Logbuch
GEKÜRZTER EINTRAG.
Eine Gesinnungsjournalistin der TAGESSCHAU schnattert, dass ein ihr unliebsamer Zeitgenosse durch einen Presserechtsanwalt vertreten werde, der bereits wegen suspekter Mandate bekannt sei. Das ist erstaunlich dumm.
Gelegenheit zu einer allgemeinen Anmerkung. Ohne jeden Bezug auf einen konkreten Fall oder gar eine bestimmte Kanzlei. Ich werde auch auf Nachfrage nicht konkreter. Anmerkung: Dieser Eintrag wurde ohnehin bereits gekürzt.
Selbst Gestrauchelte haben das Recht auf einen Anwalt, in Strafverfahren gar die Pflicht. Und der Anwalt des Eierdiebs ist kein Eierdieb, jedenfalls nicht wegen des Mandats. Im Feld des Presserechts, ein eher kleines Rechtsgebiet, weil eine überschaubare Zahl von Fällen, tummeln sich allerdings auch bunte Vögel.
Hier entsteht zuweilen der Eindruck, dass das Interesse an Eigen-PR gelegentlich über der Fürsorge zugunsten des Mandanten stehen könnte. Die Not zur Akquise von neuen Mandaten scheint zu einem öffentlichen Agieren zu animieren, das für die Seriösen alter Schule, wie sie mir sagen, an Parteienverrat grenzt.
Von weiteren Ausführungen, insbesondere Fingerzeigen, hat mir mein Anwalt abgeraten. Und auf den hör ich. Nein, kein Name.
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SCHMIERENTHEATER.
Von einer Posse erwartet man keinen Anstand. Von den Haupt- und Staatsaktionen schon. Diese liberale Gesinnung wird enttäuscht, nicht nur von Schuften.
Ich äußere mich nicht wertend über Journalisten, weil mir das als PR-Manager nicht zusteht. Nicht mal über die barocken Zustände im Öffentlich-Rechtlichen. Jeder möge vor seiner eigenen Türe kehren (und ich kehre vor meiner).
Ich habe nichts zu berichten über die Rufmordtechnik der unterschobenen Zitate, weil ich dann über historische Umstände sprechen müsste, zu denen ich schweigen will. Wenn die Wunden verheilt sind, schmerzen die Narben.
Aber mich stört an dem sogenannten Döpfner-Gate weniger die Niedertracht des vermeintlichen Informanten, der dort wohl Rache an seinem alten Chef übt, als die moralische Oberwelle, mit der die ZEIT diesen Verrat zu einem Sieg gegen Rechts stilisiert. Ich bekomme von solcher Doppelmoral immer noch Ausschlag.
Und das hätte ich in jüngeren Jahren nie gedacht, dass mir die linksliberale ZEIT mal peinlicher ist als die konservative NZZ. Aber ich hätte ja auch nicht gedacht, dass Angela Merkel sich hergibt für eine Ordensverleihung des Frank Walter Steinmeier an sich selbst. Aber genau das ist gestern geschehen.
Schmierentheater.
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SÄBELRASSELN.
„Schlimmer als wir waren in Afrika nur die Belgier in ihren Kolonien.“ Das sind so Sätze, die mich von den Füßen hauen. Die Geschichte reduktiv zu lesen, das ist ein schwieriges Unterfangen, dem sich der Stammtisch aber stellt.
Das aktuelle Säbelrasseln der feministischen Außenpolitik animiert wohl solche Stammtischdiskussionen, neuerdings auch der linken und der grünen Spießer. Ich höre das von einem erkennbar grünen Stadtführer auf der Aussichtsplattform der Berliner Siegessäule, am Ort kurz GOLDELSE genannt. Gesäumt werde sie von Denkmälern der Militärgeschichte: VON ROON und VON TROTHA.
