Logbuch

DER LANGE MARSCH.

Die Grünen sind an der Spitze der Macht angekommen und man sieht, wie das Haar unter der Verantwortung grau wird. Darunter gute Leute und wirkliche Talente.

In meiner Jugend ging von den rebellischen Studenten, die sich rot, sprich als Sozialisten und Außerparlamentarische Opposition (APO) verstanden, eine eigene Revolutionsromantik aus. Dabei wurden Metaphern geschaffen, die das revolutionäre Vorbild Chinas unter Mao Tse Tung glorifizierten und zugleich zu kleiner Münze machten. Das gilt besonders für den von Rudi Dutschke propagierte „langen Marsch durch die Institutionen“.

Was immer damit gemeint war, es begleitete jene, ehemalige Revoluzzer, die es sich auf Posten des öffentlichen Dienstes bequem machten. So konnte man das Recht auf Faulheit im Staatsdienst genießen und sich zugleich als politische Avantgarde fühlen. Dazu hätte ich Dutschke gern mal gehört, ob das nicht ein durch und durch reformistisches Unterfangen war. Reformen waren den Revolutionären verpönt.

An den LANGEN MARSCH denke ich, als ich den Behördenleiter der Bundesnetzagentur auf einer Pressekonferenz höre. Ein grünes Urgestein, das es geschafft hat. Vor der Tür steht ostentativ sein Daimler mit Fahrer. Um das klar zu sagen: Der Mann hat einen wirklichen guten Eindruck gemacht. Beachtlicher Vortrag zur Gasmangellage, die seine Behörde vermeiden sollte. Er sieht sich in der Agenda zum Ersatz von russischen Pipeline-Gas und weiß sich eins mit dem Bundeswirtschaftsminister. Der milde Winter hat beiden geholfen.

Der Mann war mal grüner Landesminister in Kiel und hat dann bei Verbraucherschutzverbänden gewirkt, 16 Jahre lang, wie er wiederholt erwähnt. Sein langer Marsch, sagt mir ein Grüner, der mal eine WG mit ihm geteilt hat. Im Rausgehen grüßt er eine der Anwesenden, eine Spur zu herzlich, fällt nicht nur mir auf. Ein Konfident raunt mir zu: „Die kennen sich aus Kiel.“ Tjo, der lange Marsch.

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GLÜCKSELIGKEIT.

Das Gründungsdokument aller modernen Staaten ist die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1774, mit der die Kolonien die britische Herrschaft abschüttelten. Das ist 15 Jahre vor der Französischen Revolution. Großgrundbesitzer und Sklavenhalter priesen unveräußerliche Menschenrechte. Auch das Streben nach Glück.

Wie kommt eine solche Rührseligkeit in einen wirtschaftlich und politisch stocktrockenen Vorgang? Das Streben nach Glück zu ermöglichen, sei Zweck jedweder Regierung, sprich Staatsauftrag. Das ist doch schräg. Was mag den Autoren Thomas Jefferson geritten haben, eine solche Sentimentalität da neben dem Recht auf Leben und Freiheit reinzuschreiben? Während er selbst übrigens Sklaven hielt und schwängerte.

Ich habe es noch mal nachgeschaut. Dort steht: „We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness. That to secure these rights, Governments are instituted among Men.“ Regierungszweck.

Zufällig sehe ich jetzt, wo die Gefühlsduselei herkam. Das war originäres Gedankengut der FREIMAURER. Jefferson hatte dort seine Wurzeln. Ich durchblättere ein Spätwerk von Lessing, weil Studentinnen mir erzählen, man habe ihnen in der Wolfenbütteler Bibliothek verklickert, Lessing sei zum Feiern jede Woche nach Braunschweig gezogen. Nur zum Saufen eine Tagesreise? Das glaube ich nicht. Da hätte er auch nach Wöltingerode gehen können, wo Nonnen Schnaps brennen, zu der Zeit.

Lessing hat in Braunschweig eine FREIMAURER-LOGE besucht, vermute ich. Aber das ist, wie der Freimaurer Kipling sagt, eine andere Geschichte. Es unterhalten sich bei Lessing zwei Figuren über die „bürgerliche Gesellschaft“ und deren Vorzüge. Dabei fällt der Satz: „Alle bürgerlichen Staatsverfassungen sind nichts als Mittel zur menschlichen Glückseligkeit.“ Daher kommt er also, der Happiness-Dusel bei den Amis. Dan Brown, bitte übernehmen Sie.

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KRIEGSERKLÄRUNG.

