Logbuch
KÄLTEPUMPE.
Ich lese einen mittelhochdeutschen Text, in dem die Herrschaften in den Gefilden Apuliens zur Jagd gingen. Irre Anreise, wenn man bedenkt, dass es zu Pferde ging. Aber auch der Karthager Hannibal war im Süden Italiens, auf Elefanten. Man hatte offensichtlich Zeit und Muße: „Glücklich der, der jetzt auf den Gefilden Apuliens zur Beizjagd gehen kann! Wer dort auf die Pirsch zieht, kommt auf seine Kosten, so viel Wild gibt es dort. Die einen gehen zu den Brunnen, die anderen reiten spazieren…“
Es erreichen die brütenden Lande, über deren Höhen sonst der Wind so kalt weht, Nachrichten aus dem fernen Apulien, wo der Lorenz mit 45 Grad brennt. Das ist der Absatz des italienischen Stiefels, also tiefer Süden und einst so fruchtbar, dass die Griechen sich zur Kolonialisierung entschlossen. Berichten will ich von einem alten Bürgerhaus in Ostuni, vor dessen Baustelle ich einst voller Staunen hockte, die Weisheit früheren Handwerks bestaunend. Überhaupt haben die Städte der Region den Ruf, ein Florenz des Südens zu sein, aber dieses eine Domizil hat es mir angetan.
Zur Straße dreigeschossig und bescheiden wirkend, birgt es, wie dem neugierigen Touristen offenbart, untereinander drei Kellergeschosse, geräumig und solide in den massiven Fels gehauen. Und im untersten, wo ganz sicher der kühle Berg die angenehmste Temperatur bietet, ein Brunnen mit frischem Quellwasser. Unnötig zu erwähnen, dass zu der einen Seite in ein paar Schritten der Markt und in der anderen Richtung nur einen Steinwurf entfernt, aber deutlich tiefer, der Hafen. Ein in den Fels gehauenes Paradies. Die Weiße Stadt hat sich mit Wehrtürmen und Mauern seit der Renaissance vor dem Türken geschützt, die den Balkan beherrschten; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Meine Fantasie regt der quellbewehrte Tiefbau an, da er von einem Klima kündet, das heute nur noch diese entsetzlich hässlichen Maschinen aus Asien zu liefern suchen. Plötzlich ist auch in unseren Breiten von A/C die Rede. Brüllsommer. Bei diesem Wetter hätte der tragische Habeck seine Pumpe als Raumklimatisierung durchgesetzt bekommen. Kältepumpe. Wäre es den Grünen nur gegeben, mehr an die Überzeugung der Menschen zu appellieren als mit dem Staat zu drohen. Aber Trittins Heroin, Frau Baerbock, das erfahren wir nun, kommt ja nicht nur aus dem Völkerrecht, sondern eigentlich aus dem Leistungssport.
Alles wäre gut, wenn wir weise bauen würden, die Kräfte der Natur nützten, ohne die Landschaft zu verschandeln und in der Grundlast eine staatlich geführte Kernenergie zur Industriepolitik nutzten. Billiger Strom ist Wachstum. Dann gäbe es Florenz und Grundstoffindustrie, beides. Man würde sich dann nur noch der Kolonialisierung durch den Balkan erwehren müssen. Aber da hat „Pülle“ (mittelhochdeutsch für Apulien) seine Erfahrung. Das kriegen wir dann schon hin „ze Pülle ûf dem gevilde.“
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BÜCHERVERBRENNUNG.
Man wähnt ein Antiquariat als stilles Lädchen, in dem alte Bücher schlummern und geduldig auf einen Käufer hoffen. Über diesem verstaubten Buchhandel liegt ein besonderer Segen, da wir die alten Schinken niemals als Müll entsorgen würden. Dieses Land steht unter dem Fluch, dass, wer Bücher verbrennt, das irgendwann auch Menschen antut. Bücher, zumal alte Folianten, haben für uns Seelen.
