Logbuch

KAUM ZU GLAUBEN.

Aber wahr. Ein Paradox. Ich verstehe die Impfgegner, bin aber keiner. Im Gegenteil. Übrigens, das Wort Vakzine kommt von „vacca“, lateinisch für KUH. Als man die BLATTERN oder POCKEN auszurotten begann, nutzte man eine Volksweisheit der jungen Frauen auf den Melkschemeln. Die Milchmädchen in Wales wussten, dass eine Infektion mit den Kuhpocken vor den tödlichen Menschenpocken schützte. Ähnliches vernahm man von der vermeintlich primitiven Medizin bei den sogenannten Primitiven in Afrika. Das ist KONTRA-INTUITIVES Wissen; abergläubischen Menschen gehen solche Paradoxien leichter durch den Hals: Infiziere Dich vorsätzlich, um Deinen Körper gewappnet zu wissen. Man kann also Immunabwehr trainieren. Erstaunlich. Ich nehme im Moment bei meinem Doc alles, was ich kriege: Wundstarrkrampf, Gürtelrose, Lungenentzündung. Im dreiwöchigen Rhythmus. Irgendwann dann wohl auch das Corona-Zeug. Mein alter Herr hatte es schon, beide Dosen. Uns leuchtet das ein mit der Inokulation, sprich Impfung. Wir sind in der Lage, dialektisch zu denken. Paradoxien liegen uns.

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LANGE SCHICHT.

Vor 75 Jahren hat der Berg auf Grimberg 3/4 (Bergkamen, Westfalen; später: Neu Monopol) 405 Bergleute nicht mehr hergegeben. Lange Schicht. So der Mythos. Hier die bittere Realität: Nach einer Schlagwetterexplosion wurde der Pütt zubetoniert, um den vagabundierenden Grubenbrandt zu ersticken. Mit ihm die untertage noch verbliebenen Kumpel. So was vergessen wir nicht, die wir nicht ins Loch mussten wie unsere Großväter. Die Rede zur Eröffnung des Nachfolge-Bergwerks Neu Monopol im Jahr 1981 habe übrigens ich als junger Ghostwriter des damaligen Vorstandsvorsitzenden der Ruhrkohle AG Karlheinz Bund geschrieben. Glückauf.

PS: Womit mir auffällt, dass ich diesen Job jetzt schon vierzig Jahre mache. 1981 als „Bundstift“ (siehe oben) begonnen.

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FAKE NEWS sind „gefälschte“, „fabrizierte“ oder „unechte“ Nachrichten. Sagte der „echte“ Donald Trump („the real“). Gerade die Verschwörungstheorie setzt eine wirkliche Wirklichkeit voraus, die die Lügenpresse angeblich vor dem Volk verfälscht. Die Annahme einer Fälschung setzt begrifflich ein Original voraus. Wir kennen das vom profitablen Betrug mit der billigen Kopie eines Gemäldes alter Meister. Oder den Hundertdollarnoten im Moskauer Nachtclub „Nightflight“, dem einschlägigen. Hier läuft ein Spiel mit dem Authentischen, das vorgetäuscht wird. Falschgeld. Aber die Dinge sind, wenn man es recht bedenkt, komplizierter. Es gehört auch zur Haltung des Haltungsjournalisten, dass er (qua Haltung) wittert, was eine Fälschung ist, hinter der er das Original zu entdecken weiß. Die Sonne, denkt er, bringt es an den Tag; er ist die Sonne. Da ist eine Spur von Überheblichkeit, wenn man (selbsternannt) der Agent des Eigentlichen ist. Gedanklich lebt gerade der aktivistische Journalist im Authentischen. Wir wollen hier nicht polemisch gegen eine kritische Presse werden; gute Journalisten sind das Salz der Erde. Weil sie, Zweifel säend, um AUFKLÄRUNG bemüht sind; weil sie den Mut der Menschen fördern wollen, sich ihres eigenen Verstandes ohne Anleitung durch andere zu bedienen. Und dann gibt es DIE WAHRHEIT nicht mehr im Singular. Kritische Presse meint: Man macht sich mit keiner Sache gemein, auch keiner guten. Haltung aber ist eine religiöse Kategorie; die der RECHTGLÄUBIGKEIT, die in der Welt Werke des Teufels entdeckt und Ungläubige, die ihm dienen. Hexen gehören, fand das dunkle Mittelalter, verbrannt. Aber das behauptet ja auch die GEGENAUFKKÄRUNG von sich, einer Hexenjagd ausgesetzt zu sein. Die Dinge sind komplizierter als man meint, wenn man sie recht bedenkt. Es ist wohl wie bei den RELIQUIEN; sie sind „echt“, wenn man daran glaubt. Eine Frage der Gesinnung. Das AUTHENTISCHE ist eine Inszenierung, die sich selbst als Inszenierung leugnet. Ja, es gibt alternative Fakten, eigentlich immer. Das aber führt als Argument die Aufklärung an und die Gegenaufklärung. Uff.