Wenn die ohnehin minderbegabte Frau Baerbock sich nur verplappert hat, als sie in radebrechendem Englisch Russland den Krieg erklärte, dann hätte sie selbst das mit einem klaren Dementi ausräumen können. Hat sie nicht.

Man kann sich ungeschickt äußern. Ich erinnere in dunklen Nächten eine ganze Stafette von Sätzen, die ich nicht hätte sagen sollen. Selbstkritik und Reue. Oder ich erinnere solche, die man mir unterschoben hat, obwohl ich sie weder gesagt hatte noch meinte. Kritik und Zorn. Aber unter Christenmenschen verzeiht man Fehltritte der Nächsten. Also Schwamm drüber.

Zum eskalierten Kriegswillen der Grünen gibt es aber einen bösen Verdacht: Das war ein FREUDSCHER VERSPRECHER, in dem sich die geheime Absicht offenbart. Denn die deutsche Außenministerin sprach vor dem Europäischen Rat im Sinne einer politischen Wunschvorstellung. Man möge sich in Europa nicht streiten, sondern den gemeinsamen Bündnisfall gegen Russland ausrufen. Dementiert sie nicht, weil sie insgeheim meint, was sie sagt? Das wäre nicht trivial.

Wir haben nicht 1914 und ich werde anders als mein Urgroßvater nicht meine Nachkommen ins Feld schicken. Mein Vater, den Hitler gezogen hatte, und der das zu seiner eigenen Überraschung überlebte, hat mich in meinem verminderten Kriegswillen bekräftigt. Also, Frau Baerbock, die Sie sich rühmen aus dem Völkerrecht zu kommen, darf ich das klarstellen: „Nicht in meinem Namen!“ Es läge mir dran, dass das klar ist.

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RUND UM SORGLOS.

Sprache ist ein Verräter, immer. Sie teilt stets mehr mit, als sie eigentlich sollte. Nun sind es nicht nur die Münder, die plappern, sondern auch die Ohren, die man aufstellen können muss. Ich reagiere auf bestimmte Redewendungen allergisch. Etwa auf jene Werbesprüche, die ein Rundumsorglos-Paket zu bieten geloben. Unerträglich.

Dabei stört mich sprachlich schon diese Betulichkeit der Nachkriegszeit, mit der der Schoko-Pudding von Doktor Oetker daherkam und Muttis Backpulver oder Miele, die weiß, was Frauen wünschen. Nirgendwo ist Deutschland piefiger als in Ostwestfalen, wo die Bertelsmänner Hof halten. Dort stand die Wiege der kleinbürgerlichen Rundumsorglosigkeit.

Nicht zufällig haben es die Vertriebsdeppen der grünen Spießigkeit aufgegriffen, deren Schulbänke in Bielefeld standen und deren Hörsäle in Vallendar; das ist bei Koblenz am Rhein, wo der minderbegabte Pinsel von Papas Geld Ökonomie studierte. Noch so ein schwarzes Loch des mentalen Mittelmaßes. Hier studierte, wer dann ENPAL gründete, die Wiege der grünen Wende mit Solardächlein und Wärmepümpchen. Dazu lese ich gerade einen Verriss bei Gabor Steingart (auch aus Bielefeld).

Mich stört nicht, dass ein Start Up die Backen aufbläst und Wind macht. Ich bin da zurückhaltend, weil ich um meine Rückständigkeit weiß. Ich heize auf dem Land mit Buche und sorge so, dass der Wald nicht stirbt, weil der Forst ihn erhält. Dass der deutsche Wald aber des Försters bedarf, das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Es geht zuvor um die vollständige Sorglosigkeit, die laut Enpal ein koreanischer Kompressor und ein chinesisches Panel mir bringen sollen.

Der Anlass liegt im Diabolischen des Karbons, das zu entsorgen die Valium-Visionäre von Enpal mir versprechen. Sei ohne Sorge, sagen sie. Sei gänzlich entsorgt. Ist es das, was ich sein will? Bar jeder Sorge? Man lese bitte das wunderbare Gedicht von Ingeborg Bachmann mit dem Titel REKLAME und verstumme.

Wir ersparen uns angesichts so großer Lyrik die naheliegende Ironie darüber, dass der Herr über das Rundumsorglospaket der hier gescholtenen Firma ausgerechnet MARIO KOHLE heißt. Jedenfalls möchte ich religiöse Grundsatzfragen nicht von einem Heizungsbauer behandelt wissen. Auch wenn dem Installatör ja eigentlich nix zu schwör ist.