Logbuch

WER EIN BLATT BESITZT.

Ein Machtwechsel führt immer zu einer neuen Orientierung jener, die von ihr leben, indem sie aus der Gunst der Gönner gute Geschäfte machen. Ich lese gerade einen kleinen Abriss zur Entwicklung der WASHINGTON POST, von ihren Freunden nur kurz POST genannt. Das Blatt begründet den Mythos einer freien Presse; namentlich von privaten Verlegern und mutigen Reportern, die den Regierenden auf die Finger schauen und gelegentlich auch hauen. Der hehre Traum aller Schreiberlinge, so sie einen Verleger finden.

Der amerikanische Präsident Richard Nixon wurde von der POST zu Fall gebracht, Stichwort Watergate; eine Geschichte, zu der ich bis heute eine sehr skeptische Haltung habe, aber ich bin ja auch kein Investigativ-Journalist, der unbekannten Quellen gezielte Denunziationen brav abnimmt. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Mir hat noch nie ein Blatt gehört; vielleicht mit Ausnahme der Schülerzeitung, von der ich nicht mal mehr den Titel weiß. Die Brotlosen bloggen.

Die POST ging, weil viel frisches Kapital von Nöten, an einen Oligarchen, den Gründer von Amazon, einen alerten Bubi namens Jeff Bezos, der dem Blatt schwor, dass sich an der verlegerischen Liberalität nichts ändere, da er nun damit spielen dürfe. Es gibt nun ein Narrativ, wie die Neue Rechte die Bude und den Bubi schrittweise einhegten. Ein Lehrstück. Darin die Episode, dass der amtierende Präsidentengattin die Rechte ihrer eigenen Lebensgeschichte von Bezos nach einem geneigten Dinner für 40 Mille abgekauft wurden; 28 für die Lady.

Dazu werde ich mich nicht ironisch einlassen. Ich habe solche Beckmesserei schon vermieden, als Maschi dem Gerd zwei Mille für dessen Lebensgeschichte zahlte. Was hier allenthalben Platz greift, ist nämlich der Neid der Besitzlosen. Damit meine ich nicht die klammen Zahlungsempfänger. Und auch den Erwerbern der Rechte habe ich keine Patzigkeiten zu sagen. Wenn der Gerd den Maschi schätzte, dann wird er gewusst haben, warum. Ich kenne nur neidische Neider, bin aber selbst dazu nicht begabt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Mein Ernst.

Der Neid der Besitzlosen meint hier nicht GELD; er beschreibt vielmehr jene, die nix zu erzählen haben. Die Memoiren von Olaf Scholz an der Seite seiner fabelhaften Frau Britta in der miefigen Mietbude in Potsdam, das interessiert keine Sau. Mein ganzes Leben ist voll von Gestalten, die auf die Gnade des Vergessens hoffen dürfen. Aber den mächtigsten Mann der Welt in Unterhosen, sprich aus der Sicht einer übellaunigen osteuropäischen Schönheitskönigin, das wäre mir die Knete wert, wenn ich sie hätte. Ich habe sie aber nicht. Mir gehört kein Blatt. Dabei fängt die Meinungsfreiheit dort erst an, wo man Verleger wird. Alles richtig gemacht: Bravo Bezos!

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LAUTER LEERAUFTRÄGE.

Der geschiedene Vize-Kanzler Robert Habeck ist an eine amerikanische Elite-Universität berufen worden; höre ich. Professorale Würden für einen deutschen Vordenker. Davon stimmt, wie immer in der Politik, nur die Hälfte. Meist weiß man nicht mal, welche.

Deshalb der Reihe nach. Erst Lehrling, dann Geselle, dann Meister. Bei den Freimaurern gibt es dann auch noch den Großmeister. Im Akademischen geht das ähnlich. Man macht sein Abitur und erlangt die Allgemeine Hochschulreife. Und wer von dieser Welt, fragt nach, an genau welcher Penne…Ich kläre unten auf, warum.

