Logbuch
IN ALLER KÜRZE.
Und du hast Angst, dass Dir gleich Heinz Rühmann begegnet. Oder Heinz Ehrhardt Witze macht. Dass der Kommissar Erik Ode heißt. Das denke ich, da ich gestern als Hintergrundfoto einer Talkshow die Bärbel und den Lars sehe. Sie seien als Paar angetreten, sagt die Walsumerin über den Buben von der Leine, über seine und ihre Opulenz. Die SPD ist aus der Zeit gefallen. Der Mief der willentlich kleinen Leute und ihrer vorsätzlichen Fürsorger nimmt mir die Luft zu atmen. Mehltau legt sich über‘s Land. Muff.
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VON VÖGELN.
Weil ich werktags früh raus muss, hält die blöde Tugend auch sonntags als Unsitte. Ab fünf Uhr wach, höre ich, wie die Vögel ihren Gesang beginnen. Kurz danach die ersten Flieger, weil in der Pfalz. Der Vogel singt mit endloser Routine, um Weibchen anzulocken und sein Brutrevier gegen Eindringlinge zu verteidigen. Man hört ihn in der Stille der schwindenden Nacht, da die Luft noch ruhig und das Land im Schlaf. Außer ich.
Man weiß nicht so recht, warum der Vogelgesang einen so guten Ruf hat; vielen gilt das elende Gezirpe als melodisch und Ausdruck einer Idylle. Liebesgefühle. Dabei hat das Lied keine Strophe. Kein Text, also Lärm. Besonders einsinnig ein Schlawiner hinter mir am Waldessaum, der die lautliche Kennung der kitschigen Uhren aus dem Schwarzwald nachmacht. Sagen wir es unromantisch, der Gesang der kleinen Flieger dient der Revierabgrenzung und dem Sex. Wie profan.
Die großen Flieger, die weit oben im noch nächtlichen Himmel lärmen, streben nach Rammstein, wir sind in der Pfalz, oder von dort in die Welt. Und dienen, je mehr ich es bedenke, auch der Behauptung von Revieren zur Erhaltung der eigenen Art. Was den Text betrifft, kommt es ebenfalls zu Unklarheiten fundamentaler Art. Der oberste Adler schwätzt vom Ende des Krieges wg. Sieg oder der Ausweitung wg. Terrorgefahr oder diesem oder jenem. Angelockt werden hier nur in zweiter Linie Weibchen, zunächst und vor allem Dollars. Zweihundert Milliarden könnte man noch brauchen. Aber gemach, das Geld ist dann ja nicht weg; nur in den Taschen anderer.
Man kann nicht von Vögeln und Verbrechen reden, ohne das letzte Gedicht des großen Bert Brecht zu zitieren:
„Als ich in weißem Krankenzimmer der Charité/
Aufwachte gegen Morgen zu/
Und eine Amsel hörte, wußte ich/
Es besser. Schon seit geraumer Zeit/
Hatte ich keine Todesfurcht mehr, da ja nichts/
Mir je fehlen kann, vorausgesetzt/
Ich selber fehle. Jetzt/
Gelang es mir, mich zu freuen/
Alles Amselgesanges nach mir auch.“
Mir wäre mehr nach Ausschlafen bis in die Puppen. Mit den Puppen. Auch das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
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FORTSCHRITT AUF DEM LANDE.
In einem sehr alten Holzlager finde ich Schusterleisten, die jemand zum Brennholz gelegt hat. Ich rette sie. Wie kamen die hier hin? Zeugen einer Zeit der handwerklichen Lederverarbeitung zu wertvollen Schuhen, die heute für einen Spottpreis aus asiatischem Plastik gefertigt im Aldi liegen.
Der Nachbar erzählt mir zum Vorbesitzer des Fachwerkhauses, das ich renoviert habe, der sei Schuster gewesen und damals der fortschrittlichste im Dorf. Er habe bereits 1958 einen Fernseher gehabt und den Dorfkindern das Zusehen erlaubt, eine Sensation, bewegte Bilder in Schwarzweiß und mit Ton. Fußballsiege werden erinnert und Krimis namens „Stahlnetz“.