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MÄNNER IN MASSANZÜGEN.

Aus meiner Erziehung ist zurückgeblieben, dass man sich Frauen gegenüber ritterlich verhält; das mag furchtbar altmodisch klingen, aber so hatte man das zu halten, wenn man jenen Ansprüchen auch nur halbwegs genügen wollte, die im Englischen für einen Gentleman gelten. Das vorweg zu all den alerten Klassenkämpfern von oben, die sich gerade aufbrezeln.

Jetzt zu der Institution des Maßanzuges. Als ich in der Mineralölwirtschaft war, galt man als ARALER eher als Proll aus dem Pott, während in Hamburg am Überseering die Edlen residierten. Ich mochte sehr meinen PR-Kollegen Johannsen von der SHELL, interessierte mich aber mehr für den von ESSO. Der trug englische Maßanzüge, weil er in seiner Londoner Zeit bei EXXON solche Geräte aus der Saville Row bekam. Hatte er im Vertrag, jedes Jahr einen, Kosten etwa zwei Monatsgehälter. Natürlich ließ er sich das nicht auszahlen, sondern ging zum Schneider in der Jermyn Street. Sein Wirken in der PR war auch so, er gab den Herrn.

Man kann, wenn knapper bei Kasse, auch JOE‘S FASHION in Kowloon, Hong Kong, aufsuchen; dort wirken aus Indien stammende Schneider wahre Wunder. Insbesondere bei krummen Beinen oder unschicklichen Bäuchen. Bezahlbarer Spaß. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Mir hat als junger Mann imponiert, dass Berthold Beitz erzählte, er habe sich von seinem ersten selbstverdienten Geld einen anständigen Dreiteiligen gekauft. Und mir anschließend geraten hat, in Flanell zu gehen.

Der Dreiteilige als Nadelstreifen sieht leicht nach Mafia aus; ich sage das, obwohl ich in so einem Stück geheiratet habe (unter uns: bei C&A erworben, cheap and awfull). Man trug aber, wenn man auf Vorstandsetagen nicht auffallen wollte, als frischer Assistent den Einreiher in dunkelgrauem Flanell. Weißes Hemd, unauffällige Krawatte, Schuhe aus schwarzem Pferdeleder. Im Kapuzenpulli und Turnschuhen wärst Du nicht mal an der Sicherheit vorbeigekommen.

Jetzt tragen die Leitenden Angestellten aus der Personalabteilung viel zu enge Anzügelchen mit knapp geschlossenem Knopf (Schmetterling) und pöbeln auch bei Damen; peinlich. Da, wo ich groß geworden bin, behandelten sich Bergwerksdirektoren wie Knappen mit Respekt; wenn es hakte, half die Gewerkschaft schon mal nach. Ich erinnere mich noch gut an deren Vorsitzenden Adolf Schmidt. Mein geschätzter Arbeitsdirektor war Fritz Ziegler, in der SPD eine große Nummer. Sozialpartnerschaft hieß die Klassengesellschaft damals. Derivate der Montanmitbestimmung halt.

Jetzt aber zurück zu der Schneiderei. Ich habe einen Tipp. Man kaufe Anzüge ruhig von der Stange, bester Stoff, und zwar eine deutliche Nummer zu groß. Dann gehe man damit zu der freundlichen türkischen Änderungsschneiderin im eigenen Kiez und lasse sich das Ding kleiner machen. Körpergerecht versteht sich. Da ist er dann, der Maßanzug für vernünftiges Geld.

Ach so, und peinliche Kränkungen weiblicher Mandatsträger überlasse man den Schnöseln. Eh klar, oder?