Logbuch
KLEIDERORDNUNG.
Man betritt ein feines Gebäude, den Sitz einer Manufaktur für Spezialuhren, ein Haus mit Tradition und Anspruch. Das Preisniveau ist knapp unter den Schweizer Häusern, aber immer noch stattlich. Mein Handgelenkwecker ist mir auf einen Steinboden gefallen, das hat die komplizierte Mechanik nicht so gern. Für die Revision nimmt der Laden 600€ und ein neues Metallband kostet das noch mal, so dass ich mit Polieren des Stahlgehäuses einen KVA von 1400 Ocken habe. Dauern wird es etwa ein Quartal; man hat gut zu tun. So sieht ein gutes Geschäft aus.
Ich erzähle das nur als soziale Kennung. Schon ein gehobenes Niveau. Jetzt die Geschichte. Ich entdecke im Show Room den Inhaber. In Shorts und barfuß in Sandalen. Ein buntes Sommerhemdchen mit kurzen Ärmeln spannt sich über den Bauch. Männerkleidung im Hochsommer, ein einziger Offenbarungseid üblen Geschmacks. Was treibt diese Idioten zu Hawaiihemden? Warum darf die Sandale innen eine Schweißgerbung aufweisen? Wenn schon T-Shirts, warum dann labberig am schlaffen Männerbusen, aber gespannt über der Plauze? Das schlimmste aber sind kurze Hosen, die erweisen, ob die Kronjuwelen links oder rechts getragen werden.
Keine Frau würde sich so unter Menschen wagen. Ferner entdecke ich zunehmend die Handgelenktasche, sie ist zurück, jenes Täschchen mit Gurt, in dem der Talahon seine Autoschlüssel, Brieftasche und die Zaretten mit Feuerzeuch sowie Präser und den Kamm versteckt. Unsagbar peinlich. Neuerdings auch als Cross Over mit langem Gurt geschultert vor der Brust zu tragen. Alta Schwede, wie diese Heinis zu Begattungshandlungen kommen, wird mir immer schleierhaft bleiben. Frauen müssen ein großes Herz und schlechte Augen haben; anders ist ein Bevölkerungswachstum nach dem Sommer nicht zu erklären.
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POZILEI.
Wir sind hier ja nicht im Wilden Westen. Oder bei der alternativen Rechten. Über die Polizei macht man keine blöden Witze, schon gar nicht im europäischen Mutterland westlicher Demokratie. Mich hat immer beeindruckt, dass der Bobby in Westminster unbewaffnet war, bewehrt nur mit einer Trillerpfeife, ganz Autorität aus der Achtung der Bürger. Soviel zur Pozilei, die ich nicht mit Vieh der Klasse Bulle oder Schwein vergleiche. In Berlin Anwohner des Kleinen Tiergartens, eines Parks, der sich zum Hotspot von Drogendealern und ihrer verwahrlosten Klientel wandelt, bin ich froh, wenn es jemanden gibt, der den wüstesten Übergriffen Einhalt gebietet. Wir hätten gern Kinderspielplätze ohne Spritzen. Ich sage den jungen Beamten oft, wenn ich ihre Einsätze sehe, dass ich ihre Arbeit schätze.
Aber der Missbrauch liegt nahe. Ein Journalist seriöser Presse ist von der Kripo in Oxbridge aufgefordert worden, einen Professor der altehrwürdigen Uni keine Fragen mehr zu stellen, weil dieser sich ob seiner Hautfarbe diskriminiert fühle. Diskriminiert wegen Nachfragen zu seiner öffentlichen Funktion. Nun, das Seelchen hatte, wie inzwischen klar, seine Doktorarbeit gefälscht, von olympischen Sporterfolgen gelogen und sich der Teilnahme an TV-Sendungen gerühmt, die vor seiner Geburt gedreht worden waren. Der pathologisch Prahlsüchtige reklamierte zudem Patientenschutz, weil gelernter Autist. Exotismus extremer Art. Er hat inzwischen seinen Lehrstuhl aufgegeben, der längst überfälligen Prüfung der Alma Mater vorgreifend.
Mir geht es nicht um den Verwirrten, obwohl Betrug durch Plagiate kein Kavaliersdelikt; denn das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Darüber soll die Academica selbst wachen. Mir geht es darum, dass der Staat einschreitet, wenn eine Recherche der Presse unerwünscht. Fragen verboten. Da müssen wir ja nicht nach England schauen; auch hierzulande gab es eine Praxis, dass morgens die Kripo klingelt und mal den PC sehen möchte, mit dem man einen Beitrag in den Sozialen getippt hatte.
Jetzt mal die Juristen nach vorn. Was ist das, diese „Untersuchung als Strafe“? Hier ist ja völlig klar, dass der Zirkus niemals für einen Staatsanwalt reichte oder gar einen Richter. Aber zur Einschüchterung, da reicht es? Das darf die Kripo, in England Met genannt? Ich kenne ähnliche Fälle eine Stufe weiter, wo abstruse Anklagen erhoben werden, die erkennbar unbegründet sind und es auch bleiben, nur um den so bedrohten Schergen zu erschrecken und damit abzustrafen. Das mag ja als zivilrechtlicher Rechtsmissbrauch noch durchgehen, aber im Strafrecht? Mittels politisch motivierter Pozilei? Der Bobby als Schutz- und Putztruppe? Ich bitte Euch. „It never rains in California. Man, it pours!“
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SCHLAUMEIEREI.
