Logbuch

LEBENSTRAUM.

Statt ins ALTERSHEIM als ADEL auf ein Schloss in der Normandie und im Renovierten romantisch Hochzeitsgesellschaften geben. ALTERSADEL. Bekloppt.

Auf jenem Fernsehsender um HOME & GARDEN, auf dem sonst Amis ihre Pappschachteln, die sie für Häuser halten, mit einem Styroporkamin und dem Tacker renovieren, läuft jetzt eine Serie zum LEBENSTRAUM arrivierter Engländer: Schlossherr in der Normandie werden. Ich staune.

Man kauft ein mittelalterliches Gemäuer, durch das ein halbes Jahrhundert der Wind gegangen ist, legt mal eben ratzfatz Strom da rein und Wasser und ab geht es. Ein Paradies mit Wassergraben und Schlossgespenst. Jetzt liegt die ganze Konzentration der Renovierung darauf, Blumendekoration zu fertigen und einen Kräutergarten anzulegen. Deko statt Kanalisation. Tjo.

Ich habe mal auf Einladung eines geschätzten Fürsten vom Ort mit Burgherren des Mittelrheintals über den Aufwand für die Erhaltung der alten Gemäuer reden dürfen und mir großen Respekt zugelegt. Der Staat zeigt sich hier bürgerlich; das möchte er dem Adel schon überlassen, jedenfalls vom Aufwand her. Was es kostet? Viel Geld, sehr viel Mühe, titanische Anstrengungen. Denn, was da solide und ewig zu stehen scheint, rast unerkannt in den Verfall, wenn man sich nicht sputet.

Das ist immer so. ENTROPIE. Denkmalschutz hat nichts behaglich Konservatorisches, es ist immer ein permanenter Neubau unter stark erschwerten Bedingungen und erheblichen geschmacklichen Voraussetzungen. Rekonstruktion ist Konstruktion. Was aber machen die Inglesen in der Normandie dann mit dem frisch getünchten Gemäuer? Geschäftsidee? Sie veranstalten HOCHZEITEN. Ich bin fassungslos.

All die Mühe, um den Event Clown für irgendwelche Hochzeitsgesellschaften zu geben? Darf ich den Prospekt von dem Altersheim noch mal sehen?

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HOODIE, DIE KAPUZE.

Junge Leute und finstere Typen tragen Pullover mit Kapuze. Auch Mütze und Kappe kommen wieder. Und natürliche Schutzwolle, sprich Vollbart. Neue Wilde.

Meine Frau Mutter war stets alarmiert, wenn man mit nassen Haaren an die frische Luft ging; sie wähnte das als Ursache von Erkältung, wenn nicht der Grippe. Ich habe aber Schal und Mütze gehasst. Man sah dann immer aus wie ein Muttersöhnchen. Oder, was schlimmer war, wie ein Mädchen.

Nun hatten die, die unter die Haube sollten, prächtiges Haupthaar, die Jungens wurde geschoren. Froren also leichter. Das haben dann erst der Rock-and-Roll und die „Pilzköpfe“ geändert. Man trug sodann auch als Mann „Matte“. Heute wird mindestens eine Seitenfläche des Schädels wieder geschoren. Aber wir waren bei Kapuze, der Cappa oder Haube.

Ich sehe mit dem Huddie auch erwachsene Männer, die sogenannte Start-up-Unternehmen betreiben, wozu unbedingt auch weiße Turnschuhe gehören. Es gibt einen strikten DRESS CODE, für jene, die dress codes ablehnen. Im Nacken den Huddie und im Gesicht einen wilden Bart. Hippster nennt sie eine junge Frau, die sich in der Szene auskennt.

Was ich noch von ihr über die Vollbärtigen erfahre, die sich wilde Haarmonster um die Mundwinkel sprießen lassen, denen gelegentlich auch Hinweise auf das gestrige Mittagessen zu entnehmen sind: die Herren rasieren sich die Beine und dazwischen. Nicht ihr Ernst!

Manchmal fühle ich mich wie ein Anthropologe im metropolen Urwald auf Entdeckungsreise zu neuen Wilden.

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VERTEUFELT.

Wer das absolut Böse kennt und bekämpft, kann schlecht Kompromisse machen. Aus der Verteufelung gibt es keinen Ausweg. Die Grünen sitzen in dieser Lebendfalle.

Wenn das vordringlichste Problem das des Klimawandels ist (und der durch Verbrennungen verursacht wird, vulgo menschengemacht ist) und alles, aber auch alles an der Emission von Kohlendioxid gemessen werden muss, dann muss man unter allen Umständen aus jeder VERBRENNUNG raus. Greta-Logik.

