Logbuch

NACHRUHM.

Er war nur tausend Tage im Amt und ist doch der berühmteste amerikanische Präsident geworden. JFK, der katholische Ire John F. Kennedy. Ich bin ein Berliner. Lese gerade eine Besprechung des Tausendsten Buchs über ihn, in dem ein Historiker aufzeichnet, wie schmal die Bilanz dessen ist, was er wirklich zu Wege gebracht hat. JFK ist eine Legende des Nachruhms.

Helmut Kohl sagt man nach, dass er in die GESCHICHTSBÜCHER wollte; sein Abgang war eher schmählich. Gemeuchelt von Angela Merkel. Ob zu deren Ende der Himmel weint und die Engel singen, das haben wir noch nicht gehört. Ich habe Zweifel.

Wer wirklich etwas lernen will über Politik, der sollte nicht den Mythen des Erfolgs glauben, sondern sich die Gescheiterten ansehen. Jene Fälle, in denen noch nicht die PR die Geschichtsschreibung übernommen hat. NACHRUHM ist keine verlässliche Quelle.

Vollständig gescheitert ist der Versuch der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kamp-Karrenbauer die Nachfolgerin von Angela Merkel zu werden. Jede einzelne Aktion ging in die Hose. Jede. Das ist lehrreich. 

Und ich glaube, man sah ihr das an, wie sie in zu großen Schuhen zu laufen versuchte. Und stolperte und stolperte… So wie man Martin Schulz, oder hieß der Scholz, dem ehemaligen Granden des EU-Parlaments ansah, dass er als Kanzlerkandidat nur chargierte. Er ist schon vergessen, die Saarländerin wird es bald sein. Tragödien im Kleinen.

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TOD DER TUNKE.

Sahnesoße erschlägt alles. Ich bin geneigt, grundsätzlich zu werden. Dies wird vielleicht ein Aufruf zur Gründung einer LIGA. Ich würde dann Gesinnungsgenossinnen und Genossen suchen gegen den Genuss von SAUCE, auch Soße genannt oder Tunke. Die Verbreitung des Tunken-Unheils ist groß; in Asien auf Soja-Basis, in America oft als Tomatenzucker, genannt Catch Up. Curry in Indien, in Sahne. Auch die bei „Pommes Schranke“ notorische Mayonnaise gehört dazu. Und jene aus dem belegten Brötchen auf’s Hemd tropfende Remoulade. Der süße Sempf, der sich Senf schreibt. Man wird bei der Förderung dieses Anliegens einen mächtigen Gegner haben, nämlich HEINZ. Aber es ist die KRAFT-Anstrengung wert.

Gestern hatte ich, eigentlich ganz ordentlich, ein Rumpsteak mit Pifferlingen und Bratkartoffeln, aber unter einem halben Liter Sahne. RAHM ist sittenwidrig. Der kleine Salat dazu, der schwamm in JOGHURT, auch verzichtbar. Man nimmt Essig & Öl, und aus. Was die deutsche Werkskantine als braune Bratensoße („Demiglace“) ausgibt, ist bestenfalls belanglos, eigentlich aber Körperverletzung; gelegentlich von einem Jäger angereichert mit Pilzen, die einem Gummi aus dem Hause Haribo ähneln. Das Elend begann bei den Alten Römern mit GARUM, der unvermeidlichen Fischsauce. Dazu wurden ganze Fische in einer Salzlake wochenlang der Sonne ausgesetzt, bis die Eingeweide die Sardellen und Makrelen der FERMENTATION aussetzten. Stank bestialisch, war aber beliebt, weil es durstig machte.

Der Grillabend heutiger Zeit besteht aus angebranntem Fleisch und zehn Flaschen eines Salz und oder Pfeffer getränkten Sirups, das aus dem Fleisch faktisch ein Dessert macht. Pervers. Und Du kriegst das Mistzeug nicht mal raus aus diesen dämlichen Flaschen. Du kannst schütteln, Du kannst klopfen…

Überhaupt das Getue um die Tunke. Die Engländer haben auf jedem Tisch des FISH & CHIPS Essig stehen, na gut. Und etwas, das man als Insider vielleicht aussprechen, aber niemals fehlerfrei schreiben kann: WUSTER-Soße. Also, dieses „Worcestershiresauce“ von Lea & Perrins, da muss ein geheimes Gewürz drin sein für die notorisch miserable Küche. Und ich sage nur: Minzsauce zum Hammel! Am Ende ist aber alles wohl nur viel Zucker, viel Salz, viel Pfeffer und etwas so ekelhaftes wie FERMENTIERTES, zu deutsch verfault. Tod der Tunke! Das ist keine Kunst, das kann weg!

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SCHLÜSSELROMAN.

Schlüsselromane sind anstrengend, weil elende Zwitter, weder Fisch noch Fleisch. Sie verbergen etwas Vordergründiges hinter Literarischem, meinen aber doch nur das Vordergründige. Dann sollten sie gleich als Leitartikel daherkommen. Gewogen und für zu leicht befunden. Bei LITERATUR ist es umgekehrt; das Vordergründige ist eben nicht gemeint.

