Logbuch

Ein Land der FRÖMMLER waren die USA schon immer. Radikale Puritaner, die sich in England unbeliebt gemacht hatten, haben es besiedelt. Calvinisten der ganz unverträglichen Art, die es im Mutterland nicht geschafft hatten, ihre extremen Scharia-Vorstellungen durchzusetzen. Später „Pilger“ (pilgrim fathers) genannt, hielten sie selbst sich für „Heilige“ mit unmittelbarem Zugang zu Gottvater, ein unverträglicher Haufen von Separatisten. Erst nach dem Frömmlern kamen die Sklavenhändler und -halter sowie Armutsmigranten aus aller Welt. Das ist der Nährboden des Evangelikalen, der Freunde des Donald Trump. In dieser Welt ist die Katholikin, die gerade als Verfassungsrichterin nominiert wird, als Katholikin fast exotisch; freilich steht sie den Protestanten an Fundamentalismus in nichts nach. Auch sie eine Anhängerin der Laienexegese. Das ist die Diktatur der Buchstabengläubigen über die Schriftgelehrten. Die Aufgeklärten sind davon noch Lichtjahre entfernt. Tief irrational, ganz tief. Frömmler halt.

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Lese noch mal Kants Kampfschrift „ in weltbürgerlicher Absicht“ gegen eine empirische Geschichtsschreibung: „Aus so krummen Holze als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts gerades gezimmert werden.“ Die AUFKLÄRUNG glaubt an die Menschheit, weil sie mit dem Glauben an die Menschen nicht weiterkommt. Weil es der Nachbar erkennbar nicht wird richten können, soll es der Weltenbürger sein. Es bricht diese Hoffnung, dass die Natur am Ende dann doch vernünftig sei, eigentlich erst mit Darwin, der zeigt, dass nicht Vernunft die Welt leitet, sondern Evolution. Autopoesis. Überleben egal wie. Natur ist keine Idylle. Moment mal, stimmt das jetzt? War Darwin nach (!) Kant? Bevor ich mich herablasse, irgendetwas auf Wikipedia nachzusehen, bleibe ich lieber im Ungewissen; soviel Selbstachtung muss sein.

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Die Segnung des MONOKAUSALEN.

Wenn die Welt vom Satan bedroht wird... oder die Ölfrage den Nahen Osten bestimmt ... oder die Klimaveränderung am Kohlendioxid liegt ... oder der Klassenkampf ... oder. Zum Beispiel ist dann die Kernenergie ein grüner Ausweg... oder die Liquidierung der Bourgeoise oder der evangelikale Glaube an Gott. Mich macht die Entschiedenheit der Einsinnigen müde.

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Alfred war ein GRABESRITTER.

Das ist ja ein Ding. Ich hab so manchen Strauß mit ihm ausfechten dürfen. Wenn ich das damals gewusst hätte. Aber am Ende hat er sich nicht gegen mich durchsetzen können. Also alles gut. Altersmilde. In der Todesanzeige eines ehemaligen Kollegen lese ich, dass er ein Ritter vom Heiligen Grab war, eines direkt vom Vatikan gestifteten Ordens, der das Motto „Gott will es so!“ (deus lo vult) führt. Unter dieser Legitimation war schon vor gut tausend Jahren mit den Kreuzzügen begonnen worden, die Jerusalem aus der Hand des Islam befreien sollte. Gottes Wille. Das finde ich beeindruckend schlank. So geht PR. Es ist in einem Satz alles gesagt. Da war ja das Koppelschloss der Wehrmacht noch zurückhaltend, das nur ein „Gott mit uns“ formulierte. Welch ein finales Argument! Angeblich soll es ein Ausruf der Menge gewesen sein, als zum Kreuzzug erstmals aufgerufen wurde, so der Mythos. Plausibler ist, dass die STELLVERTRETER dies den Massen in den Mund gelegt haben. Der Vatikan kannte sich aus in Legitimationsfragen. Mein Herr Vater knurrt noch heute: Sie haben Panzer gesegnet! Da bin ich nicht sicher. Aber sie haben zum Holocaust geschwiegen. Mit einem Satz einen Märtyrer schaffen können; das ist Rhetorik. Alle Achtung. Wie jeder CASUS BELLI veranlasst der KRIEGSGRUND den armen Tropf sein Leben zu opfern; nicht nur seins, auch das anderer. Selbstaufgabe. Andere Geschichte: Aus Frankreich höre ich die entsetzte Stimme eines Lehrers, dass die Enthauptung eines seiner Kollegen durch einen Schüler (wegen angeblicher Gotteslästerung mittels Karikatur) von der Mehrheit seiner Schüler zustimmend behandelt würde. Gott will es so. Diesmal der andere Gott, aber gleiche Logik. Nun will ich den braven Kollegen vom Heiligen Grab nicht mit einem islamistischen Attentäter vergleichen. Nihil nisi. Aber vielleicht tue ich es ja doch. In mir rebelliert die AUFKLÄRUNG gegen das Motto vom Gotteswille. Alle Kritik, hat der Bärtige aus Trier gesagt, beginnt mit der Kritik der Religion.