Kann der Antiquar vom gelegentlichen Käufer leben? Man hat Zweifel und hofft, dass die Romantik der guten Stube ihn doch seine Miete verdienen lässt. Ich selbst sammle und habe mehr gehortet als mein Ordnungswille bewältigen könnte. Damit könnte ich, erfahre ich nun, nachts ein Geschäft machen. Berliner Antiquare berichten von nächtlichen Massenbestellungen aus Kanada und USA, bei denen eine bekannte Großhandelstochter tausende Titel ordert. Meist vergriffene Titel der Siebziger, vornehmlich technischer Themen, aber auch entlegene Werke etwa der Literatur. Massenaufkäufe, leere Antiquariate.
Jetzt wird es brutal. Die bibliophilen Kostbarkeiten sind zerschnitten und von der Bindung befreit als Loseblattsammlung anzuliefern. Sie werden dann automatisiert gelesen und dienen irgendeiner KI als Übungsmaterial. So der Wortlaut. Zum Üben. Eine Künstliche Intelligenz saugt das Wissen auf und spielt damit. Das ist den Bücherfreunden unheimlich und im alten Antiquar regt sich ein schlechtes Gewissen, dass er zu den Bücherverbrennern gerechnet werden könnte. Denn sie scheinen ihm zerstört, die kleinen Reliquien großen Geistes. In Wirklichkeit sind sie aber dem modernen Weltgeist auf ewig als Wissen zugefügt. Also gerettet? Ja und nein.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass aus ihnen ein exklusives Geschäft gemacht worden ist. Die Konzerne der Informationswirtschaft streben in einem hegemonistischen Kampf nach Vorherrschaft und Monopolrendite. Technikführerschaft ist denen keine liberale Mittelstandsposse und kein Hobby großer Geister mit Teetassen hinter Kanonenöfen. Es ist mit dem Wissen der Menschheit wie mit dem Geld an der Börse. Es ist nicht weg, es gehört jetzt nur anderen, die dann damit in der unendlichen Tiefe der Rechner üben. Wozu? Zu welchem Zweck? Das weiß man nicht.
Disclaimer: Ich verkaufe meine Bibliothek und erwarte ein Angebot. Gern auch nachts. In God we trust, the rest pays cash. Did I make myself clear?
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AM BERLINER WESEN.
Wie Berlin wurde, was Berlin heute ist, das hängt von der großen Politik ab, aber auch von der Mentalität der Bewohner, vom Wesen des Berliners. Ein kluger Londoner nennt die preußische Metropole eine „parvenu capital“ mit einer „parvenue pomposity“, das meint die selbstgefällige Aufgeblasenheit eines Emporkömmlings, ist also eher kein Lob.
Ich lese eine Beschreibung der Berliner Mentalität aus den Jahren 1939 bis 1945, sprich eine Innenansicht des Dritten Reichs. Man kennt viel über die vorausgegangene Periode der „roaring twenties“ der Weimarer Zeit, aber wenig aus dem Alltag der kleinen Leute in der Reichshauptstadt, während die Faschisten die Welt zu erobern sich anschickten. Und verbliebene Juden wie herbeigeschaffte Zwangsarbeiter verzweifelt versuchten „übrig zu bleiben“. Von ehedem 160.000 jüdischen Bürgern Berlins blieben 1500 übrig, erzählt der Sohn eines holländischen Zwangsarbeiters, der sich hier als Sklave hatte rekrutieren lassen.
Jetzt aber zum Ureinwohner, dem Berliner als solchen. Zu seinen Gunsten wird berichtet, dass er nie darum gebeten habe, geliebt zu werden. Das ist wahr. Niemand in dieser Stadt ist um Gefälligkeit bemüht oder auch nur zu Höflichkeit in der Lage. Man schämt sich nicht der Anstößigkeit. Die Niedrigkeit hat hier ein Heim. Das Derbe gilt als herzlich, selbst ausdrücklich Obszönes findet Duldung. Vor allem aber ist man gleichgültig gegen Manieren und Moden. Man könnte es „stoisch“ nennen, wenn damit nicht schon zu viel zugestanden wäre. Nicht geschlagen, das ist hier genug gelobt.