Gelegenheit, an die Reisebilder des Harry Heine aus Düsseldorf zu denken. Famoses Beispiel für WAHRHEIT & WIRKLICHKEIT in der LITERATUR. Heine hat da unzweifelhaft Vorbildliches; man darf ihn halt nur nicht als „Spätromantiker“ verkennen. Er ist eine Leuchte der AUFKLÄRUNG. Ich krame in meinen Erinnerungen nach einer Episode, ich finde leider das zerlesene Heine-Buch nicht. Wie war das noch?

Der Reisende beschreibt eine norditalienische Restaurantszene, in der zwei ältere Herren, ein Pfaffe und ein Adeliger, eine junge Kellnerin dreist belästigen. Da sitzt die RESTAURATION faul zu Tisch und lässt die NEUE ZEIT arbeiten; frech bedrängen die alten weißen Männer, sprich ADEL und katholische KIRCHE, auch noch die fleißige junge Frau, die etwas von jener Dame hat, die in Frankreich über den Barrikaden prangt. Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit. Es geht hintergründig natürlich um die Karlsbadener Beschlüsse und Metternich. Merke: Nicht Restaurant, sondern Restauration.

Es ist also egal, ob das in der Kneipe bei Genua unserem Freund Harry wirklich so geschehen ist. No fact checking. Heine schreibt keine Reportage; er ist nicht der Urvater von Herrn Relotius beim Spiegel. Hier liest jemand unter den Bedingungen der Zensur aus der deutschen Provinz seine NAPOLEON-Begeisterung in die Vorlage von Goethes Italienischer Reise und „erfindet“ dazu eine Restaurantszene. Am Hintergrund sollte er gemessen werden, wenn man es wohl mit ihm meint.

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DAS ZDF ALS ÖRR.

Das ZDF als großer Tanker des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks (ÖRR) ist in schwieriges Wasser geraten, weil es einen Terroristen der Hamas als Redakteur beschäftigte, den die Israelische Armee tötete, was der Sender ihr explizit als übliches Muster der Kampfhandlung an Journalisten vorwarf, sich dann aber kleinlaut korrigieren musste. Mich wundert das Ganze nicht; möchte dazu aber argumentativ weiter ausholen. Aus gutem Grund.

Jeder Krieg ist begleitet von der Propaganda der sich befehdenden Seiten. Jeder Kriegsgrund (casus belli) ist die Sicht einer Kriegspartei; jede Kriegshandlung für meine Begriffe als solche schon ein humanitäres Unglück. So fängt es mal an. Das ist grundsätzlich einzuräumen, ohne dass man sich als Zeitzeuge entschieden hätte, im Konflikt Partei zu ergreifen. Und auch dabei muss eine prinzipielle Parteinahme nicht blind für die Wirklichkeiten machen.

Was wir von der Welt wissen, wissen wir zum allergrößten Teil durch Medien. Kriegsberichterstattung kommt dabei wegen der Schwere der Ereignisse eine besondere Bedeutung zu; aber auch, weil im Krieg die Wahrheit nie auf der Hand liegt, sondern des sorgfältigen Urteils bedarf. Dazu wollen Kriegsreporter beitragen, indem sie sich, obwohl „embedded“, als besonders authentisch inszenieren. Da diese Authentizität von beiden Seiten bemüht wird, bedarf sie der Skepsis.

Ich räume ein, dass sich meine Skepsis gegenüber Propaganda nicht dadurch verringert, dass man eine der beiden Haltungen prinzipiell für eine gerechtere Sache hielte als die andere. Auch die BBC steht übrigens aktuell wegen ihrer Kontakte zur Hamas in der Kritik. Ich könnte nun in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückgehen und fragen, was denn meine Großeltern und Eltern auf dem Dachboden heimlich von Radio London gehört haben. Es erschien ihnen wahrer als der Volksempfänger, aber mehr war es wohl auch nicht.

London calling. Es lohnt ein genauer Blick in das Leben des George Orwell, der, bevor er über Propaganda schrieb, sie als Kriegsreporter selbst machte, auf Seiten einer der Kriegsparteien, die ein irrsinniger Angriffskrieg in diese Lage gebracht hatte. Man bemerkt, wie ich relativiere. Was soll der historische Rückgriff? Nun, der Vergleich von ZDF und BBC ist durchaus publizistisch angebracht. Nicht nur wegen deren beider guten Beziehungen zur Hamas. Hier steht der ÖRR zur Debatte.

Mein akademischer Lehrer Nikas Luhmann zitierte gern Shakespeare mit dem Ausspruch des Horatio: „So I‘ve heard and do in part believe it.“ Mehr geht nicht. Ein Hörensagen, das man zum Teil glauben mag. Was wirklich peinlich, das ist die verdruckste Art, mit der der ÖRR sein akutes Versagen einräumt. Gerade wenn es für Deutsche um Israel geht. Da wäre mehr zu erwarten gewesen. Zumal wenn man sich als moralischer Lehrmeister empfindet und von Gebühren lebt.