Logbuch

BÖSE TIERE.

Dass Katzen liebe Tiere sind und Mäuse böse, das haben ziemlich sicher nicht die kleinen Nager so festgelegt. Ich hatte mal einen Steinmarder unter dem Dach, der dort Nachbars Hühner sammelte und sie erst verzehrte, wenn sie schon Aas waren. Unschöne Begleitumstände. Daran dachte ich gestern, als ich nach getaner Arbeit die Füße auf den Schreibtisch legte und in den Abendhimmel starrte. In der Krone eines nahen Baumes unten an der Bachquelle, wo früher zwei Elstern hausten, sind nun neue Vögel eingezogen. Ich vermute Turmfalken. Nest geklaut; auch nicht schlecht. Aber die Elster hat ohnehin ein IMAGE-PROBLEM. Sie gilt als Nesträuber; sich vom Nachwuchs des Nachbarn zu ernähren, stört unser Ideal einer grünen Idylle. Zudem soll sie, die diebische Elster, Schmuck klauen, sogar den Ehering. So erklärt das der umtriebige Ehemann nach dessen Verlust. Diebische Elstern! Das stört unsere Vorstellung von einem heilen Sozialleben. Zudem, als wär all das noch nicht genug, galt die Elster im Altertum als Todesbotin. Mit so einer lädierten Reputation hat man keine gute Lobby. Und dann klaut dir noch so ein Falkenpärchen das Zuhause. Ruf ruiniert, Häuschen verloren. Womit ich bei den GRÜNEN und dem Verbot von Einfamilienhäusern wäre. Da hat der übergenährte Bauernlümmel Anton Hofreiter etwas losgetreten, das zwar faktisch so nicht gemeint war; es hat aber für viele Wähler eine höhere Wahrheit offenbart: nämlich, wohin eine ÖKO-DIKTATUR führt. Veggie-Day, die Zweite. Die Verbots-Partei. Zurück zu den Guten und den bösen Tieren. Es gibt die Vorstellung von Schädlingen und Nützlingen. Aber auch das ist ja keine Einteilung der Natur selbst. Sie stammt von Haustierhaltern, die ihre „pets“ betätscheln, krabbeln und beschmusen, aber bei einem Mäuslein unterm Esstisch hysterisch schreiend auf denselben springen. Die eigene Muschi ist eine Gute, das fremde Spitzmäuschen ein Horror? Das verstehen vielleicht Menschen, die Natur versteht es nicht. So viel für heute. Wie heißt der herzliche Gruß noch bei Kipling zum Abschied: „Gute Jagd!“ Hmmm. Nicht mehr zeitgemäß, jedenfalls nicht in allen Kreisen.

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BRIEFWAHL.

Wenn die Wahl eine Qual wird. Da sitzt er also, der DEUTSCHE MICHEL vor dem Wahlzettel und soll sein Kreuz machen. Gefangen im Vermeidungsverhalten. Diese scheinheiligen Zeitgeistopportunisten, die angeblich von allen Kids und insbesondere den wirtschaftsfernen Staatsbediensteten gemocht werden, die kann er nicht wählen; da blockiert ihn zunehmend der sprichwörtliche ERKENNTNIS-EKEL. Dann die Wahl zwischen Pest und Cholera, der linken und der rechten Seuche: dazu muss man ihm nix sagen. Keine Wahl. Und dann die Wahl zwischen den Konglomeraten, zwischen Pimmelpammel und Klimbim; von den einen hat er noch nie was erwartet und von den anderen ist er bitter enttäuscht. Fallen beide aus. Bleibt dem HOMO POLITICUS nur noch das kleine, aber feine Weltenkind in der Mitten; aber er kann im Bund diesen alerten Schülersprecher, der da vorturnt , nicht ernstnehmen. Und auch der emsige Generalsekretär in Mainz ist pomadig. Aber bei den anderen Parteien geht er ja auch nicht nach den Spitzenkandidaten. Er erinnert sich an WIILY WÄHLEN und GERD STATT BIRNE, zweimal der CHARISMATISCHE WECHSEL der Generationen. In der Ansage auf das Amt des Ministerpräsidenten in Rheinland-Pfalz eine sperrige Sozialarbeiterin und ein frischgewaschener Trottel; im Bund der abgeschmackte Scholzomat und ein rheinischer Grinsemann. Weit und breit kein CHARISMA. Gefangen im Vermeidungsverhalten. Was also soll er wählen, der deutsche Michel? Fragt sich selbst zermürbend der Politikmüde. Zettel falten? Vorsätzlich „ungültig“ wählen? Keine Antwort erwartet.

