Logbuch
JOSEFI.
Heut ist der JOSEFI, der Josefstag. Fast vergessen, zeigt er doch, dass es Tradition gibt, die zu erhalten, es allemal wert gewesen wäre. Gefeiert wurde dereinst der Gatte der Mutter unseres Religionsstifters. Warum so kompliziert? Nun, MARIA & JOSEF waren zwar die Eltern des Nazareners, aus der Konfiguration jeder Krippe klar erkenntlich (plus Ochs und Esel und drei Zukunftsforscher aus dem Orient). In der Mitte das Jesuskind. Das war es dann aber auch schon mit der Glaubensgewissheit.
Josef, der Schreiner, war nur der „Nährvater“ von Jesus, nicht der Erzeuger, weil man seiner Mutter einen Status zugebilligt hat, der narrative Folgen hatte. Maria war demnach frei von der Erbsünde und musste folglich nicht ins Fegefeuer; damit musste ihre Empfängnis aber „immacolatus“ sein, unbefleckt, womit Gottessohn eben auch dessen (!) Sohn sein musste, also eine Jungfrauengeburt anzunehmen war. Eine theologisch höchst verwickelte Angelegenheit. Ganze Schlachten zwischen den Orden des Mittelalters haben darum stattgefunden.
Ich könnte die Dinge weiter komplizieren, indem ich nach MARIA MAGDALENA frage, nach der anderen Maria im Leben des Messias. Da gäbe es einiges zu fragen. Das ist aber, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Den JOSEF zu feiern, ist sicherer. Er ist der Heilige der Handwerker, damit der Held der Arbeit. Er hat sich um die Alimente nicht gedrückt, also ein anständiger Kerl. Und er steht für den Starkbieranstich, ein rechter Maibock. Darauf ein Festmärzen.
Das darf der Christenmensch. Eben diesem JOSEF verdanken wir nämlich den Leitsatz: „Flüssiges bricht Fasten nicht!“ Was könnte klüger sein?
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NEOPHYTEN.
Das Stichdatum wirkt komisch, der Grundgedanke ist vertraut. Wenn Pflanzen in Gebiete eingeführt werden, in denen sie natürlicher Weise nicht vorkamen, und zwar nach 1492, der Entdeckung Amerikas durch Columbus, dann gelten sie als NEUPFLANZEN, auf griechisch NEOPHYTEN genannt. Fremde, Zugezogene.
Der Kern des Problems liegt aber nicht in der Herkunft; niemand würde sich aufregen, wenn die Fremdlinge in einer Nische der Natur so vor sich hin krepeln würden. Das Gewächs aus fernen Landen gedeiht aber unter Umständen prächtig. Spätesten an dieser Stelle sollte man seinen eigenen Worten misstrauen. Es klingt der Jargon der Sozialdarwinisten an, die ihr menschenfeindliches Gedankengut der Biologie entlehnen. Ich erinnere mich eines Abends, an dem ich dank eines bösen Zufalls mit Thilo Sarrazin und Gattin an einem Tisch saß und auf das freudloseste Paar der Welt schaute; ein furchtbarer Anblick.
Im Garten geht jetzt der Kirschlorbär nicht mehr. Er wächst zwar wie Bolle, nährt aber nicht den lustigen Piepmatz oder Biene Maja und ist giftig. Dazu habe ich zwei Hinweise. Erstens verzehren wir die anderen Sträucher auch nicht; wir unterhalten schließlich keine Nutzgärten. Zweitens sollen die Vögel an der eigens für sie eingerichtete Futterstelle die Sonnenblumenkerne fressen, zu meiner Augenfreude; und sich nicht andernorts wild den Bauch vollschlagen. Trotzdem ist in der Schweiz jetzt der Neophyt Kirschlorbär untersagt.
Ähnliches gab es vor Jahren schon in England zum Rosendendron, der angeblich alles niederwucherte. Und bei den Essig&Ölbäumen, die die Straßenränder säumen. All diese Gesellen gelten als INVASIV; sie breiten sich angeblich rigoros aus, weil sie keine natürlichen Feinde haben. Das ist zunächst natürlich Unsinn. In meinem Garten stehen die deutschen Äpfel in bestem Einvernehmen mit Gesellen aller Herren Länder; selbst die Birne kommt eigentlich aus Asien.
Nun sind wir beim Wesen des Gartens. Ein anständiger Garten hat keine Wiese, sondern einen Rasen. In ihm wuchern nicht Sträucher, sondern gedeihen Hecken. Ein toller Baum dank seine Erhabenheit dem Schnitt. Denn ein guter Gärtner hat ein mutiges Herz und eine scharfe Schere.
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FRÜHLINGSERWACHEN.
In der großen Kastanie zeigen sich an allen Zweigen Knospen; noch ein, zwei Sonnentage und er ist da, der FRÜHLING. Nun wird die lange Nacht Tag um Tag zurückgedrängt. Es beginnt, für Schwärmer, der ewige Sommer.
