Logbuch
RENTNERBALL.
Eine Gruppe von Rentnern unterhält sich über die „aktive Zeit“. Sie sind damals von Sieg zu Sieg geeilt. LÜGNER.
Alleine im Restaurant habe ich Zeit dem Nachbartisch zu lauschen. Drei Ex-Manager aus einer Branche, die ich gut kenne, der Energiewirtschaft. Man diniert. Die meisten Namen sagen mir was. Aber ich komme nicht aus dem Staunen. Eine Erfolgsgeschichte nach der anderen. Helden feiern sich. Lauter LEBENSLÜGEN.
Keine Namen hier; ich habe gelauscht, was sich nicht gehört. Aber doch so viel: diese DILETTANTEN haben die heimische Steinkohle an die Wand gefahren, die Kernenergie allemal und selbst die Braunkohle; sie haben sich auch noch in der Gaswirtschaft vertrottelt und die Solarenergie nach China gehen wie die Windenergie in Konkurs und im Ergebnis aus zwei Konzernen, die zur Spitze des DAX gehörten, Micky-Maus-Buden gemacht. Und jetzt prahlen diese Würstchen. Poooh.
Ich sag ja nix. Aber würde ich mit meinen Kumpels zurückblicken auf das, was ENERGIEWIRTSCHAFT mal war, wir wären leiser, nachdenklicher, vielleicht sogar trübsinnig. So klasse war das nicht, was wir da gekonnt haben. Um der WAHRHEIT die Ehre zu geben. Und wir vermissen viele der GUTEN, die der Sensemann schon geholt hat.
Der Rest fährt, wie ich am Nachbartisch höre, morgen nach Sylt. Dachte ich mir. Die SYLT-FRAKTION. Wenn Schiet watt wieht.
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GENOSSENSCHAFT.
Die Freibeuter um KLAUS STÖRTEBECKER irritierten die braven Bürger, weil sie ihre Beute gerecht untereinander teilten. Eine frühe Form der Genossenschaft.
Die HANSE nannte sie deshalb LIKEDEELER, niederdeutsch für „Gleichteiler“. Das fand man erstaunlich. Wir sind Anfang des 15. Jahrhunderts. Oft versorgten die Piraten belagerte Städte oder eingeschlossene Heere mit Proviant, den VIKTUALIEN, daher auch VITALIENBRÜDER genannt. Betonung auf Brüder. Eine Bruderschaft, die gerecht teilte.
Im Gegensatz zu den abhängigen Söldnern agierten STÖRTEBECKER und seine Genossen oder Brüder als freie Unternehmer. Das gibt es bis heute, höre ich, als Freibeuter russischen Ursprungs in Kriegsgebieten. Das europäische Mittelalter legalisierte die Piraterie, indem den Freibeutern mittels Kaperbriefen erlaubt wurde, ihre Beute öffentlich zu verkaufen. Wenn es die erbeuteten Besitztümer der jeweiligen Feinde waren. Handfeste Diplomatie.
Und ab und an hat man sie geköpft. So kommt der Schädel meines Urahnen in das Hamburgische Museum für Stadtgeschichte. Er war abgeschlagen und dann öffentlich präsentiert worden. STÖRTEBECKER ist übrigens niederdeutsch für „Stürz den Becher“: Klaus soll es zu seinen Lebzeiten mit Trinkgefässen von vier Ellen aufgenommen haben. Und zwar „ex“, in einem Zug. Das ist sicher übertrieben, ein klein wenig.
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WAHL OHNE WÜRZE.
Journalisten vermissen WÜRZE bei der Wahl. Was sie eigentlich meinen ist: billige Skandale, gratis Medienrummel. Klug, wenn Politiker das verweigern; sie wollen nicht BILLIGES OPFER werden. Es darf gegähnt werden.
