Logbuch

VERTEUFELUNG.

„Und wenn die Welt voller Teufel wär…“ Das ist TROTZ aus dem Mittelalter. Man konnte sich das TEUFLISCHE noch ganz konkret vorstellen. Es gab das ABSOLUT BÖSE; jedenfalls für jene, die an das absolut Gute glaubten. Klugen Frauen konnte es damals passieren, dass sie der „Teufelsbuhlschaft“ bezichtigt wurden und als Hexen verbrannt.

Dem Mythos der Hexe stand dem der HEILIGEN entgegen. Anklänge daran in der Debatte um die Grünenpolitikerin Baerbock, die Kanzlerin nach Merkel werden will. Der Mythos wird von den Grünen bemüht und ihren Gegnern. Da wir nicht mehr im Mittelalter leben und der AUFKLÄRUNG verpflichtet sein dürften: Haben wir es auch eine Nummer kleiner? 

Baerbock kommt weder aus dem Völkerrecht noch vom Berg Sinai, sie ist nicht verfolgt; nur überschätzt. Von ihren Freunden wie von ihren Feinden. Eine mittlere Begabung, eher einsinnig, im Zweifel autoritär. Eine Opportunistin des Schwarz-Grünen. Keine liberale Frau, keine liberale Partei. Sie ist eine Merkel neuer Generation.

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ALTES EHEPAAR.

Lese bei Rudolf Virchow dessen erste Einschätzung zum NEANDERTALER. Er irrte bitter und der Irrtum hielt sich lange. Für Virchow war das ein aus dem heutigen Russland stammender Kosake. Dieser Zweig unserer Vorfahren starb vor 40.000 Jahren aus. Weil er zu blöd war. Fachbezeichnung daher: HOMO STUPIDUS. Der Neandertaler hatte in der Folge ein Imageproblem.

Wir, die weisen Menschen, entstanden vor 300.000 Jahren im Nahen Osten, im heutigem Palästina. HOMO SAPIENS, sapiens heißt klug & weise. Nun, da stimmt was nicht. Es gab eine sogenannte HYBRIDE KREUZUNG, die man auf Flirts zwischen den dummen Männer des einen Zweiges und den intelligenten Frauen des anderen zurückführt. Das ging so gut 100.000 Jahre. Man findet in Höhlen in ganz Europa Zeugnisse von Krippenpflege, sprich Kindesliebe, und auch von Haustieren, gezähmte Wölfe; Familienleben.

Warum sind die Neandertaler ausgestorben? Genau. Rudolf Virchow war übrigens ein politischer Kopf. Und hatte Humor. Als sich Otto von Bismarck mit ihm duellieren wollte und er die Wahl der Waffen hatte, wählte er diese so geschickt, dass Bismarck kniff. Er wählte: WÜRSTE, von denen eine mit Cholera verseucht sein sollte.

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DENGLISCH.

Man mische englische Wörter ins Deutsche, und schon hat man DENGLISCH. Das ist dann ein SOZIOLEKT, ein JARGON, der mit viel Liebe gepflegt wird. Mir fällt auf, dass ein Personalchef, den ich sehr schätze, seine Führungskräfte und damit seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „enablen“ will. Das hat man ihm wohl so aufgeschrieben. Es geht mir nicht um die Sache, die wichtig genug ist, sondern, gänzlich nebensächlich, um die Sprache. Genauer gesagt, das Sprechen.

Ich lerne, dass die alte pädagogische Vorstellung, dass man „Fähigkeit und Bereitschaft“ entwickeln will, im modernen Denglischen der „Personaler*innen“ vom englischen Verb „to enable“ in ein deutsches Tätigkeitswort überführten kann. Damit enabelt man sich dann zu Denglisch und zeigt New Leadership auch im New Normal. Fair enough.

