Logbuch
RECHTSCHREIBUNG ist ein künstliches Regelwerk, das historisch erst unter Duden vereinheitlicht wurde. Nun gut. Aber wie kann man den Gruß „Glückauf“ in zwei Wörtern schreiben? Es empört mich geradezu. „Hose zu!“ Das sind zwei Lexeme, aber Glückauf? Oder: „Wäller ho?“ Weil es ein verkürzter Fragesatz ist. Im Übrigen erkennt man das Bergvieh von der Ruhr am abgeschmolzenen Ü. Es heißt: „Glauf!“ und wird mit einem mürrischen „Glauf!“ erwidert.
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Ist das FOTO GESTELLT?
Mit unverkennbarer Ironie erreicht mich diese Frage als Spott zu einem der notorischen Porträtfotos, die sich auf Facebook finden. Es zeigt den Mann in einer Pose. Dazu wird gespöttelt: „Wie gestellt...“
Das ist wirklich interessant. Die spitze Bemerkung unterstellt ja, dass hier gar nichts AUTHENTISCH ist, sondern INSZENIERT. Und zwar mit der eindeutigen Wertung, das das Inszenierte bloß etwas Künstliches ist, das das Echte nur nachäfft. Ein Täuschungsversuch also. Nichts natürliches. Kitsch statt Kunst. Kein Fenster in die Welt, nur ein Schaufenster, schlecht dekoriert. Ich glaube, man nannte bei Fotos das authentisch Authentische früher „Schnappschuss“, also ein Dokument spontanen Ursprungs, aber mit einer gewissen Aussagekraft. Etwa sollte es bei einem Porträt den wirklichen Charakter der Person offenbaren. Toller Schnappschuss... Pressefotos sind die Königsdisziplin dieser Dokumentation des situativ gewonnenen Authentischen. Wenn sie gestellt sind, gelten sie als Fälschung. Es gibt leichte (Nachbearbeitung) und schwere (fake) Fälschungen. Was für eine Debatte! Darüber kann sich die PR zu Tode amüsieren. Das Authentische ist immer nur eine vorurteilsgerechte Inszenierung, die sich selbst als Inszenierung leugnet. Was Brecht Verfremdungseffekt nannte, ist das Gegenteil, eine Inszenierung, die sich als solche zu erkennen gibt. Bis zur Kenntlichkeit entstellt, heißt es dazu bei Brecht. Der Reihe nach. Just for the record. Natürlich sind die Facebook-Porträts von professionellen Fotografen und selbstverständlich sind sie gestellt. Es sind immer Zitate von gängigen Gesten, meist solche der Eitelkeit. Das sollte eigentlich so krachend offensichtlich sein, dass es ironisch wirkt, sprich distanzierend. Vanity fair. Wie aber, das ist die wirklich spannende Frage, kann man im Zeitalter der Selfies so etwas fragen, ob das gestellt ist? Man kann. Es gibt also nicht-gestellte Selfies? Ja klar, sagt der Zeitgeist, womit er beweist, dass er ein Depp ist, der Zeitgeist.
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SCHNAPS AUS DER KELLE.
Woher kam der Montanbrauch, nach der Schicht einen halben Liter Korn aus dem Fass per Kelle je Mann auszuschenken? Die englische Marine gab traditionell ein Rumdeputat aus. Das Matrosenrecht auf 8 Pint Bier täglich wurde gewandelt in 1 Halfpint Rum; die Rumration hörte auf den Spitznamen „tot“. Under Ages kriegten Grog. Unter den Augen eines strengen Offiziers standen die Matrosen mit ihrem Becher zur Ausgabe an, immer mittags. Die Becher wurden niemals gespült, weil man da abergläubig war. Die Fassstärke soll da gelegen haben, wo heute noch der österreichische Stroh-Rum liegt; kaum vorstellbar.
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EICHENTUM.
Was ist Eichentum, fragt sich der Frühsozialist Proudhon. Und er antwortet: „Eichentum ist Diebstahl!“ Bevor wir zu einzelnen Schattenseiten kommen, die das Denken dieses Franzosen aufwies, feiern wir ihn. Er ist der Urvater des Anarchismus und hat viele Verehrer unter denen, die eichentlich nichts zu verlieren haben, aber ihr schlechtes Gewissen gern los würden, wenn sie sich das Eichentum anderer aneichnen. Der erste und fundamentale Trick dazu ist, dass wir die Enteichnung nicht mehr Diebstahl nennen, weil sie ja nur dem vom Raub Begünstigten zurückgibt, was ihm ursprünglich mal gestohlen. Wir nennen sie nunmehr Vergesellschaftung.
So soll es im Grundgesetz stehen, dass Eichentum verpflichtet, und zwar zur Vergesellschaftung. Besonders schändlich ist Wohneichentum, weil Wucher, wenn es Kapitalisten an sich genommen haben, die auf Rendite aus sind. Die Wohnungen Berlins sollen nun bald durch Vergesellschaftung den Berlinern zurückgegeben werden. Der dann sichere Ausfall der Rendite macht sie sicher „bezahlbar“, so heißt das politische Versprechen. Sie erinnern„Money for Nothing“ von Dire Straits? „Money for nothing and your chicks for free. And gigs on MTV.“
Zum Frauenbild von Proudhon kommen wir am Schluss noch mal. Zunächst zum Anarchismus, der sich eine Gesellschaft ohne Staat erträumt, in der freie Produzenten (selbständig wirkende Menschen) und freiwillige Genossenschaften wirken. Die dürfen nämlich Eichentum. Das finde ich sympathisch. Raiffeisen hat was. Ein Dorn waren Proudhon die Wucherer; auch das mag man verstehen. Wobei ja ein Angebotsüberhang bei Wohnungen für günstige Mieten sorgt. Man muss halt viele bauen und erhalten wollen. Oder können, weil genug Knete.
Schaut man auf das Budget und die zu vergesellschaften Wohnungen kann bei der versprochenen Vergesellschaftung nur knapp ein Drittel des Marktwertes erstattet werden. Wenn was Diebstahl ist, dann das. Der Frühsozialist Proudhon war übrigens strammer Antisemit, weil der Jude ihm ein notorischer Wucherer. Und kein Frauenfreund, weil Weiber von Hause aus doof. Deshalb Geld für nix und Girls für umsonst. Bleibt noch der Auftritt bei dem TV-Sender MTV. Da spielt keine Musik mehr. Ich habe neulich Dieter Gorny zum Essen getroffen, den Erfinder des deutschen MTV, hieß Viva. Musik aus. Affe tot. Klappe zu. Dieter wohlauf. Ich soll schön grüßen.