Logbuch
Korrektur durch Herrn Innacker: Marion Horn ist jetzt bei CNC, also Christoph Walther, nicht bei ihm. Ich bedaure den Irrtum und bitte um Nachsicht.
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CHATHAM HOUSE RULE.
Teilnehmer einer Runde unter der Chatham Haus Regel dürfen Gesprächsinhalte zwar als ihr Wissen zu erkennen geben, ohne aber die Quelle oder den Quellenkontext zu offenbaren. Auch: „unter Drei.“ Anzunehmen, das könnte in Internetforen wie CLUBHOUSE gelten, ist naiv. Als STREET DOG der PR sage ich zudem: Es gilt auch nicht gegenüber allen (!) Journalisten, jedenfalls dann nicht, wenn diese, unter dem ideologischen Vorbehalt der HALTUNG, die Informationen gegen ihre Gegner verwenden können. „Wirkliche Geheimnisse“, hat ein alter Boss mir mal gesagt, „erzähle ich nicht mal mir selbst.“
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CLUBHOUSE.
Das ist der neue heiße Scheiss! Über eine App laden sich die wirklich Wichtigen zu Gesprächsrunden. Bin gestern ausgestiegen als Herr Ramelow, der MP aus Thüringen, sich im Kopf und Kragen quatschte. Bleibe für heute beim Altbewährten, der SONNTAGSZEITUNG. Was der Sonntagsbraten für den Magen, ist die Sonntagszeitung fürs Gemüt. Da ist die FRANKFURTER, noch immer gut, aber unterschiedlich in den Ressorts (Geheimtipp: HANKs Kolumne). Da ist wieder interessant die WamS (neuer Chefredakteur, der, als noch bei der SZ, mal ein tolles Portrait über mich geschrieben hat; interessanter Typ). Stark verändert die BamS, einfach ein anderes Blatt als unter Marion Horn und Christian Lindner. Und weil mir das mit den zweieinhalb Blättern zu wenig Papier für einen langen Sonntag unter Ausgangssperre, da habe ich jetzt wieder die SUNDAY TIMES abonniert, zwar von der Vorwoche; es geht mir aber eh um die beiliegenden Magazine. Da fällt mir ein: Marion Horn soll doch jetzt bei der PR-Agentur des unglückseligen Herrn Innacker sein, früher WMP; ob das ein Glücksgriff war? Ich meine, zu Innacker zu gehen. Dessen Umgang beschäftigt die Gazetten. Christian Lindner (ex ChefR der Rheinzeitung) ist jetzt im Friesischen; das war klug, von den Friesen. Und Rainer Hank schreibt seine wunderbaren Stücke aus der Pension. Gossip. Getratsche. Wenn jemand jetzt noch wissen will, wie der Hund heißt und es um die Verdauung steht, und zwar gestammelt im O-Ton, der ist richtig bei CLUBHOUSE. Ich ertrage das Fremdschämen nicht, mein eigenes Schamgefühl über das Dummschwätzen anderer. Wie sie sich wichtig nehmen, den Finger heben, drangenommen werden, um sich zu räuspern und im Banalen verlieren. Oh Mann: Wer nicht klar denkt, redet verworren. Wusste schon Ludwig Wittgenstein, der Bruder des einarmigen Pianisten. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
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DER EWIGE GÄRTNER.
Anders als der Fliegende Holländer ist der Ewige Gärtner ein gleichmütiger Trottel, der, wenn er hinten fertig ist, vorne wieder anfängt. Er weiß um die Vergeblichkeit seines Tuns und ignoriert dies stets auf’s Neue. Mental ist der Gärtner Engländer und philosophisch ein Stoiker; vielleicht auch in allem ein dem Leben zugewandter Zyniker. Man weiß es nicht so genau, weil er wenig redet. In einer alten Kiste des Wintergartens versteckt sich eine Flasche guten Scotch. Er ist sonderlich und spricht mit einigen seiner Bäume. Nicht mit allen. Aus den Fallen für den Marder holt er tote Vögel und Mäuse. Sie würden Füchse locken. Er grübelt gelegentlich.
Vier Jahreszeiten sollen es sein, die das Jahr gliedern. Dieser Irrtum ist wahrscheinlich bäuerlichen Ursprungs. Vor allem, wenn damit die Vorstellung verbunden sein soll, dass es sich um gleichwertige Perioden handelt. Ich bitte das zu korrigieren.
Gestern sitze ich, nach längerer Abwesenheit versteht sich, in meinem Garten und es ist alles wieder da. Das satte Grün der Bäume, hier und da rot, die Blüte der Sträucher und der Rasen als Wiese. Beim Gras hat das Wachstum schon etwas Freches; er verlangt gemäht zu werden. Was war er im Herbst vermoost und vertrocknet, von Unkraut gezeichnet. Jetzt verdient er dank Blumen und Gräsern wieder das Lob als Wiese. Die Baumblühte verschwunden, die Früchte noch nicht da, begehen wir den Anfang des Sommers.
Man spürt, wie die mächtigen Bäume zu neuem Wachstum anheben. Wasser sollte genug sein; sonst hat der Schlauch nachzuhelfen. Alles im Ausdruck des Lebens, dem strikten Gegenteil des weißen Todes, den ein knackiger Winter zu bringen hat. Und geben wir es zu, zwischen diesen beiden gibt es nur elende Übergangszeiten. Der Herbst ist Wehmut über den verlorenen Sommer und der Frühling Hoffnung auf ihn. Man sollte seinen gesamten Jahresurlaub im Sommer zusammenziehen und nur die restlichen drei Monate arbeiten gehen.
Der Tourismus, dieses eigenartige Phänomen der Realitätsflucht, hat daraus die Konsequenz gezogen, unwirtliche Wüsten zum quasisommerlichen Aufenthalt anzubieten. Als bestünde die Glorie des Sommers darin, dass Hitze herrscht. Mit Kreuzfahrschiffen, diesen Lagern zur See, ist dann der Gipfel des Rudelurlaubs erreicht. Bleiben wir bei der Idylle, die die Jahreszeit uns schenkt und im eigenen Garten. Möge er lang sein, der Sommer.
Der Trost der Jahreszeiten liegt in der Garantie ihrer Wiederkehr; so das Leben hält, wird es einen weiteren Sommer geben. Und wenn nicht für den Einzelnen, so doch seine Kinder und Kindeskinder. Darin liegt ja das Verrückte des grünen Weltschmerzes, dass er mit dem Gedanken eines apokalyptischen Endes spielt. Natur endet nicht. Ich blicke auf die zahlreichen Ginkgo-Bäume in meinem Garten und erinnere mich daran, dass sie schon mit den Dinos da waren und noch nach Hiroshima; es fehlt mir die Fähigkeit zur Hysterie. Ich lobe den Gleichmut des Gärtners.