Logbuch

SCHMUTZIGE SCHEIDUNG.

Über der politischen Klasse Berlins liegt eine eigenartige Schwermut. Mit dem Ende der Ampel ist eine Ehe zerbrochen, die kein Liebesverhältnis war. Eine Konvenienzehe scheitert und doch, niemand fühlt sich beglückt. Das ist eigenartig. Man weiß nicht, ob die Konservativen, die nun als Hochzeiter anstehen, zum Lachen in den Keller gehen; jedenfalls nehme ich auch dort keine Euphorie wahr. Dass der frisch geschiedene Dreier verdutzt dreinblickt, das versteht man ja noch. Der SPD-Freier hat es schmutzig gemacht. Olaf Scholz wird die Infamie seines Rufmordes an Christian Lindner nicht mehr loswerden. Niemand liebt eine schmutzige Scheidung in seiner Nähe.

Meine Erfahrung ist es, dass das öffentliche Waschen schmutziger Wäsche zwar die Rachegelüste befriedigt; aber auf solchen thymotischen Exzessen liegt kein Segen. Die SPD wollte besudeln und steht nun selbst nicht rein da; man kann wissen, dass der SCHOLZOMAT nur auf eine Gelegenheit gelauert hat. Der spontane Wutausbruch war das kalte Kalkül eines Tricksers. Dirty divorce. In meinem Hinterkopf summt Bob Dylan:
„She Takes just like a woman
Yes, she does, she makes love just like a woman
Yes, she does, and she aches just like a woman
But she breaks just like a little girl.“

Am tiefsten die Fassungslosigkeit der Grünen. Ich habe es schon gesagt: Aus dem einen Bett herausgeflogen, hat die neue Braut die Bettdecke noch nicht zurückgeschlagen. Für die Prosperität auf Pump braucht es aber spendable Partner. Die Kohabitation mit den Schwarzen ist rechnerisch vielleicht möglich, aber die zeigen sich für diese Ehe noch nicht beischlafbereit. Und alle Parteien müssen nun im Februar vor die Wähler. Das birgt Risiken. Wie wird das frustrierte Publikum einer lustlosen Politik auf die Schmierenkomödie reagieren? Ich wage eine Prognose.

Die SPD wählt ein Achtel der Wählerschaft, die Grünen ein Siebtel. Die FDP ein Zehntel (ja, das glaube ich wirklich). Also stehen die Drei aus dem Dreier unterschiedlich abgestraft oder belohnt da. Die CDU/CSU kommt auf ein gutes Drittel; ungebremst der Siegeszug der AfD, die mit 40 % stärkste Fraktion wird. Danke, Olaf. Wenn wir wegen der Finanzierung des Ukraine-Krieges die Schuldenfalle scharf stellen müssen, wird das eine lapidare Reaktion möglich machen: Ohne Krieg keine Kriegsanleihe.

Was sagen Sie? So dumm wird der Wähler nicht sein? Wollen Sie wetten? „You don’t need a weatherman to know which way the wind blows….“ Auch Dylan.

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UNMUSIKALISCH.

Mangels einer Begabung und frei von jeder musikalischen Erziehung kann ich nicht singen. Entgegen der Behauptung des Chorleiters in meinem Dorf, dass jeder könne, wenn er wolle, sage ich: Das ist mir nicht gegeben; ich lasse es. Trotzdem habe ich gelegentlich Lieder im Kopf, meist aus Kindheit und Pubertät.

Gestern, am 11.11., komme ich in der großen Stadt bei der Heimfahrt vom Potsdamer Platz in einen Stau. Blaulicht am frühen Abend, dann sehe ich erste Fackeln.
„Ich geh mit meiner Laterne
Und meine Laterne mit mir
Dort oben leuchten die Sterne
Hier unten leuchten wir.
Mein Licht geht aus; wir geh'n nach Haus
Rabimmel, rabammel, rabum.“
Lassen wir mal die Frage offen, warum St. Martin dem Bettler nur den halben Mantel gegeben hat, ich erlebe Brauchtumspflege. Der türkische Taxifahrer sagt: „Meine zwei Kinder gehen auch mit!“ Die Liebe zur neuen Heimat.