Man kann an dem LUNGERNDEN, an der spekulativen Haltung sehen, worauf manche Journalisten lauern: einen HYPE, der ihnen das Geschäft erleichtert. Das ist das AASGEIER-GEN der Zunft. Kluge Politik verweigert das. Sie gibt VALIUM. Weil es den Wählern nicht eigentlich um das SCHRILLE geht. Hier liegt das GENIE der SOLIDEN; sie sind solide.
Kein SCHICKI MICKI. Beispiel Kommunalwahl in BRAUNSCHWEIG, eine verschlafene, aber noch vollständige Stadt, die in ihrer Durchmischung sehr typisch ist. Mit SCHRILLEM hat hier niemand eine Chance. Aber Teile der Presse lauern darauf. Andere Teile machen eine grandiosen Job in der DURCHARBEITUNG des kargen Angebotes. Viele dünne Bretter sind zu bohren. Ja, es mangelt an DICKEN BRETTERN.
So scheiden sich die Rollen in den Redaktionen. Die SKANDALHUNGRIGEN murren und die mit der KÄRRNERARBEIT sind fleißig. Der Leser akzeptiert aber die leichte Langeweile und wählt so, wie eben brave Bürger in diesen Zeiten wählen. Wie auch die Wähler im Bund die leichte Langeweile wollen. Das ist es ja, was den Kandidaten Olaf Scholz trägt. SOLIDITÄT bis an die Grenze zum Einschlafen; nein, bis in den Tiefschlaf. VALIUM ist nach Corona die Droge der Wahl.
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DAS GEHEIMNIS.
„Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ So singt im Volksmärchen der Brüder Grimm ein böser Wicht, der der jungen Königin das erste Kind rauben will, er selbst singt es, während er um ein Feuer tanzt. Der Bösewicht wird belauscht; das Geheimnis ist verraten. Wie reagiert der so Enttarnte? Mit Vorwürfen der bittersten Art: „Das hat Dir der Teufel gesagt.“ So weit, so typisch.
Das Geheimnis ist immer ein Paradoxon; wir erkennen es erst, wenn es keines mehr ist. Das gilt als die Königsdisziplin des Journalismus, ein Geheimnis aufgedeckt zu haben. Und meist liegt dem ein kleiner Verrat zugrunde. Oft ist es nicht der Teufel, den man dieses Verrats bezichtigen kann, sondern einfach nur ein indiskretes Plappermaul oder ein niederträchtiger Neider. Journalisten des Investigativen mögen das Salz der Erde sein; ihre Informanten sind es eher nicht. Ich kenne keinen Verräter, der darüber glücklich geworden wäre.
Über Geheimnisse lebender Personen habe ich eh nichts mitzuteilen. Das fände ich überflüssig, wenn nicht teuflisch. Aber zum Segen des Arguments, nehmen wir ein historisches Beispiel. Über Bundeskanzler Helmut Kohl wurde gemunkelt, dass ihn mit seiner Sekretärin eine Amour Fou verbinde. Ich erinnere mich an einen Ausruf eines industriellen Förderers („Bimbes“) im Düsseldorfer Industrie Club: „Die Marketenderin muss da weg!“ Wer das damals gesagt hat, bleibt mein Geheimnis. Auch, wer die Chefredakteurin war, die über diese Enttarnung ihren Job verlor; die lebt noch und sei von hier aus herzlich gegrüßt!
Ich habe einen Vorschlag zu höherer Güte zu unterbreiten. Wenn es sich um ein Staatsgeheimnis handelt, eine öffentliche Angelegenheit von wirklichem Belang, dann gehört das Rumpelstilzchen enttarnt. Und sei es mit Hilfe des Teufels. Wenn es aber um eine Angelegenheit Amors geht oder eine kleine private Schwäche, so möge man das Geheimnis respektieren. Das Leben wird, wenn frei von Geheimem, schlicht banal.
Übrigens geht es in dem Märchen um die Sanierung maroder Staatsfinanzen durch hohle Kredite, sprich „fool’s gold“ oder die angebliche Fähigkeit, einer Müllers Tochter, aus Stroh Gold zu spinnen. Sondervermögen. Wer hier was zu enttarnen weiß, der rede.