Logbuch

A LA CARTE.

Die Spitzengastronomie sucht Auswege. Zum Beispiel in der Preisgestaltung des Rotlichtmilieus. Preise durch die Decke. Angebot in den Keller. Ein Sittengemälde.

Mein Freund schickt ein Urlaubsfoto von einem Kassenbon. Er hat mit Gattin zu Abend gegessen und getrunken; es war wirklich gut! Ouzo aufs Haus. Kosten 21€ für alles für beide zusammen. Mein Freund ist auf Naxos, der griechischen Insel. Das war eine Urlaubsbotschaft an einen Spinner, nämlich mich.

Ich hatte nämlich auf einer anderen Insel eine Pension mit Spitzenrestaurant gebucht, für eine Woche. Vier Wochen vor Reiseantritt ruft mich eine schlechtgelaunte Servicekraft des Ladens auf meinem Handy an, um mir barsch folgendes mitzuteilen: Sie bieten im Restaurant an allen Abenden ein identisches Menu an, zu 6, 7 oder 8 Gängen. Wenn ich das Essen selbst auswählen wolle, könne ich das an einem Tisch in der Bar tun. Menu Dictatore, im Italienischen. Alternativ Katzentisch.

Acht Gänge sind kein Problem, da die Portionen sehr klein sind; nennt sich Degustationsmenu. Das kostet pro Person 298€. Mit Weinbegleitung sind das dann so 500€, schätze ich, also eine Glatze für zwei Personen. Du legst tausend Euro auf den Tisch und frisst die Häppchen, die sie Dir vorsetzen? Wenn mir das nicht passe, so die spontane Ansage der Servicedame, könne ich stornieren. Bumms, Stuhl vor die Tür gestellt. Ich habe also storniert.

Ich nenne hier nicht Lokal und Insel, aber Alexis auf Naxos war es nicht. Klar ist, dass zu große Karten die Kosten einer Restaurantküche in die Höhe treiben. Wer drei Sorten Austern vorhält, schmeißt halt im Zweifel auch Geld weg, wenn die mal nicht laufen. Eine kluge Karte hat von jedem etwas (Fleisch, Fisch, Vegetarisch, you name it) und einen guten Service, der Mängel der Küche mit Großzügigkeiten aus dem Keller ausgleicht. So geht das.

Große Karten hat der China-Mann; da nehme ich weltweit die 37, egal, was es am Ort gerade ist. Überraschung! Und verlasse mit ‘nem Zwanni auf dem Tisch das Lokal. Satt und noch dickes Trinkgeld. Für zwei, versteht sich.

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ATOMKRAFT? JEIN DANKE.

Auf die Prinzipientreue der Grünen ist kein Verlass. Gut so. Sie lassen die verbliebenen Kernkraftwerke am Netz. Jedenfalls zwei von dreien. Doppelmoral.

Was stimmt mit dem dritten nicht? Sicherheitsbedenken? Nein, der Reaktor EMSLAND in Lingen ist so intakt wie seine Kollegen in Baden-Württemberg und Bayern. Er liegt auch gut. In einer dichten nuklearen Landschaft rund um Lingen an der Ems. Da gibt es eine Brennelementfertigung, ein bis zwei Zwischenlager, eine

Wiederaufarbeitungsanlage. Alles stimmt, wenn man technisch denkt.

Die Anlagen im Süden gehören betreiberseitig Konkurrenten; aber auch da liegt kein sachlicher Grund. Im Norden ist die Hochrisikotechnologie weniger willkommen, weil Wahlen anstehen. Im Kernland der Anti-AKW-Bewegung wollen die Grünen für den neuen Landtag keine Stimmen verlieren. Und es greift ein urwüchsiger Opportunismus Platz. Die Doppelmoral der Gutmenschen an der Macht. Es ging nie, lernen wir, um die heile Natur, aber immer um die geilen Posten.

Ich finde das gut, weil Politik der Kompromisse bedarf. Und auch für mich immer ein JEIN galt; zu einem unbedingten JA ist die Kernenergie zu gefährlich. Und Energie ist für ideologische Voreingenommenheit zu wichtig. Ich gratuliere der AMPEL zum JEIN.

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ZUFALLSGEWINN.

Der englische Begriff der “windfall profits“ (Fallobst) findet sich als Kind des Zufalls wieder, das auf keinen Fall aus dem Haus des “Übergewinns“ stamme. Immer wenn Politik Semantik treibt, stimmt was nicht.

