Logbuch

SOLLBRUCHSTELLE.

Bei den Konservativen in England beobachte ich, wie die Grenze verschoben wird zwischen rechtem Gedankengut und rechtsextremistischem („far right“). Der Bruch mit Europa („brexit“) hatte schon gezeigt, dass man auch aus dreisten Lügen wirksame Politik machen kann.

Die englische Boulevardpresse war schon immer gut darin, auf einen groben Klotz einen deftigen Keil zu setzen. Volksverhetzung inklusive. Dagegen wirkt die BILD geradezu liberal. Von den Exzessen der Neuen Rechten in den USA will ich schweigen, weil klar ist, dass die Gegenaufklärung Präsidenten gebären kann. Die Gegenaufklärung lebt; der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.

Der Riss zwischen dem, was man als Konservativer noch vertreten kann, und dem unzweifelhaft Reaktionären geht mitten durch die AfD. Dass die Sollbruchstellen qua Parteibuch klar zwischen Union und AfD liege, ist eine Wunschvorstellung der Schwarzen, denen die Braunen die Wähler stehlen. So einfach ist das nicht. Ein Tabu nährt die Braunen. Zerrt sie also ans Licht und zieht Grenzen!

Wir brauchen einen politischen Diskurs, der die SOLLBRUCHSTELLEN klärt, die zu Gedanken oder Personen gelten sollen, die wir nicht mehr demokratisch nennen wollen. Für alle Parteien, auch die Grünen. Mir schwebt eine wehrhafte Aufklärung vor, die einschreitet, wenn Diktatur wünschenswert wird, sprich Faschismus normalisiert. In der politischen Farbenlehre muss braun kenntlich werden, im Unterschied zu schwarz, aber natürlich auch, wenn es rot oder grün daherkommt.

Denn das ist, was wir erleben, Versuche der Normalisierung von Faschismus.

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CHERRY PICKING.

Die konservative Regierung Großbritanniens hat das Land im Brexit aus der EU gedrängt und dabei unhaltbare Versprechen ins Feld geführt. Die Nation ist seitdem gespalten zwischen den weltoffenen Jungen und den nostalgischen Alten, inzwischen eine bigotte Puppenstube unter den Weltmächten. Jetzt hätte man aber gerne die Jugend Europas wieder; zum Kaffee brühen und Kinder hüten.

Die indischstämmige Innenministerin, eine Sanella Beeverman (pun intended), will mit Kurzzeitvisa locken. Man will Stippvisiten billiger Servicekräfte. Aus Rumänien, Polen und der Ukraine? Eher nicht. Man hat an Frankreich, Deutschland und die Schweiz gedacht. Eine politische Posse. Aber in ihren blanken Kolonialismus brutal ehrlich.

Die aus Kenia zugewanderte Suella Braverman zeigt einen Eckstein jedweder Zuwanderungspolitik. Wen willst Du? Dabei liegt das Rosinenpicken nahe. Es ist geradezu das Prinzip. Die Guten, Schönen und Wahren mögen kommen; wenn sie nichts kosten und wieder gehen. Das ist das eine: Man will nicht jene, die es nötig hätten, sondern Bürgerkinder, denen man Sklavenlöhne zahlt. Nennt sich „Au pair“, eine Haustochter für ein Taschengeld. Das ist tief dekadent, aber zumindest ehrlich.

Der zweite Eckstein jedweder Migrationspolitik ist die Formulierung einer verbindlichen Leitkultur, an die sich Zuwanderer zu halten haben. Auch solche, die das Asylrecht ins Land lässt. Was sind die Bedingungen? Hierzu zählt für uns Deutsche die Religionsfreiheit und die Tatsache, dass weibliche Wesen nicht dem Sachrecht unterliegen, sondern Menschen sind. Zumindest das. Wer mit der Freiheit von der Religion (!) Probleme hat, möge sich eine andere neue Heimat suchen.

Wer hier Klarheit scheut, endet wie Merkel. Man muss das CHERRY PICKING wollen. Kirschenpflücken. Das heißt übrigens das gleiche wie im Deutschen das mit den Rosinen. Aber eine Nebendeutung beim Verlust der Kirsche meint die Jungfräulichkeit. Wer Migration steuern will und klar sagt, was er will, verliert sie.

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MEIN GARTEN.

