Logbuch
Sorgen um die KONJUNKTUR.
Die Handwerker sind überpünktlich, freundlich und nett, die Preise stimmen... Ich mach mir Sorgen um die Konjunktur. Überhaupt waren die Beschwichtigungen der Wirtschaftspolitiker schon bisher wenig glaubhaft. Ich wünsch es ja niemandem, aber wir kriegen in vielen Bereichen einen KÄUFERMARKT. Wenn der jetzt nicht die Spendierhosen anzieht, der Käufer, wird es Insolvenzen hageln.
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JOE BIDEN.
Das ist alles, was die amerikanische Linke gegen den Rechtspopulisten TRUMP aufzubieten hat? Diesen fahrigen alten Mann, der seinen Greisenstatus nicht zu überspielen weiß. Ich bin fassungslos. Das geht aus wie mit der ungeliebten HILLARY, fürchte ich. Warum klont niemand einen JFK? Einen OBAMA in weiß? Na ja, die deutsche SPD hat ja auch keinen „Willy-wählen-Modus“ gefunden oder die FDP einen Erwachsenen. CHARISMA ist eine historische Kategorie; man bemerkt es oft erst in Abschiedsreden. Eine Zuschreibung a posteriori. Bei JFK ist das sicher so. Der Mythos um CAMELOT ( das Weiße Haus als Sitz von König Arthus...) stammt von seiner Witwe, die sich um seinen Nachruhm sorgte.
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FALSCHE FREUNDE.
Der Beifall aus der falschen Ecke. Ich kenne da einen pensionierten Professor, der über seine Sottisen auf Twitter berühmt geworden ist. Er ist ein gebildeter Mann (ich habe früher viel Honig bei ihm gesaugt) und er hat mich an seinem Institut lesen lassen. Ich schätze ihn. Seit einiger Zeit gibt er den Aphoristiker mit DER WAHRHEIT IN EINEM SATZ, drei, vier Mal am Tag. Darunter ist Banales, Kluges, Plattes... immer wieder mal sehr gut formulierte Spitzen. Aber es weht gelegentlich der Ludergeruch des Rechtspopulismus. Heute zucke ich zusammen, weil über seinem Tweet die Zeile prangt „Erika S. gefällt das“. Sind ihm diese falschen Freunde zuzurechnen? Gibt er vorsätzlich den Pausenclown eines bestimmten politischen Milieus? Ich bin unsicher. Er rührt oft an ein Tabu, so viel ist sicher, das aber ist ja der Kern solcher Rollenprosa. Immerhin hat er nicht nur falsche Freunde, sondern auch die richtigen Feinde. Wenn diese Klassifizierung überhaupt etwas taugt. Ist der Feind meiner Feinde schon deshalb mein Freund? Sicher nicht. Jedenfalls macht der permanente Bellizismus solcher Polemiker, ihre Manie, mich als Zeitgenossen müde. Anstrengend, diese Rechthaberei. Publizistische Zwangsneurosen nehmen eben auch dem Publikum die Luft zum freien Atmen. Relax, Max.
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IM MEMORIAM HABERMASII.
Es ist voll auf dem Friedhof des Feuilletons anlässlich dieser Beerdigung. Ich ersuche einige Herrschaften doch bitte etwas vom Grab zurückzutreten. Man schwätzt von einem verstorbenen Philosophen, den man verehre. Dass ungelesene Suhrkampbände die heimischen Ikea-Regale zieren, macht Euch, die Zeitgeisttrottel aller eingebildeten Akademien, noch nicht zu Schülern des Meisters, auch wenn Ihr die Pose der Jüngern einnehmt. Ich verlange größeren Respekt vor Habermasius.
Habermas war Soziologe. Vor allem das lobe ich. Er hat das Fach vertreten, dem ich mich verpflichtet fühle. Dabei gehörte ich innerhalb des Fachs nicht mal zu seinen Schülern, ihm gebührte aber der akademische Respekt der Luhmann-Schüler, der Anhänger eines anderen Soziologen. Sein Oeuvre umfasst knapp fünfzig Titel, von denen ich nur die Hälfte studiert habe, aber solide seine Diss und seine Habil. Immer hat mich das Geschwätz darüber an den Flachhochschulen der Republik geschmerzt.
Habermas war der letzte Erbe der Frankfurter Schule. Er hat als zweite Generation ein wesentliches Kapitel der Wissenschaftsgeschichte erfüllt und geschlossen. Nach seinem Verstummen ist die Kritische Theorie (nicht irgendeine irgendwie kritische Theorie, sondern das Vorhaben von Adorno & Horkheimer) als Projekt erloschen. Er gehört in den Kanon nach Kant, Hegel und Marx. Es gibt keine kommunikative Kompetenz ohne zumindest propädeutische Lektüre dessen.
Habermas war ein öffentlicher Intellektueller. Ein Mann, der immer und überall sein Wort machte. Er hat sie nicht nur gesucht und bedient, die Sphäre der bürgerlichen Öffentlichkeit, er hat sie als Raum der Demokratie begründet. Das Deliberative, die Kultur der Verhandlung, war ihm Ethos. Weil er wusste, dass die Kategorie des Individuums und die Fähigkeit zum Konsens, diese beiden, Frieden stiften.
Habermas war ein Titan, inflationär nachgeäfft von einem Geschlecht erfinderischer Zwerge, das meinen Beruf, die Public Relations, bevölkert. Den Profis dieser Profession ist klar, dass sie Parias der Publizistik sind; nie würden sie als Soziologen und Intellektuelle den berufsständischen Unsinn vertreten, jenes Schindluder, dass die Höheren Berufsschulen der PR für das Fach halten. PR ist kein Organ der Wahrheitspflege.
Das meint deliberative Demokratie, mit der Kraft des Arguments und der Bereitschaft zum Kompromiss einen liberalen Frieden schaffen. Daran hat er, schon mit 24 ein Held, fast ein Jahrhundert gewirkt. Möge ihm die Erde nun nicht zu schwer werden.