Man schließt sein Studium in überschaubarer Zeit mit dem üblichen Abschluss, in angezeigten Fächern mit beiden Staatsexamen, und promoviert. Der Doktortitel wird möglichst mit Prädikat erlangt, was ein „cum laude“ tunlichst mit den Vorsätzen von „magna“ oder „summa“ ausweist. Die Juristen machen ein unheimliches Gewese darum, dass es „Einser“ bei ihnen gebe. Ich habe beide Staatsexamen, also auch die Assessorenprüfung, „mit Auszeichnung“ hingelegt, weil das unter uns Jungs so üblich war. Für weniger stand man nicht auf.

Man zeigt in der Diss. eigenständige wissenschaftliche Leistungen. Dann vertritt man ein Fach; das ist mehr und erheblicher. Der Promovierte habilitiert sich mittels Habil-Schrift und erhält seine „venia legendi“, um als Privatdozent (PD) im Leben zu stehen. Dort erhält er dann, wenn die Publikationsliste stattlich und die Reputation so weit wie breit, einen Ruf, den er annimmt oder eben nicht. Habeck hat niemand gerufen, weil man ihn gar nicht rufen kann. Habeck sitzt auch auf keinem Lehrstuhl; er hat einen Leerauftrag in Berkley (pun intended).

Ich selbst habe es zu meiner aktiven Zeit auch nur zum Honorar-Professor gebracht, die so heißen, weil sie keins kriegen (no pun). Und an meiner Penne machte jeder Abi, der beim Schülerkabarett mitmachte; ich durfte mich schon in jungen Jahren als Autor des Satirischen bewähren, da wurde eine mangelhafte oder gar ungenügende Leistung in Mathe und Franz schon mal durchgewinkt. So rutschte ich mit durch und fiel in den Schoß der Alma Mater.

Jetzt zum amtierenden Vizekanzler Jens Klüngelbiel. Der holt sich gerade seinen Wirtschaftsweisen, einen gewissen Professor Jens Südekum, von der Universität Düsseldorf; höre ich. Kann ich mal dessen Habil sehen? Daran stimmt im Zweifel auch nur die Hälfte. Düsseldorf hat nach meiner Kenntnis gar keine Uni, nur eine PH. Und Abi soll Südekum in Goslar gemacht haben. In Goslar. Wie Professor Sigmar Gabriel. Kann ich mal dessen Habil sehen?

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HELDENSAGEN.

Es scheint ein runder Geburtstag ins Land zu gehen. Überall sehe ich das Pinselponem von THOMAS MANN. Ich verachte ihn. Man präsentiert wiedermal die Gewissensnöte eines Familienvaters von sechs Kindern, der nur schwer Herr seiner schwulen Neigungen wurde. Ich erinnere mich an eine Verfilmung von „Tod in Venedig“, die mir schwerverträglich schien. Seinem Bruder HEINRICH verdanken wir einige satirische Momente; leider war der aber kein Könner der großen Form.

Von der Engländerin JOANNE K ROWLING, die weltweit 600 Millionen Bücher verkauft haben soll, habe ich noch nie auch nur eine einzige Zeile gelesen. Daran wird sich auch nichts mehr ändern. Eigentlich geht es mir auch so mit dem großen französischen Gesellschaftsroman; zu langatmig, insbesondere Balzac. Lese ich schon gar nicht im Original. Mein Französisch reicht nicht. Das Englische reicht für RUDYARD KIPLING; allerdings stelle ich dabei mein Bier auf ein umfängliches Lexikon, das zu benutzen ich mich nicht scheue. Ich bin mir bewusst, dass der Engländer in Indien geradezu verfemt ist und ich verstehe, warum. Verfallene Macht.