In einem früheren Leben war ich mal Rotarier, was, neben einem gewissen sozialen Reichtum an bürgerlichen Kreisen, auch bestimmte Pflichten mit sich bringt, allen voran, die der Präsenz. Man kann da schlecht schwänzen. Und die Herren tagen wöchentlich.
Also, ich sage bei meinem Präsidenten ab, weil ich beruflich verhindert bin: „Wir haben heute eine Preiserhöhung.“ Der ältere Herr verstand die Welt nicht mehr. Wegen so einem Scheiß sagt man bei Rotary nicht ab. Nun, ich war bei einer Tankstellengesellschaft und eine saftige Benzinpreiserhöhung führte immer zu einem Ansturm der Presse. Man sollte das begründen, fand der Volkszorn. Heute zahle ich als Verbraucher exakt das Zehnfache für den Liter wie als Studiosus, ein wenig Argumentation scheint also schon angesagt.
Ich habe in meiner aktiven Zeit bei den Spritties am liebsten mit Niedrigwasser auf dem Rhein begründet. Ein güldenes Argument. Sollte es zu viel geregnet haben, habe ich mit Hochwasser auf dem Rhein begründet. Sollten wir normale Pegelstände haben, bietet sich der Dollarkurs an. Bei steigenden Dollar wie bei fallenden; aber das hatten wir ja schon. Hauptsache, es gab einen sachlichen Grund; so als wenn der Hase da im Pfeffer läge. Normalisierungspropaganda. Lebenslügen.
Klartext: Was die Shells dieser Welt gerade machen, nennt sich in der Branche, „den Retailmarkt aus-cashen“. Fachlich: aktuelle Wiederbeschaffungspreise auf dem Spotmarkt als kalkulatorische Kosten ansetzen für Ware, die zu gänzlich anderen Konditionen kontrahiert wurde. Und dem Spotpreis die Schuld geben. So was kommt von so was. Die gegenläufige Bewegung gibt es auch, aber viel langsamer. Das ist das ganze Geheimnis.
Im Grunde und im Kern geht es um IMPORTABHÄNGIGKEIT und die Fähigkeit der liefernden Oligopole zu nehmen, was der abnehmende Markt hergibt. Den Hauch einer Chance der Gestaltung hat man als Bezieher nur bei Wettbewerb unter den Oligopolen und einer diversifizierten Beschaffung. Ich könnte das jetzt an der Gas-Versorgung plausibel machen, würde aber den Zensor wecken. Das ist nicht ratsam.
Ich liege in allem quer. Ich bin ein Freund heimischer Energie. Ich weiß um das Erdgas unter der Lüneburger Heide. Um das Öl unter der Nordsee. Ich wäre aus der Kohle nicht ausgestiegen. Ich halte Kernenergie für importunabhängig. Ich bin für den Ausbau von Wasser, Wind, Sonne und Bio. Ich bin alles mögliche, wenn ich die Augen schließe und träume. Und ich weiß, dass der Liter Diesel 2,50€ kostet wg. Niedrigwasser auf dem Rhein.
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DOING DRUGS.
Erinnern Sie sich an den Begleiter des klugen Sherlock Holmes, der dessen Abenteuer berichtete? Doc Watson, ein pensionierter Militärarzt des britischen Empire. Anglo-Inder. Diese Jungs hatten mehr drauf als Gin&Tonic, lerne ich. Der Reihe nach.
Kürzlich sprachen wir hier etwas zu kryptisch über Dichter, Denker und Drogen. Es ist ja geradezu naheliegend, dass Michel de Montagne aus Bordeaux dem Rotwein zusprach. Wir nannten ihn in der Sprache seiner Jugend, dem Latein, hier korrekt Michael Montanus. Er ließ sich durch Wein beflügeln.
Dann, auch hier, Andeutungen zum Cartesianer, der in der vorgenannten Zunge verlautet hatte: „Cogito ergo sum“ („Ich bin, weil ich denke.“) Wir wussten damit von René Descartes zu berichten, dass er ein Freund von Bubatz & Co. war. Renatus kiffte. Na ja, Holländer eben.
Where is the beef? Nun, ich lese gerade eine wohlunterrichtete biografische Abhandlung eines Leipziger Professors zu Leben und Leid sowie Wirken und Werk des großen Rudyard Kipling, den ich für einen erhabenen Kollegen meinerselbst erachte, eine Edelfeder von großer Könnerschaft. Man weiß, dass er als Anglo-Inder in seiner frühen Periode die große Hitze des Sommers im indischen Lahore durchstanden hat und mit den Gentlemen in Khaki dort am Tropischen litt.
What‘s your poison? Kipling schwörte auf ein Mittel des anglo-indisches Arztes Dr. John Collis Browne, das Chlorodyne hieß und aus in Alkohol gelöstem Opium bestand, dazu eine gute Portion Chloroform und ein Cannabisextrakt des indischen Hanfes (bhang). So die Mischung. Alter Schwede, ein Narkosemittel, Schnaps, strammes H und dann noch Bubatz. Davon beseelt erkundete der junge Kipling das Nachtleben Lahores. Er soll auch Drachen fliegen gelassen haben, wenn Sie bitte ahnen wollen, was das heißt. Ich finde, dafür ist sein Werk noch recht zivilisiert.
Von solchen Nachtseiten des Gemüts wird auch bei dem kühlen Denker Sherlock Holmes berichtet. The dark side of the moon. Die Seelen sind, wo nicht sonnenbeschienen, dunkel und sehr kalt.