Logbuch

Erziehung in der Kleinfamilie konnte, wenn sie gelang, ein Idyll sein, in dem ausgewogene Persönlichkeiten heranwuchsen. Internaterziehung konnte, wenn es misslich lief, ununterbrochenes Mobbing sein, Bettnässer produzierend, die vom Quälen und Gequältwerden ein Leben lang nicht mehr lassen konnten. Warum sage ich das? Das Kommunikationsmilieu auf TWITTER ist von Heimzöglingen geprägt. Überall der Furor von jakobinischen Bettnässern. Mich fröstelt.

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Provinz vs Metropole. Wie entlegen ist der Westerwald? Nun, die Lahn zur einen Seite, Mittelrhein und Mosel zur anderen. Von den vier Flughäfen in der Nähe schließt jetzt allerdings einer, so dass nur Frankfurt, Köln/Bonn und Düsseldorf bleiben. Alle drei in Betrieb und mit Zuganbindung. Bahnstrecken zwei: ICE ex Montabaur oder Koblenz. 15 oder 30 Minuten entfernt. Autobahnen zuhauf. So, und jetzt Du, liebes Berlin, einsamer Sehnsuchtsort mitten in Brandenburg. Brandenburg!

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Corona wird, wie früher Pest und Cholera, die Metropolen als Moloch diskreditieren und das Landleben erstrebenswert erscheinen lassen. Von wo man an Video-Konferenzen teilnimmt, ist egal, dann doch lieber aus der Idylle. Wir bauen gerade auf dem Dorf Bauernkotten um in Co-Working-Places, vierhundert Jahre alte Gebäude. Das Internet erlaubt die räumliche Atomisierung bei kommunikativem Zentralismus; sprich das Ubiquitäre.

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NATIONALCHARAKTER.

Ich gehöre zu der Generation, die noch den Ruf „Ho-Ho-Tschi-Minh“ auf den Straßen Berlins gehört hat. Und T-Shirts mit dem Konterfei des kubanischen Revolutionärs Che Guevaras trug. Ein eigenartiger Exotismus. Jedenfalls gehörte man hierzulande zum besseren Teil der Welt. Die USA hatte man im Verdacht des IMPERIALISMUS.

Die ernstzunehmende Erinnerungskultur meiner Generation beschäftigte sich mit der Vorgeschichte und der Wirklichkeit des Zweiten Weltkriegs. Es waren Fragen an die junge Bundesrepublik danach, wie sich ihre Träger in der Weimarer Republik, zur Machtergreifung, dem verbrecherischen Angriffskrieg und dem Völkermord, insbesondere dem Holocaust verhalten hatten. Das war im Kern die Auseinandersetzung mit dem Erbe des FASCHISMUS, das wir gerne ausschlagen wollten. Gefragt war die Generation der Väter und Großväter.

Mittlerweile geht die Debatte um HISTORISCHE POLITIK noch ein, zwei Generationen weiter zurück. Wir schauen auf das ausgehende Kaiserreich und den Ersten Weltkrieg. MILITARISMUS und das Wirken in den KOLONIEN wird Thema. Wir sind bei den Groß- und Urgroßvätern. Auch da scheint es ein Erbe zu geben, das man ausschlagen könnte. Ich erinnere mich noch an die Frage eines von Bonn nach Berlin verlegten Spitzenpolitikers, worauf sich die Siegessäule („Goldelse“) historisch beziehe. Als sein Büroleiter vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 sprach, fragte er: „Und wer hat den gewonnen?“

Mich stört auch an der KOLONIALISMUS-Debatte der Exotismus des Themas. Andererseits alles vor der eigenen Tür. Ich lerne was zur Teilung der Niederlande im 15. Jahrhundert, die Entstehung Belgiens und dessen Wirken als Königreich im 19. /20. Jahrhundert in seinen afrikanischen Kolonien. Meine Güte, selbst Deutschland soll in Afrika Kolonien gehabt haben, das hätte ich jetzt aber nicht gedacht. Ist die Geschichte vor 1870/71 wenigstens halbwegs okay?