Logbuch
VOM UNIVERSUM ZUM METAVERSUM.
Mit dem Internet und den Sozialen Medien wurde von den Naiven die Hoffnung verbunden, dass so mehr Demokratie möglich, größere Freiheit für den Einzelnen, Individualisierung für Jedermann. Kurzum, dass wir dem Paradies näher kommen. Die neue Kultur des Silicon Valley galt als lustig, liberal und humanistisch.
Wer die neue Welt durchschaut, wird sehen, wie sich hier ein elitär-libertäres Denken mit autoritärem verbindet und der plattformökonomische Strukturwandel der Öffentlichkeit eine universelle Sozialtechnik 2.0 hervorbringt, die uns in einem autoritär-kybernetischen Universum eigener Realität versklavt.
Sagt eine kluge Frau, deren Diss ich gerade lese. Ich studiere Kybernetik der Zweiten Ordnung. More to come.
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TERRA NOVA.
Die Psychiatrie kennt das Phänomen der Fixierung: Man hängt auf einem Thema fest, in einer kranken Faszination, weiß wohl um den irren Zwang, folgt ihm aber. So geht es mir mit meiner Hassliebe zum amerikanischen Traum, jener ambivalenten Americanophilie, dem Usus, alles und jedes aus den USA wichtig zu nehmen, insbesondere jede Niederung der Neuen Rechten. Ich will nicht mehr jeden Tag mit dem primitiven Potentaten beginnen müssen. Vergessen wir den! Ignorieren wir sie.
Reden wir über Mark Carney, den Premierminister Canadas. Reden wir über das wunderbare Land unter dem Ahornblatt. Und klären wir, warum der Mounty immer seinen Mann kriegt; oft veralbert als „He always gets his can“ (Bierdose) statt „man“; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Ich beginne mein Loblied damit, dass dieses Land blendend sowohl englisch als auch französisch spricht.
Meine schönste Journalistenreise habe ich nach Quebec veranstaltet, Montreal ist eine faszinierende Stadt. Einer der Mitreisenden, der fabelhafte Journalist Jürgen Wintermann (damals für die WELT) erinnerte sich noch letzte Woche an eine Barszene, in der ich den stark angeheitertem CEO meines eigenen Ladens ins Bett schickte. Zur Verärgerung des Pressecorps, weil er gerade ins Plaudern kam.
Canada ist riesig. Und multikulturell; ich sehe indisch gekleidete Herrschaften im Parlament. Es ist auf die Westminster-Variante von Demokratie gestimmt, weiß das aber mit einer klugen Einwanderungspolitik zu verbinden. Man will die Klugen und Fleißigen aus aller Herren Länder. Natürlich funktioniert Multikulti, wenn man es gestaltet; man muss anlocken, wer aufbauen will. Dann ist egal, ob er Turban trägt oder Tirolerhut. Oder Kopftuch.
Jetzt zu der wirklich legendären DAVOS-Rede von Mark Carney. Die Macht der Kleinen beginnt mit Ehrlichkeit. Yes, Sir! Oui, Monsieur. Die Mittelmächte müssen sich gegen die tumben Titanen verbünden; jedenfalls untereinander. Ich befürworte die Aufnahme von Canada, eh schon im Commonwealth, in die Europäische Union. Wir sollten auch Grönland dazu nehmen und Norwegen rein zwingen. Australien und Neuseeland. Ich gebe auch noch Formosa, Madagaskar und Südafrika zu bedenken. Wir beginnen damit, dass wir den Regierungssitz dieser Welt der Willigen nach Vancouver verlegen. Mein Ernst. The Mounty always gets his man.
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DAS LÄCHELN DER SPHINX.
Ich sage nur: Cäsar und Cleopatra. Man hüte sich vor Ägypterinnen. Insbesondere, wenn sie eigenartig lächeln. Reden wir zeitgeschichtlich also über eine persona politica.
Dem gesamten Altertum war das Lächeln der Sphinx unerklärlich. Das hat zu einiger Irritation geführt. Man wusste nicht so genau, was von ihr zu halten sei. So ergeht es dem politischen Berlin mit der amtierenden Bundeswirtschaftsministerin, verkörpert durch Katharina Reiche, die als CDU-Politikerin dem Kabinett Merz-Klingbeil angehört. Wie die lächelnde Sphinx im Ägyptischen ist die Frau aus Luckenwalde vielen unheimlich. Man fremdelt, auch ihre Parteifreunde; viele beginnen allerdings sich auch die Augen zu reiben. Zurecht, die ist nicht ungefährlich.
