Logbuch

GARAGE.

Was hat man idealerweise in der Garage stehen? Wenn Geld keine Rolle spielt und Platz genug ist für vier Gefährte. Oldtimerwartung inklusive. Interessantes Gedankenspiel.

In einem Roman, der in Zürich spielt, wird das mit einer Daimler Limousine, einem Mini, einem Landrover und dem Jaguar E-Type gelöst. Ganz gut angedacht, aber: Das überzeugt mich noch nicht.

Nein, kein Tesla; Ich glaube nicht an die Batterie. Nein, nichts von BMW, ob jetzt mit Niere oder ohne. Aber die Struktur der Garage in dem Roman war nicht schlecht.

Statt des Landrovers eine Doka Pritsche T6 Diesel Automatik. Das ist gesetzt. Als Limo den Peugeot 504 TI oder die Göttin DS von Citroën; wenn neuer, dann Audi Q7 mit dem Achtzylinder Diesel. In der Stadt? Bike! Italienisch. Entweder Roller oder eine schwerere Guzzi.

Es fehlt noch der Sportwagen. Offen geht gar nicht. Zuneigung zu Porsche habe ich sozialisationsbedingt verpasst. Mittelmotor Wankel? Wär das was? Obwohl ich eigentlich keine Reisschüsseln fahre. Aber bei Uhren habe ich mich ja auch eines Besseren belehren lassen. Seiko überzeugt mich mittlerweile auch beim Mechanischen.

Die Frage wird mich über Ostern beschäftigen: Was stelle ich statt des J-E-Type in meine ideale Garage? Welches Auto für Sonntagsnachmittags? Was passt zwischen eine Pritsche, einen SUV mit Bentley-Diesel und die Guzzi?

Logbuch

GRIECHISCHE INSEL.

Sehnsuchtsorte. Der einfache Tisch mit zwei Stühlen auf der Terrasse der Taverne am Hafen mit fangfrischem Fisch vom Grill, geharztem Wein und Anis auf’s Haus, natürlich zum Sonnenuntergang, auf einer kleinen entlegenen Insel. Zumindest einer unzugänglichen Landzunge mit Pinienbewuchs.

Das ist nur der Kitsch von Dr. Tigges, vielleicht. Aber dahinter leuchtet der Horizont Hölderlins, der das Griechische als Mythos ausbaute. Dazwischen der gescheiterte Bergmann Alexis Sorbas tanzend. Und ganz im Hintergrund segelt Odysseus, der Rastlose, verstrickt sich Ödipus in Vatermord wie Mutterliebe und leuchtet als Vorbild die großartige Antigone, über die Brecht dichtete:

„Antigone
Komm aus dem Dämmer und geh
Vor uns her eine Zeit
Freundliche, mit dem leichten Schritt
Der ganz Bestimmten, schrecklich
Den Schrecklichen.

Abgewandte, ich weiß
Wie du den Tod gefürchtet hast, aber
Mehr noch fürchtetest du
Unwürdig Leben.

Und ließest den Mächtigen
Nichts durch, und glichst dich
Mit den Verwirrern nicht aus, noch je
Vergaßest du Schimpf und über der Untat wuchs
Ihnen kein Gras.“

Wir lesen die GRIECHISCHE INSEL als ursprünglich, als das Paradies des einfachen und deshalb guten Lebens. Dabei war das Mittelmeer ein zwischen den damaligen Weltmächten umstrittener Raum. Um das „mare nostrum“ konkurrierten Griechen und Römer wie die Völker des Orients und Afrikas. Zur großen Politik kam die kleine: Heerscharen von Piraten.

Warum ist das Städtchen auf der Insel an die oberste Spitze des Vulkans gebaut, möglichst weit weg vom offenen Strand, nur dem Vertrauten auf einem zähen Esel zugänglich. Warum das italienische Sizilien voller griechischer Tempel. Warum Spanien über Jahrhunderte Heimat muslimischer Metropolen. Warum Homer so voller Zorn.

Wir sind in unseren Träumen vorsätzlich Idioten. Man sieht daran, was NOSTALGIE anzurichten in der Lage ist.

Logbuch

OSTERSPAZIERGANG.

Es gibt Gedichte, die schlicht egal sind. Und solche, die, obwohl abgeschmackt, Volltreffer wurden. Dazu gehört das FRÜHLINGSGEDICHT von Goethe. Vom Eise befreit… Faust.

