein Schimpfwort nach: „renegado!“ RENEGATEN gibt es in Hannover jetzt auch bei jenen, die der Kellner frech „Russennutten “ nennt, weil die Herren willfährig in ausländischen Diensten standen. Ab sofort sind sie wieder Jungfrauen, sagen sie.

Jahrelang hat er, der Willi, Fredo, Heino, you name it, jenen freigiebigen Oligarchen mit allerlei gedient; nun schlägt, sagt er allem Ernstes der Zeitung, sein Gewissen. Vorübergehend. Jetzt, da unübersehbar ist, wem er zu Willen war, da distanziert sich auch der Renegat. Jedenfalls vorerst. Der Wind hat sich gedreht; es ist so stürmisch geworden, dass selbst das routinierteste SPEICHELLECKEN schwierig wurde. Da entdeckt der Würdelose seine Chance. Ja, wenn er das früher schon geahnt hätte…

Ich erinnere den Wendehals, den der Kellner meint, und fühle meinen alten Ekel neu. Jahrelang hat er sich die Taschen mit Rubel und / oder druckfrischen Dollars füllen lassen; jetzt ist die Stunde seines Gewissens. Mir wird übel. Der nette Kellner aus Sizilien verrät, er verachtet Renegaten und erzählt dann, was die Trachtengruppe in seiner Heimat mit Verrätern macht. Nein. Das ist mir auch wieder nicht recht.

Ich sage also dazu nichts. Gar nichts.

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DAS BÖSE.

Wie das Böse in die Welt gekommen ist?

Das ABSOLUT Böse? Keine Frage für denjenigen, der an die HÖLLE glaubt und den TEUFEL. Wem der Aberglauben gegeben, der fühlt sich zur Entschiedenheit eingeladen.
Das Gegenteil der Liebe, des EROS, das ist die Leidenschaft der Vernichtung. Der THYMOS. Mich fasziniert beim Studium von EHRENKRIEGEN in Süditalien nicht das Ausmaß der VENDETTA. Der Zornige verliert jedes Maß und Mittel; das macht ihn ja so gefährlich. Eh klar. Nein, erstaunlich ist, wie gering die Anlässe für all das Blutvergiessen sind. Albernste Kleinigkeiten stehen am Anfang kolossaler Schäden. Der THYMOS (Zorn, Rache, Vergeltung) ist eine nukleare Kettenreaktion. Es bedarf des MODERATOREN (für die Kernphysiker unter uns).

Man bringt seitens der rasend Beleidigten immer wieder den Begriff der EHRE hervor und der EHRVERLETZUNG. Das ist aus der gut besetzten Abteilung „Rechtfertigung“ der Beleidigungsbereiten. Sie lungern geradezu nach Zornesanlässen. Liegt in der Natur des Menschen, jedenfalls des Mannes. Begonnen hat es mit BLUTRACHE, der primitivsten Regung der Primitiven. Das vermag sich bis zum RASSISMUS zu versteigen, der primitivsten Politik aller primitiven. Und am Ende dem VÖLKERMORD. Auch dazu kennen wir Beispiele in meinem Vaterland.

Zurecht wird wieder die Wehrbereitschaft gelobt. Aufrüsten! Gegen das Böse. Ja, ich weiß. Dem THYMOS ist aber durch THYMOS nicht zu begegnen. Staaten haben zudem keine Ehre. Sie haben auch keine Werte. Staaten haben Interessen. Selig, wer mit niemandem einen Ausgleich suchen muss. Nachbarn müssen aber. Der vernünftigste Ausgleich von Interessen ist Handel. Handel setzt Besitz voraus. Besitz verlangt Respekt. Da ist er, der Zusammenhang von Freiheit, Recht und Eigentum.

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KEEP CALM.

Die Ruhe bewahren. Und weiter machen. Eine Losung der braven und bravourösen Tommys. Weil diese Ruhe das erste ist, das die Kriegswütigen ihren Gegnern nehmen wollen.

Es ist egal, welche Kriegspartei dafür die Verantwortung trägt: Die Einbeziehung eines großen Kernkraftwerkes in die Kampfhandlungen, sollte sie in der Ukraine tatsächlich erfolgt sein, ist keine gute Nachricht. Und ein weiterer Grund, die Nerven zu behalten.

