Logbuch

DER FORD SCHRITT.

Vor der digitalen Zäsur lag vor 100 Jahren die industrielle durch das AUTOMOBIL. Elon Musk ist nur die alberne Wiederholung eines alten Stücks. SPAM steht ja kurz für Dosenfleisch, nämlich Würzschinken (spiced ham). Gemach!

Die „Union Stock Yards“ im Chicago des ausgehenden 19. Jahrhunderts waren ein Schlachthof gigantischen Ausmaßes, eine industrielle Attraktion ihrer Zeit. Hier wirkten eine ganze Reihe von Motoren des Fortschritts zusammen. Hier begann damit das 20. Jahrhundert. Erstens Migration: die hungrigen Zuwanderer aus Europa bildeten ein arbeitswilliges Proletariat, das systematische Ausbeutung unter unsäglichen Bedingungen erfuhr. UPTON SINCLAIR berichtete darüber in seinem Roman THE JUNGLE, ein vielgelesenes Werk; nicht zuletzt von Bert Brecht für seine „Heilige Johanna der Schlachthöfe“.

Zweitens die Eisenbahn. Die riesigen Herden an Schweinen und Rindern kamen nicht freiwillig und auf eigenen Füßen nach Dearborn an die großen Seen. Drittens die Konservendose. Sie machte das Fleisch für einen Massenkonsum haltbar; Stichwort CORNED BEEF und SPICED HAM. Nun zu unserer Pointe: Die YARDS waren auch industriell eine Innovation. Hier wurde das FLIESSBAND erfunden. Erstmals wurde in der Tierzerlegung ein Produktionsprozess in kleinste Schritte zerlegt (pun intended). Der Arbeiter stand, die Schweinehälften und Rinderseiten zogen an ihm vorbei. Vor allem aber verlor der selbständige Metzger eine ganzheitliche Aufgabe zugunsten eines Heeres von Bandarbeitern, die jeder nur einen einzigen Handgriff zu machen hatten. Heute trägt das hierzulande den Namen von Herrn Tönnies.

Und wenn dann mal in Chicago ein zugewanderter Litauer in den Wurstkessel fiel, wurde er halt mitverarbeitet, berichtet UPTON SINCLAIR, der damit zum Begründer des Investigativen Journalismus wurde, was man „muckraking“ nannte, Schmutzaufwirblerei. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte (RUDYARD KIPLING besuchte übrigens auch die YARDS).

Man rechne also die Erfindung des FLIESSBANDES nicht länger HENRY FORD zu. Der irische Migrantensohn Ford hatte die Idee geklaut. Zu den wissbegierigen Besuchern seiner Produktion zählte dann die gesamte industrielle Elite. Mutterland USA, heute Kalifornien, damals der Mittlere Westen. Der Industriemagnat Ford kaufte sich übrigens auch eine Zeitung, um seine ideologischen Ambitionen ausleben zu können, einen Antisemitismus, der dem österreichischen Führer der deutschen Nazis sehr gefiel; aber das ist nun wirklich eine andere Geschichte.

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ARBEIT.

Wer nur in der FREIZEIT Erfüllung findet, hat den Sinn der ARBEIT schon verloren. Man hebt ENTFREMDUNG nicht durch Party-Schneisen auf oder „Urlop“.

Ich lese Verstörendes über Frau Montessori, die Mussolini um den Bart ging. Dabei habe ich die nach ihr benannte Pädagogik immer sehr geschätzt. Anders als die Albernheiten von Herrn Fröbel, dem Erfinder der „Spielgaben“ im „Kindergarten“, nahm die Italienerin die Kleinen als Große. Sie respektierte das kindliche Spielen als ernste Arbeit, die keiner Unterbrechung durch erwachsene Erzieher bedurfte.

Mein Ernst: Montessori-Pädagogik gibt vor, was sie erreichen möchte, die Freiheit der Selbstbestimmung selbst bei jenen, die erst noch nur im Spiel sich selbst bestimmen. Das ist ein anderer Begriff von ARBEIT, den wir aus dem Mittelalter kennen, wo „arebeit“ mehr war als entfremdete Lohnarbeit, wie sie die Industrialisierung mit sich brachte. ENTFREMDUNG bekämpft man nur durch selbstständige Sinngebung. Wichtiger Begriff beim frühen Marx; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Ein Bewerber hat meine Assistentin auf dem Flur nach den Urlaubstagen gefragt und mir gegenüber etwas von der „work-life-balance“ gefaselt; ich habe ihn dem Arbeitsmarkt zurückgegeben.

