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KONVERTIERT.

Die Freude der erfolgreichen REPARATUR ist es, dass ein geschätzter Gegenstand seiner alten Funktion wieder nachkommen kann. Das ist im Zeitalter der Wegwerfprodukte ja schon mal was. Es bringt mir gleich ein befreundeter Fernsehtechniker ein neues TV-Gerät; das alte war 10 Jahre alt und trat in die „geplante Obsoleszenz“ ein; das ist, wenn er vorsätzlich muckt, weil Du neuen Umsatz generieren sollst.

Den Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers gibt es gar nicht mehr. Das war ein Mensch, der Röhren zu tauschen wusste, dann Transistoren und löten konnte, was zu verbinden war. Heute: Ex und hopp. Bei Antiquitäten nennt man das Reparieren AUFARBEITEN. So hat mir mein Schreiner kürzlich kunstfertig ein neues Bein an einen englischen Hallchair des 18. Jahrhunderts gebastelt; sieht perfekt aus, fast wie Original. Bei Immobilien sprich man von MODERNISIERUNG, wenn die Schönheitsreparatur aufwendiger wird.

RENOVIERUNG ist unser Thema, zu deutsch: wieder neu machen. All das sind Aktivitäten relativer Befriedigung, weil man einem Objekt seine historische Verwendung wieder ermöglicht. Die absolute Befriedigung liegt aber in der KONVERSION. Ich meine nicht das Konvertieren, wenn man zu einer anderen Religion übertritt (überflüssig) oder militärisches Gut zivil genutzt wird (Schwerter zu Pflugscharen). Ich meine, was der Landadel „converting a barn“ nennt.

Historische Bauernhäuser sind „cottages“, sprich eher Hütten oder Kotten, weil beheizt (Brennstoff war rar), also möglichst klein. Die Viehhaltung verlangte aber zu deren Ernährung riesige Hallen, die nicht nur Esel, Ochs und Kuh, Schwein wie Huhn Raum gaben, sondern hinreichend Stroh, um über den Winter zu kommen. Die Scheune bietet einer Großhallenarchitektur Raum, über die sich Albert Speer gefreut hätte. Satire aus.

Die KONVERSION von Scheunen hat etwas von Dombau, ein kathedralenhaftes Unterfangen, da Höhe und Weite enorm sind. Dann in dem zum „Castle“ konvertierten Stall über vergangenen Nutzen und künftigen Freiraum zu sinnieren, das hat etwas vom absoluten Vergnügen. Das bloße Abreißen von Scheunen ist, werte Landlords, ein Verbrechen.

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EIDGENOSSEN.

Ich höre tagein tagaus den Radiosender SWISS CLASSIC, weil dort niemand schwätzt oder Werbung macht. Lediglich Komponist, Stück und ausführende Künstler werden dezent angesagt. Leitkultur. Einer meiner Freunde ist dorthin ausgewandert; seine Familie hat inzwischen Schweizer Pässe. Aus dem Ruhrpott nach St. Gallen; auch eine Migrantenkarriere.

Warum steht auf seinem Auto aus der Schweiz eigentlich ein CH? Rechtschreibfehler? Chweiz? Nein, das rührt aus dem Lateinischen, weil die Helveten eine Conföderation gebildet haben, deshalb CH, besser bekannt als EIDGENOSSENSCHAFT. Ich lese dazu den wunderbaren Begriff der „Willensnation“. Ja, eine Nation ist ein Rechtskonstrukt, eine politische Willenserklärung. Mit Rasse und Klasse hat das nichts zu tun.

Die Schweiz hat gleich vier Sprachen; sie ist deutsch, französisch, italienisch und rätoromanisch. Die dreißig Kantone haben sich schon vor 500 Jahren aus den Diktaten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen gelöst und bereits vor 700 Jahren zur Freiheit verschworen. Das gefällt mir. Ich sage nur WILHELM TELL. So begründet man eine Nation und ein Nationalgefühl. Verschworen zur Freiheit.