Ich finde eine Zeitzeugin treffend zitiert: „Christabel Bielenberg, who saw them on their worst as well as occasional best behaviour, wrote of the peculiar ribald stoicism which characterises the true Berliner. Triumphs of world culture, mighty statesmen preaching new freedoms, high rhetoric and high explosives have been dumped on Berliners. But stoically ribald they remain.“ Der Berliner ist auch durch Großartiges nicht zu estimieren. Piefkes pompös plattes Preußen. Mehr ist nicht.
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WER EIN BLATT BESITZT.
Ein Machtwechsel führt immer zu einer neuen Orientierung jener, die von ihr leben, indem sie aus der Gunst der Gönner gute Geschäfte machen. Ich lese gerade einen kleinen Abriss zur Entwicklung der WASHINGTON POST, von ihren Freunden nur kurz POST genannt. Das Blatt begründet den Mythos einer freien Presse; namentlich von privaten Verlegern und mutigen Reportern, die den Regierenden auf die Finger schauen und gelegentlich auch hauen. Der hehre Traum aller Schreiberlinge, so sie einen Verleger finden.
Der amerikanische Präsident Richard Nixon wurde von der POST zu Fall gebracht, Stichwort Watergate; eine Geschichte, zu der ich bis heute eine sehr skeptische Haltung habe, aber ich bin ja auch kein Investigativ-Journalist, der unbekannten Quellen gezielte Denunziationen brav abnimmt. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Mir hat noch nie ein Blatt gehört; vielleicht mit Ausnahme der Schülerzeitung, von der ich nicht mal mehr den Titel weiß. Die Brotlosen bloggen.
Die POST ging, weil viel frisches Kapital von Nöten, an einen Oligarchen, den Gründer von Amazon, einen alerten Bubi namens Jeff Bezos, der dem Blatt schwor, dass sich an der verlegerischen Liberalität nichts ändere, da er nun damit spielen dürfe. Es gibt nun ein Narrativ, wie die Neue Rechte die Bude und den Bubi schrittweise einhegten. Ein Lehrstück. Darin die Episode, dass der amtierende Präsidentengattin die Rechte ihrer eigenen Lebensgeschichte von Bezos nach einem geneigten Dinner für 40 Mille abgekauft wurden; 28 für die Lady.
Dazu werde ich mich nicht ironisch einlassen. Ich habe solche Beckmesserei schon vermieden, als Maschi dem Gerd zwei Mille für dessen Lebensgeschichte zahlte. Was hier allenthalben Platz greift, ist nämlich der Neid der Besitzlosen. Damit meine ich nicht die klammen Zahlungsempfänger. Und auch den Erwerbern der Rechte habe ich keine Patzigkeiten zu sagen. Wenn der Gerd den Maschi schätzte, dann wird er gewusst haben, warum. Ich kenne nur neidische Neider, bin aber selbst dazu nicht begabt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Mein Ernst.
Der Neid der Besitzlosen meint hier nicht GELD; er beschreibt vielmehr jene, die nix zu erzählen haben. Die Memoiren von Olaf Scholz an der Seite seiner fabelhaften Frau Britta in der miefigen Mietbude in Potsdam, das interessiert keine Sau. Mein ganzes Leben ist voll von Gestalten, die auf die Gnade des Vergessens hoffen dürfen. Aber den mächtigsten Mann der Welt in Unterhosen, sprich aus der Sicht einer übellaunigen osteuropäischen Schönheitskönigin, das wäre mir die Knete wert, wenn ich sie hätte. Ich habe sie aber nicht. Mir gehört kein Blatt. Dabei fängt die Meinungsfreiheit dort erst an, wo man Verleger wird. Alles richtig gemacht: Bravo Bezos!