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MISFITS.

Neigungsehen sind ein seltenes Glück. Wenn ein Paar nicht passt, dann nennt man es eine „mesalliance“ im Französischen und „misfits“ im Englischen. Nicht auf jeden Pott passt jeder Deckel. Prinz Harry, der rothaarige Sohn von Lady Di, ist schon deshalb ein Depp, weil er aus der Netflix-Serie SUITS die Meghan genommen hat. Wir alle hätten, da sind sich meine Kumpel insgesamt einig, wir hätten natürlich DONNA genommen, die rothaarige Sekretärin von Harvey. Eine wirkliche Powerfrau, eine geniale Intrigantin, der heimliche Boss in der Anwaltskanzlei. Die englische Presse muss sich im Moment mit Palast-Skandälchen beschäftigen, in denen die Fehlgewählte eine Schmutzkampagne des Palastes rügt, dieser aber von Mobbing des Personals durch die Fehlgewählte spricht. Das Haus Windsor heißt in der TIMES übrigens kurz und bündig: „the firm“, die Firma. Ha! Man darf an zwei Grundregeln erinnern. Erstens die Regel, wie man mit Skandalen umgeht. Sie lautet: „Never explain, never complain!“ Man entschuldigt sich für nix und beschwert sich über nix. Zweitens, die goldene Regel bei Wahlverwandtschaften. Neigungsehen sind immer riskant (die Liebe mag verblühen …). Was wirklich hält sind Konvenienzehen, Zweckbündnisse. Oder weil es sonst passt, im Äußerlichen, etwa dem Fuchsigen. Rothaarige aller Länder, vereinigt Euch.

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LUSTGARTEN.

Gärten sind ein Spiegel des Lebens. Zeig mir Deinen Vorgarten und ich sage Dir, wie es um Deine Kultur bestellt ist. Wer Schottergärten anlegt, sammelt im Keller Frauenfüße. Mein Ernst.

Der englische Landschaftsgarten war schon immer ein gigantisches Unternehmen Kitsch. Es wurde der bäuerlich genutzte Grund an einem Herrenhaus umgewidmet in ein Postkartenmotiv der Idylle. Auf den kalten Inseln der kalten britischen Kaufmannsseelen entstanden mediterrane Paradise, in Andeutungen.

Da der Seehändler ihrer Majestät aus den fernen Kolonien seltene Pflanzen mitbrachte und man sich der Gartenkünste rühmen wollte, entstand hier jene Natur, in der wir auf indischen Bänken chinesischen Tee trinken und Gurkensandwiches zu uns nehmen. Der deutschen Unterschicht als Rosamunde Pilchers Gefilde geläufig. Die Gärtner der Idylle brauchten ein mutiges Herz und eine scharfe Schere.

Das Hobby von Adel und Großbürgertum wurde in den „cottages“ zur Attitüde. So blüht im Englischen der Gartenwahn in jeder Nische. Auch meine Gärten sind ein kleinbürgerliches Flickwerk von Rand- und Reststücken, das Fundstücke aus Baumärkten und Baumschulen bevölkern. Zehn Ginkgos ganz unterschiedlicher Vitalität, karge Stöckchen, denen der Nachbarbaum das Wasser nimmt, und auch ein stolzer Solitär, der sich an die Zehn-Meter-Marke macht. Viele der Gesellen weiß ich gar nicht zu benennen, einige gar Folge der Selbstaussäens, wohl mittels Vogelkot.

Andere, die ein früherer Gärtner jedes Jahr auf‘s Neue fällen wollte, etwa, weil deren Blätter nicht verrotten (Walnuss), die ich tapfer verteidigte. Der Kollege Nussbaum hat jetzt mehr als einen Meter Stammesumfang und verschattet den Nachbarn. Ha! Recht so.

Zwei kleine Teiche, 23 Fische, jedenfalls bis gestern. Katzen der Nachbarschaft bejagen die. Ein Marder, den ich zu bejagen suche, vergeblich; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Die Birne, von mir gepflanzt, gefällt mir, obwohl rätselhaft. Kerzengerade, von unten bis oben dicht mit Blüten und Blättern, aber keine Krone. Mein Gärtner sagt: „Die wird was; das sind Tiefwurzelnde!“ Tjo, wer will schon Flachwurzler. Im Garten wie im Leben.