Ich werde als nächstes von DANIEL KEHLMANN die Darstellung des Präfaschismus lesen, die er an einem Porträt des Regisseurs G. W. PABST vorgenommen hat; soll „Lichtspiel“ heißen. Die deutschsprachige Kritik hat das Buch durchgewunken; ich lese in der New York Book Review dazu aber sehr Nachdenkliches. Die Szene zwischen Goebbels und G. W. Pabst soll das ganze Buch wert sein. Im Kontext dessen fragt mich ein Freund, ob ich glaube, dass der Pfälzer über den Buren stolpere und dann der Hinterwäldler zusammen mit Sir Peter übernehme. Keine Ahnung.

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NULLA SALUS BELLO.

Im Krieg liegt kein Heil. Keine Heilung durch den Krieg. So denkt der Pazifist. Der deutsche Pazifist, weil sein Vaterland noch jüngst zwei Weltkriege angezettelt hat. Was aber ist der KRIEGSGRUND?

Es gehört zur militärischen Paradoxie, dass für jeden ANGRIFF die VERTEIDIGUNG bemüht wird. Möglicherweise ist das selbst für den willentlichen ANGREIFER jene Lüge, die ihm das Morden leichter macht. In der Sprache der Politik SICHERHEITSINTERESSEN, meist territorial gedacht, als Reich, das sich selbst arrondiert. Eine GRENZE garantieren. LIMES für den Römer. Das Römische Reich lebte im Kern vom Korn seiner Satelliten. Diese IMPORTABHÄNGIGKEIT brachte es zu Fall.

Und dann sehe ich den Namen jenes ukrainischen Ortes im Fernsehen wieder, der für mein berufliches Leben wichtig wurde: Tschernobyl. Fanal der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Ein Gau nach Experimenten in dem graphitmoderierten Reaktor führte im April 1986 zu radioaktiven Niederschlägen auch hier bei uns. Eine berufliche Fortüne machte mich damals zum Sprecher der Hersteller und Betreiber der Kernkraftwerke in der Bundesrepublik Deutschland. Es ist klar, dass ich dieser Aufgabe nicht gewachsen war.

Aber wir haben damals versucht, der Branche ihre technokratische Arroganz abzugewöhnen. Der eigenen! Dass das nicht so recht gelungen war, wusste ich als ich ALLENSBACH vortragen hörte, dass die Bevölkerung zurück zur Normalität wolle. Nix passiert, das war das Gefühl der Hierarchen. Back to business. Der Kern des Problems war wieder verdeckt. Er liegt darin, dass man schlecht eine deutsche Bevölkerung überreden kann, die Risiken einer Technik zu tragen, wenn man das damit verdiente Geld in New York an der Börse abliefern will. Aber wie stolz waren sie, die gelernten Kohlebarone, als sie in den USA gelistet waren. Technokraten. Ich habe in der Elektrizität, in der Kohle, dem Öl und dem Gas gearbeitet; ich weiß wohl wie die da ticken.

Kernenergie steht immer in einem militärischen Kontext; sie kann daher im nationalen Maßstab und zur Stromerzeugung nur hoheitlich betrieben werden. Damit ist noch nichts zur Betriebssicherheit oder der Entsorgung, etwa der Lagerung der Abfälle gesagt, aber zur Verantwortung. Nur der Staat kann sie für meine Begriffe tragen. Wenn man sie als Gesellschaft tragen will. Und da sollte es kein Prerogativ einer Elite geben. Eine Gesellschaft, die dies Risiko nicht mehrheitlich und nicht dauerhaft will, wird keinen Staat haben, der es tragen kann. Mein altes Credo: Die Kernenergie hat allenfalls eine Zukunft, wenn auch die Grünen sie wollen.

Nun also wieder Verteilungskämpfe um Erdgas. Schon immer Verteilungskämpfe um Öl. Früher, obwohl vergessen, welche um Kohle. Selig die Nation, die ihren ENERGIEHUNGER stillen kann mit dem, was sie auch erntet. Weil uns das Glück der Vögel fehlt, die nicht säen und ernten, aber doch vom Herrgott genährt werden. Jetzt die wirkliche Kernfrage: Wie sät man Energie? Gute Frage. Jedenfalls erntet man nicht mit Krieg. An die Freunde des russischen Gases: Nulla salus bello.