Sprechen, das ist nicht nur Bezeichnung von etwas, Sprache ist ein Gemeinschaftsgut vieler unterschiedlicher Gemeinschaften, die sich nicht nur freuen, etwas Gemeinsames zu haben, sondern dies auch distinktiv einsetzen. Sprache ist auch Abgrenzung und Ausgrenzung. Man will, sich selbst als „ingroup“ feiernd, anderen zeigen, dass sie nicht (! ) dazugehören. Natürlich räumt das niemand von den Enabelten ein, aber es ist so. Darum nutzt der Onkel Doktor stolz Wörter, die aus dem Lateinischen oder Altgriechischen kommen. Hoffentlich ist er enabelt, uns gesund zu machen. Health-mäßig gesehen.

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HAMLET & HORATIO.

Zu den erdrückendsten Erlebnissen der letzten Zeit gehört die Hamlet-Aufführung des elenden Frank Casdorff am Deutschen Schauspiel zu Hamburg, die um 18 Uhr begann und nicht vor Mitternacht endete. Ohne jede Inspiration schleppte sich eine verwirkte Persiflage über sechs Stunden käsig über die Bühne und ließ das Parkett in Lageweile verzweifeln. Folter ist der Begriff, der mir dazu bis heute einfällt.

Dabei kann, wenn man sich das ursprüngliche Unterfangen Shakespeares ansieht, es seinerzeit, wir sind im frühen 17. Jahrhundert, nicht kürzer gewesen sein. Und das Publikum stand fasziniert im Globe, während der dänische Prinz nicht zu Potte kommt. Denn darum geht es ja in dem Elisabethaner in seinem Stück vom unentschlossenen Sohn, dessen Mutter den Mörder seines Vaters geheiratet hatte und der auch sonst nicht klarkommt mit dem weiblichen Geschlecht. Und das über sechs Stunden.

Man wünscht sich, dass er das dänische Schloss verließe, um mit seinem Kommilitonen Horatio wieder zu studieren; übrigens in Wittenberg, wie Shakespeare ausdrücklich erwähnt. Man fragt sich unwillkürlich, ob das Kaff in Sachsen-Anhalt um 1605 schon den Beinamen Lutherstadt hatte; jedenfalls galt es als angesagteste Alma Mater ihrer Zeit. Womit wir schon wieder beim Ödipuskomplex sind, weil das nämlich „gütige Mutter“ heißt, aber das ist, wie Martial sagt, eine andere Frage.

Wie lernt man eine Rolle, wenn das sechs Stunden Text sind? Es gab noch keine Teleprompter, die heute Redner retten. Vielleicht gab es Souffleusen, vielleicht sogar noch im Orchestergraben in einem kleinen Gestühl vor dem Publikum verborgen. Aber sechs Stunden auswendig, das ist kein Pappenstiel. Das ginge noch, wenn etwas passierte; dem Hamlet ist es aber nicht gegeben, sich zu irgendetwas durchzuringen. Ein Attentist. Prokrastinat.

Das kann man so faszinierend finden, dass man sich sechs Stunden die Beine in den Bauch steht oder seinem Arsch das erbärmliche Gestühl antut, aber mehr als ein Exercitium der Langweile kann es nicht sein. Darüber werden sie bei dem Elisabethaner auch alle irre. Hamlet, Lear, McBeth. Zum Teil anfänglich mit gespieltem Wahnsinn, also vorgetäuschter Geisteskrankheit, dann aber ereilt alle die volle Klatsche.

Womit wir bei der „mad man theory“ sind, die seit Nixon als eine Finesse amerikanischer Regierungskunst gilt. Man will den Gegner glauben machen, dass der eigene König zu allem in der Lage sei, selbst dem größten Irrsinn, ja, sogar um den Preis des eigenen Untergangs auf seinen Eingebungen bestehend. Das kann raffiniert sein, wenn es den Gegner zur Vernunft bringt, setzt aber voraus, dass die Klatsche tatsächlich nur simuliert ist, obwohl beim Gegner genau daran Zweifel bestehen. Schließlich auch in den eigenen Reihen.

Ein Stoff für den Shakespeare! Kann ich unter diesen Umständen bitte mit Horatio nach Wittenberg?