Logbuch

ANGEBOTSVERKNAPPUNG.

Die Öffnungszeiten der Restaurants ändern sich: ab Donnerstag, so lautet die neue Parole. In der ersten Wochenhälfte geht nichts mehr. Sonntags auch zu. Und dann vergeben sie zum Wochenende hin einen Tisch für 90 Minuten. Friss, zahl und verpiss Dich!

Das wird nicht gutgehen. Ich verstehe ja, dass Personal knapp ist und der Kostendruck hoch. Aber die zeitliche Verknappung und damit die Verdichtung auf Vollbetrieb an drei Tagen, das ist ein Irrweg. Es wird die Kundschaft auf die Fastfood-Läden verlagern. Schon heute ist das Angebot in einer Bäckerei besser als im gängigen Restaurant. Mein Tipp: nach den (belegten) Handwerkerbrötchen fragen.

Auch auf Autobahnen Fast-Food-Ketten. Ich habe jetzt sogar gelernt mit einem Automaten zu reden, der mir bei McDoof die Bestellung abnimmt. Das sogenannte Frühstück war zwar lausig; aber es gab eines. Bei WürgerKing zahle ich für einen Burger mittels Drive-In fast zehn Euro, das simple Brötchen zwanzig Mark. Aber 24/7. Lausiger Kompromiss. So wird das nichts.

Auch in der Systemgastronomie gehobener Art findet eine radikale Angebotsreduktion statt. In Berlin gehe ich gern in ein Hotelrestaurant mit vorzüglichem Service. Riesenhotel, beste Lage, Topkellner. Und eine sehr, sehr kleine Karte, die über Monate nicht wechselt. Ich habe aber keine Lust zwischen zwei Gerichten, die mir munden, zu wählen.

Und bei den Familienrestaurants radikale Qualitätsunterschiede, je nachdem, wer in der Küche ist. Ist die Mama krank, gibt es Convenience aus der Metro und schlimmeres. Wir fallen in eine Service-Wüste zurück. Ich werde mir eine zweite Tiefkühltruhe in den Keller stellen. Dann halt selbst.

Für unterwegs wieder Butterdose und Thermoskanne. Heimlich, weil spießig. Aber was will man machen? Vom Bordbistro der Bahn oder Sandwiches im Flieger schweigt des Sängers Höflichkeit.

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DIE FREUNDE DES DIESEL.

Nur damit das klar ist: ich fahre gleich los und habe 600km vor der Brust. Da die Bahn nicht mehr verlässlich fährt, fahre ich einen Selbstzünder (Geheimsprache). Reichweite 880km. Das wollen sie mir nehmen. Wg. Klima.

Gestern legten Heerscharen von protzigen Traktoren die Hauptstadt lahm, weil die Regierung plane, die Subventionen für den Diesel in der Landwirtschaft zu streichen. Bauern blockieren und hupen wild. Man droht massiv und gibt rechten Parolen Raum.

Der grüne Cem Özdemir spricht und gibt den Aufständischen Recht, wenn ich das richtig verstehe. Das wolle er verhindern. Er ist amtierendes Mitglied eben dieser Regierung. Der Opportunismus der Grünen, Partei des Bundeslandwirtschaftsministers, kennt keine Grenzen. Jetzt also Freunde des Diesel. Wie in Sachsen die AfD. Flexibler Normalismus.

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GEBROCHENE IDYLLE.

Weihnachtsmärkte sind Symbol einer verkitschten Idylle westlichen Brauchtums, das historisch auf die Geburt des Religionsstifters zurückgeht, aber eigentlich Gemütlichkeit meint.

Jetzt allerorten unter paramilitärischem Schutz. Panzersperren und Maschinengewehre. Weil kulturelle Gegner die Symbolik annehmen und sie durch Terrorakte kommentieren wollen; Märtyrerwille.

Die Welt, in die der Messias kommt, ist nicht in Frieden; war sie nie. Auch für ihn nicht, schon gar nicht für ihn. Gebrochene Idylle.

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JAHRHUNDERT PR.

Der Satiriker sucht in jeder Suppe ein Haar. Und findet es auch. Gerecht geht es dabei nur in einem höheren Sinne zu. Zunächst und wohl auch vor allem ist diese Einstellung vorgefasst. Darum hat der eigentlich sanftmütige Goethe gesagt: „Schlagt ihn tot den Hund, er ist Rezensent.“ PR-Leute sterben keines natürlichen Todes.

Besonders kritisch bin ich mit den Lobpreisungen, die sich mein Berufsstand selbst gewährt. Das Eigenlob ist hier üblich, eine kleine Münze selbst großer Leute. Kürzlich noch lichteten sich ein einschlägiger Strafverteidiger, den ich schätze, und ein ehemaliger Regierungssprecher, den ich schätze, gemeinsam in Siegerpose ab, weil sie ein Verfahren vor Gericht gewonnen hatten. Dazu später mehr. Zunächst: Mir verschlägt diese Manie der Auto-Ästimation den Atem. Ich finde, das gehört sich nicht. Und ich bin ansonsten kein Kind von Bescheidenheit, aber Eigenlob stinkt.

Der deutsche Kanzler im Oval Office mit der Geburtsurkunde des Großvaters des Präsidenten, einem emigrierten Pfälzer, das war ganz großes PR. Salut! Friedrich Merz entdeckt, dass die Eitelkeit von Donald Trump eine Schwäche ist, keine Stärke. Er nutzt dessen Parvenü-Charakter in einem Akt brillanter Diplomatie. Und er spricht dabei Deutsch im Oval Office. Eine Rüge dessen lässt er stehen. Ein Glanzstück der Public Affairs. Mir sind in meinem Berufsleben vielleicht drei oder vier solcher Kunststücke gelungen, nicht mehr.

Jetzt zu dem ketterauchenden Winkeladvokaten und dem pferdereitenden PR-Mops, also Don Quichote und Sancho Pansa an der Alster. War das etwa das Verfahren zum Cum-Ex-Steuerbetrug, in dem ein Mittäter sich zum Whistleblower umlackieren ließ? Also jenes, in dem die Staatsanwaltschaft nach dem Eigenlob von Verteidiger und PR-Agent sofort Revision einlegte und die Presse wütend aufheulte? Die Taten des Mittäters wurden erneut öffentlich gerügt und werden wieder Verfahren sein. Lukratives Mandat. Profis gehen aber zum Feiern in den Keller. Und feixen nicht, weder am Jungfernstieg noch im Oval Office.

Merz hat die Geburtsurkunde schon im Regierungsflieger im Anflug auf Washington rumgezeigt; leichter Stockfehler. Ein guter Zauberer, sage ich, ist von seinen eigenen Tricks erkennbar überrascht. So geht PR.