Da wir hier unter uns sind, reden wir ja Klartext miteinander. Was irritiert? Zunächst ist die Frau als öffentliche Figur im Kulturellen irre ossig, was in der durch Beitritt der DDR entstanden großen West-Republik noch immer viele fremdeln lässt. Eine Chemikerin aus der DDR, Kind der Plaste-Nomenklatura des SED-Staates. Aber ossig war Merkel auch. Unsere Sphinx hat aber Familie und erfolgreich in einem großen Industrieverband gearbeitet sowie auf der Vorstandsetage eines ordentlichen Energieversorgers. Ungewöhnliche Karriere. Auch bei den westlichen Industriekollegen wurde damals gefremdelt, aber es überwiegen Urteile des fachlichen Respekts. Man ist nicht warm geworden mit ihr, aber zieht den Hut. Sphinx.
Zur Fremdheit im Vertrauten gehört auch, dass die aus dem Osten und der Chemie stammende Unionspolitiker eher ungelenker Art heute einen Adelsspross aus der bayrischen CSU auf ihrer Couch zu sitzen hat, einen Buhl-Freiherren, den an einer plagiierten Diss gescheiterten und # KT genannten von und zu Guttenberg. Kein böses Wort, der Mann ist Kollege, sprich Meinungskolumnist wie ich auch; oft anderen Zuschnitts, aber dies ist ein freies Land. Berlin irritiert allerdings die Mesalliance.
Letzter Punkt. Reichel dreht im Amt vieles von dem grünen Unsinn, den uns das Regime Habeck hinterlassen hat, zurück. Die Günstlinge dieser grünen Kommandowirtschaft heulen auf. Ich begrüße da einiges. Möge sie in dieser Entgiftung lange wirken. Und die SPD nicht den Fehler begehen, das ägyptische Moment zu unterschätzen; die Frau ist gekommen, um zu bleiben. Ich ahne, warum die Sphinx lächelt. Man wird auf sie aufpassen müssen, weil echt gefährlich. Die ersten politischen Leichen pflastern ihren Weg. Ich sage: Cäsar und Cleopatra.
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EIN ALTES MÄDCHEN.
Der Flughafen in Venedig ist durch neunzig Privatjets verstellt. Ich bleibe im Land und nähre mich redlich. Auf dem Weg von den Höhen des Westerwalds ins Rheintal in die famose TRAUBE zu Vallendar gibt es diese Kurve mit dem ersten Blick ins Tal auf den trägen Strom, den gerade das französische Brackwasser der Mosel noch behäbiger gemacht hat, wo ich mich immer frage, was meine Nation an dieser Plörre so begeistert hat. VATER RHEIN haben sie ihn geheißen und vom DEUTSCHEN ECK geschwärmt. Wie piefig. Ich stehe ja eher auf Frauen.
Ein paar Kilometer flussaufwärts hat der von mir sehr geschätzte HEINRICH HEINE seine Wehmut so formuliert:
„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Mährchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.“
Es geht dabei um ein altes Mädchen, eine gewisse Lauren Leih, der die Gefährdung der Schifffahrt zugerechnet wird, dort, wo der Vater Rhein noch ein wilder Geselle ist und sich durch Gebirge zu zwängen hat, gefährliche Klippen umspülend. Der alte Mythos sucht den Lotsenfehler des Schiffers der Schönheit auf dem Berg zuzurechnen. Eigentlich ging es der Wehmut Heines aber um das NEIN einer anderen Lauren Leih, eine Hamburger Dern namens Amalie. Alte Märchen um begehrenswerte Mädchen.
Apropos Mädchen und Märchen. Dass das SPD-Präsidium der Gesine Schwan die Redezeit gekürzt hat, um sich ausführlicher der Biografie von Bärbel Bas widmen zu können, das verstehe ich. Keine Schwäne zu preisen, steht einer Partei wohl an, die Schwanengesang nicht mehr ertragen will, da Walsumer Entengeschnatter ihr Herz wärmt. Da sind Größen wie Peter Glotz nur noch Märchen aus alten Zeiten. Ich bin deshalb nicht bas erstaunt; ich kenne den Ton aus dem Pott: Walsum ist halt nicht Venedig. Lauren, leih mich Dein Herz!
Womit wir in der Lagunenstadt sind, über die ernsthaft zu reden, der fabelhaften PETRA RESKI vorbehalten ist. Auch ein Mädchen aussem Pott. Mir bleibt nur eine einzelne Irritation von Venedig in Erinnerung. Die Mitfünfzigerin Lauren Leih, die hier gerade einen Deo-Roller aus Weißkirchen mittels MÄRCHENHOCHZEIT ehelicht, hat das Antlitz einer Zwanzigjährigen und Hände, die gut und gerne neunzig sind. Bei dem ganzen Aufwand mit der MÄRCHENHOCHZEIT und den einschlägigen Oberweiten hätte man das doch einheitlicher gestalten können.
In der TRAUBE zu Vallendar übrigens rosa Tafelspitz mit Pfifferlingen und eine ganze Seezunge in Butter gebraten zu wunderbaren Kartoffeln. Dazu Juffer Sonnenuhr. Sterneküche in angenehm unaufgeregtem Ambiente. Sehr fein. Empfehlung.