Als eher mühsam empfinde ich den „Kampf gegen Rechts“, den die amtierende linksliberale Regierung ausgerufen hat und dem sich NGOs nun governmental widmen. Unstrittig ist, dass es Reaktionäre und faschistische Kräfte in der CDU/CSU und vor allem der AfD gibt, denen politisch Einhalt zu gebieten ist. Keine österreichischen Verhältnisse, würde ich mal sagen. Aber die Insinuation einer zweiten Wannseekonferenz zur staatlichen Deportation von deutschen Staatsbürgern ausländischer Herkunft, das mag man als berechtigte Furcht nachsehen; stattgefunden hat es wohl nicht. Mir gefällt der laxe Umgang dieser steuerfinanzierten PR-Truppe mit der Wirklichkeit nicht, den sie sich selbst wegen ihrer höheren politischen Wahrheiten sehr selbstbewusst erlaubt.

Deutscher ist, wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat; auch wir sind eine Willensnation. Selbstverständlich sollte man sich überlegen, wen man einlädt, sich dieser Willensgemeinschaft noch durch Migration anzuschließen, also wen man zusätzlich zum Eidgenossen machen möchte. Das wird aber immer eine Diskussion mit Haken und Ösen bleiben. Wenn dazu Witze erlaubt sind, würde ich mal fragen wollen, ob man auch tauschen kann. Ich hätte einige Angestammte abzugeben. Satire aus.

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SPREZZATURA.

Man kann es auskosten oder nur probieren. Das ist der Unterschied von Vielfraß und Feinschmecker. Früher kam ich zu Partys immer später und blieb bis zum bitteren Schluss; westfälische Reihe: Sekt, Wein, Bier, Schnaps, in dieser Reihenfolge. Jetzt komme ich sehr früh, zum sogenannten Einlass und putze mit Eröffnung des Buffets wieder die Platte.

Wenn Du als erster Gast da bist, hast Du eine Chance zu sehen, wie sich der Abend aufbaut. Wen man ansprechen sollte, wem aus dem Weg zu gehen ist. Gestern Abend in der riesigen Hauptstadtrepräsentanz der Telekom ein Parlamentarischer Abend des Wirtschaftsforums der SPD, ein vorparteilicher Lobbyclub. Ich bin dort, weil eine persönliche Freundin dort in Funktion ist; sie zu sehen, das freut mich einfach.

Dann treffe ich einen guten Bekannten, ein Pfadfinder wie ich, der es in der Immobilien-Mafia zu was gebracht hat. Da man sich in den Sozialen Medien beobachtet, reicht ein kurzer Abgleich dazu, was davon stimmte und was nicht, um sich abzudäten (sic). Wir schauen uns zusammen an, wie der Veranstalter sich die Arme bricht. Man soll einem völlig belanglosen Kabinettsmitglied lauschen, das nichts zu sagen hat. Die Moderatorin entblödet sich, während dieser salbadert, nicht, durch das munter schwätzende Publikum zu laufen und mittels alberner Gesten zum schweigsamen Zuhören aufzufordern. Vergeblich.

Dann einer meiner Lieblingsgegner, mit dem mich eine tiefe Abneigung verbindet. Der Mann sieht aus, als schlafe er unter Brücken. Aus einem schlechtsitzenden Baumwollanzug („Kombination“) ragt ein ungesund geröteter Glatzkopf mit dramatisch ungepflegter Nackenbehaarung, der sich ein Hundefrisör anzunehmen hätte. Er redet impulsiv auf sein Gegenüber ein; er redet immer ein. Zu meiden, der Mann. Dann Kumpels und, sehr nett, Kumpelinnen, eine davon inzwischen eine Frau Doktor designata, alle Achtung.