Ein abgeschmacktes Goethe-Zitat vom Osterspaziergang kommt mir in den Sinn. Aber das ist, wie alles an dem thüringischen Dichterfürsten, überschätzt. Man zitiert ihn nicht, den Johann Wolfgang. Viel interessanter sind Wedekind und Ehrenburg. Beginnen wir mit dem jüdischen Russen Ilja Ehrenburg, der so viel geschrieben hat, dass man ihn schon zu Lebzeiten als SKRIBENTEN verächtlichen wollte. Von ihm stammt die Überschrift zu einer ganzen Epoche, wenn nicht das Motto eines veritablen Traums: TAUWETTER.
Kann der Kommunismus den stalinschen Frost sprengen und einen demokratischen Sozialismus gebären? Nun, im Moment sind die Frühlingsgefühle bei den Anrainern Russlands nicht sehr ausgeprägt. Dass hier ein Frieden ausbricht, wie es in Brechts MUTTER COURAGE heißt, das droht den Kriegsgewinnlern wohl nicht. An Ehrenberg wurde nicht nur kritisiert, dass er sehr viel schrieb und es sehr journalistisch zugehen ließ, sondern dass er ideologisch unzuverlässig war. Vor einer Erwartung, dass man vom Saulus zum Paulus werden müsse, erhielt er den Spitznamen PAULUS SAULOWITSCH; das finde ich echt komisch.
In Wedekinds FRÜHLINGSERWACHEN geht es um liberale Sehnsüchte im autoritären Kaiserdeutschland, dem Wilhelminischen. Unter anderem der Kulturentscheidung zu einem eigenen Recht der Frau über ihren Körper, dem Naturrecht auf Abtreibung, so zeitig vollzogen. Das ist ein Kern des Matriarchats, den Männerherrschaft niemals nehmen kann. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Jetzt also Frühling und die sprichwörtlichen FRÜHLINGSGEFÜHLE. Möge der Sommer sehr lang sein.
Die literarische Kernschmelze dieser Tage ist der FDP zuzurechnen, die auf Wahlplakaten Agnes Strack-Rheinmetall als OMA COURAGE titulierte. Darf ich als Brechtkenner folgendes beisteuern: Der Krieg ist die Fortsetzung der Geschäfte mit anderen Mitteln. Jeder Versuch der zum Kanonenfutter vorgesehenen Kleinen Leute, sich hier als Marketender:innen ein wenig Brot vom großen Laib zu schneiden, endet im Unglück. Die Marketenderin verliert alles. Annalena Baerbock ist schon die TOCHTER COURAGE von den Grünen; was müssen die Gelben dann noch eine Oma liefern?
Übrigens heißt die Tochter der Marketenderin bei Brecht KATTRIN, nicht Annalena. Und sie ist stumm. So viel Glück haben wir mit der jungen Frau Baerbock nicht. Sie redet.
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AMPEL AN.
Die neue Bundesregierung steht. Was habe ich zu meckern? Nichts. Die Ampel repräsentiert die linke Mitte mit einer Mannschaft mittlerer Qualität. Ich erleide einen Anfall von Altersmilde.
So schlecht war das nicht, was die SPD unter Lars Klingbeil und Olaf Scholz da gekonnt hat. Kluges Kalkül mit Konsequenz durchgesetzt. Aus alten Fehlern gelernt. Mit Wasser gekocht? Klar. Aber gekocht. Die Eier sind hart. Das gilt auch für die FDP unter Christian Lindner. Und die Grünen unter Robert Habeck. Für die Ampel insgesamt. Ob ich etwas geraucht habe? Nein. Vor dem Frühstück getrunken? Nein. Nehme ich Valium? Im Leben nicht.
Natürlich sehe ich die mittleren Talente in dieser Riege, die da ins Kabinett einrückt. Natürlich hat der künftige Kanzler Vertraute um sich versammelt. Natürlich ertrage ich den Bullerbü-Ton der Dame aus dem Völkerrecht nicht. Aber: Wie es nicht (!) geht, das sieht man ja an der LINKEN und an den KONSERVATIVEN der UNION (ja, auch an der AfD, aber das steht ja nicht zur Debatte).
Ich lerne, dass MALU das Konzept der Ampel, jedenfalls das der NEUEN SPD erdacht habe. Ist das so? Dazu will ich nichts anmerken, da ich zeitweise in deren Hoheitsgebiet lebe. Wenn sie den Ruhm will, soll sie ihn haben. Und die Berliner Koalition (r2g) soll etwas ähnliches sein, die da von Franziska Giffey angeführt wird. Auch dazu mag ich als zeitweiser Berliner nichts sagen. Wenn sie den Ruhm will... Jedenfalls ist dies die linke Mitte der Gesellschaft, repräsentiert von Mannschaften mittlerer Qualität, angeführt von mittleren Talenten.
Was bleibt, ist die Hoffnung, dass das reicht.