Ich war mal in einer völlig zivilen Kommission für Große Talsperren. Die gab es in der Stromwirtschaft. Warum? Weil die Talsperren als Objekte für Terror eine echte Gefahr darstellen können. Jedenfalls für das Tal darunter. Da ist die Sintflut auch mit kleinen und alten Waffen leichterdings herbeizuführen. Oder einer Drohne. Denkt ja niemand dran, der mit Badehose und Sonnenbrille auf dem Stausee surft. Die Sicherheit der Energieversorgung ist immer ein politische Frage, nie nur eine technische. Auch bei der so netten Wasserkraft. Also immer.

Mir gefällt übrigens der Ton in der deutschen Regierung; das muss ich mal sagen. Ich ziehe früheren Spott über die Politiker der Ampel zurück. Meinen Respekt! In der Ruhe liegt die Kraft. Keine Meldung, weitermachen!

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ALLES PALETTI.

Bei Picasso gab es auch eine blaue Phase. Aber das kriegen wir erst später. Es gibt Ausdrücke, die versteht jeder, aber kein Mensch weiß, wie sie eigentlich zustande gekommen sind. So sagt der gängige Depp, wenn ihm die Dinge geordnet scheinen: „Alles paletti!“ Das meint „all correct“ oder OK. Gelegentlich höre ich auch, das Nackenhaar stellt sich auf, ein „Oki Doki!“ Diese Verniedlichung der Sprache durch ein angehängtes „i“ ist eine Unsitte; den Schweizern geschuldet, die die Schokolade „Tschocki“ nennen. Vögli, wenn mögli.

Eigentlich ist die Palette nicht das sperrige Transportbrett, der profane Freund des Gabelstaplerfahrers, sondern das handliche Brett, auf dem der malende Künstler seine Farben anrührt. Ein blattförmiges Hilfsmittel mit einem Loch für den Daumen des Meisters. Damit lernte Mona Lisa lächeln. Hieraus entwickelt sich dann der Begriff zu einer Bezeichnung all jener Farben, die einem Maler zur Verfügung standen, etwa: „Rembrandts Palette“. Die Farbpalette umschreibt also das Ausdrucksvermögen eines Malers, der seine Grundtöne eindrucksvoll zu mischen weiß. Wir sind bei Mischfarben. Es wird politisch.

Links auf der Palette haben wir rot, in zwei, drei Varianten, dann grün (früher nach Realo und Fundi geschieden). Diese beiden Farbmilieus halten sich selbst jeweils für erhaben. Dann ein Klecks gelb und ein stattliches schwarzes Feld. Daraus war mal Deutschland gemalt; genau gesagt, damit wurde nach 1945 ein braunes Bild übermalt. Jetzt wird es schwierig, weil am Rand der Aquarelle neuerdings eine Ölfarbe Platz genommen hat, die blau erscheint, aber unten drunter wieder braun ist. Zwischen den ersten vier Farben und diesem Ton herrscht, so lernen wir, ein striktes Mischverbot.

Wollte der Historienmaler aus seiner Palette blaue Töne auf die Leinwand bringen, so öffnet sich, sagt die Oma gegen Rechts, die mal unsere Mutti war, das Tor zur Hölle. Weil blau als braun gelesen wird. Tor zur Hölle? Nein, kleiner haben die es nicht. Gleichzeitig entstehen in anderen Ländern Gemälde mit deutlich blauem Strich, jüngst in Belgien mit einem flämischen Stilisten echt übler Art am Pinsel. Nichts ist paletti in der deutschen Landschaftsmalerei.

Die reine Farbenlehre wird nicht halten. Der Malermeister Merz aus Brilon hat seinen Pinsel schon mal reingesteckt in die braunen Töne; manche halten das für mutig, andere wollen ihm die Leinwand nehmen. Die neue Farbe wird sich aber wohl weltweit nicht verbannen lassen. Der Hegemon pinselt auch so, mit ganz grobem Strich. Nix ist paletti. Ich erwarte nämlich keinen Bildersturm. Die Palette wird erweitert; fertig, aus. Alle malen ab sofort ein bisschen in blau.