Übergewinn ist Unwort. Es geht um den sogenannten Marktlagengewinn, jetzt regierungsamtlich ZUFALLSGEWINN genannt. Das zu argumentieren, würde einschließen, dass es an BÖRSEN einen natürlichen oder normalen Gewinn gäbe, der ethisch nicht zu bemängeln ist, weil geplant (vs. zufällig). Das ist dünn. Der sogenannte Zufall ist in der Regel eine planvoll herbeigeführte Marktsituation, die der KNAPPHEIT; wir reden von „Angebotsverknappung“, daran ist wenig zufällig.

Wer angesichts von hohem Bedarf das Angebot verknappt, treibt die Preise. Das nennt man SPEKULATION. Mit dem Fallobst aus dem Begriffsfeld des „windfalls“ hat das nichts zu tun; gar nichts. Hier fällt den Spekulanten nichts in den Schoß, während sie brav unterm Birnbaum hocken. Das ist Preistreiberei, egal, ob als offenes ökonomisches Ziel oder Folge von politischer Idiotie.

Wir haben das energiepolitische Kalkül einer kostengünstigen Direktversorgung mit Erdgas durch den Produzenten dem außenpolitischen Kalkül untergeordnet, die kriegerische Vorherrschaftspolitik dieses Produzenten zu sanktionieren, worauf dieser mit Lieferboykott reagiert. HEGEMONIE wie nie, sprich wie immer.

Das treibt den Preis des Börsengutes Gas durch die Decke. Und in der Folge den aller möglichen Substitute. Die Inflation steht in der Tür. Daran ist nichts Zufall. Fachleute nennen die ZUFALLSGEWINNE auch „Q-Profits“; das steht für Quasimonopolgewinne. Man streiche das Quasi.

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WENN EIN FALL EINE CAUSA WIRD.

Ein Berliner Galerist, der hier ungenannt bleibt, aber durchaus mitgemeint, klagte gegen einen Berliner Romancier, weil er sich in dessen letztem Roman verunglimpft sah, obwohl er nicht namentlich genannt, aber nach seiner Auffassung mitgemeint war. Fachlich heißt das Allusionsverdacht. Er hat in der ersten Instanz verloren, aber damit eine Rechtsfrage aufgeworfen, die von so grundlegender Bedeutung ist, dass damit sein Name auf alle Zeit verbunden sein könnte. Eigentor, nennt man das wohl im Fußball.

Sogenannte Schlüsselromane erkaufen sich eine gewisse Nonchalance gegenüber den Persönlichkeitsrechten von realen Personen, die sie als literarische Figuren nur mit leichter Verfremdung versehen, also mitmeinen. Darf das? Nun, mein Patron Lichtenberg hat festgestellt, dass eine Satire, die der Zensor verstehe, zu Recht verboten würde. Das meinte die preußische Zensur des Kaiserreichs und nicht die intellektuellen Lichtgestalten der heutigen Staatsanwaltschaft in Göttingen. Göttingen? Nun, dazu hat Heine schon alles gesagt, was zu sagen ist. Sicherheitshalber zitiere ich es nicht.

Der inkriminierte Roman-Autor erlaubt sich, um ein frisches Beispiel zu geben, beiläufig eine Formulierung, die von einem „Dumm-dumm-Geschoss aus der Stadt D.“ spricht; die Stadt wird im Klartext genannt. Es ist nicht Köln. Ich erahne zwangsläufig, welche Politikerin hier geschmäht werden soll, wiederhole es aber nicht. Deren notorische Plädoyers zur Steigerung der Kriegstüchtigkeit des deutschen Volkes wird offenbart als wenig intelligent empfunden; eine eindeutig pazifistische Position. Darf das?

Die Dame, die da mitgemeint ist, ist übrigens wie andere Protagonisten des Ampel-Regimes, sehr klagefreudig und weiß die vorgenannte StA mit allfälligen Bagatellen an wesentlicheren Dingen zu hindern. Mehr sage ich hier nicht, schon gar nicht konkreteres; überhaupt geht es mir um Sachverhalte übergeordneter politischer Bedeutung, grundlegende Rechtsfragen, und nicht um Beleidigung einer Person. Uff, ich hoffe, das reicht; und es klingelt bei mir nicht morgen um sechs an der Tür.