Logbuch

QUERDENKER.

Gestern zogen Querdenker durch meinen Berliner Kiez. Ich denke seitdem darüber nach, ob das ALLGEMEINE WAHLRECHT nicht ein Fehler ist.

Sie sprach Schwäbisch und trug eine Deutschland-Fahne mit der Aufschrift „Wir sind das Volk“. Ihr Demonstrationszug war nicht genehmigt; man floh vor der Polizei in Nebenstraßen. Vor dem Späti in unserer Straße hielt sie inne und kaufte sich ein Eis. Auch nach dem Verzehr keine Maske. Natürlich nicht. Chorona sei Propaganda.

Ich halte sie auf Abstand, die Kampf-Oma, und rede. Das heißt, sie redet. Unsere Volksgesundheit sei angegriffen , ja, und zwar wegen der Chemie. Ich deute an, dass man biologischer als ein Virus nicht sein könne. Unverständnis. Ich frage nach der Nationalflagge, einem Hoheitszeichen. Sie versteht nicht. Das sei die „Schlandfahne“. Immerhin besser als eine Reichskriegsflagge oder ein Hakenkreuz, finde ich.

Aber den Ostdeutschen die Friedliche Revolution in Berlin streitig zu machen mit „Wir sind das Volk“, der Siegesparole über eine kommunistische Diktatur? Ich erfahre, dass die MERKELDIKTATUR schlimmer als die SED „und die anderen Russen“ sei. Und warte nur darauf, dass wir über die Teufelsbuhlschaften am Pergamontempel reden. Es kommt anders.

Eine andere Kampf-Oma giftet sie wegen des Speiseeises, das sie gerade schleckt, an. Das sei nicht vegan. Es handelt sich um ein Milcheis. Das ist jenes Nahrungsmittel, mit dem Kühe Kälber großziehen, wenn man es ihnen nicht entzieht. Ich dachte, das wüssten die auf der Schwäbischen Alp. Sie komme aus Freiburg. Eine Kommunalbeamtin in Pension. Das Gespräch der erregten Damen, weiter ohne Maske und Abstand, wendet sich der Hafermilch zu.

Ich bin dann mal weg.

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FRATZENSCHNEIDER.

Nur wer eine politische ROLLE gefunden hat, wird gewählt. Immer wieder und wieder ein klares und gelerntes Rollenbild. Eine Charaktermaske. Nur Archetypen werden Kanzler.

Vielfalt erfreut, haben die alten Römer gesagt. Das ist Unsinn. Vielfalt verwirrt. Der Politiker, den wir wollen, muss ein Urbild vorleben. Immer wieder neu das Eine und Dasselbe. Bitte keine Ungewissheiten. Eine Rolle ist eine Rolle ist eine Rolle. Das nennt die Wissenschaft das VERBOT der AMBIGUITÄT. Die Menschen wollen wissen, woran sie charakterlich sind.

Wir wollen als Wähler nicht, mal was Neues kennenlernen oder gar etwas UNGEWISSES. Es geht auch bei der Kanzlerfrage um MARKENPOLITIK. Eine Marke ist eine Marke ist eine Marke. Die Volksseele sehnt sich nach den Archetypen ihrer selbst. Das ist wie im Kino: Gib mir den Alltags-Helden! Und, bitte, charakterlich keine Überraschungen. NO SURPRISES.

Deshalb gibt die Frau „Doktor“ Giffey die Ossi-Tusse. Macht sie gut. Das versteht der Berliner. Was Olaf, der Scholzomat, gibt, das verstehen mittlerweile auch viele; da kommt des Hanseatische zum Bescheidenen. Ein Helmut Schmidt für Arme. Mutti als Vati. Was aber der Türken-Armin, so nennen sie Laschet in der CDU in NRW, so genau abliefert, das hat das Land noch nicht gelernt. Zudem gilt der rheinische Tonfall als der Jargon des Luftikus. Ein katholischer Halodri. Kein Adenauer.

Es reicht bei dem hanseatischen Zwangscharakter nicht für 40 Prozent, aber doch für 25. Es fehlt dem Karnevalisten aus Aachen bei den ehedem 33 Prozent inzwischen deutlich 10. Und so segeln wir in eine Rot-rot-grüne Bundesregierung. Der Effekt erfolgreicher Fratzenschneiderei. Wir sind als Wähler ein billiges Publikum.

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INVASIVE NEOPHYTEN.

Sie kommen von weit her und haben hier nix zu suchen. Breiten sich aber dramatisch aus. Sie heißen Kirschlorbeer, Goldregen oder Bärenklau.

Man kann es an ungenutzten Ecken des Stadtbildes wuchern sehen, das neue Pflanzenzeugs. Ich kann mir all die Namen nicht merken. Aber es sind keine heimischen Pflanzen, daher das „neo“ bei den Neophyten. Und sie sind verbreitungswillig, deshalb „invasiv“. Zum Beispiel das „drüsige Springkraut“; im Ernst?