Mein Gärtner berichtet mir in die Ferne, wie es meinem Garten gehe. Trotz des sehr warmen Sommers habe er bisher nicht gießen müssen. Das satte Grün hätten ergiebige Schauer immer wieder ausreichend gewässert. Nur bei den Topfpflanzen hätte er mit der Kanne nachgeholfen. Eh klar.

Der Wuchs ist beträchtlich. Sechs Pritschen voller Grünschnitt hätten die Deponie erreicht, den langen Hecken geschuldet. Seiner Sorgfalt gehorchend ist das Kopfsteinpflaster vom Moos befreit. Die Bäume, die meisten erst drei, vier Jahrzehnte alt, legen weiter kräftig zu. Natur poor.

In meinem Garten lässt die Apokalypse der Fernsehnachrichten auf sich warten. Es dokumentiert sich in der Gehölzauswahl eine Vorliebe für Ginkgos. Holländer haben die Art zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Japan nach Europa gebracht; er ist aber mehr als 70 Millionen Jahre älter. Ein lebendes Fossil. Das Ende der Kreidezeit hat er überlebt, sprich das Aussterben der Dinosaurier.

Der Ginkgo hat eine eigene Überlebensstrategie, die mir importiert. Er paart sich selten, ein Einzelgänger. Seine edlen Früchte sind, so reif, dann derart übelriechend ummantelt, dass falsche Freunde auf Distanz gehalten sind. Er ist der „lonesome cowboy“ unter den Bäumen. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Meine neun Ginkgos werden auch die Apokalypse aus den Fernsehnachrichten überleben, hoffe ich. Sollten sie übermütig werden, droht ohnehin die Schere des Gärtners. Verdorrten Rhododendron aus dem Vorjahr muss ich in besseren Mutterboden setzen; ohne den geht es nicht. Wenn ich jetzt noch den Marder fange (und auf der anderen Rheinseite wieder aussetze), ist alles in Butter in meinem Garten.

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WELTFLUCHT.

Ich lese, wenn im Anflug auf ein Restaurant, niemals die Kommentare auf Guggel oder im Träffel-Ettweiser. Hier tobt die Querulanz und man erfährt etwas über den miesen Charakter des Rezensenten, niemals aber verlässliches über die Lokalität. Vor allem aber vermisst man HEITERKEIT. Der unzufriedene Gast ist immer ernst; es ist ihm ernst. Er hat den Charakter der Leberwurst. Der mittelalterlichen Medizin galt die Leber als Organ der Lebenssäfte; was heute dem Herzen oder den privaten Organen zugerechnet wird.

Es gibt wenig Hotelrestaurants, die wirklich funktionieren; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Der Niedergang jedes Lokals beginnt zudem damit, dass der Gastraum zum Wohnzimmer der Belegschaft wird. Ich habe hier eine Eckkneipe mit Außentischen, deren erster von Spülhilfe und Koch zum Rauchen genutzt wird. Ohnehin eine Plage, die Tabak-Junkies im Eingangsbereich; hier dann die Küche mit Service beim Perzen und Witzeerzählen, während im Lokal das Geschäft hängt. So wird das nichts.

Sitze gestern in einem noch leeren Hotelrestaurant; aber unangenehm lautes Palavern aus der Küche, im Lokal unüberhörbar. Man nimmt keine Rücksicht. Klar, das einzige, was wirklich stört, ist der Gast. Man macht zudem auf moderne asiatische Küche. Ich habe nichts gegen Fusionsküche; selbst nicht, wenn der Vietnamese Lamm mit Ente anbietet. Man nimmt ja jetzt so cross-over-Gerichte. Ich berichte aus dem DONG A in Tiergarten; sehr laute Küche, aber kein übler Laden. Es gab eine fein aufgeschnittene Entenbrust mit sauscharfem Gemüse. Auch die Spicy Beef Roll zu empfehlen; hatte ich statt Dessert. Da verstand ich dann endlich „Ente Schaf“.

Es ist Zeit, sich von den Widerlichkeiten der Welt und den Plattitüden der Politik wieder den famosen Dingen zuzuwenden. Bis hin, von mir aus, zu Heiterkeiten, und seien es Witze. Kann ich mal Pause von der permanenten Propaganda haben? Habe neulich schon über Kloster nachgedacht. Kapuziner Kresse züchten. Brot brechen, Wein trinken. Von mir aus auch Ente scharf.