Ende des 19. Jahrhunderts ging Deutschland daran, es in Afrika den Engländern und anderen Kulturnationen gleich zu tun und endlich auch eine KOLONIE zu errichten. DEUTSCH SÜD WEST wurde der Ort eines Völkermords, den preußisches Militär im Namen des deutschen Kaisers vollführte. Opfer war der Stamm der Herero und andere Einwohner, sprichwörtlich als Hottentotten verunglimpft. Erinnert wird der Vernichtungsaufruf des kommandierenden VON TROTHA. Ein böses Kapitel deutscher Geschichte, auf das für das afrikanische SÜD WEST weitere folgten, unter anderem die des südafrikanischen Apartheidregimes.
Ich erinnere aus den Gesprächen meiner Kindheit, dass dieses und jenes in meiner Geburtsstadt in der VON TROTHA STRASSE zu erledigen sei. Das war in Oberhausen-Sterkrade eine feste Größe. Der SPIEGEL hat dies vor kurzem noch vor dem Botschafter Namibias als Skandal zur Sprache gebracht, dass in einer deutschen Stadt ein Rassist und Völkermörder durch eine Straßenbenennung geehrt würde.
Eine schlichte Namensverwechslung, die auch die Dokumentation des SPIEGEL nicht entdeckt hatte. In Sterkrade wird ein Ortsbürgermeister geehrt, der lediglich so hieß wie der preußische Schlächter. Und an der GOLDELSE wird nicht er, sondern ein Militärreformer namens ROON geehrt, dessen Reform es zu verdanken sei, dass wir 70/71 die Franzosen vernichtend schlugen. Höre ich. Es wird irgendwie nicht besser.
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HUT UND STOCK.
Am Freitag durch Berlin geschlendert, gestern langer Spaziergang im Westerwald; man lebt in den perversen Zeiten, wo das Taschentelefon die Schritte zählt und eine Meinung dazu hat, ob es denn nun reiche mit der Bewegung.
Handy-Diktatur.
Man kommt in die alberne Lage von Hundebesitzern, deren freier Wille durch das Bedürfnis der Töhle ersetzt wird, in Nachbars Garten zu kacken und Laternenpfähle zu markieren. Im allgemein trägen Berlin sehe ich dazu regelrechte Dienstleister, die ein ganzes Rudel von Fiffis durch den Grunewald führen. Auf dem Land gehen Herrchen und Frauchen noch selbst, respektive das Haustier mit ihnen. Nach meinem Eindruck sind Spazierdackel hier seltener.
Mit dem Spaziergang hat es eine eigenartige Bewandtnis. Man geht, aber man geht nirgendwo hin; eigentlich eine ziellose und insofern zweckfreie Tätigkeit. Selbst der Wanderer will wo hin, auf den Gipfel, durch den Wald, an die Quelle. Spazieren ist im Schillerschen Sinne ein Spiel. Der Spaziergänger ergeht sich. In den Städten flaniert, auf dem Lande lustwandelt er. In beiden Fällen kein Sport, schon gar nicht Arbeit. Auch kein Kampf, obwohl bewaffnet. Womit wir beim SPAZIERSTOCK sind.
Dieses Hilfsmittel der Ambulatoren ist eine eigene Kulturgeschichte wert. Der Stock ist verwandt mit der Krücke des Gebrechlichen, wird aber weniger als drittes Bein genutzt als zum Spielzeug eines Zweibeiners, der mit den überflüssigen Extremitäten, den Armen, eigenartig wedelt. Der städtische Dandy trägt ein kunstvolles Exemplar, der Wandergeselle ein seltenes Astwerk und der englische Offizier ein Symbol seiner Autorität; alle drei prahlen mit ihrem Stab, wozu Freud was sagen könnte.
Bei mir sammeln sich Spazierstöcke, auch vor Jahrzehnten selbstgeschnitztes Urlaubsbeiwerk. Der König der Stöcke aber ist der Eispickel genannte Stock mit Dorn, Hacke und Schaufel sowie Handschlaufe, der das alpine Bergsteigen ermöglicht. Ein nützlicher Geselle und fürchterliche Waffe zugleich. Leo Trotzki ist mein Zeuge.