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PAUKER.

Niemand mag Lehrer. Oberstudienrat Fliegenschiss. Pauker sind ein Gespött. Sehr zu Unrecht. Gute Lehrer formen das Leben; sie sind eigentlich zu loben.

Wenn ich mich fair erinnere, so hatte ich einige gute Lehrer, die mich in jungen Jahren auf den Weg gebracht haben. Ich könnte sie bis heute mit Namen nennen. Und Schulen wie Hochschulen, die uns Eleven wachsen ließen. Weil sie uns forderten. Wer lamentieren wollte, musste lesen. Vorher. Lektürevorsprung. Auch die pädagogischen Flops erinnere ich, aber das sei verziehen; wir waren ja auch nur ein ehrgeiziges Mittelmaß. Und frech.

Ich wurde, wie viele, die die erste Generation an Akademikern in ihren Familien waren, auch Pauker. Ich war das gerne, wenn auch nicht lange. Der Ehrgeiz trieb mich weiter. Aber einige der Berufskrankheiten habe ich doch mitgekriegt. Einmal Pauker, immer Pauker. Dazu gehört, dass man die Blender aus der ersten Reihe am Ton erkennt. Jene Geschöpfe, deren Ambition nicht durch Fleiß gestützt wird, sondern mittels Attitüde.

Jetzt gestehe ich es, das ist es, was mich am Bullerbü-Ton der Grünen stört. Haltung statt Kompetenz. Anspruch statt Arbeit. Mehr Schein als Sein. Sätze wie: „Ich komme ja aus dem Völkerrecht.“ Der Ton der Schummel-Julen.

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RUND UM SORGLOS.

Sprache ist ein Verräter, immer. Sie teilt stets mehr mit, als sie eigentlich sollte. Nun sind es nicht nur die Münder, die plappern, sondern auch die Ohren, die man aufstellen können muss. Ich reagiere auf bestimmte Redewendungen allergisch. Etwa auf jene Werbesprüche, die ein Rundumsorglos-Paket zu bieten geloben. Unerträglich.

Dabei stört mich sprachlich schon diese Betulichkeit der Nachkriegszeit, mit der der Schoko-Pudding von Doktor Oetker daherkam und Muttis Backpulver oder Miele, die weiß, was Frauen wünschen. Nirgendwo ist Deutschland piefiger als in Ostwestfalen, wo die Bertelsmänner Hof halten. Dort stand die Wiege der kleinbürgerlichen Rundumsorglosigkeit.

Nicht zufällig haben es die Vertriebsdeppen der grünen Spießigkeit aufgegriffen, deren Schulbänke in Bielefeld standen und deren Hörsäle in Vallendar; das ist bei Koblenz am Rhein, wo der minderbegabte Pinsel von Papas Geld Ökonomie studierte. Noch so ein schwarzes Loch des mentalen Mittelmaßes. Hier studierte, wer dann ENPAL gründete, die Wiege der grünen Wende mit Solardächlein und Wärmepümpchen. Dazu lese ich gerade einen Verriss bei Gabor Steingart (auch aus Bielefeld).

Mich stört nicht, dass ein Start Up die Backen aufbläst und Wind macht. Ich bin da zurückhaltend, weil ich um meine Rückständigkeit weiß. Ich heize auf dem Land mit Buche und sorge so, dass der Wald nicht stirbt, weil der Forst ihn erhält. Dass der deutsche Wald aber des Försters bedarf, das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Es geht zuvor um die vollständige Sorglosigkeit, die laut Enpal ein koreanischer Kompressor und ein chinesisches Panel mir bringen sollen.

Der Anlass liegt im Diabolischen des Karbons, das zu entsorgen die Valium-Visionäre von Enpal mir versprechen. Sei ohne Sorge, sagen sie. Sei gänzlich entsorgt. Ist es das, was ich sein will? Bar jeder Sorge? Man lese bitte das wunderbare Gedicht von Ingeborg Bachmann mit dem Titel REKLAME und verstumme.

Wir ersparen uns angesichts so großer Lyrik die naheliegende Ironie darüber, dass der Herr über das Rundumsorglospaket der hier gescholtenen Firma ausgerechnet MARIO KOHLE heißt. Jedenfalls möchte ich religiöse Grundsatzfragen nicht von einem Heizungsbauer behandelt wissen. Auch wenn dem Installatör ja eigentlich nix zu schwör ist.