Ich erfahre mehr. Überhaupt sei „Schuster Chris“, dessen Pfeife nie ausging, ein Mann des Fortschritts gewesen. Er habe als erster einen Traktor erworben, da er nicht mehr an die Kühe glaubte. Welch ein Satz. Auf Nachfrage erfahre ich, dass die Kuhgefährte oder Ochsenkarren Stand der Technik waren. Der Trecker habe einen Holzvergaser gehabt, der einige Probleme bereitete.
Dies notiere ich zu einer Zeit, als sich Vodafone mit Glasfaserkabel in die Häuser drängt, damit das Internet schneller werde und opulenten Filme im „Stream“ heruntergeladen werden können. Wir reden über Veränderungen in einer Generation in Gebäuden, die rund 275 Jahre alt sind. Zwei Jahrhunderte so gut wie nix passiert, dann hat es Wusch gemacht. Ich habe für die alten Leisten ein Regal gebaut; Erinnerungsstücke an schlechtere Zeiten. Ist das so?
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GEWISSEN & WISSEN.
Der Abgeordnete im deutschen Parlament ist nur seinem Gewissen verantwortlich und an keinerlei Weisungen gebunden. Die Abgeordnete auch. Ein Eckstein der Demokratie. Woher weiß die Weltweise aus Wuppertal oder gar der Depp aus Oer-Erkenschwick aber was Sache ist? In einer Zeit ausgebreiteten Aberglaubens? Keine unwesentliche Frage.
Ein besonderer Lobbyeinfluss besteht darin, dass das unmittelbare Umfeld des MdB aus Jobbern besteht, die dem ideologischen Umfeld des Themas entstammen. Ich habe vor Jahren mal Kontakt zu einer Mitarbeiterin einer Abgeordneten, die ihre MdB und mich über Fragen gesunder Ernährung belehrte. Im Brustton höherer Wahrheiten. Die junge Frau war vor ihrer Tätigkeit im Bundestag zwei Jahre bei „Food Watch“, der grünen Lebensmittelwacht. Ihre Expertise entstammte ansonsten der Grundlage eines abgebrochenen Studiums der Theaterpädagogik an einer praxisorientierten Flachhochschule. Drei Semester Rollenspiel für höhere Töchter. Dann NGO, jetzt fachliche Zuschlägerin der Volksdeputierten.
Ich halte viel von der ärztlichen Ethik. Was sich da über Jahrhunderte formulierte, das ist klug, weil demütig. Das Motto lautet: „Noli nocere!“ Zu deutsch: Zumindest nicht schaden. Das ist eine Gewissensnorm, die mir imponiert. Die drückt Achtung vor dem Leben aus und ein kritisches Verhältnis zum Fach. Da lege ich mich unter‘s Skalpell, weil vertrauenswürdig.
Die Grundgewissheit darüber, was nicht schadet, vielleicht sogar nützt, ist seit Corona und der Debatte um die Impfpflicht erschüttert. Die Medizin hat die Selbstverständlichkeit ihrer Legitimation verloren. Keine Halbgötter mehr in den weißen Kitteln. Regelrechte Scharlatane sind an der Macht; man blicke nach Amerika. Corona hat offenbar bei ganzen Milieus zu bleibenden Schäden in der Birne geführt.
Zeit, sich ehrlich zu machen. Ich bin geimpft und halte eine Impfpflicht für epidemiologisch zu verantworten. Weiß ich das sicher? Nein. Vertraue ich Big Pharma? Wenn es große und börsennotierte Aktiengesellschaften sind, ja. Die scheuen Risiken, die sie ruinieren könnten. Weiß ich medizinisch mehr als andere? Oh, nein. Ich hoffe halt, dass man mir nicht schaden will. Weil das als Idee ein schlechtes Geschäft wäre, jedenfalls kein Modell für ein gutes.