Erfreulicher Abschluss: Ich treffe meine Bundestagsabgeordnete am Eingang; sie kommt, als ich gehe. Kann ihr gratulieren zu der wirklich guten Kommunikation ihrer Mandatsausübung. Man fühlt sich als Wähler gut informiert, auch wenn man nicht jede parteipolitische Grille teilt. Ich lobe sie darob und man stellt sich ein baldiges Treffen im Wahlkreis in Aussicht. Auf der Straße ankommendes Taxi geschnappt und zur Tagesschau wieder zu Hause. Ha!

Man erkennt den Meister eines Fachs daran, wie leicht ihm die Dinge von der Hand gehen. Scheinbar mühelos. Sprezzatura, so nennt das der italienische Edelmann.

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VERNUNFTBEGABT.

Der MENSCH hält sich für die Krone der Schöpfung, weil nur er denken kann, also ein Hirn hat, in dem er einen Verstand ausbilden kann. Manche bringen es sogar bis zur Vernunft. Weltgeist.

Deshalb darf sich die Krone der Schöpfung ja auch die Erde untertan machen. Homo Sapiens, der weise Mensch. Daran kommen Zweifel auf. Nicht nur bei den naturromantischen Ökos, auch bei evolutionsgeschulten Biologen. Vielleicht sind wir nur eine Art unter vielen. Und andere denken auch, nur anders.

Walforscher (die ohne „h“) haben entdeckt, dass es in der Tiefsee eine Hitparade gibt mit Ohrwürmern und Gassenhauern, sprich Hits. Der Gesang der australischen Wale wird neuerdings auch von den nordatlantischen gesungen. Der Wal kann also zuhören und das Gelernte wiederholen. Ein intelligentes Tier.

Eigentlich ist er ja ein Depp, der Wal. Er hatte es in der Evolution schon an Land geschafft und eine Lunge ausgebildet, um dann wieder ins Wasser zurück zu ziehen. Für ein Säugetier war das eine echt rückschrittliche Entscheidung. Vielleicht sind das ja Trauergesänge, mit denen er nun, wegen seines Fehlers, das Meer nervt. Das ist aber, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Der Delphin stößt einen Flötengesang aus, der jetzt von der Wissenschaft entschlüsselt wurde, in dem er sich namentlich vorstellt (individueller Eigennamen) und die Zeitgenossen über seine Absichten kulinarischer wie sexueller Art informiert. Kein Quatsch. So was wie: „Ich heiße Kurt Kabeljau und suche nach dem Dinner eine Frau!“

Dass Vögel die Nachfahren der Dinosaurier sind und echt schlau, das ist ja bekannt. Die Krähe weiß Werkzeuge zu nutzen. Eigentlich ein Privileg der Gattung Mensch. Und sie redet mit ihren Artgenossen, etwas krächzend zwar, aber mit klaren Ansagen. Wer weiß, was wir wüssten, verstünden wir die Nachtigall. Oder den weisen Raben. „When shall I see Leonore? / Quoth the raven: Nevermore!“

Das schlauste Tier aber ist, jetzt kommt es, das Eichhörnchen. Es kann nicht nur denken, sondern andere Wesen lesen, ja sogar vorsätzlich täuschen. Also, ist es fähig zur METATHEORIE. Wird es bei dem Verstecken der Beute beobachtet, so kann es sich entschließen, den räuberischen Vogel zu verarschen. Es legt Pseudoverstecke an, mit viel Tamtam, um die Nuss dann heimlich andernorts zu vergraben. Die Fähigkeit zum Betrug gilt der Wissenschaft als klarer Ausweis höherer Intelligenz.

Aber auch unter den vernunftbegabten Betrügern gibt es noch Unterschiede, sprich eher doofe und oberschlaue Arten. Das autochthone braune Eichhörnchen ist in England von dem grauen (ursprünglich aus den USA) vollständig verdrängt worden, weil es nicht nur geschickter die Vögel beim Nüsseverstecken verarscht, sondern dann auch noch erfolgreicher beim Vögeln ist. „Language!“

Das zugewanderte graue Eichhörnchen erreichte so Überpopulation. Man sollte so was eigentlich gar nicht erzählen, weil man ja nie weiß, wer von der AfD einem zuhört.