Im Frühling feiert die Natur sich als Ambulatorium: Man geht glücksbesoffen spazieren. Ein zielloses Umherlaufen mit Begaffen der einsetzenden Blüte. Gilt als Sehnsuchtszeit: Man ist Mensch und kann es sein. Sagt Faust.

Den Gärtner dagegen befällt der Stress. Die im Herbst versäumten Baumschnitte mahnen, aber jetzt ist es eigentlich zu spät. Das verbreitete Moos bräuchte Kalk, damit der Rasen durchlüftet werden kann. Noch zu nass. Die Hecke hat sich ungeschnitten durch den Winter gemogelt. Man ist Sklave der Natur.

Faust könnte, statt spazieren zu gehen, mal meinem Gärtner helfen, finde ich. Arbeit ist genug.

Logbuch

ZOLLVEREIN.

Da, wo ich herkomme, waren Zölle mal ein ganz großes Thema. Und zwar deren Abschaffung. Ich komme, das muss man dem emigrierten Pfälzer Trump erklären, aus Preußen. Der hier erdachte Deutsche Zollverein schuf mal die drittgrößte Industriemacht, nach Großbritannien und den USA. Man war so stolz auf diese Schaffung eines freien Binnenmarktes, dass man in Essen eine Zeche danach benannt hat: ZOLLVEREIN. Der Eiffelturm des Reviers. Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts belebte einen Gedanken des 18., nämlich dass der FREE TRADE zum Wohlstand der Völker beitrage. Die Tarife zur Hölle.

Die GESCHICHTSLOSEN in der Neuen Rechten der nordamerikanischen Kolonien verstehen das nicht, weil es ihre Wähler im Moment nicht reicher macht. Wer die heutigen Republikaner begreifen will, muss begreifen, wem sie unmittelbar nützen. FOLLOW THE MONEY. Wer hier den Wettbewerb nicht wirtschaftlich gewinnt, will es eben politisch wissen. Dabei gilt der schnelle Dollar, nicht der edle Wettkampf fairer Sportsmänner über viele Runden. Das haben sie von ihren Wirtschaftsweisen gelernt: Langfristig? Langfristig sind wir tot. „In God we trust. The rest pays cash! Take the money and run!“

Noch mal für die Geschichtslosen: Zölle sind ein MEGA-Thema, und zwar, wenn man sie aufhebt. Ich gebe zu, dass der Deutsche Zollverein auch ein protektionistisches Moment hatte, aber das war nicht der eigentliche Sinn. Einigkeit und Recht und Freiheit, auch von Zöllen. Werden sich also die schlappen Schüsseln von General Motors und Ford besser verkaufen, wenn die BMW und Porsche 25% teurer sind? Wird Detroit erblühen, wenn die Japaner wieder als Weltkriegsgegner entdeckt sind?

Eingeräumt, es gab eine Epoche, da ist die Welt nach Dearborn gepilgert, um die industrielle Sensation zu betrachten, die ein Wesen namens Elisabeth Dose (Tin Lizzy) hervorbrachte. Das Fließband des Henry Ford war nicht technologisch, aber fertigungstechnisch Weltspitze. Die Karre war klapprig, aber billig. Das ist der Markenkern amerikanischer Autos bis heute geblieben. Auch bei den Batterieschlitten. Wenn bezüglich Tesla heute von ihrer Berliner Produktion gesprochen wird, meint man wahrscheinlich die Montage in Brandenburg; es wird schon beim Geburtsort geschummelt. Brandenburch.

Schöne Autos kommen aus Norditalien, stattliche aus Crewe. Und die Franzosen konnten mal was. Nützliches stammt aus Japan, noch immer. Der zügigste Kopierer ist Chinese. Aber aus Detroit? Wie geht es eigentlich Lee Iacocca; das ist der letzte, von dem ich was gehört habe. Ich will es mal so sagen: Auch wenn die Franzosen heutzutage Hamburger fressen und Whisky saufen, sie stehen kulturgeschichtlich für HAUTE CUISINE. Das wird nicht durch KFC widerlegt, die Fastfoodkette („Kentucky schreit ficken!“), die Geflügelabfälle paniert und in Eimer füllt. Klar? Wer erklärt jetzt bitte JD Vance, was ein Bressehuhn in der Kalbsblase ist?