Wenn Importenergie die Exporteure mächtig macht, sei es den islamistischen Scheich via Öl oder den russischen Imperialist via Gas (und die amerikanischen Multis das wissen) und man deren Übermacht nicht will, dann braucht man eine HEIMISCHE Energieversorgung.

Nach diesem Chiasmus bleiben nur Sonne, Wind und Atom. Sonne und Wind sind teuer, sehr teuer. Atom könnte helfen. Auch als WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG durch günstigen Strom. Das zerreißt die AKW-Rentner bei den Grünen. Politiker der ersten Stunde, die schon in Castor-Transporten den Weltuntergang sahen. Oder simulierten. Halt, stopp! Bei den Grünen in Deutschland. In Frankreich versteht man das, in England, in Schweden, in Finnland, you name it. Von den USA und China nicht zu reden.

Jetzt kommen die Hilfsargumente. Uran werde knapp, deshalb sei die Kernenergie nicht nachhaltig. Himmel hilf. Die Brütertechnologie kommt so wieder zu Ehren. Es gebe noch kein Endlager. Ach, das erste in Finnland steht zur Eröffnung. Die Baukosten stiegen. Ja, wie bei der Elbphilharmonie. Die Abfälle strahlten über Generationen. Stimmt, aber das emittierte Kohlendioxid stirbt ja wohl auch nicht freiwillig und friedlich mit siebzig. Alles Scheingefechte.

Das Problem der Zauberlehrlinge: So hilfreich die Verteufelung in der Opposition ist, so vertrackt ist sie in der Regierung, wenn es gilt mit Augenmaß Kompromisse zu schließen. Jetzt gilt es mit Beelzebub zu buhlen.

Die grüne Revolution frisst ihre Kinder. Stimmt das? Schwerer Gedanke.

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WAS MAN NICHT WEISS.

Selbstzweifel können ein Zeichen von Intelligenz sein. Hoffe ich. Sonst bliebe mir nur das Eingeständnis, dass ich keine Ahnung habe. Zum Beispiel WAGNER.

Ich habe keine Ahnung, was in Russland passiert ist, was den Putschversuch der Söldnertruppe WAGNER betrifft. Keine. Und die Medien machen mich nicht schlauer. Von den abgeschmackten Talkshowrunden erwartet das ja auch niemand mehr. Nicht mal Professoren der Bundeswehrhochschulen wissen mich noch zu erleuchten.

Nun lese ich, dass amerikanische Geheimdienstkreise den Putsch schon lange erwartet hätten. Das steigert meine Skepsis weiter. Sind das die gleichen Kreise, die die Sabotage der Unterwasserpipeline, angeblich durch ukrainische Kräfte, schon lange erwartet haben? Ich weigere mich, den Verschwörungstheorien im Netz auch nur zu lauschen. Stichwort: PC von Joe Bidens Sohn. Schluss damit. Stand: Ich weiß nicht, was da los ist.

Man könnte eine Professorin der Bundeswehrhochschule fragen. Ich sehe da eine auf Twitter, die den sozialen Mut hat, in der Öffentlichkeit Zigaretten zu rauchen. Wir reden von Tabak, Ihr Kiffer! Mahlborro. Man findet die Held:innen:Tat in den Feuilletons gepriesen, dass sie sich eine angesteckt habe; und zwar von ihr selbst. Sie sagt auch wo und bei wem; und es fallen für den Insider seriöse Namen. Aber, Himmel hilf, welch eine Pose.

Einen, den ich ernsthaft hätte fragen wollen, was da los ist, im Kreml, den hat der Herrgott schon abtreten lassen; meinen alten Chef bei der Ruhrgas AG; und von denen, die noch da sind, trau ich keinem. Also lerne ich damit umzugehen, dass ich nicht wissen kann, ob der Putsch ein vorgetäuschter war und wenn warum. Mir ist eine Formulierung des großen IMMANUEL KANT geläufig: „Was kann ich wissen?“ Das kann ich nicht wissen.

Was ich aber weiß, ist, dass eine Hochschule der Bundeswehr keine Universität ist. Das sind zwei oder drei Anstalten zur Ausbildung von Offiziersanwärtern. Wenn Schütze Arsch ins Casino will. Zutritt zur Hochschule erhält, wer körperlich und charakterlich geeignet ist (da wär ich schon ausgemustert) und Fachhochschulreife hat (das würde ich schaffen). Lehrkörper:innen müssen auf Lunge rauchen können.

Darf ich als „anerkannter KDV“ (und Ersatzreserve II) erwähnen, dass ich auch aus Kreisen der Militärs keine Erleuchtung erfahren habe, was in Russland los ist. Nicht mal von Merkels Brigadegeneral. Ich werde mal Doris in Hannover fragen, ob sie von Boris näheres weiß. Was? Die sind nicht mehr zusammen? Ich bin echt aufgeschmissen.