Das ist unhistorisch, viele Urväter sind um die ganze Welt gesegelt, um neue Pflanzen nach Europa zu holen. Man lasse sich das im Botanischen Garten erklären. Sie tauchen aber nicht nur wild auf, sondern machen vor Gartenzäunen nicht halt. Obwohl dort die gleichnamigen Zwerge wachen. Sie verdrängen, höre ich sagen, heimische Arten. Das geht zu weit.

Mich erstaunt schon der Vernichtungswillen, mit dem auf dem Land Steinflächen, vor allem Bürgersteige, von Bewuchs befreit werden. Scharfe Scharber kommen zum Einsatz, sogar regelrechte Flammenwerfer. Glyphosat ist plötzlich ein Segen. Man tauscht sich stolz über illegale Quellen für illegale Chemokeulen aus. Damit kein Grashalm überlebe.

Unübersehbar, dass man reaktionär über Gartenbau reden kann. Oder, dass der Gartenbau, wenn blindlings auf das Gesellschaftliche übertragen, zu Reaktionärem führt. To say the least. Was ja schon mit der Kategorie „Unkraut“ begann. Oder der Wandlung der Wiese in Rasen. Und jetzt die Besatzung durch den Großen Bärenklau. Lehrstücke des Sozialdarwinismus.

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DER PAPST IST EIN GRÜNER.

Die neue Enzyklika des Papstes, veröffentlicht am 25. Mai 2026, heißt „Magnifica Humanitas“. Sie betont die Würde des Menschen im digitalen Zeitalter und warnt vor einer gefährlichen Dominanz von Künstlicher Intelligenz, insbesondere bei autonomen Waffensystemen und digitaler Ausbeutung. Der Papst ruft dazu auf, KI ethisch zu regulieren, sodass sie dem Menschen dient und nicht ihn beherrscht. Zitat Ende.

Wer sagt das? Die Künstliche Intelligenz meines Smartphones. Ist die Kritik des Papstes berechtigt? Ich frage sie. Sie antwortet: „Ja, auf jeden Fall. Der Papst kritisiert vor allem, wie KI als potenzielle „Waffe“ eingesetzt werden kann, zum Beispiel durch autonome Waffensysteme. Er warnt davor, dass KI wirtschaftlich ausgenutzt wird, etwa in Datenmonopolen oder in der algorithmischen Arbeitswelt. Besonders deutlich sagt er, dass KI die moralische Gestaltung der Gesellschaft nicht übernehmen darf – denn sonst könnte sie Demokratie, Freiheit und Ethik gefährden.“ Zitat Ende.

Genug der Spielchen. Im Folgenden in meinen Worten. Wenn sich die sprechenden Maschinen zu einer „Allgemeinen Intelligenz“ herausgebildet haben werden, könnten sie einen eigenen Willen entwickeln, der die Rolle des Menschen gegenüber diesen Maschinen prinzipiell umkehrt. Aus Subjekten würden Objekte. Der Mensch würde ein Mittel zum Zweck; zu einem Zweck, der nicht mehr seinem Willen unterläge. Wir hätten uns versklavt. Man lese nach, was Marx zur Vergegenständlichung geschrieben hat; mit Tinte im Lesesaal des British Museum.

Anderes Beispiel. Das eigentliche Elend aller großen Kriege der Menschheit bestand nicht darin, dass beide Seiten Söldner anwarben und diese sich für die Sache ihrer Herren abschlachteten; es bestand darin, dass die unzufriedenen Heere anschließend marodierten. Daher seit dem dreißigjährigen Krieg der Ruf des alten Schweden. Was, wenn sich unsere Hochrüstung irgendwann entschließt, die Sache selbst in Hand zu nehmen? Schon heute widersprechen die Militärs den Politikern; was, wenn es den Dronen irgendwann reicht und sie ihre Ziele selbstständig ändern?

Hoch interessant finde ich den Vergleich, den der Papst zwischen KI und Kernenergie zieht. Er zieht eine Parallele zum Nuklearen. Ich wusste es. Der Augustiner ist ein Grüner! Alter Schwede. Theoretisch etwas matt sein Plädoyer für das Allgemeinwohl; das hatten wir schon begrifflich schärfer, oder? Wir sollten uns noch mal ansehen, wie Kant Menschenwürde definiert und was das mit dem Begriff des Individuums zu tun hat. Und was Hegel zur Dialektik von Herr und Knecht sagt.

Wem dazu die Bücher fehlen, kann seine KI fragen. Siehe oben. Ich habe zudem eine Vermutung, wer im Vatikan so schnell die neue Enzyklika getextet hat. Auch der Unfehlbare geht mit der Zeit.