Am Potsdamer Platz waren die ersten Stände des Weihnachtsmarktes aufgebaut und Glühwein duftete. Mit Schuss, versteht sich. Ich höre: „Last Christmas, I gave you my heart. But the very next day, you gave it away. This year, to save me from tears. I′ll give it to someone special.“ Der rundheraus unerträgliche Weihnachtskitsch setzt ein. Aber er rührt natürlich die Herzen der Nation. Eigentlich schwer zu verstehen, wieso die kärgliche Geburt Christi eine solchen Massenwahn der Gemütlichkeit auslösen konnte, aber die „Bescherung durch das Christkind“ hat unsere frühen Jahre geprägt.

Man muss hoffen, dass nicht wieder ein drogengestützter Islamist an einen LKW kommt, den er in einen Weihnachtsmarkt zu steuern weiß. An der Sache stimmt was nicht, wie bei den Flugzeugen von 9/11, finde ich bis heute; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Wieder in meiner Kemenate schalte ich den Fernseher an und sehe Bilder aus Mainz und Köln. Am 11.11. ist dort den Hoppeditz sein Erwachen. Oder war das Düsseldorf?
„Einmal im Jahr geht es drunter und drüber, denn einmal im Jahr sind wir alle verrückt
Und dann wird man geküsst, und man küsst immer wieder, man schunkelt man lacht und man sagt ganz entzückt:
Du darfst mich lieben für drei tolle Tage, Du musst mich küssen, das ist deine Pflicht.
Du kannst mir alles, alles Schöne sagen, nur nach dem Namen frag mich bitte, bitte nicht.
Nur nach dem Namen frag mich bitte, bitte nicht.“ Steiler Anstieg der Geburtenrate zu erwarten. Kuckuckskinder.

Ich denke über den Begriff der Brauchtumspflege nach. Eine Kultur ist ja in ihren Grundfesten geprägt durch Sitten und Gebräuche. Daraus den Schluss zu ziehen, dass wir vernunftbegabte Wesen sind, scheint mir gelegentlich etwas kühn. Jedenfalls am 11. November. Aber, wie gesagt, ich bin unmusikalisch.

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VERWIRRT.

Beim Mineralwasser schleppe ich ungern die dicke Berta von Glasflasche. Der ganze Kasten, ein Unding. Ich traue zudem dem Spülen vor der Wiederbefüllung nicht so recht. Aber ich soll Mehrweg, sagt der Zeitgeist. Wer auf Recycling auszuweichen sucht, wird regulativ schikaniert. Das ist das grüne Regime: Zwangsbeglückung. Dazu bedarf es eines starken Staates und eines grundsätzlichen Misstrauens in die Gesellschaft. Denn, sind wir ehrlich, die Gesellschaft, das sind ja auch nur irgendwelche Leute.

Nächtens lässt sich ein unbekanntes Geräusch vernehmen; man ist irritiert: Licht an, Ursachenforschung. Ich trinke gelegentlich Wasser, wie gesagt aus einer Plastikflasche, neuerdings mit einem angebundenen Drehverschluss, der sich bequem nicht wieder verschließen lässt, ein „tethered cap“ nach EU-Recht: ein echtes Scheißding. So entweicht, wenn nur halb verschlossen, die Kohlensäure und die PET-Flasche wird labberig. Wenn dann doch verschlossen, baut sich der innere Sprudeldruck langsam wieder auf und sie knallt in die alte Form zurück. Daher das Geräusch. Was für ein Schwachsinn.

Die ganze Nummer dient dem Klimaschutz, indem Flaschen nur noch im Beisein ihres Deckels recycelt werden können und der sich nicht allein an Stränden rumtreiben kann, wo er dann ins Wasser gerät und womöglich Wale tötet. Für eine Sekunde zur Sache: Kohlensäurehaltige Getränke sorgen durch den Innendruck für erhebliche Einsparungen im Verpackungsmaterial, weil sie dem dünnen Behältnis Stabilität geben. Darum sind hauchdünne Alu-Dosen immer ökologischer als dicke Bierpullen, auch im Einweg. Das aber übersteigt den grünen Sachverstand.

Ich will es trotzdem erklären. Wenn der Innendruck stimmt, kann das Behältnis schlank sein. Das ist wie mit Staat und Gesellschaft. Eine quirlige Gesellschaft kommt mit einem schlanken Staat zurecht. Es ist nämlich nicht die dicke Hülle, die Stabilität gibt, sondern der lebendige Inhalt. Das leuchtet aber jenen nicht ein, deren Denken im Autoritären steckt, den Diktatpolitikern. Darum die unbedingte Vorliebe für das Wiederbefüllen schlecht gespülter Glasflaschen, darum das Dosenpfand. Darum als Reaktion der allgemeine Frust an den Grünen.

Ich bin verwirrt. Jüngst will der Sprudel an die Wahlurne, die dicke Berta sagt aber, das geht nicht, weil sie nicht genug Papier für die Wahlzettel hat. Das stimmt zwar nicht, entspricht aber dem Willen der Diktatpolitik. Das könnte knallen. Oder schmeiße ich jetzt alles durcheinander?

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DIE ANTI-ELITÄRE ELITE.

Man versteht in Europa nicht so recht, warum die Politik des Donald Trump in den USA von breiter Zustimmung getragen wird. Ich habe mich belesen und kann es erklären. Die NEUE RECHTE beruht auf einem besonderen sozialen Träger, dem deklassierten frustrierten Kleinbürgertum. Diese Hefe wirkt weit über sich selbst hinaus als Steigbügelhalter besonderer Art.

Es begann bei den Rechten schon zu Beginn der neunziger Jahre; es wurde eine neue Freund-Feind-Logik geboren. Zum amerikanischen Wesen, an dem die Welt genesen sollte, wurde ein neues Milieu in die Position des Authentischen gehoben, das zu Unrecht deklassierte Kleinbürgertum der Provinz. Es wurde die Geschichte des verarmten Bauern wiedergeboren. Der kleine Händler, den die Konkurrenz an die Wand drückte. Der Bürgermeister im Nirgendwo, der unter „federal law“ litt. Auch Arbeitslose im „rust belt“, die mal die Demokraten gewählt hatten. Insgesamt ein Milieu, dass den Kleinkapitalismus liebte, weil er auch den Ungebildeten einen Dollar machen ließ. Und das Faustrecht des Weißen Mannes sollte wieder was gelten.

Wer war an der Deklassierung der „fly-over-states“ Schuld? Die Küstenstaaten mit ihren „over-educated“ Eliten. Offener Hass gegen Schwarze an Unis und Juden an Börsen; gegen linksgesinnte Demokraten im „deep state“, denen jetzt nach rechts gewendete Republikaner gegenüber standen, die auch wieder von der Überlegenheit der Weißen Rasse schwadronierten. Gegen diese Eliten und ihren Rechtsstaat wollte man Joe Six-Pack vertreten und Amerika wieder groß machen. Egal wie. Zur Not durch Kneipenschlägereien.

Dass sich zum anti-elitären Moment eine dubiose Bourgeoise anbot, die nicht so fern vom diskriminierten Milieu war, störte nicht den Erfolg, weil die MAGA-Herren durch eine Propaganda der Regelverstöße ihre Wähler zu beeindrucken wusste. Eine kulturell autoritäre Linke tat ihr übriges durch allerlei ideologischen Zirkus. Trump ist nicht trotz seiner Ausfälle populär, sondern wegen der kulturellen Attacken, die er reitet. Die Show stimmt.

Jeff Bush hat dem Wahlkämpfer Trump mal entgegengehalten, er könne sich nicht durch PÖBELEI im Amt halten; worauf der entgegnete: „Das werden wir ja sehen!“ Nun, der Beweis ist erbracht.